Klimawandel-Skeptiker

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Die Broschüre „Und sie erwärmt sich doch“ nimmt skeptische Thesen zum Klimawandel unter die Lupe.
Quelle: Umweltbundesamt

Der anthropogene (durch den Menschen verursachte) Treibhauseffekt ist seit ungefähr drei Jahrzehnten zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und öffentlicher Diskussionen. Trotz der mittlerweile fundierten wissenschaftlichen Basis melden sich immer wieder Skeptiker zu Wort, die den anthropogenen Treibhauseffekt anzweifeln oder sogar leugnen.

Diskussion um anthropogene (durch den Menschen verursachte) Klimaänderung

Der anthropogene (durch den Menschen verursachte) Treibhauseffekt ist seit ungefähr drei Jahrzehnten zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und öffentlicher Diskussionen. Durch die Emissionen treibhauswirksamer Gase aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, Land- und Viehwirtschaft und weiteren Quellen erwärmt sich das Klima. Im Zusammenhang mit neueren wissenschaftlichen Belegen ist der anthropogene Treibhauseffekt seit wenigen Jahren zu einem der zentralen Themen in Wissenschaft und Öffentlichkeit geworden. Besonders in der jüngeren Vergangenheit ist eine Vielzahl von Forschungsarbeiten in diesem Bereich entstanden und in Fachkreisen diskutiert worden. Auch in den Medien fanden die Resultate große Beachtung. Trotz der mittlerweile fundierten wissenschaftlichen Basis melden sich immer wieder Skeptiker zu Wort, die den anthropogenen Treibhauseffekt anzweifeln oder sogar leugnen.

Berichte über den Stand des Wissens

Das Klima-System ist sehr komplex. Es wird von verschiedenen äußeren Faktoren beeinflusst und weist zahlreiche interne Schwankungen und Rückkopplungsprozesse auf. Eine Simulation der zukünftigen Entwicklung ist deshalb sehr schwierig. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) haben 1988 ein wissenschaftliches Gremium ins Leben gerufen, das regelmäßig den jeweils neuesten Wissensstand zum Thema Klimaänderung in Sachstandsberichten zusammenfasst: der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC). Hunderte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern arbeiten an diesen Sachstandsberichten (Assessment-Reports) mit und bewerten anhand einer Vielzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen den neuesten Kenntnisstand. Darüber hinaus nehmen unzählige Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt eine überaus umfangreiche Kontrolle (Review) dieser Berichte vor. Die Berichte des IPCC repräsentieren den aktuellen internationalen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zum Klimawandel und dem Umgang damit. Dieses in der Wissenschaft einmalige und in Fachkreisen allgemein akzeptierte Gremium hat im letzten, dem 4. Sachstandsbericht aufgrund der zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten und der Kenntnis der physikalischen Prozesse festgestellt: „Der größte Teil des Anstiegs der mittleren globalen Temperatur seit Mitte des 20. Jahrhunderts geht sehr wahrscheinlich (das bedeutet, die Eintrittswahrscheinlichkeit für diese Aussage liegt oberhalb von 90 Prozent) auf die Zunahme der vom Menschen verursachten Treibhausgase in der Atmosphäre zurück." (IPCC 2007, S. 10).

Wahrscheinlichkeiten und Unsicherheiten

Offenbar ist es gegenwärtig aufgrund verbleibender Unsicherheiten nicht möglich, den beobachteten Anstieg der mittleren globalen Temperatur über die vergangenen Jahrzehnte mit 100%iger Sicherheit auf die Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre zurückzuführen. Allerdings hat sich die Erkenntnis, dass der Mensch einen Teil dieses Temperaturanstiegs verursacht hat, mit der Zeit immer mehr erhärtet. Denn im 3. Sachstandsbericht des IPCC von 2001 formulierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den damals aktuellen Kenntnisstand noch folgendermaßen: „Unter Berücksichtigung der verbleibenden Unsicherheiten ist der Großteil der beobachteten Erwärmung im Verlaufe der letzten 50 Jahre wahrscheinlich auf die steigenden Treibhausgaskonzentrationen zurückzuführen.

