HBM4EU: Europäische Human Biomonitoring Initiative

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HBM4EU
Quelle: HBM4EU

Um die Datenlage zum Human-Biomonitoring in den Mitgliedstaaten der EU zu erfassen und die gesundheitlichen Folgen der Schadstoffbelastung besser zu verstehen fördert die EU-Kommission das Projekt „European Human Biomonitoring Initiative“ (HBM4EU) mit über 74 Millionen Euro im Rahmen des Förderprogramms „Horizon 2020“.

Ziel des Projektes ist die Zusammenführung bereits vorhandener Daten und die Durchführung gemeinsamer Studien und die Faktengrundlage für die Umwelt- und Chemikalienpolitik der Union zu verbessern. Dadurch sollen unter anderem Wissenslücken adressiert und innovative Ansätze gefördert werden.

Die Leitung des Konsortiums mit 109 Partnern aus 28 Ländern hat das UBA übernommen. Im Konsortium kommt die europäische Human-Biomonitoring Expertise aus 24 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Island, Israel und der Schweiz zusammen. HBM4EU legt den Fokus auf die Bildung eines gesamteuropäischen Netzwerks. Empirische Daten und Ergebnisse von Studien sollen in die europäische Umwelt- und Gesundheitspolitik einfließen und sie zielgerichtet verbessern. Langfristiges Ziel ist ein gemeinsames europäisches Programm zur Überwachung und wissenschaftlichen Bewertung der Exposition von Menschen in Europa gegenüber Chemikalien und den potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen und eine Verbesserung der entsprechenden rechtlichen Regelungen.

Die Europäische Human Biomonitoring Initiative (HBM4EU) soll Wissen generieren, um über das sichere Management von Chemikalien zu informieren, und so die menschliche Gesundheit in Europa schützen. Das Human-Biomonitoring wird eingesetzt, um die Exposition von Menschen gegenüber Chemikalien und die daraus resultierenden gesundheitlichen Auswirkungen zu verstehen. Außerdem wird mit den politischen Entscheidungsträgern kommuniziert, um sicherzustellen, dass unsere Ergebnisse bei der Konzeption neuer Chemikalienpolitiken und bei der Bewertung bereits bestehender Maßnahmen genutzt werden.

Die Rolle von Human-Biomonitoring bei der Bewertung und dem Management chemischer Risiken

Umweltchemikalien werden in einer breiten Palette von Produkten verwendet - einschließlich medizinischer und tierärztlicher Produkte, sowie in der Landwirtschaft und bei der Schädlingsbekämpfung – und bieten zahlreiche Vorteile für die Gesellschaft. Gleichzeitig haben gefährliche Umweltchemikalien Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt, verursachen Kosten für das Gesundheitssystem und führen zu einer verringerten Umweltqualität. Deshalb will die Europäische Union mit ihrem 7. Umweltaktionsprogramm bis zum Jahr 2020 den „Schutz der Unionsbürger vor umweltbedingten Belastungen, Gesundheitsrisiken und Risiken für die Lebensqualität“ erreichen sowie eine „Verbesserung der Wissens- und Faktengrundlage für die Umweltpolitik der Union“.

Auf europäischer Ebene fehlen harmonisierte Informationen über die Schadstoffbelastung von Bürgern durch Umweltchemikalien und deren Zusammenwirken mit anderen gleichzeitig auftretenden Umweltbelastungen sowie den Auswirkungen auf die Gesundheit. Dies erschwert eine zuverlässige Risikobewertung und -steuerung von Umweltchemikalien. Jeder von uns ist im Alltag einem komplexen Mix von Chemikalien ausgesetzt - durch Umwelteinflüsse, Produkte, Kosmetika, Lebensmittel, Trinkwasser und am Arbeitsplatz. Für viele Umweltchemikalien sind die gesundheitlichen Auswirkungen, die mit einer lebenslangen Exposition einhergehen, unbekannt. Zudem ist das Wissen über gesundheitliche Auswirkungen von Chemikalienmixturen begrenzt.
Das Human-Biomonitoring (HBM) ermöglicht es, zu messen, inwieweit die Bevölkerung Umweltchemikalien ausgesetzt bzw. durch sie belastet ist. Hierbei werden entweder die Substanzen selbst, ihre Metaboliten oder Marker für gesundheitlichen Auswirkungen in Körperflüssigkeiten oder Gewebe gemessen. Informationen über die menschliche Exposition können dann mit Daten über die Quellen der Umweltchemikalien und epidemiologischen Untersuchungen verknüpft werden.

