Vorstellung

Inhalt von zwei Reagenzgläsern wird in einem Labor zusammengeschüttet
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Inhaltsverzeichnis

 

Konzept des „klassischen“ Chemikalienleasings

Bei dem innovativen Geschäftsmodell Chemikalienleasing wird die klassische mengenbezogene Bezahlung (€/t) von Chemikalien durch eine nutzenorientierte Bezahlung  (z. B. €/m2 gereinigte Fläche) ersetzt.  Dadurch ändert sich der Chemikalienverbrauch für den Chemikalienhersteller von einem Erlös- zu einem Kostenfaktor. Der Chemikalienhersteller hat in diesem Geschäftsmodell ein wirtschaftliches Interesse, den Verbrauch von chemischen Produkten beim Anwender durch Prozessoptimierung zu verringern. In der Konsequenz kommt es zu einer intensivierten Zusammenarbeit zwischen Chemikalienhersteller und -anwender. Beide Partner haben durch den verringerten Chemikalienverbrauch nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern schonen Ressourcen, entlasten die Umwelt, sparen Energie und vermeiden oder verringern Risiken bei der Anwendung.

 

Das Chemikalienleasing Modell
Chemikalienleasing-Modelle
Quelle: Umweltbundesamt
 

Varianten des „klassischen“ Chemikalienleasings

Im Rahmen der unterschiedlichen Pilotprojekte wurden verschiedene Varianten des „klassischen“ Chemikalienleasings unter der Einbeziehung von weiteren Partnern und deren Know-how wie z. B. Maschinen- oder Anlagenherstellern und Entsorgern entwickelt und erfolgreich implementiert.
Im Bereich der Chemical Management Services (CMS) gibt es drei Modelle von Partnerschaften.  Allen Modellen ist gemein, dass im Gegensatz zum „klassischen Verkaufsmodell“ kein Eigentümerwechsel der Chemikalie erfolgen muss und dass die Anwendung der Chemikalie stets als Dienstleistung definiert werden kann (z. B. Reinigen, Kleben, Lackieren, Lösen).

Das einfachste Modell (Modell A) umfasst Anwender und Hersteller von Chemikalien.

Model B ist erweitert um die Einbeziehung Dritter, zum Beispiel Maschinen- oder Anlagenherstellern, ggf. auch Entsorger.

Modell C fasst verschiedene Partner und Know-how Träger in einem Joint Venture zusammen, das eine integrierte Chemikalienleasing-Lösung anbietet.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass kein Modell als das „geeignetste“ angesehen werden kann, vielmehr müssen fallspezifisch verschiedene Parameter wie z. B. die Marktsituation, die Verfügbarkeit von geeigneten Partnern oder auch der Spezialisierungsgrad des Prozesses berücksichtigt werden.

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„Graues“ Chemikalienleasing

Das Grundprinzip des Chemikalienleasings, dass ein Hersteller seine Chemikalie innerhalb einer Dienstleistung anbietet (z. B. Reinigen, Kleben, Lackieren, Lösen), ist in der Chemiebranche seit Jahren verbreitet und wird von einzelnen Unternehmen in verschiedenen Varianten praktiziert.

Der Unterschied des „grauen“ zum „klassischen“ Chemikalienleasing ist in Einzelfällen mitunter nicht zu erkennen. Oftmals existiert keine systematische Durchdringung von Prozessen oder Branchen und/oder keine öffentliche Kommunikation oder wissenschaftliche Aufarbeitung.

„Graues“ Chemikalienleasing liegt dann vor, wenn

  • kein Eigentümerwechsel der Chemikalie stattfindet, und/oder
  • keine nutzenorientierte Bezahlung (Verrechnungsgröße z. B. €/m2 gereinigte Fläche) der Abrechnung zugrunde liegt (Dies verringert möglicherweise stark die Chancen, die Umweltziele - v.a. Reduktion des Chemikalienverbrauchs - zu erreichen bzw. ausbauen), und/oder
  • der Anbieter die Nachhaltigkeitskriterien für Chemikalienleasing nicht oder nur teilweise einhält.