Handeln unter unsicheren Bedingungen

Da das Klima und dessen mögliche Änderung für viele Menschen und Länder eine große Bedeutung hat, müssen politische Maßnahmen und Entscheidungen aufgrund von Wahrscheinlichkeitsaussagen der Wissenschaft getroffen werden. Die entscheidende Frage lautet: Ist die drohende Gefahr, auch wenn sie nicht mit absoluter Sicherheit eintritt, so groß, dass gehandelt werden muss? Die Antwort auf diese Frage ist abhängig von der Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Ereignisses und dem potentiellen Schaden. Zu dieser Frage gibt es ein breites Spektrum von Meinungen. Ein Großteil der Fachleute in der Wissenschaft ist sich einig, dass aufgrund der anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen ein Anstieg der globalen Temperatur an der Erdoberfläche in diesem Jahrhundert und auch darüber hinaus zu erwarten ist. Das zeigen Simulationen mit Klimamodellen, die die bekannten, in der Atmosphäre und im Ozean ablaufenden physikalischen Prozesse enthalten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermittelten damit – je nach Zunahme der Treibhausgasemissionen - eine mittlere globale Erwärmung an der Erdoberfläche von etwa 1,8 bis 4,0 Grad Celsius bis Ende des 21. Jahrhunderts (im Vergleich zum Ende des 20. Jahrhunderts). Derartige Temperaturanstiege sind mit weitgehenden Folgen für Mensch und Natur verbunden.

Die Notwendigkeit, Entscheidungen vor dem Hintergrund von Unsicherheiten zu treffen, ist im Übrigen keine Besonderheit des Klimaschutzes. Viele Planungen, Kapitalanlagen oder (oft sehr weitgehende) Investitionsentscheidungen erfolgen unter vergleichbaren Bedingungen.

Wissenschaftliche Diskussion

In der Forschung werden immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen. Die wissenschaftliche Diskussion läuft nach bestimmten Regeln ab. Ergebnisse, die dem aktuellen Kenntnisstand widersprechen, werden überprüft und die bestehenden Vorstellungen revidiert, falls die neuen Erkenntnisse durch unabhängige Resultate bestätigt werden. So werden die wissenschaftlichen Erklärungen der Vorgänge in der Natur mit der Zeit umfassender und detaillierter oder in gewissen Fällen auch neu formuliert.

Kritische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Auch in der Wissenschaft gibt es Menschen, die abweichende Meinungen vertreten, Daten anders interpretieren oder andere Ansätze anwenden. Das ist keineswegs ungewöhnlich. Wenn die damit verbundenen Diskussionen auf hohem wissenschaftlichem Niveau stattfinden und die beteiligten Partner über vertiefte Detailkenntnisse verfügen, kann das die Wissenschaft letztlich nur voranbringen.

Diskussion außerhalb der Wissenschaft

Seit einigen Jahren ist die Klimaproblematik immer mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Auch außerhalb der Wissenschaftsgemeinde laufen deshalb Diskussionen, unter anderem in Zeitungen, Zeitschriften und im Internet. Häufig stammen die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht aus der Klimawissenschaft, sondern aus anderen Fachgebieten, die teilweise auch konkrete Interessen vertreten (beispielsweise Vertreterinnen und Vertreter der Ölindustrie). Sie beteiligen sich meist nicht an der eigentlichen wissenschaftlichen Diskussion, da ihre Thesen einer Überprüfung durch die Fachwelt in der Regel nicht standhalten. Dieser Personenkreis wendet sich von der Wissenschaft ab und baut eine eigene Gemeinschaft auf, die ihrerseits die wissenschaftlichen Ergebnisse kritisiert.

