Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit, GerES 2014-2017

6 Kinder stehen lachend auf einem liegenden Baumstamm für ein Gruppenfoto, die Arme jeweils auf den Schultern des Nachbarnzum Vergrößern anklicken
Kinder und Jugendliche aus 160 Städten untersucht das UBA auf Schadstoffe
Quelle: Christian Schwier / Fotolia.com

FAQ

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Zwischen 2014 und 2017 untersucht das Umweltbundesamt, wie stark Kinder und Jugendliche in Deutschland durch Umwelteinflüsse belastet sind. Zur Studie eingeladen werden nach statistischen Kriterien ausgewählte Familien. Wer mitmacht, liefert wichtige Erkenntnise über die Gesundheit der jungen Generation – ein Check der Umweltauswirkungen auf den eigenen Nachwuchs inklusive.

Aktuelle Studie: Die Jugend im Fokus

Das Umweltbundesamt (UBA) führt in den Jahren 2014 bis 2017 die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, GerES 2014-2017 (bisher 5. Umwelt-Survey genannt) durch. Zur Teilnahme wird das UBA Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 17 Jahren aus mehr als 160 deutschen Städten und Gemeinden einladen, die bereits an der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS, Welle 2) des Robert Koch-Instituts (RKI) teilgenommen haben. Der Studienablauf wurde bereits in einer Vorstudie mit Familien aus Berlin erprobt.

Das UBA analysiert die Umweltbelastung der jungen Generation ergänzend zur Gesundheitsstudie des RKI. So lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie Schadstoffe und andere Umweltfaktoren die Entwicklung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinflussen können. Auch liefern die Ergebnisse Informationen, wie jeder einzelne seine Gesundheit fördern und Umweltbelastungen vermeiden kann. Genutzt werden sie außerdem als Entscheidungsgrundlage seitens der Politik für Regelungen zum Schutz von Mensch und Umwelt. Gemeinsam mit dem RKI wurde bereits die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern (ehemals Kinder-Umwelt-Survey, KUS) zwischen 2003 und 2006 realisiert.

Ziele der Studie

In der Deutschen Umweltweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen soll über Fragebögen sowie Lärm- und Schadstoffanalysen die Belastung von Kindern und Jugendlichen ermittelt und analysiert werden, inwieweit Umwelteinflüsse die Gesundheit der jungen Generation beeinflussen können. Wesentlicher Bestandteil all dieser Umweltstudien ist das sogenannte Human-Biomonitoring (HBM), in dessen Rahmen Blut- und Urinproben der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer auf Schadstoffe untersucht werden. Da das Umweltbundesamt die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit nach einheitlichen Qualitätsstandards und mit größtenteils gleichbleibenden Methoden durchführt, können Veränderungen in der Umweltbelastung über viele Jahre hinweg aufgezeigt werden.

Neben der aktuellen Belastung und deren Einfluss auf die Gesundheit soll in GerES geklärt werden

  • woher einzelne Schadstoffe stammen und über welche Belastungspfade sie aus der Umwelt zum Menschen gelangen
  • wie sich die Belastung von Menschen durch die Umwelt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert hat
  • welche regionalen Unterschiede es gibt
  • welche Vergleichswerte sinnvoll sind, um die Schadstoffbelastung von Kindern und Jugendlichen bundesweit einheitlich einzuschätzen

Vorstudie

Bevor die Hauptstudie beginnen kann, muss sichergestellt sein, dass alle Instrumente, beispielsweise die Fragebögen und die Messgeräte, gut funktionieren. In der sogenannten Vorstudie, auch Pretest genannt, wurde 2013 der Ablauf der Studie mit knapp 40 Kindern und Jugendlichen zwischen drei und siebzehn Jahren in Berlin erprobt.

Am Testlauf beteiligt waren das Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH (infas), das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT), die Gesellschaft für Angewandte Mathematische Statistik in Biologie und Medizin mbH (BioMath) und das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA).

Die Informationen zur Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (ehemals 5. Umwelt-Survey genannt) auf diesen Seiten gelten größtenteils sowohl für die Vorstudie als auch für die Hauptstudie.

