EMAS: Umweltmanagement-Gütesiegel der Europäischen Union

EMAS ist die Kurzbezeichnung für die Verordnung der Europäischen Union zum „Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung“ (Englisch: Eco-Management and Audit Scheme). Das 1993 entwickelte Instrument zielt auf Unternehmen und Organisationen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen.

Inhaltsverzeichnis

 

Systematisches Umweltmanagement mit EMAS

Umweltmanagement ist der Teil des Managements, der sich mit den Umweltaspekten einer Organisation beschäftigt: zum Beispiel, wie sich Prozesse, Tätigkeiten, Dienstleistungen, Produkte, Planungen, Organisationsstruktur, Verhalten auf die Umwelt auswirken und welche effektiven Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltauswirkungen ergriffen werden. In einem Umweltmanagementsystem wird die Aufbau- und Ablauforganisation festgelegt. Dazu gehören Regelungen zu Planung, Ausführung und Kontrolle ebenso wie die Festlegung von Verantwortlichkeiten und Verhaltens- und Verfahrensweisen. Ziele werden vereinbart und die entsprechenden Maßnahmen getroffen. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass Umweltaspekte systematisch berücksichtigt werden. Das europäische EMAS-System hat sich als effektives Instrument des Umweltmanagements in vielen Unternehmen und Institutionen bewährt und den betrieblichen Umweltschutz nachhaltig verbessert. Die aktuelle Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 1221/2009.

Seit der Einführung 1993 ist die EMAS-Verordnung zweimal weiterentwickelt und an den aktuellen Kenntnisstand angepasst worden. An der Ausgestaltung haben viele Akteure mitgearbeitet: neben den Behörden der EU-Mitgliedsstaaten zum Beispiel auch Unternehmen, Gewerkschaften und Umweltverbände. Die jeweils wichtigsten Neuerungen waren:

  • 2001: Integration der Managementsystemanforderungen der DIN EN ISO 14001, Öffnung für alle Branchen und ein neues einheitliches EMAS-Logo als Erkennungszeichen,
  • 2009: Weltweite Anwendbarkeit, verstärkte Berücksichtigung der Belange kleiner und mittlerer Unternehmen, sechs standardisierte Umweltkennzahlen (Indikatoren) zur Darstellung der Leistungsverbesserung.
 

Neue Fassung der EMAS

Seit Januar 2010 ist die novellierte Fassung der EMAS-Verordnung (EMAS III) in Kraft. Mit der Novelle wird die Umweltleistung der Unternehmen und sonstigen Organisationen noch stärker in den Vordergrund gerückt. Ein Umweltmanagementsystem nach EMAS können alle Organisationen einrichten, die ihre Umweltleistung verbessern möchten, unabhängig von ihrer Größe oder Branche, in der sie tätig sind. EMAS-Teilnehmer verbessern kontinuierlich ihre Umweltleistung mithilfe eines standardisierten Managementsystems. Formaler Bestandteil von EMAS ist der Abschnitt 4 der internationalen Umweltmanagementsystemnorm DIN EN ISO 14001, der die Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem festlegt.

Über die Kernthemen zum Aufbau eines Managementsystems hinaus richtet EMAS den Fokus vor allem auf messbare Verbesserungen, Transparenz nach innen und außen sowie Rechtssicherheit. Durch die Einführung von EMAS soll die Umweltleistung kontinuierlich verbessert werden, etwa durch eine Steigerung der Energieeffizienz und eine Verringerung der Emissionen, Abwässer, Abfälle. Neben solchen „direkten″ Umweltaspekten werden auch die „indirekten″ Umweltwirkungen, zum Beispiel Verwaltungs- und Planungsentscheidungen oder Beschaffungsverfahren, erfasst und bewertet.

EMAS-Organisationen führen einen offenen Dialog über Umweltfragen, indem sie jährlich eine Umwelterklärung veröffentlichen. In dieser berichten sie über ihre selbst gesteckten Umweltziele und deren Umsetzung und alle relevanten Umweltauswirkungen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden beteiligt und in den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung eingebunden. EMAS-Organisationen weisen nach, dass sie für die Einhaltung der Umweltvorschriften sorgen. Mit sogenannten internen Audits wird selbst überprüft, ob die Vorgaben eingehalten werden. Die internen Audits sind das Herzstück des Umweltmanagementsystems. Ein zusätzliches externes Audit durch unabhängige, betriebsfremde Prüfer (Umweltgutachter) bescheinigt glaubhaft die Funktion des Umweltmanagementsystems. Die Umwelterklärung ist öffentlich zugänglich und wird von dem staatlich beaufsichtigten, unabhängigen Umweltgutachter geprüft („validiert″).

