Energiesparen in Industrie und Gewerbe

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Energiesparen ist nicht nur gut für die Umwelt - es senkt auch die Betriebskosten

Verchromte Rohren und Installationen einer Industrieanlage

Quelle: JoLin / Fotolia

Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen verbrauchen zusammen rund 70 Prozent des gesamten Stroms in Deutschland. Die Industrie benötigt allein fast die Hälfte (45 %). Ihr Stromverbrauch stieg von 1995 bis 2010 um 17 Prozent. Daher ist es wichtig, die in diesen Sektoren vielfach vorhandenen Stromeinsparpotenziale zu erschließen.

Energieeinsparpotenziale

Elektrische Antriebe in Industrie und Gewerbe verbrauchen fast zwei Fünftel des gesamten Stromes in Deutschland und circa 80 Prozent in diesen zwei Sektoren. Gerade bei elektrischen Antrieben und den davon angetriebenen Aggregaten besteht ein großes und wirtschaftliches Stromeinsparpotenzial – besonders bei Druckluft, Pumpen und Ventilatoren. So können zum Beispiel nach der Studie „Energieeffizienz: Potenziale, volkswirtschaftliche Effekte und innovative Handlungs- und Förderfelder für die Nationale Klimaschutzinitiative“ bis 2020 in den Sektoren Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen rund 44 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom eingespart werden. Die größten Einsparpotenziale könnten danach besonders durch den Einsatz energieeffizienter Pumpen (5 Mrd. kWh), effizienter Beleuchtung (9 Mrd. kWh) und effizienter Lüftungs- (7 Mrd. kWh) und Druckluftsysteme (5 Mrd. kWh) ausgeschöpft werden.

Auch beim Brennstoffverbrauch der zwei genannten Sektoren liegt noch ein erhebliches Einsparpotenzial vor. Es beträgt nach der oben genannten Studie für den Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen 33 Milliarden Kilowattstunden und für den Sektor Industrie 20 Milliarden Kilowattstunden.

Noch wird dieses große wirtschaftliche Potenzial nicht genutzt. Hierfür gibt es zwei Hauptgründe: Ein Mangel an Information und finanzielle Einschränkungen. Industrie- und Gewerbeunternehmen verwenden die verfügbaren Investitionsmittel vorrangig für das Kerngeschäft und stellen hohe Anforderungen an die Amortisationszeit von Energieeffizienzmaßnahmen (vielfach Soll-Amortisationszeit kleiner 1,5 Jahre).

Bundesländer, Bundesregierung und Europäische Kommission helfen bereits, die genannten Effizienzpotenziale zu erschließen: Ökodesign-Richtlinie, Förderprogramme der Klimaschutz-Initiative des Bundesumweltministeriums oder das ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramm der KfW-Bank sowie verschiedene Informationskampagnen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Möglichkeiten, in Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen existierende Energieeffizienzpotenziale zu erschließen. Hervorzuheben ist die Einführung von Energiemanagementsystemen, zum Beispiel gemäß der Norm DIN EN ISO 50001. Sie ermöglichen nahezu immer, wirtschaftliche Effizienzpotenziale zu erkennen und zu erschließen, besonders in der Industrie.

Die Klimawirkung von Kältesystemen in der Nichtwohngebäudeklimatisierung und der Prozesskälte unterscheidet sich stark. Anhand von Simulationsrechnungen konnte die Studie Nachhaltige Kälteversorgung in Deutschland zeigen, dass Kältemaschinen mit halogenfreien, natürlichen Kältemitteln deutlich klimafreundlicher abschneiden als HFKW-Anlagen, da erstere zum einen energieeffizienter sind und zum anderen keine oder vernachlässigbare klimarelevante direkte Emissionen (Kältemittelemissionen) verursachen. Der Anlagenvergleich umfasst auch sorptive Kältesysteme (zum Beispiel Absorptionskältesysteme). Der Anteil des Kältebedarfs in den Bereichen Gebäudeklimatisierung und Industriekälte wird ermittelt, der sich anstelle von Kompressionskältesystemen mittels wärmegetriebener Kältesysteme decken lässt. Mit Solar- oder Abwärme angetrieben, sind Absorptionskälteanlagen herausragend energieeffizient und weisen die geringsten Treibhausgasemissionen aller in der Studie untersuchten Anlagen auf. Der Potentialanalyse geht eine umfangreiche Analyse des Kältebedarfs in den betrachteten Anwendungsbereichen voraus.

