Flüchtige organische Verbindungen

Braune Apothekenfläschchen mit Etiketten beschriftet, zum Beispiel Benzinzum Vergrößern anklicken
Flüchtige organische Verbindungen sind Stoffe, die sich leicht in ein Gas verwandeln.
Quelle: Claudia Paulussen / Fotolia.com

Flüchtige organische Verbindungen sind teils natürlichen Ursprungs, teils in Gebrauchsgegenständen des täglichen Bedarfs enthalten, und erreichen ständig unsere Nase und Haut. Welche gesundheitlichen Wirkungen können sie haben? Wie können unerwünschte Kontakte vermindert werden?

Flüchtige organische Verbindungen (VOC)

Die englische Abkürzung VOC (Volatile Organic Compounds) bezeichnet die Gruppe der flüchtigen organischen Verbindungen. VOC umschreibt gas- und dampfförmige Stoffe organischen Ursprungs in der Luft. Dazu gehören zum Beispiel Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde und organische Säuren. Viele Lösemittel, Flüssigbrennstoffe und synthetisch hergestellte Stoffe können als VOC auftreten, aber auch zahlreiche organische Verbindungen, die in biologischen Prozessen gebildet werden. Viele hundert verschiedene Einzelverbindungen können in der Luft gemeinsam auftreten.

Fachleute unterscheiden VOC von den sehr flüchtigen organischen Verbindungen (Very Volatile Organic Compounds, VVOC) und den schwerflüchtigen organischen Verbindungen (Semivolatile Organic Compounds, SVOC). Die Summe der Konzentrationen sämtlicher VOC ergibt den TVOC-Wert (Total Volatile Organic Compounds).

Was sind die Quellen für VOC?

VOC entstehen aus sehr unterschiedlichen Quellen. Biologische Prozesse können Außenluftquellen sein, zum Beispiel Pflanzenstoffwechsel-, Fäulnis- und Abbauprozesse. Weitere Außenluftquellen sind technische Prozesse, in denen Stoffe aus unvollständiger Verbrennung entstehen (besonders Kraftverkehrsabgase) oder als flüchtige Nebenprodukte aus industriellen und gewerbemäßigen Vorgängen. Mögliche Innenraumquellen sind Produkte und Materialien zum Bau von Gebäuden und zur Innenausstattung (zum Beispiel Fußboden-, Wand- und Deckenmaterialien, Farben, Lacke, Klebstoffe, Möbel und Dekormaterialien). Bedeutsam sind zudem Pflege-, Reinigungs- und Hobbyprodukte, auch Tabakrauchen, selbst die Nahrungsmittelzubereitung sowie der menschliche Stoffwechsel.

Gegenüber Außenluft- haben Innenraumquellen in Mitteleuropa in der Regel eine deutlich größere gesundheitliche Bedeutung, da sich die Menschen überwiegend in Gebäuden aufhalten. Zudem ist der Abstand zu den VOC-Quellen drinnen meist geringer. VOC aus der Außenluft können auch in den Innenraum gelangen. In der Regel werden jedoch beim Lüften die ursprünglichen Innenraum-Konzentrationen vermindert.

Wie gelangen VOC in die Luft?

Wenn Lösemittel oder Flüssigbrennstoffe verdunsten und flüssige oder pastöse Produkte trocknen, entweichen VOC in großen Mengen in die Umgebungsluft. Weniger offensichtlich ist die Verbreitung unterschiedlicher Begleitstoffe, die nicht fest in Produkte eingebunden sind. Sie können langsam von der Produktoberfläche an die Luft abgegeben und stetig aus dem Produktinneren an die Oberfläche nachgeliefert werden (Materialemission). Das betrifft zum Beispiel restliche Lösemittel und Bausteine in Kunststoffen (Monomere), Hilfsstoffe wie Weichmacher, Lösungsvermittler, Antioxidationsmittel, Stabilisatoren und Katalysatoren aus dem Produktionsprozess, sowie Begleitstoffe wie Duftstoffe, Flammschutzmittel und biozide Wirkstoffe. Typische VOC sind auch Terpene , Sie werden aus Materialien und Produkten natürlichen Ursprungs an die Luft abgegeben, zum Beispiel aus Holz. VOC entstehen auch als Reaktionsprodukte, zum Beispiel zwischen Sauerstoff, Ozon oder Wasser mit Inhaltsstoffen natürlicher Herkunft, wie sie etwa in Holz und pflanzlichen Ölen enthalten sind.

