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Wärmepumpe für zwei Mehrfamilienhäuser mit 700 m² Wohnfläche und Heizkörpern

Zwei Mehrfamilienhäuser aus 1961 erhielten eine Luft-Wasser Wärmepumpe. Bisherige Heizkörper wurden weiterverwendet. Ein kleiner Anbau mit elektrischer Fußbodenheizung bekam eine Luft-Luft-Wärmepumpe.

Angaben zum Projekt

Zwei aneinander gebaute Mehrfamilienhäuser Baujahr 1961 wurden fortlaufend energetisch saniert. Die Fassade hat im Wesentlichen ein 10 cm dickes WDVS. Insgesamt werden knapp 700 m² Wohnfläche geheizt. Ein energetisch ungünstiger verklinkerter Anbau von 1983 mit ca. 25 m² hat eine elektrische Fußbodenheizung mit inakzeptablen 6.000 kWh Stromverbrauch im Jahr. Die übrigen Räume werden mit insgesamt 46 Heizkörpern beheizt, wofür etwa 35.000 kWh Gas pro Jahr benötigt werden. Es gab zwei Ziele für den Umstieg auf Wärmepumpe: den Umstieg auf erneuerbare Energien und Einsparungen bei den Wärmekosten. Warmwasser wird dezentral über elektrische Durchlauferhitzer erwärmt.
Als Ersatz für die elektrische Fußbodenheizung im 25 m² Anbau wurde die erste Idee einer nachträglich eingebauten wasserführenden Fußbodenheizung verworfen, weil die Mieterin diesen aufwändigen Umbau nicht wollte. Daher wurde eine Klimaanlage als Truhengerät als eingebaut, was mit wenig Aufwand innerhalb eines Tages möglich war.
Bzgl. der Dimensionierung der Wärmepumpe für den Rest des Hauses gab es unterschiedliche Sichten. Ausgehend vom bisherigen Gasverbrauch erschien eine Anlage mit 14 kW Leistung bei Normaußentemperatur von -7 °C ausreichend. Laut Heizlastberechnung sollte die Wärmepumpe 32 kW Leistung haben. Die ehemalige Gastherme hatte eine Leistung von 68 kW. Letztendlich wurde eine Wärmepumpe gewählt, die bis hin zu sehr tiefen Außentemperaturen eine Leistung von 16 kW hat und über eine elektrische Zusatzheizung von 9 kW Reserven übrig hat.
Eine weitere Herausforderung war, dass die Gasheizung samt Anschluss an die Heizungshydraulik im Dachgeschoss war, die Wärmepumpe jedoch im Garten stehen sollte. Hier konnte eine aufwandarme Lösung gefunden werden, die Wärmepumpe im Keller an vorhandene Heizungsrohre anzuschließen.
Auch eine Herausforderung war, dass weder die Heizungsbauer noch die angefragten Elektriker Erfahrung mit der Anmeldung der Wärmepumpe als steuerbare Verbrauchseinrichtung hatten.

Projekteinreichende*r
Bernd Seemann, Eigentümer

Eckdaten Gebäude

PLZ Gebäudestandort
45326
Gebäudeart
Ein-/Zweifamilienhaus
Baujahr
1946-1976
Sanierungsstand
Altbau teilsaniert
Beheizte Fäche
700 m²

Wärmeversorgung vor Einbau Wärmepumpe

Heizungsart alt
Gasheizung
Art Brauchwassererwärmung
Dezentral, elektrisch
Art der Raumwärmeübergabe
Heizkörper
Energieverbrauch
41000,00 kWh pro Jahr
Vorlauftemperatur (vorher)
46-55 °C
Leistung Wärmeerzeuger in kW
68
Spezifischer Heizenergieverbrauch
58.571428571429 kWh/m²a

Herausforderungen

Der Beginn des Angriffkrieges Russlands auf die Ukraine führte zu deutlich höheren Gaspreisen und zeigte die geopolitischen Abhängigkeiten. Die bestehende Gastherme war 25 Jahre alt und mit 68 kW Leistung hoffnungslos überdimensioniert. Zudem erfordert der Klimawandel eine Abkehr von fossilen Brennstoffen. Berufsbedingt hatte ich die nötige Zeit übrig, um mich um das Projekt zu kümmern und auch einige Eigenleistungen wie Bau eines Fundamentes und Vorbereitung des elektrischen Anschlusses zu erbringen.
Bereits genannte Herausforderung war, die richtige Dimensionierung der Wärmepumpe und einen Heizungsbauer zu finden, der auf meine Wünsche eingeht. Beispielsweise die hydraulische Anbindung ohne parallel angeschlossenen Pufferspeicher und der elektrische Anschluss der Anlage als steuerbare Verbrauchseinrichtung.
Den richtigen Ort für die Aufstellung der Geräte innen und außen zu finden und der aufwandsarme Anschluss an die vorhandene Heizungshydraulik waren wichtige Punkte.