Auswahl der Studienteilnehmer

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen kommen aus mehr als 160 deutschen Städten und Gemeinden. Alle eingeladenen Kinder und Jugendlichen haben bereits an der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS, Welle 2) des Robert Koch-Instituts (RKI) teilgenommen. Sie wurden dazu stellvertretend für ihr Alter, für Mädchen und Jungen und für ihren Wohnort nach einem Zufallsverfahren aus dem Melderegister der Gemeinden ausgesucht. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das Ergebnis der Studie  repräsentativ ist, das heißt, sich auf alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland übertragen lässt.

Je mehr Personen an der Erhebung teilnehmen, desto aussagekräftiger ist ihr Ergebnis. Als kleinen Bonus erhalten die Familien, falls Sie möchten, eine umweltmedizinische Bewertung der gefundenen Schadstoffmesswerte.

Das UBA hat sich bewusst dafür entschieden, die Umweltbelastung von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen. Aus mehreren Gründen gilt die junge Generation als Risikogruppe für Gesundheitsbeeinträchtigungen durch die Umwelt:

  • Kleinkinder nehmen gerne Dinge in den Mund, krabbeln und spielen auf dem Fußboden oder buddeln im Sand. Dadurch nehmen sie bestimmte Schadstoffe intensiver auf als Erwachsene.
  • Der Körper junger Menschen befindet sich ständig in der Entwicklung und ist dadurch besonders anfällig.
  • Im Körper von Kindern und Jugendlichen werden Schadstoffe und andere Umwelteinflüsse oft anders verarbeitet als in dem von Erwachsenen.
  • Kinder und Jugendliche nehmen in Relation zu ihrem Körpergewicht mehr Schadstoffe auf.

Problemstoffe

Im Rahmen der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen werden Trinkwasser-, Urin-, Hausstaub- und Luftproben untersucht und auf Schadstoffe getestet. Das UBA sucht vor allem nach Stoffen, von denen bekannt ist oder vermutet wird, dass sie unter Umständen zu gesundheitlichen Schäden führen können. Dazu gehören etwa:

  • Stoffe, die den Stoffwechsel durcheinander bringen können. Sogenannte Phthalate, die als Weichmacher in PVC enthalten sind, stehen beispielsweise im Verdacht, ähnlich wie Hormone zu wirken
  • Nervengifte wie Quecksilber, das etwa durch Umweltverschmutzung in die Ozeane gelangt und von Meerestieren wie Fischen aufgenommen wird
  • Lösungsmittel aus Lacken oder Schädlingsbekämpfungsmitteln, die zum Beispiel die Schleimhäute reizen, sogenannte Pyrrolidone
  • Lärm, der etwa Schlafstörungen verursachen kann – mit gesundheitlichen Folgen
  • potenziell krebserregende Stoffe wie einige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). In Spuren sind sie beispielsweise in Benzin enthalten und können sich an stark befahrenen Straßen im Hausstaub anreichern

Hausbesuch

Wer an der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen teilnimmt, wird an einem zuvor vereinbarten Termin zu Hause besucht. Um möglichen Schadstoffquellen auf die Spur zu kommen, werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihren Lebensgewohnheiten, Ernährungsvorlieben oder Hobbys befragt. Außerdem

  • bittet das UBA die Familien, einen Fragebogen zur Gesundheit ihres Kindes auszufüllen.
  • wird der Morgenurin aller teilnehmenden Kinder und Jugendlichen analysiert, ebenso eine Trinkwasserprobe und in ausgewählten Haushalten der Inhalt eines Staubsaugerbeutels.
  • misst eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter den Lärmpegel vor dem Kinderzimmerfenster.
  • bleiben, wenn die Familien einverstanden sind, für sieben Tage unterschiedliche Geräte (Passivsammler) im Haushalt, um chemische Substanzen oder Schwebestaub in der Luft zu messen.
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Analyse der Proben in der aktuellen Umweltstudie zur Gesundheit

Was Urin, Lärmmessung und Co. verraten

  • Überblick

    Über den Morgenurin bestimmen die Forscherinnen und Forscher des UBA unter anderem die Belastung der Kinder und Jugendlichen mit Weichmachern, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Metallen, Parabenen, bestimmten Pflanzenschutzmitteln, Pyrrolidonen und durch Rauchen und Passivrauchen (Cotinin). Einige der erwähnten Stoffe wirken ähnlich wie Hormone, können Krebs begünstigen oder Allergien auslösen.