Grundlagen: wissenschaftliche Diskussion und Qualitätskontrolle in der Wissenschaft

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Fortschritt in der Wissenschaft ist der Austausch von Wissen, Resultaten, Hypothesen, Messdaten usw. innerhalb der Forschergemeinde. In der Wissenschaft, besonders in den Naturwissenschaften, hat sich über Jahrzehnte hinweg ein System der Kommunikation und der Qualitätskontrolle entwickelt, das sicherstellt, dass die verbreiteten Informationen sowohl inhaltlich als auch bezüglich der zugrunde liegenden Ideen und Kenntnisse bestimmten Qualitätsansprüchen genügen. Die folgenden Abschnitte enthalten Erläuterungen zu wichtigen Teilen dieser Qualitätskontrolle.

Fachzeitschriften mit Begutachtung

In jedem Themenbereich gibt es eine Reihe von so genannten begutachteten Fachzeitschriften. Alle Artikel, die in diesen Zeitschriften veröffentlicht werden, müssen einen Begutachtungsprozess durchlaufen. Die Herausgeber der Zeitschrift schicken jeden Fachartikel, der zur Veröffentlichung eingereicht wird, an zwei bis drei unabhängige Expertinnen oder Experten aus dem gleichen Fachgebiet zur Begutachtung. Diese überprüfen die Arbeit hinsichtlich ihres Aufbaus und ihrer Verständlichkeit, der Nachvollziehbarkeit der durchgeführten Experimente oder Berechnungen, der Logik der Theorien und Schlussfolgerungen. Sie weisen ebenfalls auf Lücken in der Argumentation, Widersprüche zu bekannten Theorien und Experimenten oder fehlende Berücksichtigung wichtiger bestehender Kenntnisse hin. Dann wird die Empfehlung ausgesprochen, den Artikel entweder abzulehnen, zur überarbeiten, oder zur veröffentlichen. In den meisten Fällen empfehlen die Expertinnen und Experten eine mehr oder weniger umfangreiche Überarbeitung. Der Artikel geht dann mit den detaillierten Kommentaren und Forderungen an die Autorinnen und Autoren zurück und muss von diesen entsprechend überarbeitet werden. Anschließend wird die Arbeit wieder eingereicht und, falls die Kritikpunkte berücksichtigt worden sind, veröffentlicht. In wenigen Fällen geht der Artikel nochmals zur Kontrolle.

Der ganze Begutachtungsprozess von der erstmaligen Einreichung der Arbeit bis zur Veröffentlichung dauert je nach Zeitschrift meist etwa zwischen einem halben bis anderthalb Jahren. Dieses Begutachtungssystem kann nicht garantieren, dass ein veröffentlichter Artikel keine Fehler enthält. Es ist den Expertinnen und Experten schon aus Zeitgründen oft nicht möglich, den ganzen Inhalt im Detail zu überprüfen. Insbesondere Messungen, Resultate aus Experimenten oder Modellrechnungen können nur auf Plausibilität geprüft werden. Trotzdem gibt die Begutachtung die Gewähr, dass gewisse Standards eingehalten werden und bestehendes Wissen – insbesondere bei den Folgerungen aus den Ergebnissen – berücksichtigt wird.

Fachtagungen und -kongresse

Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sind relativ langwierig und gestatten nur eine  eingeschränkte Diskussion. Deshalb finden in allen Fachgebieten immer wieder kleinere und größere Fachtagungen und -kongresse statt, auf denen neue Erkenntnisse – oft noch vor deren Veröffentlichung – in einem größeren Kreis diskutiert werden. Dort können sich die Forscherinnen und Forscher auch einen Überblick über die aktuellen Arbeiten verschaffen. Ein wichtiger Teil des Wissensaustausches läuft über derartige Veranstaltungen und ist für Außenstehende kaum greifbar. Mitunter versuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, am Ende solcher Tagungen gemeinsam einen Text zu verfassen, der die wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse festhält und einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt werden kann.