Lösungsansatz

Im letzten Winter mit der Gastherme habe ich die Vorlauftemperatur auf 47 °C begrenzt, um die grundsätzliche Eignung einer Wärmepumpe zu testen.
Die Heizlast habe ich mit drei Methoden versucht zu ermitteln:
1. Berechnung aus dem Gasverbrauch der Vorjahre
2. Messung des 24-Stunden-Gasverbrauchs an kalten Tagen
3. Vereinfachte Berechnung des Wärmebedarfs auf Basis der U-Werte der Gebäudehülle
Alle diese Werte lagen zwischen 12 und 16 kW Heizlast, so dass ich die Berechnung des Heizungsbauers mit 32 kW Heizlast auf eigenes Risiko nicht übernommen habe.
Es gibt verschiedene hydraulische Lösungen für Wärmepumpen mit Heizkörpern. Das Internet ist eine gute Quelle sich zu informieren. Bereits vor dem ersten Termin mit dem Heizungsbauer hatte ich mich für die Variante mit einem Pufferspeicher im Rücklauf entschieden.
Luft-Wasser-Wärmepumpe: 16 kW, R290
Luft-Luft-Wärmepumpe (Klimaanlage): 2,5 kW, R32

Erfahrungen und Ausblick

Für mich ist die Wärmepumpe ein voller Erfolg. Ich kann die Arbeitsweise in der Herstellercloud aus der Ferne überwachen und dort auch fast alle Werte anpassen.
Von 35.000 kWh Gas zzgl. 6.000 kWh Strom für die Fußbodenheizung sowie 400 kWh Strom für die Gasheizung wird der Jahresenergieverbrauch für die große Wärmepumpe und die Klimaanlage für den Anbau auf insgesamt gut 10.000 kWh Strom sinken. Was zu etwa 2.300 € Heizkosten pro Jahr für 700 m² Wohnfläche führt.
Durch diese geringen Heizkosten würde die Heizkostenerfassung mit ca. 900 € pro Jahr unverhältnismäßig teuer. So dass ich darauf verzichte und die kompletten Heizkosten nach Wohnfläche abrechne. In Summe halbieren sich dadurch die Heizkosten für das komplette Haus.
Mit der Gasheizung hatten einige Mieter auch im kalten Winter mit Kippstellung der Fenster gelüftet und Energie verschwendet. Bei den geringeren Vorlauftemperaturen funktioniert das nicht mehr, weil dann die Wohnung zu kalt wird. Für mich ein schöner Nebeneffekt.

Tipps für Dritte

Ich empfehle sehr, sich z.B. im Internet über Wärmepumpen, die Ermittlung der Heizlast, mögliche hydraulische Alternativen, etc. zu informieren. Vertrauen Sie nicht blind dem Heizungsbauer.
Wenngleich elektrisch steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG seit Anfang 2024 gesetzlich verankert sind, kannten Mitte 2025 die Handwerker dieses Gesetz nicht. Machen Sie sich schlau und fragen Sie aktiv nach.
Einige Nebenleistungen wie den Bau eines Fundamentes oder Vorbereitung der Elektroinstallation (Leerrohre oder Kabel verlegen) kann man gut in Eigenleistung machen, um die Kosten zu senken.
Die Grundeinstellung der Heizung ist i.d.R. nicht optimal, nachdem der Heizungsbauer fertig ist. Die Effizienz der Wärmepumpe profitiert von möglichst geringen Vorlauftemperaturen der Anlage. Verstehen Sie die Steuermöglichkeiten der Heizungsregelung und passen Sie die Heizkurve und weitere Parameter bestmöglich an die örtlichen Begebenheiten an.

Steckbrief Wärmepumpe

Datum Inbetriebnahme der Wärmepumpe
Dauer der Umsetzung
Der erste Ortstermin zur Planung der Wärmepumpe war Anfang März 2025. Bis Ende März 2025 wurde ein finales Angebot verhandelt und beauftragt. Der Einbau der Wärmepumpe inkl. Ausbau der Gastherme erfolgte in der Woche vom 7.7.-11.7.2025. Der neue Stromzähler wurde am 16.11.2025 eingebaut.
Wärmequelle
  • Außenluft
Thermische Leistung
16 kW
Elektrische Leistung
6 kW
JAZ laut Planung
4,0
Saisonale Leistungszahl SCOP
3,3
Maßnahmen Heizsystem
  • Hydraulischer Abgleich
  • Pufferspeicher
Bauliche Maßnahmen
  • Dämmung Außenwände

Betriebsdaten Wärmepumpe

Vorlauftemperatur (neu)
45 °C
Stromverbrauch Wärmepumpe
10200 kWh pro Jahr
Erläuterungen
Stromverbrauch inkl. Pumpen etc. über separaten Stromzähler / iMSys gemessen

Kosten

Kosten Wärmepumpe (inkl. Einbau):
33000 €
Gesamtkosten (inkl. begleitender Maßnahmen):
35000 €
Fördermittel:
11000 €

Kontaktdaten

Bernd Seemann
Essen
Deutschland
Abteilung
E-Mail
bernd.seemann@magenta.de
Telefonnummer
Faxnummer
Kurzlink: https://www.uba.de/n306640de