  • Weichmacher im Urin

    Im Fokus stehen Phthalate und ihre Ersatzstoffe. Als Weichmacher werden sie vor allem in PVC verwendet und sind beispielsweise in Kinderspielzeug, Lebensmittelfolien, Bodenbelägen, Schläuchen, Dichtungen oder Teppichböden zu finden. Einige Phthalate haben hormonähnliche Eigenschaften und sind als fortpflanzungsschädigend eingestuft.

    Im Körper werden Phthalate schnell abgebaut, sodass im Urin die Abbauprodukte, sogenannte Metabolite zu finden sind. Das UBA bestimmt im 5. Umwelt-Survey die Mengen der Metabolite von mehr als zehn Phthalaten und Phthalat-Ersatzstoffen. Darunter: DEHP (Di(2-ethylhexyl)-Phthalat), DnBP (Di-n-butyl-Phthalat), DiBP (Di-iso-butyl-Phthalat), BBzP (Butylbenzyl-Phthalat), DEP (Diethyl-Phthalat), DiNP (Di-iso-nonyl-Phthalat), DIDP (Di-iso-decyl-Phthalat), DMP (Di-methyl-Phthalat), DnPeP (Di-n-pentyl-Phthalat), DnOP (Di-n-octyl-Phthalat), DChP (Di-cyclo-hexyl-Phthalat), DPHP (Di-propy-heptyl-Phthalat) und DINCH (Di-iso-nonyl-cyclohexan-1,2-dicarboxylat).

  • PAK im Urin

    Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen, wenn organisches Material, wie Holz, Kohle oder Öl unvollständig verbrennen. Sie kommen auch in Teer, gebrauchten Motorölen oder Ruß vor. Viele PAK sind krebserregend, können das Erbgut schädigen oder die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden. Es gibt Hinweise, dass Kinder empfindlicher auf PAK reagieren als Erwachsene.

    Nachgewiesen werden PAK im Urin über den Gehalt der Stoffwechselprodukte 1-Hydroxypyren, 1-Hydroxypheanthren, 2-Hydroxyphenanthren, 3-Hydroxyphenanthren und 4-Hydroxyphenanthren.

  • Cotinin im Urin

    Nach wie vor ist Rauchen und damit auch Passivrauchen in Deutschland verbreitet. Weil Nikotin schon nach kurzer Zeit nicht mehr nachgewiesen werden kann (Halbwertszeit von zwei Stunden), wird die Belastung durch Rauchen oder Passivrauchen über das Nikotinabbauprodukt Cotinin bestimmt. Cotinin findet man noch ein bis zwei Tage nach dem Kontakt mit Nikotin im Urin (Halbwertszeit etwa 20 Stunden), bei Nichtrauchern und Kindern noch etwas länger.

  • Creatinin im Urin

    Creatinin ist kein Schadstoff, sondern wird in Muskel- und Nervenzellen vom Körper selbst gebildet. Die ausgeschiedene Creatininmenge zeigt an, wie stark der Urin verdünnt ist. Der Wert dient dazu, die Belastung mit anderen Stoffen in Relation einzuordnen.

  • Metalle im Urin

    Manche Metalle, wie Zink oder Kupfer, sind in geringen Mengen für den menschlichen Körper überlebenswichtig. Andere können schon in kleinen Dosen schaden, wenn sie in den Körper eindringen. So etwa Cadmium oder manche Edelmetalle wie Gold, Platin und Palladium. Die Metalle oder ihre Ionen gelangen beispielsweise über die Nahrung oder Zahnersatz in den Organismus und reichern sich dort mit der Zeit an. Wie stark der Körper belastet ist, wird direkt über den Urin bestimmt.