Stand des Wissens

Der aktuelle Stand des Wissens und der Stand der wissenschaftlichen Diskussion sind für die nicht daran Beteiligten nur schwer zugänglich. Dies gilt nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler  anderer Disziplinen. Eine Möglichkeit zur Information bilden so genannte Übersichtsartikel, in denen qualifizierte und erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein bestimmtes Thema umfassend erläutern und die dazu veröffentlichte Fachliteratur zusammentragen und auswerten. Eine weiteres Angebot sind die erwähnten Zusammenfassungen im Anschluss an Fachtagungen. Seit der Gründung des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen im Jahre 1988 erarbeiteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in regelmäßigen Zeitabständen Sachstandsberichte über den jeweils aktuellen Stand der Kenntnisse auf dem Gebiet der Klimawissenschaft. Diese Sachstandsberichte enthalten auch Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger , die in einer für die breitere Öffentlichkeit verständlichen Weise abgefasst sind.

Die Sachstandsberichte des Intergovernmental panel on Climate Change (IPCC)

Der Begutachtungsprozess beim  Verfassen der Sachstandsberichte des Intergovernmental panel on Climate Change (IPCC) läuft ähnlich wie bei Fachartikeln, allerdings viel breiter und ausführlicher und mit Beteiligung einer Vielzahl von Personen. Die Sachstandsberichte bestehen aus zahlreichen Teilen, deren Erarbeitung von Autorenteams geleitet wird. Die Entwürfe für diese Teilberichte können von allen interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kommentiert werden. Die Kommentare werden von einem – vom Autorenteam unabhängigen – Review-Editor gesichtet und die Überarbeitung des Entwurfs beaufsichtigt. Danach folgt eine zweite Begutachtungsrunde. Dabei wird immer versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner bezüglich der Erkenntnisse und möglicher Aussagen zu finden sowie Trends der Erkenntnisse (Bereiche, in denen die meisten Untersuchungen ein ähnliches Resultat zeigen) aufzuzeigen. In den IPCC-Berichten sind alle Aussagen dementsprechend gekennzeichnet und mit Wahrscheinlichkeiten versehen. Existieren vom allgemeinen Trend abweichende Resultate oder Meinungen, so wird die Wahrscheinlichkeit der Aussage gesenkt. Die Sachstandsberichte spiegeln den in der Klimawissenschaft vorherrschenden Stand der Kenntnisse und Meinungen wider einschließlich der Angabe von Unsicherheiten, Bandbreiten und abweichenden Meinungen. Als Grundlage dienen die zahlreichen, in Fachzeitschriften begutachteten Arbeiten.

Diskussion außerhalb der Wissenschaft

Auch außerhalb der Forschung wird viel über die Klimaproblematik gesprochen und geschrieben. Dabei treten häufig Personen mit einer mehr oder weniger klaren wirtschaftlichen, politischen oder ideologischen Agenda auf. Da sind z.B. Vertreterinnen und Vertreter der Öl- und Kohlewirtschaft, die überhaupt kein Interesse daran haben, dass die Verbrennung von Öl und Kohle als Verursacher von negativen Folgeerscheinungen dargestellt wird. Sie haben ein klares wirtschaftliches Interesse daran, entsprechende Berichte in Frage zu stellen. Auf der anderen Seite stehen z.B. Umweltverbände, denen die Klimaänderung einen weiteren Grund für die Verfolgung ihrer politischen Agenda liefert. Die zur Vermeidung einer anthropogenen Klimaerwärmung geforderte Reduktion der Emissionen und damit des Energieverbrauchs trifft jedoch nicht nur die Produzenten, sondern auch die Konsumenten und in diesem Zusammenhang allgemein die politische Agenda von liberal-konservativen bzw. ökologisch-sozial ausgerichteten Kreisen. Deshalb sind auch viele Privatpersonen an der Diskussion höchst interessiert.