Diese strengen externen Überprüfungen geben sowohl den Unternehmen als auch der Öffentlichkeit die Gewissheit, dass die EMAS-Anforderungen eingehalten und die veröffentlichten Informationen angemessen und korrekt sind. Nach der Validierung durch den EMAS-Umweltgutachter kann die Organisation sich mit den überprüften Standorten bei den Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern in das nationale EMAS-Register eintragen lassen. Die Eintragung in das EMAS-Register erfolgt unter Einbeziehung der zuständigen Umweltbehörden, die feststellen, dass kein Verstoß gegen einschlägige Umweltvorschriften vorliegt. Erst nach Abschluss dieses Verfahrens ist die Organisation berechtigt, ihre an den registrierten Standorten erzielten Leistungen im Umweltschutz dem „EMAS-Logo“ zu bewerben. Dieses einheitliche Logo ist das gemeinsame „Markenzeichen″ aller EMAS-Teilnehmer weltweit und zeigt das große Umweltengagement nach außen. Alle EMAS-Standorte werden auch in einem zentralen europäischen Teilnehmerverzeichnis geführt.

 

Die EMAS-Umwelterklärung

Die EMAS-Umwelterklärung vermittelt ein authentisches Bild des Umweltschutzes in der geprüften Organisation. Sie soll vor allem mit Hilfe von Kennzahlen die Veränderungen der Umweltsituation im zeitlichen Verlauf deutlich machen. Aus ihr ergibt sich, in welchem Umfang die Organisation ihrer Verpflichtung zur angemessenen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes an den einzelnen, an EMAS teilnehmenden Betriebsstandorten nachgekommen ist und was sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen hat. Dies betrifft nicht nur die direkten, sondern auch die sogenannten indirekten Umweltaspekte, zum Beispiel die umweltgerechte Organisation von Veranstaltungen. Die EMAS-Umwelterklärung eignet sich daher gut als Grundlage für eine weitergehende „Nachhaltigkeitsberichterstattung″.

Der Leitfaden von BMU und UBA zeigt Möglichkeiten auf, wie interessierte kleine und mittlere Unternehmen auf der Grundlage ihrer Umwelterklärung mit wenig Aufwand Nachhaltigkeitsberichte erstellen können.
Beispiele von EMAS-Teilnehmern, die ihre Umwelterklärung zu einem Nachhaltigkeitsbericht erweitert haben, finden sich in der Liste aller deutschen Nachhaltigkeits- und CSR-Berichte.

 

Förderung der EMAS-Teilnehmer

Die Teilnahme an EMAS zahlt sich für die Umwelt wie für die Unternehmen aus: Diese verpflichten sich zu einer über ihre gesetzlichen Pflichten hinausgehenden Verbesserung ihres betrieblichen Umweltschutzes. Hierdurch tragen sie zu einer Verbesserung der Umweltsituation und einer Steigerung der Lebensqualität bei. Zugleich werden bei der Umsetzung von EMAS regelmäßig auch wirtschaftlich rentable Umweltschutzmaßnahmen identifiziert, mit denen erhebliche Ressourcen eingespart sowie Abwasser, Abfall und Energieverbrauch beträchtlich reduziert werden können. Durch das betriebliche Umweltmanagementsystem schaffen sich die Unternehmen ein Instrument zur effektiven Selbstkontrolle. Dies hat dazu geführt, dass der Gesetzgeber die Berücksichtigung einer EMAS-Registrierung zunehmend in einschlägigen Vorschriften prüft und umsetzt. Die Vollzugsbehörden können den an EMAS teilnehmenden Unternehmen aufgrund der funktionierenden Eigenüberwachung der betrieblichen Umweltauswirkungen bestimmte Vollzugs- sowie Gebührenerleichterungen gewähren.

Auf Bundes- und Länderebene wird EMAS-Unternehmen eine Reihe von „Privilegien″ gewährt. Diese Regelungen, die unter anderem Berichtspflichten, wiederkehrende Emissionsmessungen und Anzeige- und Mitteilungspflichten zur Betriebsorganisation betreffen, ermöglichen es, Doppelarbeit in Unternehmen und Behörden zu vermeiden und Kosten zu sparen. Eine Zusammenstellung solcher Regelungen stellt der Umweltgutachterausschuss, ein Beratungsgremium des BMU, zur Verfügung.

 

EMAS weltweit

Eine Teilnahme am europäischen Umweltmanagementsystem ist seit 2010 auch Organisationen außerhalb der EU möglich. Organisationen von außerhalb der Gemeinschaft müssen sich an die für sie geltenden Umweltvorschriften halten. Sie müssen sich auch auf die Umweltvorschriften beziehen, die für ähnliche Organisationen in den Mitgliedstaaten gelten, in denen sie einen Antrag stellen wollen. Sie können sich allerdings nur in dem Mitgliedstaat registrieren lassen, in dem der Umweltgutachter, der die Organisation geprüft hat, zugelassen ist. Den Mitgliedstaaten ist freigestellt, ob sie die Registrierung von Organisationen außerhalb der EU zulassen. In Deutschland ist dies möglich. Die EU-Kommission hat einen Leitfaden für die Registrierung außereuropäischer Standorte vorgelegt.

