Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit, GerES 2003-2006 (ehem. KUS)

Sechs Kinder auf einer blühenden Wiese vor blauem Himmel haben sich in einer Kette bei den Händen gefasst und hüpfen lachend in die Luftzum Vergrößern anklicken
Erstmals wurde ausschließlich die Schadstoff- und Lärmbelastung von Kindern untersucht

Zum ersten Mal wurden nur die Umwelteinflüsse auf die Gesundheit von Kindern untersucht.

Quelle: yanlev / Fotolia.com

Kinder reagieren besonders empfindlich auf Schadstoffe und Lärm. Wie stark sie belastet sind, wurde in der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern (ehemals Kinder-Umwelt-Survey, KUS) ermittelt. Sie zeigt: Viele Chemikalien finden ihren Weg immer seltener in den Kinder-Körper. Substanzen wie Weichmacher waren dagegen verbreitet – genauso wie Zigarettenrauch.

KUS: Kleine ganz groß

Da sich Kinder noch in der Entwicklung befinden, gelten sie als Risikogruppe für gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Schadstoffe und Lärm. Erstmals in Europa untersuchte das Umweltbundesamt (UBA) daher in der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern (ehemals Kinder-Umwelt-Survey, KUS) 2003 bis 2006 ausschließlich die Schadstoff- und Lärmbelastung von Kindern: 1.790 Kinder zwischen 3 und 14 Jahren aus 150 Orten in Deutschland nahmen am KUS teil. Die Untersuchung sollte unter anderem neue Erkenntnisse darüber liefern,

  • wie häufig Schimmelpilzsporen oder der Kot von Hausstaubmilben Allergien bei Kindern auslösen
  • inwiefern Lärm zu Hörschäden, Stress und Schlafstörungen führt
  • und wie stark Kinderzimmer mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) belastet sind, die Augen und Atemtrakt reizen können

Ein weiteres Schwerpunktthema ergab sich bei der Auswertung der Studie: Das UBA fand eine zu hohe Belastung der Kinder mit Weichmachern. Bei einigen Kindern wies es beispielsweise so große Mengen DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat) im Urin nach, dass gesundheitliche Schäden nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden konnten. Jedes fünfte Kind nahm mehr DnPB (Di-n-butylphthalat) oder DiPB (Di-i-butylphthalat) auf, als aus toxikologischer Sicht sinnvoll.

Auswahl der Studienteilnehmer

Alle 1.790 KUS-Kinder zwischen drei und 14 Jahren stammten aus einer Untergruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Probandinnen und Probanden wurden aus 150 Orten jeweils stellvertretend für ihre Alters- und Geschlechtsgruppe und ihr Wohnumfeld (abgebildet durch die Gemeindegröße) ausgewählt.

Anhand der Daten aus KUS und KiGGS lässt sich ableiten, wie einzelne Schadstoffe und Lärm sich auf die Gesundheit von Kindern auswirken. Die Studienergebnisse sind repräsentativ und lassen sich auf alle Kinder in Deutschland übertragen. Der Politik dienen die Informationen als Entscheidungsgrundlage für Regeln und Gesetze zum Schutz von Mensch und Umwelt.

Vorstudie

Um sicher zu gehen, dass in der Hauptphase des KUS alle Instrumente, etwa Fragebögen und Analysemethoden funktionieren, hat das UBA den Ablauf in einer Vorstudie getestet, auch Pilotstudie oder Pretest genannt.

Dazu wurden zwischen 2001 und 2002 550 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren aus vier Orten in Deutschland untersucht. Die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war nicht repräsentativ. Aus den Ergebnissen der Vorstudie (siehe unten: "Weiterführende Informationen zum KUS") kann daher nicht allgemein auf die Schadstoff- und Lärmbelastung der Kinder in Deutschland geschlossen werden.

Untersuchungsprogramm

Um herauszufinden, wie groß die Schadstoff- und Lärmbelastung der Kinder in Deutschland ist, wurden im Rahmen des Human-Biomonitorings (HBM) Blut- und Urinproben und außerdem Trinkwasserproben analysiert. Zusätzlich beantworteten die Kinder und ihre Eltern Fragen zu ihrer Wohnsituation, ihrem Essverhalten und Lebensstil. In 600 Wohnungen sammelten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Untersuchungsteams Hausstaubproben und Proben der Innenraumluft.