    Quecksilber im Urin

    Das Metall kommt natürlich in der Umwelt vor, wird aber auch in der Industrie eingesetzt. Früher wurden Thermometer mit Quecksilber hergestellt, heute ist es unter anderem in Energiesparlampen enthalten. Wenn sie zerbrechen kann Quecksilberdampf austreten. Organisches Quecksilber nehmen wir beispielsweise auf, wenn wir Meerestiere essen. In Deutschland ist die Belastung mit organischem Quecksilber im EU-Vergleich eher gering, zeigte 2011 die DEMOCOPHES-Studie. Wie viel metallisches und anorganisches Quecksilber aufgenommen wird, kann direkt über den Urin oder das Blut analysiert werden.

    Arsen im Urin

    Das Halbmetall Arsen wird über den Verdauungstrakt aufgenommen und kann sich in Muskeln, Knochen, Nieren oder in der Lunge anreichern. Die Belastung wird direkt im Urin gemessen.

  • Parabene im Urin

    Die Verbindungen werden als Konservierungsmittel genutzt und kommen unter anderem in Kosmetikprodukten wie Cremes oder Shampoos vor, einige dürfen auch in Arznei- und Lebensmitteln verwendet werden. Im Tierversuch wirken manche Parabene ähnlich wie Hormone. Nachgewiesen werden sie direkt im Urin.

  • Organophosphate im Urin

    Die Verbindungen gehören zu den wichtigsten Pestiziden in der Landwirtschaft und werden hauptsächlich durch Reste auf Nahrungsmitteln aufgenommen. Organophosphate können ein Enzym des Nervensystems hemmen und Krämpfe auslösen – bis hin zum Atemstillstand.

    Im 5. Umwelt-Survey analysiert das UBA den Urin der Probandinnen und Probanden auf mindestens fünf Stoffwechselprodukte von Organophosphaten: Dimethylphosphat (DMP), Dimethylthiophosphat (DMTP), Dimethyldithiophosphat (DMDTP), Diethylphosphat (DEP), Diethylthiophosphat (DETP) und Diethyldithiophosphat (DEDTP).

  • Pyrrolidone im Urin

    Die Pyrrolidone NMP (N-Methyl-2-Pyrrolidon) und NEP (N-Ethyl-2-Pyrrolidon) werden als Lösungsmittel in Schädlingsbekämpfungsmitteln eingesetzt und kommen in Autolacken, Lackentfernen, Beschichtungsmitteln für Parkett oder Anti-Haft-Beschichtungen vor. NMP wurde beim Menschen als entwicklungs- oder reproduktionstoxisch eingestuft und wird deshalb zunehmend durch NEP ersetzt. Dieses ist derzeit noch nicht als reproduktionstoxisch eingestuft.

    NMP und NEP werden im Körper zu Stoffwechselprodukten (Metaboliten) abgebaut. Im Urin findet sich die Menge der NMP-Metaboliten 5-Hydroxy-N-methyl-2-pyrrolidon (5-HNMP) und 2-Hydroxy-N-methylsuccinimid (2-HMSI) und der NEP-Metaboliten 5-Hydroxy-N-ethyl-2-pyrrolidon (5-HNEP) und 2-Hydroxy-N-ethylsuccinimid (2-HESI).

  • Mercaptobenzothiazol im Urin

    Mercaptobenzothiazol (MBT) ist ein sogenannter Vulkanisationsbeschleuniger und wird bei der Herstellung von Gummi verwendet. Enthalten ist MBT beispielsweise in Luftmatratzen, Gummihandschuhen, Badekappen oder Spielwaren und Luftballons. Bei manchen Menschen kann MBT eine Kontaktallergie, also eine unangenehme Entzündung der Haut, auslösen. Die Belastung mit MBT wird im Urin direkt bestimmt.

  • Überblick

    Leitungswasser gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland und muss die gleichen Sicherheitskriterien erfüllen wie abgefülltes Trinkwasser. Aus Leitungen können dennoch Stoffe ins Wasser gelangen, die dort nicht hinein gehören. Je länger Wasser in der Leitung steht, Fachleute sprechen von Stagnationswasser, desto größer ist im Allgemeinen die Belastung. Im 5. Umwelt-Survey untersucht das UBA das Trinkwasser aus den besuchten Haushalten auf Metalle und organische Substanzen.

