Müll im Meer

Plastikreste am Meer: Ein alter Reifen, eine Flasche, Kinderspielzeug und der Rest eines Einkaufkorbs aus Plastik liegen auf einem Kiesstrand.zum Vergrößern anklicken
Dreiviertel des Mülls im Meer besteht aus Kunststoffen. Es dauert Jahrhunderte sie abzubauen.
Quelle: Juandive / Fotolia

FAQ

  • Wie adressiert Deutschland das Problem?

    Die nationale Meeresstrategie vom Oktober 2008 stellt klar, dass Deutschland die Mülleinträge ins Meer soweit wie möglich senken will.Die im Rahmen des MSRL-Berichts zu Umweltzielen (Art. 10 MSRL) getroffenen Festlegungen zum Deskriptor 10 Müll im Meer werden umgesetzt (s.a. entsprechende Frage und Antwort).Als Reaktion auf die Rio+20 Beschlussfassung ist der internationale Meeresschutz 2012 zu ei… weiterlesen

  • Welche Aktivitäten laufen auf europäischer und regionaler Ebene?

     Das am 31.10.2012 veröffentlichte „Commission Staff Working Dokument“ (CSWD (2012) 365) der EU Kommission gibt einen Überblick über relevante EU-Gesetzgebung, Richtlinien und Initiativen zu marinen Abfällen; der Annex enthält eine Auflistung von Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte, die Meeresmüll adressieren. Weiterhin finanziert die EU verschiedene Forschungsprojekte, u.a. zur Definition mög… weiterlesen

  • Was passiert im globalen Rahmen?

    Die UN „Global Partnership in Marine Litter“: Mehrere UN-Resolutionen legen internationales Augenmerk auf das Meeresmüllproblem. Aufbauend auf der „UNEP Governing Council decision 26/3 on Chemicals and Waste Management“ zur Gewährleistung von harmonisierten Aktivitäten der Vertragsstaaten ruft UNEP die „Global Partnership in Marine Litter“ momentan (GPML) ins Leben, die Initiative wird auf der Kon… weiterlesen

  • Welche Umweltziele hat sich Deutschland unter der MSRL gesetzt?

     Das visionäre nationale Umweltziel hinsichtlich Müll im Meer für die deutschen Nord- und Ostseegebiete lautet „Meere ohne Belastungen durch Abfall“. Damit ist eine signifikante Reduktion der Einträge von Müll in deutsche Meeresgebiete verbunden. Dieses soll durch drei operative Ziele erreicht werden: (1) kontinuierlich reduzierte Einträge und eine Reduzierung der bereits vorliegenden Abfälle führ… weiterlesen

  • Was war das Ziel der Internationalen Marine-Litter-Konferenz 2013?

    Primäres Ziel ist die Initiierung beziehungsweise Weiterentwicklung konkreter Regionaler Aktionspläne zur Verminderung und Vermeidung weiterer Mülleinträge in die europäischen Meeresregionen Nordostatlantik, Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer in enger Kooperation mit den Regionalen Meeresschutzübereinkommen (OSPAR, HELCOM, UNEP/MAP und Barcelona- sowie Bukarest Übereinkommen). Damit soll gleich… weiterlesen

  • Welche Lösungsansätze gibt es, um Abfällen im Meer zu begegnen?

    Das nachsorgende Sammeln von Müll im Meer und am Strand ist aufwändig, kostspielig und erreicht nur einen kleinen Teil des Mülls. Es bedarf einer deutlichen Verstärkung der Vorsorge, die Maßnahmen müssen also an den Quellen greifen. Recycling- und Wiederverwertungsstrukturen müssen daher weiter gestärkt und die umweltgerechte Gestaltung von Kunststoffprodukten (Öko-Design) gefördert werden. Kunsts… weiterlesen

  • Was ist die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie – MSRL?

    Mit der MSRL (2008/56/EU) liegt seit 2008 der Rahmen für einen ganzheitlichen Meeresschutz in der EU vor. Diese Richtlinie als Umweltsäule der „Integrated Maritime Policy“ (IMP) ist ein Schlüsselelement in den europäischen Aktivitäten, Meeresmüll zu adressieren. In der Richtlinie werden Abfälle im Meer als wichtiges Kriterium (Deskriptoren) für den guten Umweltzustand der Meere bis 2020 ausgewiese… weiterlesen

  • Was ist Mikroplastik?