Das Untersuchungsprogramm im Einzelnen:

Schadstoffe im Körper: Im KUS analysierte das UBA Blut- und/oder Urinproben auf Schwermetalle und Arsen, Schädlingsbekämpfungsmittel (Organochlorverbindungen, Organophosphatmetabolite, PCP (Pentachlorphenol) und andere Chlorphenole sowie Pyrethroidmetabolite), Nikotin und Cotinin sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die etwa über Abgase in die Umwelt gelangen. Ein weiteres Augenmerk lag auf der Belastung durch Phthalat- und Phenanthrenmetabolite sowie Bisphenol A, die an einem Unterkollektiv von 600 Kindern untersucht wurden.

Schadstoffe im Hausstaub: Getestet hat das UBA den Staub aus 600 KUS-Haushalten auf die langlebigen Schadstoffe – hauptsächlich Schädlingsbekämpfungsmittel – Chlorpyrifos, DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), HCB (Hexachlorbenzol), Lindan, Methoxychlor, PCP, PCSD/PCAD (Chlorphenylid), Propoxur und PCB (polychlorierte Biphenyle).

Schadstoffe im Trinkwasser: Untersucht wurde die Konzentration an Blei, Cadmium, Kupfer, Nickel und Uran im Leitungswasser der Haushalte.

Schadstoffe in der Luft: Getestet hat das UBA im KUS 600 Luftproben auf Alkane, aromatische, halogenhaltige und sauerstoffhaltige Verbindungen, Terpene, Aldehyde und flüchtige organische Verbindungen (VOC), die Augen und Atemwege reizen können.

Schimmel und Hausstaubmilben: Im KUS wurde erstmals die Belastung von Kindern mit Schimmelpilzsporen und Hausstaubmilben im Zusammenhang mit Allergien ermittelt. Dazu dokumentierte das UBA in 531 Haushalten die Schimmelpilzbelastung sowie die Menge an Hausstaubmilben in den Matratzen der Kinder und testete den Nachwuchs auf Allergien.

Lärm: An gut 1000 Kindern aus dem KUS haben die Forscherinnen und Forscher untersucht, wie sich Freizeitlärm, etwa lautes Musikhören in Diskotheken oder über Kopfhörer, auf das Hörvermögen von Kindern auswirkt. Gleichzeitig wurde die Wirkung von Straßenverkehrslärm auf Gesundheitsfaktoren wie Schlafstörungen oder den Blutdruck analysiert.

Zentrale Ergebnisse

Seit Anfang der 90iger, als in den Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit neben Erwachsenen erstmals Kinder untersucht wurden, ist vor allem die Belastung mit Blei, Quecksilber, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Pentachlorphenol (PCP) gesunken. Dafür sind im KUS neue Problemstoffe - vor allem Weichmacher - sichtbar geworden und auch einige Dauerbrenner, wie die Belastung durch Passivrauchen, sind nach wie vor kritisch einzustufen:

Belastung mit Weichmachern: Im KUS fand das UBA bei einigen Kindern eine zu hohe Belastung mit Weichmachern. Die Substanzen stehen im Verdacht, ähnlich wie Hormone zu wirken und die sexuelle Entwicklung zu beeinträchtigen. Weitere Informationen im Abschnitt "Erhöhte Werte".

Allergien durch Schimmel: Im KUS wurde erstmals nachgewiesen, dass Schimmel in der Wohnung das Risiko für Allergien bei Kindern erhöht. Im Schnitt reagierten 10 von 100 der untersuchten Kinder auf mindestens einen typischen Innenraum-Schimmelpilz allergisch. Bei ihnen entdeckten die UBA-Forscherinnen und Forscher überdurchschnittlich häufig sichtbaren Schimmel im Wohn- oder Kinderzimmer. Insgesamt hatten 15 Prozent der KUS-Probandinnen und Probanden sichtbar Schimmel in der Wohnung.

Passivrauchen: Das UBA fand bei etwa der Hälfte der nichtrauchenden Kinder erhöhte Mengen des Nikotin-Abbauprodukts Cotinin im Urin. Zudem wurden in der Luft der Raucherhaushalte öfter erhöhte Werte des krebserregenden Benzols gemessen. Besonders verbreitet ist Rauchen in Anwesenheit von Kindern laut KUS bei Migranten und Familien mit niedrigem Sozialstatus, also einem niedrigeren Bildungsstand und geringerem Einkommen.

