Grundwasser als Lebensraum

Grundwasser ist ein belebtes Ökosystem mit einer großen biologischen Vielfalt. Eine der wichtigsten Funktionen dieser Organismen ist es, das Grundwasser reinzuhalten. Voraussetzung dafür ist ein guter ökologischer Zustand. Deshalb sollten biologische Kriterien zukünftig mit in die Bewertung des Grundwasserzustands einbezogen werden.

Verborgen und unsichtbar ist Grundwasser ein wesentliches Element im Wasserkreislauf. Als Transport- und Versorgungsmedium übernimmt es ebenso wichtige Funktionen wie durch seine Aufnahme- und Speicherkapazität. Wir nutzen es als wichtigste Trinkwasserressource, oberflächennahe Grundwasservorkommen versorgen Boden und Pflanzen mit Wasser und speisen oberirdische Gewässer. Qualität und Menge beeinflussen somit auch den Zustand der Oberflächengewässer und angrenzender Feuchtbiotope.

Gleichzeitig ist Grundwasser das größte limnische Biotop und vor allem auch ein einzigartiger Lebensraum mit einer großen biologischen Vielfalt, der sich in vielen Eigenschaften von oberirdischen Ökosystemen unterscheidet: Durch die räumliche Enge im Lückensystem der Grundwasserleiter besiedeln nur sehr kleine Organismen die verschiedenen Grundwasserlebensräume. Relativ konstante physikalisch-chemische Bedingungen, wie permanente Dunkelheit, niedrige, etwa gleich bleibende Temperaturen und geringe Nähr- und Sauerstoffkonzentrationen ermöglichen eine hohe biologische und funktionale Diversität innerhalb der Grundwasserfauna. Die den speziellen Verhältnissen angepasste Biozönose umfasst neben den Grundwassertierchen verschiedene Mikroorganismen (Bakterien, aquatische Pilze, Einzeller), die den Hauptteil der Biomasse ausmachen. Das Zusammenspiel der einzelnen Organismengruppen trägt entscheidend zur Stabilität der biologischen Leistungen im System bei. Die im Grundwasser lebenden Organismen beeinflussen die Durchlässigkeit im Porensystem der Grundwasserleiter und tragen durch Stoff- und Energieumsätze entscheidend zur Qualität des Grundwassers bei. Ein funktionierendes intaktes Ökosystem ist also Produkt und zugleich auch immer Voraussetzung für sauberes Grundwasser.

Biologische Bewertung von Grundwasserökosystemen

Bei der Beurteilung der Wasserqualität auch den ökologischen Zustand zu erfassen, ist ein neuer Gedanke im Gewässerschutz. In Deutschland wird der größte Teil des Trinkwassers aus unterirdischen Ressourcen entnommen. Die Umwandlung von Sickerwasser zu Trinkwaser ist eine der Ökosystemdienstleistungen der besiedelten Zonen des Bodens und der Grundwasserleiter. Ein guter ökologischer Zustand ist Voraussetzung dafür. Kriterien für eine ökologische Zustandsbewertung gab es bisher nicht. Das Umweltbundesamt griff 2006 erstmals das Thema auf und förderte ein Forschungsprojekt zur Ausarbeitung eines biologischen Bewertungskonzeptes. Das Forschungsvorhaben „Entwicklung biologischer Bewertungsmethoden und -kriterien für Grundwasserökosysteme”, welches vom Institut für Grundwasserökologie des Helmholtz-Zentrums München in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Grundwasserökologie der Universität Landau bearbeitet wird, steht kurz vor dem Abschluss. Durch die Unterstützung von zahlreichen Projektpartnern aus der Umweltverwaltung und der Wasserwirtschaft und die durch ergänzende Förderung der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) konnten beispielhafte Untersuchungen an Grundwasserstandorten in verschiedenen Regionen Deutschlands durchgeführt werden.

Während des Abschlusskolloquiums im November 2010 wurden die wesentlichen Projektergebnisse präsentiert und diskutiert. Außerdem wurden die Erfahrungen eines ökologischen Grundwassermonitorings in der Schweiz und in verschiedenen Bundesländern vorgestellt.

Präsentationen des Abschlusskolloquiums

  • Grundwasser-Überwachungsprogramm – Erhebung und Beschreibung der Grundwasserfauna in Baden-Württemberg

    Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (2006): Reihe Grundwasserschutz Band 32 und 33, Karlsruhe

  • Die Grundwasserfauna. Ein Vergleich zweier Grundwasserlandschaften in Baden-Württemberg

    Steenken, B. (1998), Ecomed-Verlag, Landsberg

  • Spektrum Wasser 2 - Grundwasser der unsichtbare Schatz

    Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft (2004), München

  • Parameter und Methoden der biologischen Charakterisierung des Untergrundes - Feststoffe und Wasser

    Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau e.V. (1997): DVWK-Schriften Bd. 120. Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH, Bonn.

  • Bedeutung biologischer Vorgänge für die Beschaffenheit des Grundwassers

    Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau e.V. (1988): DVWK-Schriften Bd. 80. Verlag Paul Parey

  • Grundwasser-Ökologie

    Griebler, C. und Mösslacher, F. (2003): UTB-Fakultas Verlag, Wien

  • Grundwasser - Lebensraum, Ressource, Schutzgut.

    Hahn, H. J. und Rumm, P. (2005): Tagung am 14.04.05 in Landau, Tagungsband. In: GWF Wasser Abwasser 7-8, S. 552 - 580.

  • Leben in ewiger Dunkelheit.

    Hahn, H. J. (2002): Biologie in unserer Zeit 32, S. 110 - 117

  • Grundwasser lebt!

    Preuß, G. und Schminke, H. K. (2004): In: Chemie in unserer Zeit 38, S. 340 - 347.

  • Unvollständiger Bewertungsrahmen für Grundwassersysteme

    Preuß, G. (2004): KA Abwasser, Abfall 51, S. 826 - 827

  • Lebensraum Grundwasser

    Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. (2005): Schriftenreihe der VDG Bd. 68

  • Biozonosen im Grundwasser

    Bundesamt für Umwelt (2006), Bern (Schweiz)

  • Institut für Grundwasserökologie an der Universität Koblenz – Landau

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  • Institut für Wasserforschung GmbH Dortmund

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  • Technologiezentrum Wasser, Karlsruhe

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  • Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle

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