Lüften wegen "dicker" Luft

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Die Luftqualität kann durch regelmäßiges Lüften verbessert werden.
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Was ist "dicke" Luft und wie entsteht sie? Was hilft, keine zu bekommen oder sie schnellstmöglich los zu werden?

Die Energieeinsparverordnung

Die deutsche Energieeinsparverordnung (EnEV) ist seit 2002 in Kraft. Sie fordert umfangreiche planerische und bauliche Maßnahmen, damit in neu errichteten Gebäuden und umfangreich sanierten Altbauten der Primärenergiebedarf beim Heizen der Gebäude deutlich sinkt. Dieses Ziel wird in erster Linie erreicht durch energiesparende Heiztechnik und Warmwasserbereitung sowie bessere Dämmung und Abdichtung der Gebäudehülle.

Der Austausch zwischen Innenraum- und Außenluft bei geschlossenen Fenstern und Türen liegt in Gebäuden, die nicht dem aktuellen Niedrigenergiehaus-Standard entsprechen, zwischen einem halben und zwei Raumvolumina pro Stunde, je nachdem, wie dicht Fenster und Türen sind – das bedeutet: Die Luft des Raumes wird bis zu zwei Mal pro Stunde ausgetauscht. In Gebäuden die nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung errichtetet sind, liegt der Austausch teilweise weit unter einem halben Raumvolumen pro Stunde. Dadurch kann „dicke” Luft entstehen.

Was ist „dicke” Luft?

Ist der Austausch von Außenluft und Innenluft verringert, können sich in der Wohnung Schadstoffe anreichern: Bauprodukte und Ausstattungsgegenstände (zum Beispiel Teppiche, Möbel, Wandfarben) können viele flüchtige organische Verbindungen (Volatile Organic Compounds, VOC) und schwerflüchtige organische Verbindungen (Semivolatile Organic Compounds, SVOC) freisetzen. Auch menschliche Aktivitäten können zur Verschlechterung der Raumluftqualität beitragen. Bei geringem Luftwechsel sind erhöhte Schadstoff- und Wasserdampf-Konzentrationen möglich. Die Wirkungen der Innenraumschadstoffe auf die Gesundheit können vielfältig sein und zum Beispiel Reizerscheinungen der Atemwege, Allergien und andere gesundheitliche Störungen hervorrufen. Zuviel Wasserdampf führt zu Schimmelbefall.  Schimmelbildung ist geradezu dort programmiert, wo Luftfeuchtigkeit an kalten Wänden kondensiert und diese nicht wieder trocknen können, weil zum Beispiel Möbel davor stehen. In einem solchen Fall ist eine nachträgliche Dämmung der Außenwände zu empfehlen, um die Gefahr für Tauwasserbildung zu verringern. Dies allein reicht bei einer dichten Gebäudehülle aber nicht aus, die Bewohnerinnen und Bewohner müssen auch aktiv mehr lüften.

Was tun gegen „dicke” Luft?

Sie können die Luftqualität verbessern, indem Sie schadstoffarme Bauprodukte einsetzen und vermehrt lüften. Sie können eine mechanische Lüftungsanlage einbauen, die fortwährend für ausreichenden Luftaustausch sorgt. Jedoch sollten Sie diese regelmäßig warten und kontrollieren lassen, damit sich Mikroorganismen (Bakterien, Schimmelpilze) nicht in der Anlage vermehren.

Um schadstoffarme Produkte zu erkennen, können sich Verbraucherinnen und Verbraucher an Umweltzeichen wie dem Blauen Engel orientieren.