Umweltmonitoring auf King George Island

Eine Forschungsstation auf der Fildes Halbinsel in der Antarktis.zum Vergrößern anklicken
Die Fildes-Region steht unter hohem Nutzungsdruck. Umweltmonitoring hilft die Folgen aufzuzeigen.

Forschungsstation auf Fildes Halbinsel, Antarktis

Quelle: Christina Braun/FSU Jena

King George Island ist die größte der Südshetlandinseln und beherbert wegen der guten Erreichbarkeit von Südamerika aus mittlerweile 14 Forschungsstationen und Hütten von rund einem Dutzend Nationen. Bau und Betrieb dieser Stationen erfordern erhebliche logistische Aktivitäten, die die Umwelt belasten. Ein Umweltmonitoring soll helfen, Probleme zu erkennen und zu lösen.

Inhaltsverzeichnis

 

Die Fildes Peninsula Region – bedrohte Natur zwischen Logistik und Forschung

King George Island ist die größte der Südshetlandinseln (South Shetland Islands), sie liegt knapp 900 Kilometer südlich von Feuerland. Das südwestliche Ende der Insel, bekannt als Fildes-Halbinsel, ist felsig und nicht von Eis bedeckt.

Die Fildes-Region weist die höchste Stationsdichte der gesamten Antarktis auf, gleichzeitig verfügt sie über ein relativ hohes Maß an Biodiversität. Anlass für die seit vielen Jahren auf internationaler Ebene andauernden Bemühungen um die Verbesserung des Managements war die ungenügende Koordination der wissenschaftlichen, logistischen und touristischen Aktivitäten auf der Fildes-Halbinsel, die bis in die jüngste Vergangenheit zu erheblichen Umweltbelastungen führte. Fünf Stationen und vier Hütten (von Argentinien, Brasilien, Chile, China, Russland, Uruguay) auf dem etwa 30 km² großen Gebiet in Verbindung mit weiteren menschlichen Aktivitäten setzen die Region einem hohen Nutzungsdruck aus. Die Fildes-Halbinsel und die vorgelagerte Insel Ardley werden intensiv für wissenschaftliche und logistische Aktivitäten und zunehmend auch vom wachsenden Tourismus in Anspruch genommen. In der Folge bildeten sich regelrechte Müllkippen, es kam zu gravierenden Schäden an der empfindlichen Vegetation und zur Landschaftszerstörung. Des Weiteren verloren verschiedene Seevogelarten ihre Brutplätze, so wanderte etwa der Südliche Riesensturmvogel von Teilen seiner traditionellen Brutplätze ab.

Die Karte zeigt die Maxwell Bay in der Antarktis. Sie ist umgeben von King George Island und Nelson Island.
Karte der Maxwell Bay Region
Quelle: Christina Braun/FSU Jena
 

Monitoring und Management als Lösung?

Die vergleichsweise hohe Biodiversität und die bedeutenden Fossilienfunde in der Region führten dazu, dass es auf der Fildes-Halbinsel zur Ausweisung zweier „Besonderer antarktischer Schutzgebiete” (Antarctic Specially Protected Area, ASPAs) kam. Ziel der aktuellen Bemühungen ist es, diese Region als ein „Besonderes antarktisches Verwaltungsgebiet” (Antarctic Specially Managed Area, ASMA)  auszuweisen, um die Aktivitäten vor Ort besser zu koordinieren und umweltverträglicher zu gestalten.
Seit 2003 führt das Institut für Ökologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Auftrag des Umweltbundesamtes das Forschungsprojekt „Evaluierung des Gefährdungsgrades der Gebiete Fildes Peninsula und Ardley Island und Entwicklung der Managementpläne zur Ausweisung als besonders geschützte oder verwaltete Gebiete” durch. In diesem Projekt wurden Daten über einen Zeitraum von drei Jahren (2003-2006) erfasst und Maßnahmen vorgeschlagen, die darauf abzielen, Forschung und Tourismus in der stark frequentierten Fildes-Region möglichst umweltverträglich zu gestalten.

Jüngsten Erkenntnissen nach belasten Bauaktivitäten zusätzlich die antarktische Umwelt auf King George Island. Dies geht aus dem zweiten Bericht der deutschen Polarforscherinnen und Polarforscher über den Zeitraum von 2008 bis 2012 hervor. Bauaktivitäten sowie Flug- und Schiffsverkehr führen zu enormen Umweltbelastungen wie Störungen brütender Pinguine, Zerstörung von Gelegen oder Ölkontaminationen von Boden und Gewässern. Selbst die beiden Schutzgebiete der Region sind durch die logistischen Aktivitäten belastet.
Die parallel dazu angestoßene internationale Diskussion mit den Antarktis-Konsultativstaaten mündete im Laufe der Jahre in diversen Gesprächsrunden und Workshops. Gegenwärtig führt das UBA die gemeinsam mit Chile übernommene Leitung und Koordinierung der Internationalen Arbeitsgruppe zur Diskussion des Gebietsmanagements für die Fildes-Region (International Working Group for the Fildes Peninsula Region) beim Ausschuss für Umweltschutz (CEP) fort.

 

Umweltmonitoring in der Maxwell Bay

Die dicht mit Forschungsstationen besetzte Fildes-Region ist Teil des Gebietes um die Maxwell Bay zwischen King George Island und Nelson Island, in der sich weitere Stationen (Carlini/Argentinien mit Dallmann/Deutschland sowie King Sejong/Südkorea) befinden.

Um ein mögliches Umweltmonitoring in einen räumlich größeren Kontext aufbauen zu können, erstrecken sich die aktuellen Aktivitäten dazu über weitere Teile der Maxwell Bay. Das aktuell laufende UBA-Forschungsvorhaben „Monitoring zu den Folgen von Klimawandel, Forschung, Logistik und Tourismus auf die Schutzgüter der eisfreien Gebiete der Maxwell Bay (King George Island, Antarktis)″ umfasst folgende Arbeiten:

  • Erfassung und Kartierung der aktuellen Häufigkeit und Verbreitung der Brut- und Rastvögel, Ermittlung des Bruterfolgs der Pinguine, Riesensturmvögel und Skuas
  • Erfassung der Robbenbestände
  • Kartierung und Dokumentation der Gletscherrückzugsgebiete
  • Erfassung des Auftretens nicht-heimischer Arten
  • Erfassung des Schiffs- und Flugverkehrs sowie von Tourismus-Aktivitäten
  • Registrierung von Havarien und größeren Umweltschäden

Dabei arbeiten die deutschen Polarforscherinnen und Polarforscher mit Wissenschaftlern anderer Nationen wie beispielsweise Südkorea eng zusammen. Die Zusammenarbeit reicht vom Datenaustausch bis hin zu gemeinsamen Feldarbeiten.