Pilotprojekt zu Umweltgerechtigkeit in deutschen Kommunen

ein mehrstöckiges Wohnhaus mit Balkonen steht direkt hinter einer Lärmschutzwand einer Stadtautobahnzum Vergrößern anklicken
Gesunde Wohnverhältnisse sollten nicht vom Geldbeutel abhängen.
Quelle: Harald07 / Fotolia.com

In vielen Kommunen konzentrieren sich umweltbedingte Gesundheitsrisiken in sozial benachteiligten Quartieren. In einem Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) werden in drei Pilotkommunen zentrale Elemente des strategischen Ansatzes zur Schaffung von Umweltgerechtigkeit erprobt.

Inhaltsverzeichnis

 

„Umsetzung einer integrierten Strategie zu Umweltgerechtigkeit – Pilotprojekt in deutschen Kommunen“

Vor dem Hintergrund der räumlichen Konzentration von gesundheitlich relevanten Umweltbelastungen (u.a. Lärm, Luftschadstoffe, mangelnde Ausstattung mit Grün- und Freiflächen) in sozial benachteiligten Quartieren gewinnt das Thema Umweltgerechtigkeit auch in Deutschland zunehmend an Aufmerksamkeit. Umweltgerechtigkeit zielt auf die Vermeidung und den Abbau der sozialräumlichen Konzentration gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen sowie die Gewährleistung eines sozialräumlich gerechten Zugangs zu gesundheitsbezogenen Umweltressourcen. In der kommunalen (Planungs-) Praxis ist das Thema bislang jedoch kaum „angekommen“.

In dem vom Umweltbundesamt geförderten Forschungsprojekt „Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum“ (2012-2014) des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) wurden Handlungsempfehlungen zur Verankerung eines strategischen Ansatzes zur Schaffung von Umweltgerechtigkeit für die kommunale Praxis abgeleitet.

Im Forschungs-Praxis-Projekt „Umsetzung einer integrierten Strategie zu Umweltgerechtigkeit – Pilotprojekt in deutschen Kommunen“ (11/2015–10/2017) des Difu werden zentrale Elemente des strategischen Ansatzes anhand konkreter Planungs- und Umsetzungsvorhaben in den drei Pilotkommunen Kassel, Marburg und München mit wissenschaftlicher Begleitung modellhaft erprobt. Das Forschungsprojekt wird ebenfalls vom Umweltbundesamt aus Mitteln des Umweltforschungsplans gefördert.

 

Forschungsfragen

  • Wie lässt sich Umweltgerechtigkeit erfolgreich auf die kommunalpolitische Agenda setzen?
  • Wie kann der Ansatz Umweltgerechtigkeit in übergreifende kommunale Ziele und Strategien eingebettet werden?
  • Welche formellen und informellen Instrumente eignen sich für eine Implementierung des Ansatzes in den Kommunen?
  • Welche Bedingungen (Ämterzuständigkeiten, Informationsflüsse, Kooperationsansätze) sind förderlich für eine Implementierung von Umweltgerechtigkeit im Verwaltungshandeln?
  • Wie ist das Zusammenspiel zwischen Kommunalpolitik und Verwaltung auszugestalten?
  • Welche Formen von Bewohnerbeteiligung und Akteurskooperation können die Implementierung von Umweltgerechtigkeit in Kommunalpolitik und Verwaltung unterstützen?
  • Welche Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für die Umsetzung der strategischen Elemente zu Umweltgerechtigkeit lassen sich aus der modellhaften Umsetzung ableiten?
  • Gibt es Übertragbarkeiten und wie lassen sie sich in Form von Tools, Checklisten o.ä. abbilden?
 

Projektbausteine

  • Aktivierende Forschungsbegleitung der drei Pilotkommunen Kassel, Marburg und München
  • Erstellung einer Toolbox „Umweltgerechtigkeit vor Ort“ für Kommunen mit Definitionen, Hintergrundwissen, Checklisten, Umsetzungstipps und Praxisbeispielen
  • Durchführung und Online-Dokumentation einer Bilanzveranstaltung „Umweltgerechtigkeit vor Ort“

Ein projektbegleitender Arbeitskreis mit Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Verbänden und Kommunen, der Länder und des Bundes unterstützt die Bearbeitung des Forschungsprojekts. Die Mitglieder kommen aus den Bereichen Umwelt, Naturschutz, Gesundheit und Stadtentwicklung.