Umweltbewusstsein und Umweltverhalten

Die meisten Bürgerinnen und Bürger bewerten die Qualität ihrer lokalen Umwelt positiv, mit Blick auf die globalen Verhältnisse sind sie dagegen skeptisch. Umwelt- und Klimaschutz gewinnen aus Sicht der Bevölkerung daher weiter an Bedeutung. Nicht nur von der Bundesregierung, auch von sich selbst und ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern erwarten sie mehr Engagement für die Umwelt.

Das Umweltbewusstsein in Deutschland

Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt lassen seit dem Jahr 1996 alle zwei Jahre Bürgerinnen und Bürger in einer repräsentativen Umfrage nach ihrer Einschätzung der Umweltqualität sowie zu aktuellen Themen der Umweltpolitik befragen. Diese Studien zum „Umweltbewusstsein in Deutschland“ zeigen: Die Bevölkerung schätzt die Qualität der Umwelt sehr unterschiedlich ein, je nachdem ob nach der globalen, der nationalen oder der lokalen Umwelt gefragt wird.

Die meisten Bürgerinnen und Bürger sind mit der Qualität der Umwelt in der eigenen Gemeinde zufrieden. Im längerfristigen Zeitvergleich seit dem Jahr 2000 hat die Zufriedenheit mit der Umweltqualität am eigenen Wohnort um sieben Prozentpunkte zugelegt. Deutlich pessimistischer schätzten die Befragten die globale Umweltqualität ein. Die Angaben schwankten: Zwar nahm der Anteil der Befragten, die die weltweite Umweltqualität als „recht gut“ oder „sehr gut“ beurteilten, zwischen 2006 und 2012 deutlich zu. Im Jahr 2014 gaben dagegen nur 7 Prozent der Befragten an, die weltweite Umweltqualität sei zufriedenstellend (siehe Tab. „Trends in der Beurteilung von Umweltqualität“).

Im Jahr 2014 beurteilten 86 Prozent der Befragten die Umweltqualität in der eigenen Gemeinde als gut. 73 Prozent hielten die Umweltqualität in Deutschland für gut und 7 Prozent die in der Welt.
Tab: Trends in der Beurteilung von Umweltqualität
Quelle: BMUB Tabelle als PDF

Belastung durch Lärm

Eine der Umweltbelastungen, von denen sich die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland am meisten betroffen fühlen, ist Lärm. Nur ein Viertel der Befragten fühlt sich von Lärm überhaupt nicht gestört oder belästigt. Zwei Drittel meinen, dass Lärm sie mittelmäßig oder etwas belästigt. Jede und jeder Zehnte sieht sich von Lärm sogar stark oder äußerst stark gestört.

Dabei steht der Straßenverkehr als Hauptlärmquelle weiterhin mit Abstand im Vordergrund. Insgesamt 54 Prozent (%) der Befragten fühlen sich durch Straßenverkehrslärm zumindest etwas gestört oder belästigt.

Eine nachhaltigere Entwicklung der Städte und Gemeinden findet entsprechend viel Zustimmung: Eine deutliche Mehrheit (82 %) spricht sich dafür aus, dass Städte und Gemeinden gezielt so umgestaltet werden, dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist.

Politischer Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes

Nach den wichtigsten Problemen in Deutschland gefragt, nannte im Jahre 2014 bei zwei erfassten Nennungen knapp jede und jeder Fünfte (19 Prozent (%) der Befragten) spontan einen Aspekt des Umwelt- und Klimaschutzes (siehe Abb. „Umweltschutz als eines der wichtigsten Probleme“). Während im Jahr 2012 – ein Jahr nach dem Reaktorunfall von Fukushima und zum Rio+20-Gipfel – 35 % der Befragten Umwelt- und Klimaschutz thematisierten, ist der Anteil in 2014 wieder auf ein mit den Jahren von 2000 bis 2010 vergleichbares Niveau zurückgegangen.

Eine deutliche Zunahme zeigte sich dagegen bei der Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz für die Bewältigung anderer politischer Aufgaben: Im Jahr 2014 waren fast zwei Drittel der Befragten (63 %) der Meinung, dass ein hinreichender Umwelt- und Klimaschutz eine grundlegende Bedingung dafür ist, dass Zukunftsaufgaben wie zum Beispiel die Globalisierung gemeistert werden können. Bereits 2012 wurde deutlich, dass in Bezug auf die Aufgabe, die Globalisierung zu meistern, aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu verbessern, dem Umweltschutz zunehmende Bedeutung zugeschrieben wurde. Dieser Trend hat sich im Jahr 2014 weiter fortgesetzt und verstärkt (siehe Abb. „Umwelt- und Klimaschutz als Priorität für politische Aufgaben im Zeitvergleich“).

Dem höheren Stellenwert von Umwelt- und Klimaschutz steht eine eher kritische Einschätzung der Arbeit der Bundesregierung gegenüber. Der Anteil von Menschen, die meinen, die Bundesregierung tue genug oder eher genug für dieses Ziel, lag 2014 bei lediglich 34 %. Im Zeitvergleich ist hier ein Rückgang um minus 12 Prozentpunkte festzustellen.