Energiesparen in Industrie und Gewerbe

Energiemanagement in Unternehmen und Organisationen

2009 hat die Norm DIN EN 16001 EU-weit einheitliche Kriterien für strukturierte Energiemanagementsysteme aufgestellt. Sie wurde im Jahr 2012 von der DIN EN ISO 50001 abgelöst. Mit der Umsetzung dieser Norm können Unternehmen und Organisationen ihre Energieeffizienz verbessern und Energieeinsparpotenziale erkennen. Der Leitfaden des Umweltbundesamtes und des  Bundesumweltministeriums zeigt übersichtlich und praxisorientiert wie es geht und dass es sich sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht lohnt.

Effizienzsprung bei Elektromotoren

Seit dem 16. Juni 2011 dürfen ausschließlich hocheffiziente Asynchron-Drehstrommotoren in Verkehr gebracht werden. Das regelt seitdem die Ökodesign-Verordnung (EG) Nr. 640/2009 (Presse-Information). Diese Maßnahme vermeidet allein in Deutschland bis zum Jahr 2020 voraussichtlich 27 Milliarden Kilowattstunden Strom und damit rund 16 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxidemissionen.

Energiesparen im Büro

Auch im Büro lässt sich Energie einsparen, denn hier laufen elektrische Geräte, Heizung und zum Teil Klimaanlagen viele Stunden täglich. Wie identifiziere ich „Energieschleudern“? Woran erkenne ich beim Einkauf energiesparende Bürogeräte? Und wie lässt sich in Bürobauten der Energieverbrauch für Heizung, Klimatisierung, Beleuchtung und EDV reduzieren? Diese und weitere Fragen beantwortet Christoph Mordziol, Energieexperte des UBA, im Interview mit dem „Magazin für Verbraucher”. Auch Leerlaufverluste (Energieverbrauch ausgeschalteter elektrischer Geräte) sollten im Büro vermieden werden.

Stromverbrauch für die Beleuchtung

Beschlüsse der EU sollen die Energieeffizienz der Beleuchtung in Privathaushalten verbessern, indem die meisten herkömmlichen Glühlampen schrittweise vom Markt genommen werden („Glühlampenausstieg”). Ähnliche Regelungen hat die EU auch für gewerbliche bzw. industrielle Beleuchtung ausgearbeiten.

Förderung demonstrativer Konzepte und Techniken

Mit dem Umweltinnovationsprogramm unterstützen Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium Industrie- und Gewerbebetriebe, die ihre Umweltbelastungen deutlich reduzieren wollen. Das schließt auch Konzepte und Techniken der Energieeinsparung, der umweltgerechten Energieversorgung und der Nutzung erneuerbarer Energien ein.

Beispiel: Energie- und Kosteneinsparung beim Kunstoffspritzgießen

Die Dr. Schneider Kunstoffwerke GmbH konnte mit Unterstützung des Umweltbundesamtes ein Energie und Kosten sparendes innovatives Energiekonzept realisieren, bei dem die wichtigsten Maßnahmen die Nutzung anfallender Abwärme und die energetische Optimierung der Kälteanlage waren. Durch das Projekt werden jährlich 3,2 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie und 95.000 Kubikmeter Erdgas eingespart. Weitere Beispiele finden Sie beim Umweltinnovationsprogramm.

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