 

 

Nachhaltigkeitskriterien für Chemikalienleasing

Das Umweltbundesamt hat zusammen mit UNIDO (United Nation Industrial Development Organisation) Nachhaltigkeitskriterien für das Chemikalienleasing entwickelt, die auch den nationalen und internationalen Pilotprojekten sowie den Anträgen für den UNIDO-Chemikalienleasing-AWARD zugrunde liegen:

  • Verringerung negativer Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit, Energiebilanz und Ressourceneffizienz von Chemikalien, die in Produktions- und Anwendungsprozessen verwendet werden.
  • Verbesserte Handhabung und Lagerung von Chemikalien im Hinblick auf Risikovermeidung/-verminderung.
  • Vermeidung einer Substitution durch Stoffe mit höherem Risiko.
  • Wirtschaftliche und soziale Vorteile werden generiert und fair verteilt: Ein Vertrag sollte die Ziele der kontinuierlichen Verbesserungen und eine faire sowie transparente Aufteilung der wirtschaftlichen Vorteile zwischen den Vertragspartnern enthalten.
  • Monitoring der Verbesserungen im Sinne der oben genannten Kriterien.

Die Nachhaltigkeitskriterien wurden mit dem Ziel entwickelt, die negativen Einflüsse auf die Umwelt zu reduzieren und gleichzeitig den wirtschaftlichen Erfolg des Geschäftsmodells Chemikalienleasing zu stärken. Zudem schützen sie das positive Image des Chemikalienleasings, indem sie verhindern, dass nicht akzeptable Aktivitäten als Chemikalienleasing bezeichnet und gleichzeitig als „umweltfreundlich“ vermarktet werden. Die Nachhaltigkeitskriterien schließen so einen Einsatz von unerwünschten, das heißt gesundheits- und umweltschädlicheren, Chemikalien aus.
Die wesentliche Aufgabe der entwickelten Kriterien besteht darin, die reibungslose Funktion des Geschäftsmodells zu unterstützen und einen hohen Standard für Chemikalienleasing zu erreichen, ohne verbindliche Regeln zu setzen.

 

Potentielle Partner zur Etablierung des Geschäftsmodells

Das Geschäftsmodell des Chemikalienleasings wird a priori durch eine engere Zusammenarbeit von Chemikalienherstellern und -Anwendern umgesetzt.
In manchen Fällen kann es darüber hinaus jedoch auch erforderlich sein, weitere Partner aus Wirtschaft und Politik mit einzubeziehen, so z. B.:

  • Geräte-/Anlagenhersteller
  • Recycling-Unternehmen
  • Nationale Regierungen/Zuständige Behörden
  • Institute zur Qualitätssicherung
  • Consultants
  • NGOs
 

Vorteile des Geschäftsmodells

Vorteile für den Chemikalienlieferant bzw. -hersteller

  • Ökonomische Vorteile (erhöhter Gewinn)
  • Langfristige Kooperationen, die den Akquisitionsaufwand und den Preisdruck zurückgehen lassen (evtl. auch Generierung eines Alleinstellungsmerkmals)
  • Besseres Verständnis der Kundenbedürfnisse
  • Evtl. Einbeziehung in die Zukunftsstrategien des Kunden
  • Startpunkt für weitere innovative Geschäftsmodelle (vom Hersteller zum Dienstleister)
  • Verbessertes Know-How
  • Möglichkeit zur Einführung innovativer und effizienter, aber bezüglich des Kilopreises teurerer Produkte
  • Maßnahme zur Verbesserung des Firmen-Images (Stichwörter: Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, Kunden-Orientierung, Innovation)

Vorteile für den Chemikalienanwender

  • Ökonomische Vorteile (Erhöhter Gewinn durch Kostenreduktion)
  • Verringerung der Belastungen und Risiken für Arbeitnehmer und Umwelt (Reduzierte Abfallmengen, reduzierte Emissionen, reduzierter Energieverbrauch, reduzierte Risiken durch verbessertes Handling)
  • Verbessertes Know-How
  • Langfristige Kooperationen, die u.a. auch notwendige Umstellungsprozesse effizienter machen können.
  • Konzentration auf die Kernkompetenzen wird unterstützt
  • Maßnahme zur Verbesserung des Firmen-Images (Stichwörter: Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, Innovation)