    Als Mikroplastik werden Plastikstücke bezeichnet, welche kleiner als 5 mm sind. Sie sind also mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen. Es gibt zwei Sorten von Mikroplastik. Zu sogenanntem primären Mikroplastik gehören Basispellets, die das Grundmaterial für die Plastikproduktion darstellen; Granulate in Kosmetik und Hygieneprodukten, wie Peelings, Zahnpasta, Handwaschmittel; mikroskopische Partikel… weiterlesen

  • Ist Mikroplastik problematisch?

    Häufig verwendete Kunststoffe, wie Polyethylen, zeichnen sich durch geringe Dichte aus und treiben an der Meeresoberfläche. Mikroplastik ist daher weitflächig verfügbar für Plankton, aber auch beispielsweise kommerziell genutzte Fischarten im Larvenstadium. Im nordwestlichen Mittelmeer findet man auf zwei Planktontierchen ein Teilchen Mikroplastik. Bei der Zersetzung können Kunststoffe giftige und… weiterlesen

  • Wie werden Abfälle in deutschen Meeren momentan überwacht?

    Das momentan in Deutschland etablierte Monitoring umfasst nur die Nordsee mit den Aspekten der Aufnahme von Plastikmüll durch Eissturmvögel und des OSPAR-Spülsaummonitorings (Strandzählung von Müll mehrmals jährlich an vier repräsentativen Stränden mittels harmonisierter Methodik zur quantitativen und qualitativen Bestimmung marinen Abfalls). Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie geht darüber hinau… weiterlesen

  • Seit wann gibt es Kunststoffe?

    Kunststoffe werden erst seit 1907 industriell hergestellt. Die spezifischen Merkmale, die sie auszeichnen, wie Langlebigkeit oder kostengünstige Herstellung, machen ihre Beseitigung problematisch. Die jährliche Produktionsrate beträgt 245 Millionen Tonnen, 60 Millionen Tonnen werden allein in Europa produziert. Im Jahr 2008 fielen in der EU etwa 25 Millionen Tonnen (Mt) Kunststoffabfälle an. Davon… weiterlesen

  • Wie hoch ist der in den Meeren enthaltene Anteil an Plastikmüll?

    Durchschnittlich drei Viertel des gefundenen Mülls in den Ozeanen besteht aus Kunststoffen, an mediterranen Küsten sind es sogar über 80 Prozent. weiterlesen

  • Verrottet Plastik gar nicht oder nur sehr langsam?

    Man geht davon aus, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Kunstoffe vollständig zu zersetzen. Bis zu 450 Jahre benötigen eine Kunststoffflasche oder eine Wegwerfwindel, bis sie sich zersetzt haben. Plastik ist biologisch ‚inert‘, also sehr stabil und löslich, und daher auch kaum einer Mineralisation unterworfen, so dass Mikroplastikpartikel zwar kontinuierlich kleiner, aber nicht vollständi… weiterlesen

  • Woher stammt der Meeresmüll?

    Hierbei gibt es große regionale Unterschiede. Generell kann man sagen, dass 80 Prozent der Einträge von der Landseite erfolgen, also beispielsweise über die Flüsse oder über große küstennahe Mülldeponien beispielsweise im Mittelmeerraum. Einen weiteren wichtigen Eintragspfad stellt zudem der Tourismus an den Küsten dar, eine primäre Quelle zum Beispiel für die deutsche Ostsee. In der südlichen Nor… weiterlesen

  • Welche Abfallmengen befinden sich in den Meeren?

    Schätzungen gehen davon aus, dass sich mittlerweile zwischen 100 und 142 Millionen Tonnen Müll in den Meeren befinden. Jährlich werden bis zu 10 Millionen weitere Tonnen eingetragen. Man geht davon aus, dass etwa 70 Prozent der Abfälle zu Boden sinken, von den restlichen 30 Prozent wird etwa die Hälfte an den Stränden angespült, die andere Hälfte treibt an der Wasseroberfläche und in der Wassersäu… weiterlesen

  • Welche ökologischen Auswirkungen hat Meeresmüll auf die Meeresumwelt?