Aber auch von sich selbst und den Mitbürgerinnen und Mitbürgern erwarten die Deutschen mehr Engagement für die Umwelt. Nur knapp mehr als ein Drittel war 2014 der Meinung, die Bevölkerung täte genug für Umwelt- und Klimaschutz. Im Zeitvergleich stellt dies gegenüber 2012 einen Rückgang um 14 Prozentpunkte dar (siehe Abb. „Beurteilung des Umweltengagements verschiedener Akteure im Zeitvergleich“).

  • Nach den wichtigsten Problemen in Deutschland gefragt, gaben im Jahre 2014 bei zwei erfassten Nennungen 19 Prozent der Befragten spontan einen Aspekt des Umwelt- und Klimaschutzes an.
    Umweltschutz als eines der wichtigsten Probleme
    Quelle: BMUB / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
  • 63 Prozent der Befragten gaben an, dass sie den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Bedingung zur Bewältigung von Zukunftsaufgaben halten. 2012 taten dies nur 40 Prozent. Auch in den anderen abgefragten Aufgabenbereichen gab es Zuwächse.
    Umwelt- und Klimaschutz als Priorität für politische Aufgaben im Zeitvergleich
    Quelle: BMUB / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
  • 75 Prozent der Befragten gaben in 2014 an, dass sich Umweltverbände ausreichend für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen. Mit Blick auf die Bundesregierung urteilten dies 34 Prozent, was einen Rückgang um 12 Prozentpunkte gegenüber 2012 darstellt.
    Beurteilung des Umweltengagements verschiedener Akteure im Zeitvergleich
    Quelle: BMUB / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
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Mehr klimabewusster Konsum

Die gestiegene Bedeutung des Klimaschutzes spiegelt sich auch im Konsumverhalten der Befragten wider. Dazu drei Beispiele:

  • Im Jahr 2014 gaben 39 Prozent (%) der Befragten an schon einmal Ökostrom bezogen zu haben. 2012 behaupteten 20 % der Befragten, Ökostrom zu beziehen. Im Jahr 2008 gaben dies nur drei % der Befragten an.
  • Im Jahr 2014 gaben 46 % der Befragten an, beim Kauf von Haushaltsgeräten immer besonders energieeffiziente Geräte zu wählen. Hinzu kommen 25 %, die häufig zur energieeffizientesten Alternative greifen. Im Jahr 2012 lag der Anteil derjenigen, die beim Kauf auf energieeffiziente Geräte achten, bei 52 %. Dies stellte gegenüber 2010 ein Rückgang um 13 Prozentpunkte dar.
  • Acht Prozent der Befragten gaben in 2014 an, finanzielle Ausgleichszahlungen für selbstverursachte Klimagase zu leisten. Die Zahl bleibt damit gegenüber 2012 fast konstant. Wenn man allerdings nur diejenigen Befragten betrachtet, für die die freiwillige Kompensation von Flugreisen der eigenen Angabe nach überhaupt relevant war, steigt der Wert 2014 auf etwa 18 %.

 

39 Prozent der Befragten gaben in 2014, bereits Ökostrom bezogen zu haben. 72 Prozent haben beim Kauf von Haushaltsgeräten immer oder häufig auf besonders effiziente Modelle geachtet. 8 Prozent haben Kompensationszahlungen bei Flugreisen geleistet.
Bereitschaft zu klimaschonendem Handeln im Zeitvergleich
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Umwelt- und Klimaschutz werden von der Bevölkerung zunehmend als Erfolgsbedingung für andere Ziele gesehen. In Bezug auf soziale Ziele ist das Meinungsbild in 2014 allerdings weiterhin gemischt: 35 Prozent (%) der Befragten sehen Umwelt- und Klimaschutz als eine grundlegende Bedingung für mehr soziale Gerechtigkeit an. Dies stellt einerseits einen Zuwachs um elf Prozentpunkte dar. Andererseits findet eine Mehrheit von 53 % beides eher unvereinbar (siehe Abb. „Umwelt- und Klimaschutz als Priorität für politische Aufgaben im Zeitvergleich“).

Die statistische Auswertung der Umfragedaten zeigt, dass Menschen mit geringem Einkommen in einigen Bereichen weniger umweltorientiert handeln als Menschen mit höheren Einkommen. Drei Beispiele:

  • Befragte mit geringem Einkommen kaufen seltener Bio-Lebensmittel und nachhaltigen Fisch.
  • Haushaltsgeräte und Leuchtmittel mit hoher Energieeffizienz werden umso eher gekauft, je höher das Haushaltseinkommen ist.
  • Die Häufigkeit des Fleischkonsums sinkt mit zunehmendem Einkommen.

In anderen Bereichen sind es dagegen eher Menschen mit geringem Einkommen, die sich umweltschonend verhalten. Zwei Beispiele:

  • Öffentliche Verkehrsmittel nutzen Menschen mit geringem Einkommen überproportional oft.
  • Bei Papierprodukten kaufen Menschen mit geringem Einkommen häufiger die ökologisch verträgliche Variante.
63 Prozent der Befragten gaben an, dass sie den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Bedingung zur Bewältigung von Zukunftsaufgaben halten. 2012 taten dies nur 40 Prozent. Auch in den anderen abgefragten Aufgabenbereichen gab es Zuwächse.
Umwelt- und Klimaschutz als Priorität für politische Aufgaben im Zeitvergleich
Quelle: BMUB / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
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