  • Metalle im Trinkwasser

    In der Umweltstudie Kinder-Umwelt-Survey (KUS) von 2003 bis 2006 fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor allem Kupfer, Nickel und Blei im Stagnationswasser. In der Umweltstudie zur Gesundheit 2014 bis 2017 (ehemals 5. Umwelt-Survey genannt) wird der Gehalt dieser Metalle in Stagnationswasser, das zwei bis vier Stunden in der Leitung stand, und in frischem Leitungswasser bestimmt.

  • Organische Substanzen im Trinkwasser

    Organische Stoffe gelangen beispielsweise aus Kunststoffrohren, Gummidichtungen oder Beschichtungen ins Trinkwasser. Über ein sogenanntes GC-MA-Screening nach prEN 15768 wird ermittelt, in welchen Mengen dies geschieht und welche organischen Verunreinigungen im Trinkwasser häufig sind.

  • Überblick

    Über die Analyse des Staubsaugerbeutels lässt sich der Gehalt von Weichmachern und Flammschutzmitteln im Hausstaub erfassen. Die Schadstoffe können über die Lunge oder den Verdauungstrakt aufgenommen werden. Kinder haben meist ein höheres Belastungsrisiko als Erwachsene, weil sie häufiger Dinge in den Mund nehmen und schneller atmen. Ebenso krabbeln Kinder oft auf dem Boden und können so auch mehr Hausstaub aufnehmen als Erwachsene.

  • Weichmacher und Flammschutzmittel im Staubsaugerbeutel

    Allen voran eilt dem Weichmacher DEHP (Di(2-ethyl hexyl) phthalat) ein schlechter Ruf voraus. Er wirkt wie ein Hormon und kann so die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, weshalb er in Kinderspielzeug nicht mehr verwendet werden darf.

    Im Labor untersucht das UBA den Gehalt von Phthalaten (Weichmachern) und deren Ersatzstoffen im Hausstaub. Geprüft wird auch, wie stark der Staub mit Flammschutzmitteln belastet ist, die etwa aus elektronischen Geräten, Polstermöbeln und Teppichen in den Hausstaub gelangen.

  • Überblick

    Wände, Böden, Schränke oder Kleidungsstücke geben permanent Chemikalien in die Raumluft ab. In der Umweltstudie zur Gesundheit 2014 bis 2017 (ehem. 5. Umwelt-Survey) sucht das UBA nach flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und Carbonylen. VOC können in zu hohen Konzentrationen das Sick-Building-Syndrom auslösen. Das von der World Health Organisation (WHO) anerkannte Krankheitsbild äußert sich unter anderem durch Kopfschmerzen, Allergien oder Schlafstörungen. Carbonyle können die Schleimhäute reizen und sind teilweise krebserregend.

  • Flüchtige organische Verbindungen (VOC) in der Luft

    In der Umweltstudie zur Gesundheit 2014 bis 2017 (ehem. 5. Umwelt-Survey) werden die VOC für sieben Tage in einem Passivsammler (PERKIN ELMER (PE)) innerhalb und außerhalb des Kinderzimmers gesammelt. Mittels Thermodesorptionsverfahren und Gaschromatographie-Massenspektrometrie ermitteln die Forscherinnen und Forscher die Konzentrationen von C6–C16- Alkanen, C9 bis C14-Alkanen, α-Pinen, Naphthalin, Toluol, Styrol, Phenol, Benzylalkohol, zyklischen Dimethylsiloxanen D3-D6, einiger Glykol- beziehungsweise Glykolether- und Glykolester-Verbindungen, TVOC sowie Benzaldehyd, Hexanal, 2-Furaldehyd und Formaldehyd.

  • Formaldehyd und weitere Carbonyle in der Luft

    Analysiert wird der Gehalt der Innenraumluft mit 15 Carbonylen, darunter Formaldehyd sowie längerkettige Aldehyde und Ketone. Enthalten sind sie beispielsweise in Spanplatten, Korkfußböden, Linoleum und manchen Lacken.

    Zur Analyse werden im und außerhalb des Kinderzimmers für sieben Tage Passivsammler (SKC UMEx-100) aufgebaut. Sie sammeln alle Schadstoffe ein, die Carbonyl-Gruppen enthalten und setzen sie durch eine Reaktion mit Dinitrophenylhydrazin (DNPH) zu schwerfälligen Hydrazonen um. Über eine Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) wird die Konzentration der einzelnen Substanzen bestimmt.