Umweltaktivisten und Skeptiker

Seit es Diskussionen um den Zustand und die Veränderung der Umwelt gibt, treten sowohl „Warner” als auch „Entwarner” auf. Die einen warnen vor den Auswirkungen unserer Aktivitäten auf die Umwelt und vor deren negativen Folgen, die auf uns zurückfallen könnten (Umweltaktivisten). Die anderen hingegen geben Entwarnung, bezeichnen die Warnungen als übertrieben und erklären, die Folgen seien nur halb so schlimm oder vernachlässigbar (sogenannte Skeptiker). Die Beurteilung der Folgen und möglicher Gegenmaßnahmen ist nicht zuletzt eine Frage der Wertsetzung. Die „Warner” messen der Umwelt und der zukünftigen Entwicklung eine große Bedeutung bei und sind bereit, für eine bessere Zukunft Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Die „Entwarner” möchten keine Bequemlichkeiten oder Gewohnheiten aufgeben und sehen die Zukunft als weniger wichtig an. Sie verdrängen mögliche Probleme und hoffen darauf, dass sich schon irgendeine Lösung finden wird. Für einige Menschen wird die jeweilige Einstellung zu einem Dogma. Sie setzen sehr viel Zeit und Energie ein, um ihre Positionen darzustellen und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Skeptiker: Für Laien schwer zu beurteilen

Die Umweltaktivisten geben sich zumeist klar als solche zu erkennen (Umweltorganisationen). Schwieriger zu beurteilen sind hingegen die sogenannten Skeptiker in der Klimafrage: Als solche treten neben Privatpersonen auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem Journalismus oder aus anderen Fachgebieten auf. Für Außenstehende ist es aufgrund der Komplexität der Problematik kaum erkennbar, ob nun ein Bericht tatsächlich aus der Forschung stammt und den zugehörigen Qualitätskriterien entspricht, oder ob es sich um irgendeine „Geschichte” handelt. Gezielt wird primär alles gesammelt, was – zumindest auf den ersten Blick – gegen eine durch den Menschen verursachte Klimaerwärmung sprechen könnte. Die Skeptiker geben ihren Texten bewusst den Anstrich der Wissenschaftlichkeit, indem sie sehr viele Zitate verwenden. Zumeist zitieren sie jedoch lediglich Zeitungsberichte, ungeprüfte „Ergebnisse” Gleichgesinnter oder einzelne ausgewählte und häufig aus dem Zusammenhang gerissene Forschungsresultate. Solche „Resultate” sind mit viel weniger Aufwand verbunden als seriöse Forschungsarbeiten mit Begutachtung sowie intensiver Überarbeitung und können deshalb in viel größerer Zahl produziert und veröffentlicht werden. Die Skeptiker beschäftigen sich weniger mit Forschung, sondern legen das Hauptgewicht auf die Verbreitung ihrer Meinungen in der Öffentlichkeit. In der Wissenschaft hingegen liegt das Hauptaugenmerk auf der Forschung und der Zusammensetzung vieler Einzelerkenntnisse zu einem Gesamtbild. Nur ein Teil dieser Erkenntnisse und Ergebnisse gelangt an die Öffentlichkeit. Dadurch kann bei Außenstehenden der Eindruck erweckt werden, die Diskussion in der Wissenschaft sei sehr kontrovers mit etwa gleich vielen Meinungen auf beiden Seiten. Hierbei spielt auch die Neigung der Medien eine Rolle, besonders gerne „ketzerische” Aussagen gegen die Hauptlinie herauszustellen.

In Büchern wird der wissenschaftliche Konsens „widerlegt”

