Arzneimittel

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Medikamente gelangen auf vielen Wegen in die Umwelt. Etwa 150 Wirkstoffe lassen sich nachweisen.
Quelle: CC Vision

Seit Mitte der 80er-Jahre berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermehrt über Arzneimittelfunde in der Umwelt. Und als endokrine Stoffe in den 90er Jahren verstärkt Aufmerksamkeit erzielten, wandte sich die Diskussion auch hormonellen Medikamenten zur Schwangerschaftsverhütung und den Umweltwirkungen der Arzneimittelreste zu. Hinzu kam die Sorge, dass antimikrobielle Futtermittel aus der Tierhaltung Antibiotikaresistenzen vermehren und die Belastung des Trinkwassers mit Arzneimitteln die Gesundheit des Menschen beeinträchtigt. Etwa 150 Arzneimittelwirkstoffe haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mittlerweile in Oberflächengewässern, Sedimenten, Grundwasser und Böden nachgewiesen. Unterschiede im Vorkommen der Human- und Tierarzneimitteln sind vor allem auf die unterschiedlichen Eintragspfade in die Umwelt zurückzuführen. Arzneimittel für den Menschen gelangen über die Kanalisation und die Klärwerke in Oberflächengewässer. Die meisten Tierarzneimittel erreichen mit Gülle und Mist aus der intensiven Tierproduktion landwirtschaftliche Flächen.

Die gemessenen Konzentrationen der Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt liegen in der Regel unterhalb der therapeutischen Dosen der Arzneimittelprodukte und der für sie festgelegten, maximal zulässigen Rückstandsmengen in Nahrungsmitteln. Damit ist jedoch für die Umwelt keine Entwarnung gegeben: Denn obwohl Arzneimittel zu den humantoxikologisch am besten untersuchten Stoffen zählen, sind die ökotoxikologischen Folgen der vergleichsweise geringen, dafür jedoch permanenten Belastung der Gewässer und des Bodens mit Arzneimittelresten weitgehend unerforscht.

Das Umweltbundesamtes nimmt für neue Human- und Tierarzneimittel Umweltbewertungen innerhalb von Zulassungsanträgen vor. Hier untersucht das Amt den Verbleib eines Arzneimittelwirkstoffes in der Umwelt und seine Ökotoxizität anhand eines Katalogs standardisierter Testrichtlinien. Der Antragsteller des Arzneimittels macht die Tests und legt sie dem UBA zur Prüfung vor. Gesetzliche Grundlage ist das Arzneimittelgesetz (AMG), das bei erwiesenen Umweltrisiken durch den Gebrauch des Arzneimittels Auflagen zum Schutz der Umwelt vorsieht.

Der Gesetzgeber hat mit der Reform der europäischen Arzneimittelgesetzgebung die Anforderungen an die Umweltsicherheit neuer Medikamente gestärkt. Seit 2006 liegen auch neue Bewertungskonzepte vor, die eine detaillierte Untersuchung des Verhaltens und der Wirkungen der Human- und Tierarzneimittel in der Umwelt ermöglichen. Somit kann das UBA in den kommenden Jahren gemeinsam mit anderen europäischen Bewertungsbehörden Lücken in der wissenschaftlichen Untersuchung der Arzneimittel schließen.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass bei risikobehafteten Tierarzneimitteln in den meisten Fällen Auflagen zum Schutz der Umwelt eine Reduzierung des Risikos und damit eine sichere Vermarktung zulassen. Bei Humanarzneimitteln ist die Risikominderung mit einer Beschränkung der Anwendung eines Medikamentes wegen des regionalen und kontinuierlichen Eintrags in die Umwelt sowie des besonderen Nutzens der Medikamente für den Menschen ungleich schwieriger. Das Umweltbundesamt bemüht sich daher im Dialog mit den pharmazeutischen Unternehmen intensiv um neue Wege für eine Nachhaltige Pharmazie.