  • Überblick

    Als Feinstaub bezeichnet man kleine Schwebeteilchen mit einem Durchmesser von unter 10 Mikrometern. Je kleiner die Partikel sind, desto tiefer setzen sie sich in die Lunge und können nur noch schwer oder gar nicht mehr abgehustet werden. Ultrafeine Partikel schaffen es über die Lungenbläschen sogar bis in die Blutbahn.

    Luftmessungen in und außerhalb der untersuchten Wohnungen geben Hinweise auf die Belastung der Bewohner mit Feinstaub, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und ultrafeinen Partikeln. Außerdem analysiert das UBA die Reaktion des Immunsystems auf unterschiedliche Staubpartikel.

  • Feinstaub in der Innenraumluft und außen

    Das UBA stellt im Wohnzimmer der Probandinnen und Probanden für sieben Tage Kleinfiltergeräte (Mini Volume Sampler (Mini VS)) auf, die maximal 2,5 Mikrometer großen Feinstaub aus der Luft sammeln. Das geschieht mit einem sogenannten Impaktorvorabscheider (mit einer PM2,5 Düse und einem Glasfaserfilter mit einem Durchmesser von 25 Millimetern und der Materialdichte GF10). Gleichzeitig führen die teilnehmenden Familien ein Tagebuch, in dem sie dokumentieren, wann sie gesaugt, gelüftet oder Tierkäfige gereinigt haben. Zum Vergleich wird außerdem die Feinstaubkonzentration außerhalb der Wohnung gemessen.

  • PAK-Analyse des Feinstaubs im Innenraum

    Auf der Stauboberfläche können sich Schwermetalle oder zum Teil krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) anlagern. In der Umweltstudie zur Gesundheit 2014 bis 2017 (ehem. 5. Umwelt-Survey) wird der für die Feinstaubanalyse gesammelte Staub zusätzlich auf seinen PAK-Gehalt getestet.

  • Ultrafeine Partikel im Innenraum

    Schwebeteilchen, die kleiner sind als 0,1 Mikrometer können über die Lungenbläschen bis ins Blut vordringen. So entstehen beispielsweise Entzündungen in der Lunge oder das Herzkreislaufsystem wird geschädigt.

    Um den Gehalt der ultrafeinen Partikel im Kinderzimmer zu bestimmen, wird dort für eine Stunde ein Condensation Particle Counter (CPC) aufgestellt. Er zählt alle Teilchen die zwischen 1 und 0,01 Mikrometer groß sind. Der Konzentrationsbereich reicht von 0 bis zu 100.000 Partikeln pro Kubikzentimeter Luft (P/cm3). Gemessen wird bei geschlossenen Fenstern und Türen nach einer Abklingphase, in der größere Staubteilchen absinken.

  • Wirkpotenzial unterschiedlicher Staubpartikel im Innenraum

    Feinstaub begünstigt Lungen- und Herzkreislauferkrankungen. Warum genau, ist bislang allerdings nicht ausreichend geklärt.

    In der umweltstudie zur Gesundheit 2014 bis 2017 (ehem. 5. Umwelt-Survey genannt) sammelt das UBA über Ultrakleinfiltergeräte auf Teflonfiltern unterschiedlich große Partikel und friert sie anschließend bei minus 20 Grad Celsius ein. Im Labor untersuchen Forscherinnen und Forscher anschließend an Zellkulturen, wie menschliche Lungenzellen oder weiße Blutkörperchen (Immunzellen) auf die Feinstäube reagieren. Entzündungsreaktionen werden über das ELISA Verfahren oder mittels FACS-Analyse erfasst.

  • Überblick

    Wenn Innenräume mit Schimmel befallen sind, birgt das gesundheitliche Risiken. Schimmelsporen können sich in die Lunge setzen, Reizungen und Allergien auslösen. Oft sind die Räume gleichzeitig mit Giften von Bakterien belastet.

    Das UBA erfasst die Gesamtsporenzahl der Innenraum- und Außenluft, nimmt eine Innenluftprobe mit einem Gelatinefilter und einem Tedlarbeutel sowie eine Fußbodenstaubprobe. Ergänzend wird die Belastung durch Hausstaubmilben erfasst. Auch sie können Allergien auslösen.