Luftqualität in Innenräumen: In knapp 55 von 100 Kinderzimmern oder anderen Räumen, in denen sich die Kinder hauptsächlich aufhielten, war die Luftqualität zu Zeiten des KUS unbedenklich. Es zeigte sich, dass sie vor allem durch Verhaltensweisen wie Rauchen oder den häufigen Einsatz von Putzmitteln beeinflusst wird. Aber auch aus Einrichtungsgegenständen, Wänden und Fußböden gelangen Schadstoffe in die Innenraumluft. 45 von 100 Familien lüfteten zudem nicht richtig.

Einfluss von Lärm auf die Gesundheit: Jedes zwölfte der 11- bis 14-jährigen Kinder fühlte sich laut Umfrage nachts durch Straßenverkehrslärm belästigt, jedes sechste tagsüber. Die KUS-Untersuchungen ergaben außerdem, dass knapp jedes achte Kind (13 Prozent) mindestens eine Tonfrequenz nicht mehr richtig wahrnimmt. Der Hörverlust betrug hier mehr als 20 Dezibel (dB). 2,4 Prozent der Kinder hatten bei einzelnen Frequenzen sogar einen Hörverlust von 30 dB. Die Ursache für die Hörschäden könnte laute Musik in Diskotheken oder über Kopfhörer sein.

Schadstoffe im Hausstaub: Inwieweit einige langlebige Gifte in der Umwelt vorkommen, zeigen unter anderem Hausstaubanalysen. Getestet wurde der Staub im KUS auf neun Pflanzenschutzmittel, die zum Teil bereits seit den 70iger oder 80iger Jahren verboten sind. Trotzdem fanden die UBA-Forscherinnen und Forscher Pentachlorphenol (PCP), Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) und Lindan nach wie vor im Hausstaub. Nahezu aus dem Staub verschwunden sind dagegen polychlorierte Biphenyle (PCB).

Schadstoffe im Trinkwasser: Im KUS hatte sich im Vergleich zur vorangegangenen 3. Erhebung 1997-1999 vor allem die Blei-, Kupfer und Nickelkonzentrationen im Stagnationswasser der neuen Bundesländer verändert: Während die Blei- und Nickelmengen gesunken sind, nahm die mittlere Kupferkonzentration zu. Zurückgeführt wird diese Veränderung darauf, dass vermehrt Blei- durch Kupferrohre ausgetauscht wurden.

Galerie: Zentrale Ergebnisse in Zahlen

In Vergleichstabellen können sich Abweichungen von den Ergebnistabellen der einzelnen Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit ergeben, weil Daten für die Vergleiche neu berechnet oder andere Daten berücksichtigt werden mussten.

  • Tabelle zur Arsen-, Schwermetall-, PCP- und 1-Hydroxypyrenbelastung der Kinder im Umwelt-Survey von 1990 bis 1992 und im KUS
    Die Belastung mit Schwermetallen, PAK und PCP nimmt seit den 90iger Jahren ab

    Die Belastung von Kindern mit Blei, Quecksilber, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Pentachlorphenol (PCP) hat seit Anfang der 90iger Jahre deutlich abgenommen. Grund hierfür sind vor allem strengere Gesetze zum Umwelt- und Gesundheitsschutz. PCP beispielsweise, wurde früher als Biozid in Holzschutzmitteln eingesetzt, in Deutschland ist es seit Ende der 80iger verboten. Zwar wird es nach wie vor im Körper der Menschen nachgewiesen, gesundheitsschädliche Mengen fanden sich im KUS aber nur selten.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • Tabelle zur Schimmelbelastung der Haushalte im KUS
    In 15 von 100 Haushalten war zu Zeiten des KUS im Durchschnitt Schimmel zu finden

    In 15 von 100 Haushalten war zu Zeiten des KUS im Durchschnitt Schimmel zu finden. Häufiger fand das UBA die Organismen in der Stadt und in Hochhäusern, Wohnblöcken und Mehrfamilienhäusern. Auch alte Häuser sind eher betroffen. Der KUS ergab, dass Schimmel in der Wohnung das Allergierisiko von Kindern erhöht.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • KUS-Kennzahlen zum Rauchen wie die Cotininbelastung und Benzol in der Innenraumluft
    Migranten und Kinder mit niedrigem Sozialstatus sind häufiger Zigarettenrauch ausgesetzt

    Migranten und Kinder mit niedrigem Sozialstatus sind häufiger Zigarettenrauch ausgesetzt. Das zeigt sowohl der Cotiningehalt# im Urin, als auch die Benzolbelastung in der Luft in den Wohnungen. In fast der Hälfte der Raucherhaushalte lag der Benzolgehalt über fünf Mikrogramm Benzol pro Kubikmeter Luft. Seit 2010 ist dies der toxikologisch begründete Grenzwert für die Außenluft in der EU.