EMAS und Energiemanagement

Die EMAS-Verordnung beinhaltet alle Anforderungen der internationalen Umweltmanagementsystemnorm ISO 14001. Darüber hinaus betrachtet sie die Energienutzung als bedeutenden Umweltaspekt. Daher sind für EMAS-Anwender nur wenige inhaltliche Anpassungen und Konkretisierungen erforderlich, um die Anwendung der in 2011 veröffentlichten internationalen Energiemanagementsystemnorm ISO 50001 zu vollziehen. Dies betrifft zum Beispiel die energiebezogenen Leistungen und die energetische Bewertung. Das Unternehmen soll so die Systeme und Prozesse aufbauen können, die notwendig sind, um die energiebezogene Leistung – einschließlich Energieeffizienz, Energieeinsatz und Energieverbrauch – zu verbessern. Die Struktur der ISO 50001 basiert auf gemeinsamen Elementen von ISO-Managementsystemnormen, insbesondere der ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ISO 14001 (Umweltmanagement). In einem gemeinsamen Projekt von BMU und UBA wurde ein ausführlicher Leitfaden zu Energiemanagement in der Praxis erarbeitet. Dort werden auch die Überschneidungen zu Umweltmanagementsystemen, insbesondere EMAS, dargestellt.

 

EMAS in Deutschland – Evaluierung 2012

In 2012 wurden in einer groß angelegten Umfrage alle aktuellen EMAS-Teilnehmer um ihre Meinung und Erfahrung mit EMAS gebeten. Eine Rücklaufquote von knapp 60 Prozent erlaubt eine gute Aussage über die Verbesserungswünsche der Anwender. Die Ergebnisse der Umfrage sind in einem Bericht zusammengefasst. Die hier aufgeführten Erfahrungen der EMAS-Anwender sind wichtig, um Optimierungsmöglichkeiten zu erkennen und Verbesserungsvorschläge in die Verhandlungen über die nächste Novelle der EMAS-Verordnung einzubringen. Auch wenn Nachbesserungsbedarf etwa in Form einer verstärkten Information der Öffentlichkeit über EMAS gesehen wird, ist es ein erfreuliches Gesamtergebnis, dass EMAS ein etabliertes Instrument des freiwilligen Umweltschutzes ist und ein hohes Ansehen genießt. Die große Mehrzahl der Befragten hält EMAS für ein hervorragendes oder gutes System. Transparenz, Glaubwürdigkeit und Umweltleistung, die die EU-Kommission als Qualitätsmerkmale des Systems herausstellt, wurden von den EMAS-Teilnehmern bestätigt. Einmal mehr zeigt sich, dass EMAS-Organisationen aus Überzeugung und aus einem hohen Eigenanspruch dieses freiwillige Mehr an Umweltschutz leisten, das EMAS einfordert. Dies hatte auch eine bereits Umfrage des UBA aus dem Jahr 1999 gezeigt. Dieser Überzeugung sind auch zahlreiche prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Umweltverbänden und haben entsprechende Statements abgeben, die auf der Internetseite wir-fuer-emas.de zu finden sind.

 

Datenbank der EMAS-Teilnehmer und Umweltkennzahlen

Umfassende und aktuelle Informationen zu EMAS stellt die Geschäftsstelle des Umweltgutachterausschusses, eine Einrichtung des Bundesumweltministeriums, im Internet zur Verfügung. Die mindestens monatlich aktualisierte Datenbank der EMAS-Teilnehmer wird vom DIHK zur Verfügung gestellt. Die Entwicklungen auf europäischer Ebene können ebenso verfolgt werden.

Umweltkennzahlen

Bereits 1997 veröffentlichte das Umweltbundesamt einen Leitfaden zur Anwendung betrieblicher Umweltkennzahlen in deutscher und englischer Fassung. Insbesondere mittelständischen Betrieben bietet dieser Leitfaden die Möglichkeit, ein Umweltkennzahlensystem aufzubauen. Umweltkennzahlen stellen nicht nur ein wichtiges Steuerungsinstrument des Umweltcontrollings dar, sondern unterstützen auch die betriebliche Umweltberichterstattung. Die in der zur gleichen Zeit veröffentlichten ISO 14031 aufgeführten „Environmental Indicators“ sind als „Umweltkennzahlensystem“ in diesen Leitfaden integriert worden. Im Juli 2013 haben Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium erneut einen Leitfaden zu Umweltkennzahlen veröffentlichen, der „best practice“-Beispiele von EMAS-Anwendern darlegt.