Rodentizide

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Häufig gestellte Fragen zu Nagetierbekämpfung mit Antikoagulanzien
Quelle: UBA

FAQ

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Als Rodentizide werden Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren wie zum Beispiel Hausmäusen, Wanderratten oder Feldmäusen bezeichnet. Es handelt sich dabei um Biozide (Produktart 14), wenn ihr Einsatz dem Schutz der menschlichen oder tierischen Gesundheit (Infektionsschutz), von Menschen hergestellter Produkte (Materialschutz) oder dem hygienebedingten Vorratsschutz dient.

Wirkstoffe
Die meisten Rodentizide enthalten blutgerinnungshemmende Wirkstoffe (Antikoagulanzien) und werden als Köderpräparate (z.B. Getreideköder, Festköder, Pastenköder) eingesetzt. Die Aufnahme von Antikoagulanzien durch Ratten und Mäuse führt dazu, dass die Tiere die Fähigkeit zur Blutgerinnung verlieren und dadurch meist innerlich verbluten. Diese Wirkung tritt in der Regel erst 3 – 7 Tage nach Aufnahme ein, sodass vor allem Ratten die einsetzende Giftwirkung nicht mit dem Giftköder in Verbindung bringen können und keine Köderscheu entwickeln. Abgesehen von Antikoagulanzien kommen in besonderen Fällen auch Begasungsmittel (wie zum Beispiel Kohlendioxid und Aluminiumphosphid) zum Einsatz. Zur Bekämpfung von Mäusen im Innenbereich kann Alphachloralose eingesetzt werden. Eine Liste aller genehmigter Biozid-Wirkstoffe findet sich hier.

Umweltrisiken
Bei der Verwendung von Rodentiziden (mit Antikoagulanzien) besteht die Gefahr, dass nicht nur Ratten und Mäuse sondern auch andere Tiere von den Ködern fressen und dadurch unabsichtlich vergiftet werden. Eine hohe Vergiftungsgefahr besteht ebenso für Tiere, die mit Antikoagulanzien vergiftete Nager fressen. Sie können noch an dem Gift sterben, das sich im Nager befindet. So sind vor allem Raubvögel, wie Mäusebussarde oder Eulen, aber auch räuberische Säuger, wie Füchse und Wiesel, stark gefährdet.
Antikoagulanzien der zweiten Generation (Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen) wurden zudem als potentiell persistent (P), bioakkumulierend (B) und toxisch (T) eingestuft. Solche sogenannten PBT-Stoffe werden nur sehr schlecht in der Umwelt abgebaut, können sich in Lebewesen anreichern und sind giftig.

Risikominderungsmaßnahmen
Aufgrund der ermittelten Umweltrisiken und Risiken der Resistenzentwicklung wurden in Deutschland im Rahmen der Biozid-Produktzulassung Risikominderungsmaßnahmen (RMM) festgelegt. Diese beinhalten im Wesentlichen die Beschränkung der Verwenderkategorie und die Festlegung von Kriterien einer guten fachlichen Anwendung (GfA).
Zugelassene Rodentizide mit Antikoagulanzien der zweiten Generation dürfen in Deutschland nur noch von sachkundigen Verwendern, das heißt ausgebildeten Schädlingsbekämpfern und berufsmäßigen Verwendern mit einem entsprechenden Sachkundenachweis verwendet werden. Verbraucher und berufsmäßige Verwender ohne entsprechende Sachkunde dürfen diese Produkte in Zukunft nicht mehr verwenden. Rodentizide mit Antikoagulanzien der ersten Generation (Warfarin, Coumatetralyl, Chlorophacinon) können dagegen auch weiterhin von Verbrauchern und nicht-sachkundigen berufsmäßigen Verwendern in Innenräumen und unmittelbar um Gebäude eingesetzt werden.

Gute fachliche Anwendung
Für die Verwendung von Rodentiziden mit Antikoagulanzien wurden jeweils für sachkundige und nicht-sachkundige Verwender „Allgemeine Kriterien einer guten fachlichen Anwendung von Fraßködern bei der Nagetierbekämpfung mit Antikoagulanzien (kurz: GfA)“ festgelegt. Diese allgemeinen Anwendungsbestimmungen müssen - neben produktspezifischen Bestimmungen - in der Gebrauchsanweisung zugelassener Produkte enthalten sein. Sie stellen somit rechtsverbindliche Anforderungen an die Durchführung einer Nagetierbekämpfung mit Antikoagulanzien dar und müssen bei der Anwendung der Produkte eingehalten werden. Die jeweils aktuelle Version der GfA für sachkundige und nicht-sachkundige Verwender ist hier auf der Webseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht.

Alternativen zum Einsatz von Rodentiziden
Vor allem bei der Bekämpfung von vereinzelt auftretenden Mäusen und Ratten sind (Schlag-)Fallen grundsätzlich dem Einsatz von Rodentiziden vorzuziehen. Besonders geeignete Anwendungsorte sind beispielsweise Privathaushalte und kleine Gewerberäume. Abgesehen von Umweltrisiken können Antikoagulanzien durch das Hervorrufen innerer Blutungen bei Ratten und Mäusen unter Umständen Schmerzen und Tierleid verursachen. Der Einsatz von Schlagfallen kann dagegen bei richtiger Konstruktion und Anwendung tierschutzgerechter sein.

Vorbeugende Maßnahmen
Um einem Nagerbefall vorzubeugen, sollte der Zugang von Nagetieren zu Nahrung (Lebensmittel, Tierfutter, Vorräte etc.) und Wasser verhindert werden. Zugänge zum Innenbereich wie zum Beispiel Spalten oder Löcher sollten möglichst verschlossen werden. Auch die richtige Kompostierung von Abfällen sowie die Beseitigung von Unrat oder Bodendeckern, die als Unterschlupf dienen könnten, kann das Risiko eines Nagetierbefalls verringern. Um die Ansiedlung beziehungsweise Ausbreitung von Ratten in der Kanalisation zu vermeiden, sollten keine Lebensmittel(-reste) durch die Toilette entsorgen werden.

Häufig gestellte Fragen
Die festgelegten Risikominderungsmaßnahmen für Rodentizide mit Antikoagulanzien haben bei Herstellern, Verwendern und Branchenvertretern zu einer regen Diskussion und zahlreichen Fragen geführt. Aus diesem Anlass hat das Umweltbundesamt häufig gestellte Fragen (FAQ) und deren Antworten in der Publikation „Nagetierbekämpfung mit Antikoagulanzien“ zusammengestellt.

Weitere Informationen
Weiterführende Hinweise zu Nagetierbekämpfungsmitteln und biozidfreien Alternativen sind im Biozid-Portal des UBA zu finden. Die in Deutschland bereits zugelassenen Rodentizide sind in der Biozid-Produktdatenbank der Zulassungsstelle (BAuA) in der Produktart 14 gelistet.