    #Cotinin ist ein Abbauprodukt von Nikotin, das auch zwei bis drei Tage nach der Inhalation von Tabakrauch noch im Urin nachgewiesen werden kann.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • Tabelle zu Faktoren, die die VOC-Balastung beeinflussen
    Die Luftqualität lässt sich vor allem durch das eigene Verhalten beeinflussen

    Die Luftqualität lässt sich vor allem durch das eigene Verhalten beeinflussen. Neben dem Verzicht aufs Rauchen, einer schadstoffarmen Einrichtung und dem angemessenem Einsatz starker Reinigungsmittel, verbessert in erster Linie mehrmaliges Stoßlüften am Tag die Luftqualität. Hier zusammengefasst ist die Belastung mit flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen, die etwa aus Baumaterialien oder Möbeln entweichen und Augen sowie Atemwege reizen können.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • Kreuztabelle zwischen dem Verkehrtsaufkommen vor dem Fenster der Kinderzimmer und dem Grad der Lärmbelästigung
    Knapp 14 von 100 Kindern haben sich mindestens mittelmäßig von lauten Straßen gestört gefühlt

    14 von 100 Kindern haben sich zu KUS-Zeiten mindestens mittelmäßig von einer lauten Straße vor ihrem Zimmer gestört gefühlt, ein Viertel etwas. Die Mehrzahl der Kinder empfand stark oder extrem befahrene Straßen dagegen tagsüber nicht als störend. Allerdings ist bekannt, dass Lärm auf Dauer Schlafstörungen verursachen oder sich auf das Herz-Kreislauf-System auswirken kann. Im KUS hatten Kinder, die an lauten Straßen leben einen leicht höheren Blutdruck als ihre Altersgenossen aus ruhiger Umgebung.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • Tabelle Biozide und PCB im Hausstaub
    Das verbotene PCP wurde im Schnitt noch in 83 von 100 Haushalten nachgewiesen

    Das Biozid PCP, das vor seinem Verbot 1989 vor allem in Holzlasuren verwendet wurde, konnte im Schnitt noch in 83 von 100 Haushalten nachgewiesen werden – häufiger und in größeren Mengen in den alten Bundesländern. Das Insektizid DDT, das in der BRD bereits Ende der 70iger verboten wurde, entdeckten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 39 Prozent der Proben, Lindan war in knapp einem Drittel (27 Prozent) zu finden. Letzteres ist seit 1984 in der BRD und wurde 1989 in der DDR verboten. Seit 2008 gilt das Lindanverbot in der gesamten EU. DDT darf seit 2004 weltweit nur noch zur Malariabekämpfung eingesetzt werden.

    Nahezu aus dem Hausstaub verschwunden sind polychlorierte Biphenyle (PCB), die seit 2001 weltweit verboten sind. Genau wie PCP, Lindan und DDT reichern sie sich in menschlichem Fettgewebe an. Langfristig können sie das Immun- und Nervensystem schädigen, haben hormonähnliche Eigenschaften und gelten als wahrscheinlich krebserregend.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • Tabelle zu den Elementgehalte im Trinkwasser und den Überschreitern
    Das Trinkwasser war zu Zeiten des KUS vergleichsweise leicht mit Metallen belastet

    Die mittleren Gehalte an Blei, Cadmium, Kupfer, Nickel und Uran im Leitungswasser sind im Vergleich zu den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung gering. Allerdings wurden beispielsweise in 9,4 Prozent der Stagnationsproben, die mindestens vier Stunden in den hauseigenen Wasserleitungen gestanden hatten, und in 1,8 Prozent der Zufallsproben Nickelkonzentrationen größer 20 Mikrogramm pro Liter gemessen. Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung sind so festgelegt, dass man lebenslang zwei Liter Trinkwasser am Tag trinken kann, ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen befürchten zu müssen.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
<>

Erhöhte Werte

Schwerpunkt Weichmacher

Neben der immer noch großen Belastung von Kindern durch Passivrauchen (siehe Abschnitt "Zentrale Ergebnisse"), fand das UBA im KUS erhöhte Mengen Weichmacher im Urin der Kinder. Bei 1,5 Prozent stellten die Forscherinnen und Forscher Werte für DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat) fest, bei denen gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht mehr mit ausreichender Sicherheit ausschlossen werden können. Zur Orientierung dienen sogenannte HBM-Werte, die anhand toxikologischer und epidemiologischer Studien festgelegt werden.