Welche gesundheitlichen Wirkungen können VOC haben?

Üblicherweise sind die einzelnen VOC-Konzentrationen sehr gering und gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht zu befürchten. Das Umweltbundesamt hat eine repräsentative Übersicht der in Wohnungen in Deutschland vorkommenden VOC erstellt. Konzentrationen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen bewirken, können unmittelbar nach Bau- und umfangreichen Renovierungsmaßnahmen auftreten, sowie bei unsachgemäßer Verarbeitung und massivem Einsatz wenig geeigneter Produkte. Geruchsbelästigungen, Reizungen und Symptome, die nicht unmittelbar einer Krankheit zugeordnet werden können, wurden als akute Wirkungen auf Menschen beschrieben. Diese Effekte müssen vermieden werden, ebenso mögliche chronische Wirkungen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus toxikologischen Beurteilungen abgeleitet haben; besonders natürlich krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Wirkungen. Sind solche Wirkungen von Stoffen bekannt, dürfen diese in der Regel im Endprodukt nicht mehr eingesetzt werden (Chemikalien-Verbotsverordnung). Nicht völlig auszuschließen ist jedoch, dass VOC mit derartigem Wirkungspotenzial in Spuren im Produkt enthalten sind, falls sie in unkontrollierten Vorprodukten oder recycelten Materialien vorhanden waren. Für einige häufig vorkommende und gesundheitlich besonders bedeutende VOC hat eine Arbeitsgruppe am Umweltbundesamt Richtwerte für die Innenraumluft erarbeitet.

Wie können VOC vermindert werden?

erbraucherinnen und Verbraucher sollten emissionsarme Produkte und Materialien wählen. Dabei können sie sich an Umweltzeichen wie dem Blauen Engel orientieren. Bei umfangreicheren Bau- oder Renovierungsmaßnahmen können sie schauen, ob die Materialien laut AgBB-Bewertungsschema geprüft sind. Sowohl Materialien mit einem anerkannten Umweltzeichen als auch erfolgreich nach dem AgBB-Schema getestete bieten die Gewähr, dass die mögliche VOC-Abgabe auf ein geringes Maß reduziert ist.

Wenn in der Wohnung gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten und ein Zusammenhang mit VOC vermutet wird, ist die Suche nach den Quellen meist schwierig. Innenraumluftmessungen und Emissionsmessungen an verschiedenen Materialien sind sehr aufwändig und bringen häufig nicht die gewünschte Klarheit. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollten deshalb fachlichen Rat einholen. Sie finden Sachverständige über kommunale Gesundheits- und Umweltämter, die Industrie- und Handelskammern oder im Internet. Fachleute können oft schon durch eine Inspektion der Wohnung und Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner die wahrscheinliche VOC-Quelle feststellen. Sind die Quellen der VOC-Belastung eindeutig ermittelt, muss individuell über ihre Beseitigung entschieden werden - je nach Art und Umfang der möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung, nach Höhe und zu erwartendem Rückgang der VOC-Konzentration sowie den Kosten. Auch hierbei sollte fachlicher Rat einbezogen werden, ob und wie die VOC-Quellen entfernt, eingeschlossen oder behandelt werden sollen. Grundsätzlich ist es immer hilfreich, durch Lüften eine VOC-Konzentration in Innenräumen zu vermindern.

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 Allgemeine Gesundheit  Flüchtige organische Verbindung  Chemikalien