Schlachtbetriebe und Verwertung tierischer Nebenprodukte

Die Herstellung von Fleisch und Fleischprodukten ist die umsatzstärkste Branche der Nahrungsmittelindustrie. Beim Schlachten von Tieren entstehen zwei Klassen von Produkten: Lebensmittel und nicht für den menschlischen Verzehr gedachte tierische Nebenprodukte. Die Umweltauswirkungen liegen primär beim Abwasser, Gerüchen und Energieverbrauch.

Inhaltsverzeichnis

 

Schlachthöfe und Schlachtbetriebe in Deutschland

In den letzten Dekaden haben sich die Anzahl sowie die Struktur der Schlachtbetriebe deutlich verändert. Früher gab es in den Städten kommunale Schlachthöfe. Heute liegen diese vermehrt in Gebieten mit Viehzucht. Auch die verwendeten Technologien wurden an die neuen Gegebenheiten angepasst. Wurde früher an Einzelschlachtplätzen geschlachtet, kommen nun sogenannte Schlachtstraßen für je eine Tierart zum Einsatz. In ihnen werden die Prozessschritte zeitlich und räumlich getrennt ausgeführt. Zum Teil haben sich die Betriebe auch auf einzelne Tierarten spezialisiert (VDI 2009).

Diese Verlagerung hin zu weniger Schlachthöfen mit höheren Schlachtzahlen führt allerdings nicht zu mehr Ressourceneffizienz. Es ist jedoch einfacher und kostengünstiger entstehende Umweltprobleme in großen Betrieben zu mindern. Durch erhöhte Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit, zum Beispiel durch die BSE-Krise, kann es auch zu einem höheren Verbrauch an Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Wasser kommen (European IPPC Bureau 2005).

Tierische Nebenprodukte

Aus dem Schlachttier werden zum einen wertvolle Lebensmittel zum Verzehr gewonnen. Zum anderen entstehen tierische Nebenprodukte. Sie müssen entsprechend den Hygienevorgaben der EU-Verordnung (Verordnung über tierische Nebenprodukte – ersetzt die Verordnung (EG) Nr. 1774/2002) in drei Kategorien eingeteilt und bearbeitet werden.

Die Verarbeitungsbetriebe für Tierische Nebenprodukte (VTN genannt) behandeln und verwerten die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmten tierischen Nebenprodukte. Sie unterliegen den Hygienevorschriften der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009. Die Betriebe sollen  eine Gefährdung der Gesundheit von Mensch und Tier verhindern. Gleichzeitig muss bei den bekannten Techniken zur unschädlichen Beseitigung tierischer Nebenprodukte und zum Schlachten von Tieren der Umweltschutz beachtet werden.

Es ergeben sich die zwei Pfade der Verwertung beim Schlachten von Tieren:

  • Schlachterei / Lebensmittelerzeugung und
  • Recycling / Aufbereitung und Verwertung der tierischen Nebenprodukte.


2011 wurden in Deutschland 8,2 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt. Mit 68 Prozent hat Schweinefleisch darunter den größten Anteil. Es folgen mit 17 Prozent Geflügelfleisch und mit 14 Prozent Rindfleisch (Verband der Fleischwirtschaft e.V. 2011/2012).

In Deutschland waren 2012 in etwa 5.100 Schlachtbetriebe nach EU-Lebensmittelhygienerecht zugelassen. Das Statistische Bundesamt erfasst nur Betriebe mit mehr als 20 Angestellten. In diesem Bereich hat sich die Anzahl der Betriebe von 2008 bis 2011 von 1289 auf 1313 leicht erhöht (BMELV 2012; Statistisches Bundesamt 2013).
Mit einem Anteil von 24 Prozent am Gesamtumsatz der Nahrungsmittelindustrie ist die Fleischindustrie am umsatzstärksten (BVE 2013).

2012 wurden fast 2,9 Millionen Tonnen tierischer Nebenprodukte von 36 Unternehmen verarbeitet. Die Hauptschritte der Verarbeitung sind eine Zerkleinerung (maximale Teilchengröße 50 Millimeter) und eine anschließende Sterilisation (mindestens 20 Minuten bei mindestens 133°C und drei bar Druck). Die dabei hergestellten Produkte sind Tierfette und –proteine. Die Proteine unterteilen sich unter anderem in Schweinemehl und Geflügelfleischmehl sowie Federnmehl und Blutmehl. Je nach Eigenschaft und Kategorie gelangen diese Produkte in die technische Verwendung – Düngung oder Oleochemie, die thermische Verwertung oder die Beseitigung. Ein Teil der Kategorie 3 / Lebensmittel Proteine wird zu Futtermitteln für Heimtiere verarbeitet (STN 2013).

 

Auswirkungen auf die Umwelt

Die wesentlichen Umweltauswirkungen von Schlachtanlagen sind ein hoher Wasserverbrauch in Verbindung mit einem organisch hoch belasteten Abwasser sowie ein hoher Energiebedarf durch Kühlung und Heißwasserbereitung (European IPPC Bureau 2005). Beim Schlachten von Tieren fällt durch die hohen Hygienestandards eine große Menge an Abwasser an. Dieses ist vor allem organisch belastet, kann aber auch durch Reinigungs- und Desinfektionsmittel verunreinigt sein und muss dementsprechend behandelt werden. In Anlagen zur Verarbeitung tierischer Nebenprodukte entstehen ein hoch organisch belastetes Abwasser sowie Gerüche. Insbesondere eine verzögerte Verarbeitung der Nebenprodukte nach der Schlachtung kann zu Geruchs- aber auch Qualitätsproblemen führen und auch die Abwasserreinigung stark belasten (European IPPC Bureau 2005).

Je nach Größe und Lage der Betriebe wird das Abwasser unterschiedlich entsorgt. Es kann über eine betriebsinterne Kläranlage in ein Gewässer (Direkteinleiter) eingeleitet werden. Oder es gelangt über die Kanalisation zusammen mit weiteren Abwässern in eine kommunale Kläranlage (Indirekteinleiter). Möglich ist auch eine Vorreinigung des Abwassers im Betrieb mit einer Endreinigung in der kommunalen Kläranlage.

Durch konsequent umgesetzte prozessintegrierte Maßnahmen kann das Abwasser entlastet werden: zum Beispieldurch eine mechanische Vorreinigung der Böden, sodass grobe Reststoffe und Blut gar nicht erst ins Abwasser gelangen. Gerüche können bei der Anlieferung und in der Stallanlagen der Tiere und dem unsachgemäßen Umgang mit Abfällen wie Dung und Panseninhalt oder Nebenprodukten wie Blut und Häuten bzw. Fellen entstehen. Aber auch bei der Abwasserbehandlung können unangenehme Gerüche entweichen. (European IPPC Bureau 2005) (VDI 2009).

 

Quellen

European IPPC Bureau. Best Available Techniques in the Slaughterhouse and Animal By-products Industries. Reference Document, Sevilla: European Commision, 2005.

 

Statistisches Bundesamt. „Investitionserhebung im Verarb. Gewerbe, Bergbau.“ Betriebe, Beschäftigte, Umsatz und Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe und Bergbau: Deutschland, Jahre, Wirtschaftszweige (2-/3-/4-Steller). Wiesbaden, Abgerufen 23. April 2013.

 

VDI. 2596 - Emissionsminderung Schlachtbetriebe. VDI-Richtlinie, Düsseldorf: Verein Deutscher Ingenieure, 2009.