Ziele des Gemeinsamen Europäischen Programms HBM4EU

Zu den wichtigsten Zielen gehören:

  • Harmonisierte Methoden auf EU-Ebene
  • Bereitstellen existierender nationaler Daten, Erheben neuer HBM-Daten
  • Verknüpfung dieser Daten mit Daten zur äußeren Exposition, Identifikation der Expositionspfade
  • Entwicklung neuer Methoden, auch für HBM am Arbeitsplatz
  • Kausalzusammenhänge zwischen Belastung und Gesundheit klären
  • Fragen der EU-Behörden beantworten und zur Verbesserung der Politikgestaltung / Risikobewertung von Chemikalien beitragen
  • Politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit Informationen über Gesundheitsrisiken durch Schadstoffbelastung zur Verfügung stellen 
  • Aufbau und Verstetigung einer HBM-Infrastruktur in ganz Europa

Um diese Ziele zu erreichen, will das Konsortium Initiativen zum Human Biomonitoring in 26 Ländern harmonisieren - ausgehend von dem vorhandenen Fachwissen und durch den Aufbau neuer Kapazitäten. In jedem Land werden so genannte „National Hubs“ eingerichtet, die die Aktivitäten koordinieren, um letztlich eine robuste Human-Biomonitoring-Plattform auf europäischer Ebene zu schaffen.

Die Initiative trägt direkt zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens für alle Bürger bei, indem sie untersucht, wie die Exposition gegenüber Umweltchemikalien die Gesundheit von verschiedenen Gruppen beeinflusst – z. B. Kinder, Schwangere, Föten und Arbeitnehmer. Es wird ebenfalls untersucht, inwieweit Faktoren wie Verhalten, Lebensstil und sozioökonomischer Status die interne Exposition gegenüber Umweltchemikalien in der EU-Bevölkerung beeinflussen. Dieses Wissen wird direkt an die Politik weitergegeben, um durch entsprechende Maßnahmen die chemische Belastung zu verringern und die menschliche Gesundheit zu schützen.

HBM4EU wird fünf Jahre laufen - von 2017 bis 2021 - mit dem Ziel der Einführung eines nachhaltigen Programms. Das HBM4EU Konsortium hat im Rahmen der Erstellung des Arbeitsplans für das erste Jahr prioritäre Stoffgruppen identifiziert, die im Mittelpunkt der Aktivitäten 2017 stehen werden. Zusätzliche Priorisierungen von Stoffgruppen werden während der Laufzeit des Projekts durchgeführt - auch um dynamisch auf politische Bedürfnisse reagieren zu können.

Das erste Jahr wird im Wesentlichen darauf ausgerichtet sein, bestehende HBM-Daten für die neun priorisierten Stoffgruppen zu sammeln und abzugleichen, geeignete Daten auf der „Information Platform for Chemical Monitoring“ (Informationsplattform zur Überwachung von Chemikalien - IPCheM) verfügbar zu machen und festzulegen, welche aktuellen politischen Fragestellungen mit den vorhandenen Daten beantwortet werden können. Auf diese Weise kann beurteilt werden, inwieweit eine solide Datenbank mit vergleichbaren HBM-Daten aus der EU Antworten auf wichtige politische Fragen geben kann.

Erste Priorisierung und ausgewählte Stoffgruppen

Bei der Entwicklung von Prioritäten für den ersten Arbeitsplan für das Jahr 2017, hat das Konsortium eine Liste von Stoffgruppen erarbeitet. Dabei wurden sowohl der nationale als auch der EU-spezifische politische Bedarf an Kenntnissen über die chemische Exposition und die gesundheitlichen Folgen berücksichtigt. In einem ersten Schritt wurden Stoffe, für die Wissen zur Unterstützung von aktuellen EU-Politiksetzungsmaßnahmen benötigt wird, durch einen engen Dialog mit einem EU-Politikausschuss ermittelt. Die Inputs der nationalen Ebene wurden durch einen Lenkungsausschuss eingebracht, der sich aus nationalen Vertretern zusammensetzte.

Das Set von Kriterien umfasst  unter anderem die Fragen, ob ein Stoff für die menschliche Gesundheit von Belang ist, ob es einen Nachweis der Exposition auf Menschen und/oder Umwelt auf EU-Ebene gibt und ob es offene politische Fragen gibt. Auch die finanzielle und technische Durchführbarkeit der Stoffüberwachung war ein Kriterium.

Diese erste Prioritätensetzung führte zu neun Gruppierungen von Stoffen, die 2017 und 2018 im Fokus der Aktivitäten stehen werden.

Die Liste der priorisierten Stoffgruppen umfasst:

  • Phthalate und Hexamoll® DINCH,
  • Bisphenole,
  • per- und polyfluorierte Verbindungen,
  • Flammschutzmittel,
  • Cadmium und Chrom,
  • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK),
  • Gruppe der Aniline,
  • chemische Mixturen und
  • neue/unbekannte Stoffe

Während der fünfjährigen Laufzeit des Projekts sollen zwei weitere Abstimmungen zu Prioritäten durchgeführt werden. Das Konsortium baut auf den Erfahrungen der ersten Prioritätensetzung auf, mit einem verfeinerten Ansatz, der die Transparenz erhöhen und die Zugänglichkeit für Stakeholder ermöglichen soll.

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