    Nimmt der Mensch die Abfallbelastung in Urlaubsregionen lediglich als ästhetische Störung wahr, bedeutet sie für betroffene Meeresorganismen hingegen eine ernste Bedrohung ihrer Gesundheit und oft sogar ihres Überlebens. Die Aufnahme / das Verschlucken von Müllteilen wurde bereits bei 43 Prozent aller Wal- und Delfinarten, 36 Prozent der Seevogelarten und vielen Fischarten beobachtet. Durch die Mü… weiterlesen

  • Was ist über die Belastungssituation der deutschen Meere bekannt?

    Die deutschen Meeresgebiete werden stark industriell genutzt. Geschätzte 600.000 m3 Müll befinden sich allein auf dem Meeresboden der Nordsee. In der südlichen Nordsee findet man pro 100 Meter Strandlinie im Durchschnitt 236 Müllteile. In 95 Prozent der an der deutschen Nordseeküste tot gefundenen Eissturmvögel werden Kunststoffe gefunden, im Durchschnitt 30 Teile. Befunde von Stränden der deutsch… weiterlesen

  • Was sind marine Abfälle?

    Als marine Abfälle oder Meeresmüll werden alle langlebigen, angefertigten oder verarbeiteten beständigen Materialien bezeichnet, die durch Wegwerfen oder als herrenloses Gut in die Meeresumwelt gelangen. Das schließt den Transport dieser Materialien in die Meere über Flüsse oder Winde mit ein. Heute finden wir in allen Teilen der Weltmeere Abfälle: an den Polen, den Spülsäumen der Küsten, verteilt… weiterlesen

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Ein Meer von Kunststoffen

Was können wir gegen die Vermüllung der Ozeane tun?

Dreiviertel des Mülls im Meer besteht aus Kunststoffen, deren Abbau Jahrhunderte benötigt. Durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel treiben mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Vor allem Verpackungsmaterialien und Abfälle aus Fischerei sowie Schifffahrt wie Netzreste oder Taue sind für das Leiden von mehr als einer Million Seevögeln und weiteren circa 100.000 Meereslebewesen verantwortlich, die dadurch jährlich umkommen. Für 136 Arten von Meereslebewesen ist bekannt, dass sie sich regelmäßig in Müllteilen verheddern und strangulieren. Für mindestens 43 Prozent aller Wal- und Delfinarten, allen Arten von Meeresschildkröten sowie 36 Prozent der Seevögel und viele Fischarten können Müll fressen und verschlucken.

Bei der Zersetzung geben Kunststoffe giftige und hormonell wirksame Zusatzstoffe wie Weichmacher, Flammschutzmittel und UV-Filter in die Meeresumwelt oder den Organismus ab, der sie aufnimmt. Mikroorganismen sind nicht in der Lage, die Kunstoffe vollständig zu zersetzen. Deshalb verbleiben die pulverartigen Kleinstpartikel in der Meeresumwelt, wahrscheinlich für immer. Weltweit wird eine Zunahme dieses Mikroplastiks in den Meereswirbeln, den Sedimenten und an den Stränden beobachtet. In allen kürzlich untersuchten Kotproben von Seehunden und Kegelrobben im niedersächsischen Wattenmeer wurde durch die Universität Oldenburg Mikroplastik gefunden.

Mikroplastik gelangt aber auch direkt ins Meer: die Verwendung in Kosmetikprodukten wie Peelings oder Zahnpasten ist mittlerweile Standard. Bis zu 2.000 Kunstfasern aus Fleece-Kleidungsstücken, einem Velourstoff, der meist aus Polyester oder Polyacryl besteht, gelangen pro Waschgang in die Meeresumwelt, da sie von den Klärwerken nicht zurückgehalten werden. Geht ein typischer Transportcontainer mit Industriepellets aus Kunststoff zur späteren Weiterverarbeitung auf See verloren, gelangen 50 Milliarden davon ins Meer und sind an den Stränden von Sandkörnern kaum unterscheidbar. Laut Angaben der Kunststoffindustrie landen diese Pellets auch oft im Produktionsprozess in der Kanalisation und je nach Lage der Kläranlagen anschließend in Flüssen oder Küstengewässern.

Mikroplastikpartikel binden persistente toxische Schadstoffe, die sich im Meer befinden, an ihrer Oberfläche. Das können auch bereits verbotene Substanzen wie das Insektizid Lindan oder das Pestizid DDT sein, die sich nach wie vor in der Meeresumwelt befinden. Diese Eigenschaft kann zu einer Anreicherung von Schadstoffen im Nahrungsnetz führen und möglicherweise auch Relevanz für den menschlichen Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten haben.

