Nicht-heimische Arten

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Menschliche Aktivitäten schleppen nicht-heimische Tier- und Pflanzenarten in die Antarktis ein
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Die Antarktische Halbinsel und Teile der Westantarktis sind für antarktische Verhältnisse klimatisch begünstigt. Hier finden deshalb vielfältige menschliche Aktivitäten zu Forschungs- aber auch touristischen Zwecken statt. Zusammen mit der messbaren Klimaerwärmung ist diese Region deshalb aber auch besonders durch die Einschleppung und Etablierung nicht-heimischer Arten gefährdet.

Warum stellen nicht-heimische Arten eine Gefahr für Ökosysteme dar? Viele der sogenannten „alien species“ haben invasiven Charakter, also das Potenzial durch Konkurrenz oder Fraßdruck andere Organismen nachhaltig zu schädigen, zu verdrängen oder das angestammte Ökosystem deutlich zu verändern. Globale prominente Kandidaten hierfür sind etwa Ratten und Mäuse, die es vereinzelt sogar bis in die Antarktis geschafft haben, dort jedoch nicht Fuß fassen konnten. Gefahr droht aber auch von viel kleineren Lebewesen.

Diese potentielle Gefährdung nahm das UBA zum Anlass, das Forschungsprojekt „Die Rolle menschlicher Aktivitäten bei der Einschleppung von fremden Arten in die Antarktis und der Verbreitung von Organismen innerhalb der Antarktis “ an das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz zu vergeben.

Diese Studie hatte zum Ziel, einerseits die Auswirkung menschlicher Aktivitäten auf antarktische Bodenorganismengemeinschaften und andererseits die potentielle Einschleppung von in der Antarktis nicht-einheimischen Arten zu ermitteln.
Im antarktischen Sommer der Jahre 2009/2010 und 2010/2011 wurden Bodenorganismen, Pflanzen sowie Bodentiere der Gruppen Fadenwürmer (Nematoda), Bärtierchen (Tardigrada), Springschwänze (Collembola) und Milben (Actinedida, Oribatida und Gamasina) aus insgesamt 13 Gebieten in von Menschen beeinflussten und unbeeinflussten Gebieten erfasst und verglichen.

Bei den Springschwänzen und Milben wurden acht Arten hauptsächlich auf Deception Island und Neko Harbour als potentiell nicht-einheimisch identifiziert. Es konnten signifikante Auswirkungen des Menschen auf die Bodenfauna nachgewiesen werden. So führte die Beeinflussung durch den Menschen meist zu verringerten Individuendichten und der Einfluss des Menschen war bei mittlerer Vegetationsbedeckung am stärksten. Die Reaktion von einzelnen Arten war unterschiedlich, was auf Veränderungen in den Gemeinschaftsstrukturen und somit in der ökologischen Funktion der Bodenfauna hinweist. Eingeschleppte, nicht-einheimische Pflanzenarten konnten im Ergebnis der Studie jedoch nicht festgestellt werden.

Aus den Ergebnissen lassen sich konkrete Empfehlungen für einen verbesserten Schutz antarktischer Ökosysteme vor menschlicher Beeinflussung ableiten. Hierzu gehört eine Intensivierung von Präventivmaßnahmen gegen eine Einschleppung nicht-einheimischer Bodenorganismen sowie eine Ausweitung der für Besucher geschlossenen Bereiche um Areale spezieller Mikrohabitate wie Schmelzwasserrinnen und Bereiche mit schütterer Vegetation. Eine Einschränkung der Gebiete, die Touristen besuchen dürfen, ist erforderlich, ebenso wie die Etablierung eines internationalen, langfristigen bodenbiologischen Monitoringprogramms.
Die genannten Empfehlungen waren Inhalt eines deutschen Arbeitspapiers, das zur Konferenz der Konsultativstaaten zum Antarktis-Vertrag (ATCM) im Mai 2013 eingereicht wurde. Die Vertragsstaaten wurden darin aufgefordert, ihre Präventivmaßnahmen zu intensivieren und konsequenter anzuwenden. Zusätzlich wurde vorgeschlagen, die genannten Empfehlungen international zu diskutieren.