Nutzung und Belastungen

Ein See umgeben von Bergen mit klarem Wasserzum Vergrößern anklicken
Hochalpiner See
Quelle: Hoffmann / UBA

Veränderung der Ufer, Badegäste und Fischzuchten sind schädlich für das Ökosystem "See". Stillgewässer haben auch ein Problem mit zuvielen Nährstoffen im Gegensatz zu Fließgewässern.

Inhaltsverzeichnis

 

Belastungen & Gefährdungen

Die größte Belastung für Seen stellt nach wie vor der übermäßige Nährstoffeintrag aus den Einzugsgebieten und die daraus folgende Überdüngung dar. Ein weiterer Belastungsfaktor, der bisher weniger im Fokus steht, ist die morphologische Veränderung der Uferbereiche.

Die touristische Nutzung von Seen (Badestellen, Marinas, Uferpromenaden, et cetera) führt zur Zerstörung von natürlichen Uferstrukturen. Somit können wichtige ökologische Funktionen (Lebensraum von vielen Arten, Aufwuchsgebiet von Jungfischen) nicht mehr erfüllt werden.

Belastend kann sich auch die fischereiliche Nutzung von Seen auswirken. Sie geht oft einher mit der Einführung von kommerziell nutzbaren Fischarten und verändert somit die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften. In einigen Seen spielt weiterhin die Versauerung des Wassers durch atmosphärische Deposition und die damit verbundene Verarmung der Lebensgemeinschaft eine Rolle.

Viele grüne Algen, die sich um Steine herumlagern
Zu viele Nährstoffe im See führen zu einem vermehrten Algenwachstum.
Quelle: Hoffmann / UBA
 

Nährstoffeintrag

Der übermäßige Nährstoffeintrag und die daraus folgende Überdüngung stellen für Seen ein großes Problem dar. Während eine Reduktion des Nährstoffeintrages in Fließgewässer schnell seine Wirkung zeigt, reagieren Seen nur mit großer Verzögerung. Das Wasser in stehenden Gewässern wird nur langsam ausgetauscht, die Nährstoffe im Sediment gespeichert und unter bestimmten Bedingungen wieder freigesetzt. Daher stellt sich die angestrebte Verringerung des Algenwachstums oftmals erst spät nach einer Reduzierung der Nährstoffeinträge ein.

Die Umsetzung der vorhandenen Nährstoffe in pflanzliche Biomasse (Trophie) hängt außer von der Konzentration der Nährstoffe – in den meisten Fällen ist Phosphor der wachstumsbegrenzende Nährstoff – auch von der Seebeckengestalt und -lage und von der Hydrologie des Gewässers ab. Tiefe Seen mit stabiler sommerlicher Temperaturschichtung, kleinem Einzugsgebiet und geringem Wasseraustausch sind natürlicherweise gering produktiv, dass heißt der „potenziell natürliche“ oder „Referenzzustand“ ist oligotroph (=nährstoffarm), während flache, ständig durchmischte Seen zu einer effektiveren Umsetzung von Nährstoffen neigen, dass heißt der Referenzzustand solcher Seen ist eutroph (=nährstoffreich). Beispiele für die Reoligotrophierung (Wiederherstellung eines nährstoffarmen Zustandes) durch verbesserte Kläranlagentechnik sind die bayerischen Voralpenseen und der Bodensee.

 

Hydromorphologische Güte - Seen

Zu den für Seen relevanten Belastungen gehören neben Nährstoffeinträgen auch Veränderungen des Wasserregimes durch Regulierung und/oder Wasserentnahmen und Eingriffe in die Uferstruktur.

Bei der Eutrophierung von Seen ist der Zusammenhang zwischen Siedlungsdichte und landwirtschaftlicher Nutzungsintensität im Einzugsgebiet und den Folgen dieses Nährstoffeintrages auf die verschiedenen Organismen des Seeökosystems relativ gut bekannt. Weniger bekannt sind hingegen die Auswirkungen der hydrologischen Veränderungen und der morphologischen Eingriffe in die Seeuferzone auf die Lebensräume von Makrozoobenthos (Tiere des Gewässerbodens) und Wasserpflanzen, die Laichplätze von Fischen und die Brutplätze von Wasservögeln.

Eine erste Erfassung der hydromorphologischen Belastungen der Seen in Deutschland erfolgte 2004 im Rahmen der Bestandsaufnahme der Belastungen nach Artikel 5 der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die Belastungen wurden anhand folgender Merkmale ermittelt:

  • anthropogene Beeinflussung des Wasserstande
  • Veränderungen der Uferstruktur (Verbau, Anschüttungen, Uferneigung)
  • Veränderungen der strukturellen Verhältnisse (Nutzung, Bebauung) im näheren Seeumfeld
  • Fehlen von Gewässerrandstreifen als Pufferzone zwischen Umland und See

Bei einem hohen Verbauungsgrad der Ufer kann es möglicherweise auch bei sehr guter Wasserqualität zu ökologischen Defiziten kommen. Ein Beispiel dafür ist der Bodensee. Hier wurden 59 Prozent der Uferlänge am Obersee und 43 Prozent der Uferlänge am Untersee als nicht naturnah eingestuft. Genauere biologische Untersuchungen müssen nun zeigen, ob sich der See trotzdem in einem „ökologisch guten Zustand“ entsprechend den Vorgaben der WRRL befindet.

Badegäste, die sich an einem grünen Alpensee tummeln
Badegäste am Alpensee
Quelle: Hoffmann / UBA