Skeptiker veröffentlichen oft Bücher oder Artikel in Tageszeitungen oder Magazinen. Darin behaupten sie, die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit ihren Thesen zu widerlegen. So sei die Sonne für die Klimaänderungen verantwortlich, „und damit fällt die Treibhaus-Katastrophen-Theorie in sich zusammen", schreibt beispielsweise N. Calder in seinem Buch „Die launische Sonne". Dirk Maxeiner behauptet in einem Zeitungsartikel „das Geschwätz vom drohenden Kollaps des Weltklimas beruht auf fragwürdigen Annahmen” und Ulrich Berner betont in seinem Buch „Klimafakten", dass sich das Klima auch schon in der Vergangenheit geändert habe und wir deshalb heute nicht vor einer neuen Situation stehen würden. Ihre Quellen stammen, so schreibt etwa D. Maxeiner, „häufig schlicht aus der Zeitung”. Daher werden auch Aussagen widerlegt, die von der Forschung gar nicht getroffen wurden. In der Wissenschaft spricht zum Beispiel niemand vom baldigen Abschmelzen der Antarktis, trotzdem taucht diese Aussage im Buch „Öko-Irrtümer” an vorderster Stelle auf. Beliebt ist auch die gezielte „Überarbeitung” grafischer Darstellungen von Beobachtungsdaten. Zum Repertoire der Skeptiker gehören falsche Achsenbeschriftungen, die gezielte Auswahl und falsche Interpretation bestimmter Daten (zum Beispiel das Herausgreifen zu kurzer Zeitabschnitte, die für das Klima nicht repräsentativ sind), die Fortschreibung von Kurven mit Daten, die überhaupt nicht zur ursprünglichen Kurve passen bis hin zur Fälschung von Darstellungen.

Diskreditierung des IPCC

Da in der Wissenschaft häufig kein schriftlicher Konsens verfasst wird, ist es für Kreise mit abweichender Meinung meist relativ einfach, sich diejenigen Resultate herauszupicken, die – zumindest auf den ersten Blick – ihre Ansicht stützen. Weil die Erkenntnisse aus der Klimaforschung jedoch aufgrund der umfassenden Arbeiten des IPCC breit abgestützt sind, wird versucht, die Glaubwürdigkeit des IPCC und dessen Autorinnen und Autoren zu schwächen, damit die Aussagen angreifbar werden. Zusätzlich betonen Skeptiker immer wieder die bestehenden Unsicherheiten und offenen Fragen, um dadurch die vorliegenden Ergebnisse als zweifelhaft darzustellen.

Gleichbleibende Argumente

Die Skeptiker argumentieren meist nach einem sehr ähnlichen Muster: Zwar stellen sie die gegenwärtige Erwärmung nur noch in wenigen Fällen in Abrede, doch bezeichnen sie diese als natürlichen Vorgang und bestreiten als Ursache die anthropogenen Treibhausgasemissionen. Dabei ziehen sie häufig Entwicklungen aus der Vergangenheit als Beispiele heran, ohne zu beachten, dass die früheren Entwicklungen mit den Vorgängen während der letzten Jahrzehnte zum Teil gar nicht vergleichbar sind. Zudem haben sich viele dieser Entwicklungen auf ganz anderen Zeitskalen abgespielt oder bezogen sich auf geographisch begrenzte Gebiete. Oft ziehen die Skeptiker Zitate oder einzelne Resultate aus dem Zusammenhang der wissenschaftlichen Arbeit, damit diese ins gewünschte Bild passen. Auch fußt die Argumentation häufig auf Arbeiten, die in der wissenschaftlichen Diskussion längst widerlegt wurden.

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Ausgewählte Basisliteratur zur Klimaforschung und „klassische Werke” der Skeptiker

  • Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie.

    S. Rahmstorf und H. J. Schellnhuber: Verlag C.H.Beck oHG, 6. Aufl. 2007. (144 Seiten)

  • Klimatologie.

    C.-D. Schönwiese: Ulmer-UTB, Stuttgart, 2. Aufl. 2003. (436 Seiten)

  • Anthropogener Klimawandel.

    U. Cubasch und D. Kasang: Klett-Perthes, Gotha/Stuttgart, 2000. (128 Seiten)

  • Die launische Sonne.

    N. Calder: Böttinger Verlag, Wiesbaden, 1997. (212 Seiten)

  • Lexikon der Öko-Irrtümer. Überraschende Fakten zu Energie, Gentechnik, Gesundheit, Klima, Ozon, Wald und vielen anderen Umweltthemen.

    D. Maxeiner und M. Miersch: Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, 1999. (416 Seiten)

  • Klimafakten – Der Rückblick, ein Schlüssel für die Zukunft.

    U. Berner und H. Streif (Hrsg.): Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 2001. (238 Seiten)

  • Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends.

    J. Reichholf: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007. (336 Seiten)

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