Da es bislang nur für DEHP HBM-Grenzwerte gibt, hat das UBA für andere Phthalate aus den Messwerten die tägliche Aufnahmemenge errechnet. Demnach war zu Zeiten des KUS zusätzlich zur DEHP-Belastung im Schnitt bei fast 12 von 100 Kindern in Deutschland die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für den Weichmacher DnBP (Di-n-butylphthalat) überschritten. Geht man beim Weichmacher DiBP* (Di-iso-butylphthalat) vom gleichen Grenzwert aus, überschritt im KUS auch bei diesem Stoff gut jedes elfte Kind den TDI-Wert.

Weichmacher wirken, wie man aus Tierversuchen weiß,  ähnlich wie Hormone. Es besteht daher die begründete Befürchtung, dass DEHP auch die sexuelle Reifung von Kindern stören kann. Die Belastung mit hormonartig wirkenden Stoffen wird für die sinkende Fruchtbarkeit von Männern mit verantwortlich gemacht, die in Europa seit Jahrzehnten beobachtet wird. In Kinderspielzeug ist der Stoff daher seit 2007 in der Europäischen Union verboten, kommt aber beispielsweise noch in PVC-Böden vor. Die aktuelle Belastung von Kindern mit Weichmachern wird in der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, GerES 2014-2017 überprüft.

* Für DiBP gibt es keinen TDI-Wert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht aber davon aus, dass sich DiBP hinsichtlich einer Bewertung nicht gravierend von DnBP unterscheidet.

Galerie: Überschreiter im Überblick

  • Tabelle der Phthalatüberschreiter
    Drei Phthalate überstiegen im KUS die TDI-Grenzwerte

    Drei Phthalate überstiegen im KUS die TDI-Grenzwerte. Da die als Weichmacher bekannten Substanzen in zahlreichen Produkten, etwa Plastikspielzeugen, Verpackungsfolien oder PVC-Böden, vorkommen, testet das UBA die Umwelt-Survey-Proben auf eine Vielzahl einzelner Phthalate und Ersatzstoffe. Daten der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA zeigen, dass sich die schädlichen Wirkungen vieler Phthalate addieren können.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • Tabelle zu erhöhten Werten im KUS
    Bei 1,5 Prozent der Kinder war der DEHP-Wert im KUS zu hoch

    Bei 1,5 Prozent der Kinder war der DEHP-Wert im KUS zu hoch. Dagegen ging die Belastung mit Schwermetallen und PCP seit Anfang der 90iger Jahre zurück, allerdings liegen noch nicht für alle im KUS untersuchten Stoffe toxikologisch begründete Beurteilungswerte vor. Wie sich die Belastung seit dem KUS entwickelt hat, wird im 5. Umwelt-Survey von 2013 bis 2016 überprüft.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
  • Tabelle zu Trinkwasserüberschreitern im KUS
    Die Elementkonzentrationen im Trinkwasser überschritten im KUS nur selten Grenzwerte

    Im KUS überschritten die Elementkonzentrationen im Trinkwasser nur selten Grenzwerte. Einzig der Nickelgehalt war vergleichsweise häufig erhöht.

    Quelle: Umweltbundesamt Tabelle zum Download
<>
weiter im Artikel
Alle anzeigen

Weiterführende Infos zum KUS

  • Innenraumschimmelpilze

    Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" 2003/06:
    Sensibilisierungen gegenüber Innenraumschimmelpilzen
    Heft Umwelt & Gesundheit Nr. 05/2011

    KUS - Sensibilisierungen gegenüber Innenraumschimmelpilzen

  • Innenraumluft

    Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" 2003/06:
    Innenraumluft - Flüchtige organische Verbindungen in der Innenraumluft in Haushalten mit Kindern in Deutschland

    Heft Umwelt & Gesundheit Nr. 03/2010

    KUS - Flüchtige organische Verbindungen in der Innenraumluft

  • Phthalat- und Phenanthrenmetabolite sowie Bisphenol A

    Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" 2003/06:
    Human-Biomonitoring - Untersuchungen auf Phthalat- und Phenanthrenmetabolite sowie Bisphenol A

    Heft Umwelt & Gesundheit Nr. 04/2009

    KUS - Phthalat- und Phenanthrenmetabolite sowie Bisphenol A

  • Lärm

    Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" 2003/06:
    Lärm - Daten und Materialiensammlung, Deskription und Zusammenhangsanalysen