  • Innenluftprobe (Gesamtsporenzahl)

    Für 30 Minuten werden im Kinderzimmer kleine Probenahmegeräte aufgestellt, die die Gesamtzahl der Schimmelsporen in der Luft ermitteln. Die Messung erfolgt nach ISO 16000-20.

  • Außenluftprobe (Gesamtsporenzahl)

    Da die Konzentration von Schimmelpilzsporen in den Innenräumen von der Belastung der Außenluft beeinflusst wird, nimmt das UBA zum Vergleich auch vor dem Haus eine Probe.

  • Innenraumluft Gelatinefiler

    Gleichzeitig zur Gesamtsporenzahl sammeln die Forscherinnen und Forscher im Kinderzimmer Schimmelsporen über einen Gelatinefilter. Im Labor werden diese auf einem Nährboden verteilt. Über eine spezifische Real-Time PCR wird die Konzentration von Schimmelpilzen und sogenannter Actinobakterien bestimmt. Wie bei der Gesamtsporenzahl wird auch hier zusätzlich vor dem Haus eine Probe genommen.

  • Fußbodenstaubprobe

    Schimmelpilze sind auch im Hausstaub zu finden. Deshalb saugen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf Quadratmeter des Kinderzimmerbodens mit speziellen Aufsätzen ab. Die Konzentration von Schimmelpilzen und Bakterien wird anschließend per Real Time PCR bestimmt.

  • Myko- und Endotoxine

    Neben Schimmelpilzgiften (Mykotoxinen) misst das UBA auch den Gehalt an Endotoxinen im Staub und der Luft, die von Bakterien stammen. Die Luft wird dazu durch ein sogenanntes TENAX-Röhrchen geleitet, in dem die Gifte gesammelt werden.

  • Innenluftprobe

    In Kinderzimmern, in denen mehr als ein halber Quadratmeter mit Schimmel befallen ist, macht das UBA einen zusätzlichen Test: Dazu wird Luft in einem sogenannten Tedlarbeutel eingesperrt. Im Labor leiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Luft über Zellkulturen. So prüfen sie, wie beispielsweise Immunzellen auf die enthaltenen Stoffe reagieren.

  • Bettenstaubprobe

    Häufiger als Schimmelpilze lösen Hausstaubmilden Allergien aus. Bevorzugt sitzen die Spinnentiere in Matratzen oder Polstermöbeln. In der Umweltstudie zur Gesundheit 2014 bis 2017 (ehem. 5. Umwelt-Survey) saugt das UBA die Betten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach einheitlichen Vorgaben mit einem Spezialsauger ab. Anschließend wird analysiert, wie viele Allergene, also Allergie auslösende Substanzen, in den Betten zu finden waren.

  • Überblick

    Eine anhaltend zu hohe Geräuschkulisse stört das Wohlbefinden und die Gesundheit. Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen und neigen bei Lärmbelästigung unter anderem zu einem höheren Blutdruck. Laute Musik über Kopfhörer oder auf Konzerten und in Discotheken steht im Verdacht, das Ohr zu schädigen. Noch ist allerdings nicht abschließend geklärt, unter welchen Umständen genau Lärm gesundheitsschädlich ist.

  • Lärmmessung

    Auf dem Fenstersims bei offenem Fenster oder auf dem Balkon wird für 15 bis 20 Minuten die mittlere Schallbelastung ermittelt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dokumentieren die Lage des Kinder- oder Jungendzimmers zur Straße, erfassen den Straßentyp und erfragen, wie die Bewohner den Geräuschpegel in der Wohnung bewerten. Außerdem wird erfragt, wie intensiv die Kinder und Jugendlichen Musik auf tragbaren Geräten hören oder Konzerte und Discotheken besuchen und wie sie die Lautstärke dabei empfinden.

    Im Allgemeinen wird derzeit ein Schallpegel außerhalb des Hauses von maximal 40 dB(A) bei Nacht und 50 dB(A) bei Tag noch als harmlos bewertet. Bei höheren Werten nimmt das Wohlbefinden nach und nach ab. Das Risiko für Gesundheitsschäden steigt mit der Lautstärke.