Werden Sie aktiv und treten Sie der Müllbelastung der Meere entgegen:

  • Verwenden Sie keine Peelings, Duschgels und Zahnpasten, die Kunstoffe (zum Beispiel Polyethylen) enthalten.
  • Werfen Sie Müll nicht achtlos weg, sondern stets in den Mülleimer. Nehmen Sie alles wieder mit, was Sie für den Strandtag oder das Picknick im Freien eingepackt haben.
  • Kaufen Sie langlebige Produkte – so schonen Sie wertvolle natürliche Ressourcen und vermeiden Müll. Nutzen Sie plastikfreie Verpackungen wie Papiertüten für Brot oder Obst und Gemüse, Mehrwegflaschen oder noch besser Glasflaschen aus der Region und eigene Textiltragetaschen für den Einkauf.
  • Trennen Sie Ihren Müll. Nur so ermöglichen Sie, dass Plastik und andere Stoffe überhaupt recycelt werden können.
  • Beteiligen Sie sich an freiwilligen Säuberungsaktionen an Küsten, Stränden und Flussufern.

EG-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie

Die neue EG-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie fordert von den Mitgliedsstaaten, das Müllvorkommen in den europäischen Meeresregionen zu bewerten, eine entsprechende Überwachung zu etablieren und die Einträge so zu regulieren, dass bis 2020 Abfälle keine weiteren schädlichen Effekte auf Meeresbewohner ausüben. Das UBA leitet gemeinsam mit dem „Joint Research Center“ der Europäischen Kommission und dem französischen Forschungsinstitut „Ifremer“ die entsprechenden EU-Arbeitsgruppe. 2011 legte sie einen Bericht mit Empfehlungen für eine umfassende Überwachung der Müllbelastung der einzelnen Meereskompartimente und der Auswirkungen von Müll auf Meereslebewesen vor. Eine unlängst erschienene Publikation des Alfred-Wegener-Instituts spezifiziert diese Empfehlungen zusätzlich für den Aspekt Mikroplastik. Das UBA setzt sich global und regional für Aktionspläne ein, um strategisch koordinierte Maßnahmen der ständig fortschreitenden Müllbelastung der Meere entgegenzusetzen. Nach der Honolulu-Strategie von 2011, die einen globalen Ansatz für Aktionspläne darstellt, sollen nun spezifische Aktionen für die europäischen Meeresregionen identifiziert und umgesetzt werden.

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Die naive Hoffnung auf saubere Meere

In den Weltmeeren schwimmen Millionen Tonnen Plastikmüll. Fische und Vögel sterben, weil sie Plastik mit Nahrung verwechseln. Das Problem ist längst bekannt, jetzt gibt es einen neuen Lösungsansatz: Der 19-jährige Niederländer Boyan Slat hat einen Plan entwickelt, wie man in wenigen Jahren einen Großteil des Plastiks wieder aus den Ozeanen fischen könnte. Das Projekt nennt sich „The Ocean Cleanup“. Nachdem er die Idee vor mehr als anderthalb Jahren bekannt gemacht hatte, reagierten Fachleute zunächst kritisch. Inzwischen hat Boyan Slat von rund 100 Wissenschaftlern und Ingenieuren eine Machbarkeitsstudie erarbeiten lassen.

Auf mehr als 500 Seiten kommen sie zu dem Ergebnis: Das Ganze könnte funktionieren. Nach der Veröffentlichung der Studie hat Slat auch seinen Kritikern geantwortet. Derzeit sammelt er per Crowdfunding zwei Millionen Dollar, um die Idee in die Tat umzusetzen. Anschließend sollen erste Pilot-Anlagen entstehen. Viele Medien sehen darin schon die Rettung der Ozeane. Doch die Machbarkeitsstudie überzeugt nicht jeden.

Kritisch bleibt zum Beispiel Mark Lenz, Experte für marine Ökologie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. In Green Radio erklärt er, warum er das Projekt für reine Science Fiction hält.

Quelle:
Green Radio / Detektor.fm

Meeresmüll

  • Honolulu-Strategie: A global framework for management and prevention of marine debris, UNEP / NOAA (2011)

    Honolulu-Strategie

  • Auswirkungen von Meeresmüll

    Auswirkungen von Meeresmüll

  • Herkunft mariner Abfälle
  • Maßnahmen zur Vermeidung von Meeresmüll
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