    Heft Umwelt & Gesundheit Nr. 01/2009

    KUS - Lärm - Daten und Materialiensammlung, Deskription

  • Trinkwasser

    Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" 2003/06:
    Trinkwasser
 - Elementgehalte im häuslichen Trinkwasser aus Haushalten mit Kindern in Deutschland

    WaBoLu-Heft 04/2008

    KUS - Elementgehalte im häuslichen Trinkwasser

  • Hausstaub

    Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" 2003/06:
    Hausstaub - 
Stoffgehalte im Hausstaub aus Haushalten mit Kindern in Deutschland

    WaBoLu-Heft 02/2008

    KUS - Stoffgehalte im Hausstaub aus Haushalten

  • Vergleichswerte für flüchtige organische Verbindungen im Innenraum

    Bekanntmachung im Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 51 (1), 109-112: Vergleichswerte für flüchtige organische Verbindungen (VOC und Aldehyde) in der Innenraumluft von Haushalten in Deutschland

    KUS - Vergleichswerte für flüchtige organische Verbindungen

  • Stoffgehalte in Blut und Urin

    Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" 2003/06:
    Human-Biomonitoring 
- Stoffgehalte in Blut und Urin der Kinder in Deutschland

    WaBoLu-Heft 01/2007

    KUS - Stoffgehalte im Blut und Urin

  • Zusammenfassung der ersten Studienergebnisse

    Seit Sommer 2007 liegt der Basisbericht zum Kinder-Umwelt-Survey vor. Er stellt die Schadstoffgehalte in Blut und Urin der Kinder in Deutschland übersichtlich in Tabellen dar. Hier finden Sie eine erste Zusammenfassung zentraler Ergebnisse.

    Wie Schadstoffe und Lärm die Gesundheit unserer Kinder belasten

  • KUS-Daten weiter verwerten

    Zur Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" von 2003 bis 2006 stellt das UBA auf Antrag ein Public Use File zur Verfügung. Es enthält Schadstoffmesswerte und Fragebogenangaben jedes Teilnehmers und jeder Teilnehmerin des KUS in anonymisierter Form und kann von Fachleuten für weitere Auswertungen und für Ausbildungszwecke genutzt werden. Die Schutzgebühr für das Dokument beträgt 90,00 Euro. Dem Antragsformular (siehe unten) ist eine Projektskizze der geplanten Auswertungen beizulegen sowie eine unterschriebene Verpflichtungserklärung zur Einhaltung des Datenschutzes, der guten wissenschaftlichen Praxis und des angegebenen Verwendungszwecks.

    Mittels Human-Biomonitoring (HBM) wurden im KUS Blut und Urin der Kinder auf zahlreiche Umweltschadstoffe und/oder deren Metabolite untersucht. Ergänzend wurde die Konzentration von diversen Schadstoffen in der Luft des Kinderzimmers, im Hausstaub und im Trinkwasser aus den Haushalten der Kinder bestimmt. Einen Überblick über die Belastung mit den untersuchten Stoffen geben Basisberichte. Alle Messwerte, auf denen die Berichte basieren, sind im Public Use File enthalten. Weiterhin enthält das Public Use File Messwerte zu Antikörpern gegenüber verschiedenen Schimmelpilzsporen sowie zu Stresshormonen im Urin. Auch sind die Antworten aus den Befragungen im Public Use File enthalten. Angaben mit geringer Validität oder persönliche Angaben der Studienteilnehmer, etwa ihr Wohnort, wurden gestrichen.

    Zusätzlich zu den Daten im SPSS-Format enthält das Public Use File eine kurze Darstellung der Studie, die Beschreibung aller Variablen und Indices sowie die Fragebögen.

    Da die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit "Kinder-Umwelt-Survey (KUS)" in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut an einer Teilstichprobe des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) durchgeführt wurde, liegen für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen des KUS auch Daten des KiGGS vor, unter anderem zur Soziodemographie, Gesundheit und Ernährung. Vom RKI wird ein Public Use File des KiGGS auf Antrag zur Verfügung gestellt. Durch eine einheitliche Probandennummer im KiGGS und im KUS ist eine Verknüpfung beider Datensätze möglich. Die zusätzliche Nutzung von KiGGS-Daten erlaubt es, weitere Fragestellungen aus dem Themenbereich Umwelt und Gesundheit zu bearbeiten.

    Public Use File - Antragsformular