Die Fauna der Antarktis

Eine Gruppe Adeliepinguine steht am Wasser. Fünf weitere stehen auf einer nahen Eisscholle. zum Vergrößern anklicken
Adeliepinguine sind eine der fünf Pinguinarten, die in der Antarktis brüten.

Pinguine an Land und auf Eisscholle

Quelle: Fritz Hertel/UBA

Was der Eisbär für die Arktis ist, ist der Pinguin für die Antarktis. Von den weltweit 18 Pinguinarten brüten fünf ausschließlich in der Antarktis. Die Region hat allerdings noch weitaus mehr zu bieten als die charmanten flugunfähigen Vögel. Auch wenn der Artenreichtum am südlichen Ende der Welt nicht so mannigfaltig ist, haben sich dennoch viele Tierarten an die rauen Lebensumstände angepasst.

Inhaltsverzeichnis

 

Krill als Grundlage des Nahrungsnetzes

Die Zahl der höheren antarktischen Tierarten ist relativ gering. Der Lebensraum aller höheren Tiere ist auf die schmalen, eisfreien Küstengebiete und das Meer begrenzt, da sie auf Nahrung aus dem Meer angewiesen sind. Das wohl wichtigste Glied im Nahrungsnetz des Südpolarmeeres bildet der Antarktische Krill (Euphausia superba), ein vier bis sechs cm langer garnelenartiger Krebs. Er ernährt sich hauptsächlich von planktischen Kieselalgen und Zooplankton. Mit einem geschätzten Gesamtvorkommen von einer Milliarde Tonnen in der Antarktis stellt der Krill die Nahrungsgrundlage für viele Lebewesen wie Tintenfische, Knochenfische, Pinguine und  Seevögel, Robben und Wale dar.

Im Küstenbereich und unter dem Schelfeis der Antarktis leben ca. 208 Fischarten. Davon gehören 96 Arten (46 Prozent) zu den Antarktisfischen (Notothenioidei), einer besonders an das Leben bei sehr niedrigen Temperaturen angepassten Unterordnung der Barschartigen (Perciformes). Die Scheibenbäuche (Liparidae) beziehungsweise die Aalmuttern (Zoarcidae) stellen 31 Prozent beziehungsweise 11 Prozent der verbleibenden Fischfauna. Die große Mehrheit dieser Fischarten lebt benthisch (auf dem Meeresboden).

 

Maskottchen im Frack

Die wohl bekanntesten Tiere der Antarktis sind die Pinguine. Diese flugunfähigen Tauchvögel kommen ausschließlich auf der Südhalbkugel vor. Aber nur fünf der insgesamt achtzehn bekannten Pinguinarten sind echte Antarktisbewohner, die ausschließlich auf dem Kontinent, dem angrenzenden Festeis oder den benachbarten Inseln brüten. Die bekannteste Art ist der Kaiserpinguin  (Aptenodytes forsteri) , der größte Tauchvogel der Erde und der einzige ständige Antarktisbewohner. Die anderen vier Pinguinarten der Antarktis und der subantarktischen Inseln sind der Zügelpinguin  (Pygoscelis antarctica), der Eselspinguin  (Pygoscelis papua), der Goldschopfpinguin (Eudyptes chrysolophus) und der Adeliepinguin (Pygoscelis adeliae). Die übrigen Pinguinarten leben wegen der kalten Meeresströmung auf subantarktischen Inseln, entlang der südamerikanischen Westküste, an der Südküste Afrikas, in Neuseeland und Australien sowie auf den Galapagos-Inseln.

Neben den Pinguinen kommen in der Antarktis noch etwa 26 weitere Arten von Seevögeln vor, unter anderem Albatrosse, Riesen- und Kapsturmvögel, Raubmöwen, Seeschwalben, Scheidenschnäbel sowie Schnee- und Weißflügelsturmvögel, die sogar ins Landesinnere vordringen.

Die nicht von Eis bedeckten Landgebiete der Antarktis sind lediglich von sehr kleinen niederen Tieren dauerhaft besiedelt, wie Bärtierchen, Milben oder Springschwänze  (Collembolen, eine urtümliche Insektengruppe). Eine Besonderheit auf der Antarktischen Halbinsel ist das Vorkommen der flügellosen Mückenart Belgica antarctica, das mit zwölf mm Länge größte permanent an Land lebende Tier.

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Es gibt nur wenige Säugetiere – dafür aber sehr Große

Von den Säugetieren sind nur die beiden im Meer lebenden Gruppen, Robben und Wale („Meeressäuger”), in der Antarktis vertreten. Sechs Robbenarten kommen vor: die Krabbenfresserrobbe (Lobodon carcinophagus), der Südliche Seeelefant (Mirounga leonina), die Weddellrobbe (Leptonychotes weddelli), die Rossrobbe (Ommatophoca rossii), die Antarktische Pelzrobbe (Arctocephalus gazella) und der Seeleopard (Hydrurga leptonyx). Die Zahl der Robben liegt in der Antarktis weit höher als in der Arktis. So wird allein die Weltpopulation der antarktischen Krabbenfresserrobbe auf bis zu zwölf Millionen Tiere geschätzt.

Dieser enorme Individuenreichtum der Robben, wie auch vieler anderer Arten, ist wesentlich auf das massenhafte Vorkommen des Antarktischen Krills zurückzuführen.

Von den weltweit etwa 80 Walarten sind 14 Arten in der Antarktis heimisch und regelmäßig im antarktischen Sommer dort zu finden; darunter fallen sechs Bartenwale: der Blauwal als größtes Säugetier der Erde, der Finnwal als zweitgrößtes Säugetier, der Seiwal, der Buckelwal sowie der Antarktische und der Gemeine Zwergwal, sowie sieben Zahnwalarten, wie zum Beispiel der Schwertwal, der Pottwal oder die sogenannten Entenwale. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat Wal- und Robbenfang die Populationen stark reduziert. Während sich einige Arten wieder gut erholt haben (beispielsweise die Krabbenfresserrobben, die heute wieder Bestandsgrößen von mehreren Millionen haben), sind andere Arten, wie beispielsweise der Blauwal immer noch weit von ihrem Populationsoptimum entfernt und gelten weiterhin als stark gefährdet.

Gegenwärtig stellt der zunehmende Tourismus in der Antarktis eine neue Gefahrenquelle für heimische Tiere und ihren natürlichen Lebensraum dar. Sich nähernde Menschen können beispielsweise bei Muttertieren Stress hervorrufen, auf diese Weise die Milchproduktion oder das Säugen stören und sich so lebensbedrohend auf die Jungen auswirken. Schon die bloße Anwesenheit eines Menschen kann dazu führen, dass Tiere sich gestört, verängstigt oder bedroht fühlen. Aus diesen Gründen sollte bei der Beobachtung von Tieren ein großzügiger Sicherheitsabstand eingehalten werden, um sie nicht aus ihrer natürlichen Umgebung zu vertreiben. Genaue Verhaltensregeln und präzise Angaben zu den einzuhaltenden Abständen finden Sie im Leitfaden für Besucher der Antarktis.

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