Häufige Fragen bei Schimmelbefall

Unterschiedliche Schimmelpilze in Anzuchtschalenzum Vergrößern anklicken
Unterschiedliche Schimmelpilze in Anzuchtschalen
Quelle: Regine Szewzyk / UBA

Wie ist Schimmelbildung in der Wohnung vorzubeugen? Wie gesundheitsschädlich ist er? An wen können Sie sich wenden, um Rat und Hilfe bei möglicher Erkrankung oder zur Sanierung Ihrer Wohnung zu erhalten?

Inhaltsverzeichnis

Häufige Fragen bei Schimmelbefall

Wie kann man Schimmel in der Wohnung vorbeugen?

Ein baulich intaktes Gebäude, in das keine Feuchte von außen eindringt, ist Voraussetzung für gesundes Wohnen. Vorbeugend gegen Schimmelwachstum wirkt richtiges Heizen und Lüften – mit regelmäßigem Abführen der Feuchtigkeit nach außen. Wärmedämmmaßnahmen können das Problem von Wärmebrücken mit kalten Wandtemperaturen reduzieren. Wenn bei einer energetischen Sanierung, dicht schließende Fenster eingebaut werden, müssen Sie aber verstärkt lüften, um die Feuchte im Raum und damit die Schimmelgefahr zu reduzieren.

Bei Havarien (z.B. Wasserrohrbruch, Überschwemmungen) ist es wichtig, die betroffenen Materialien möglichst schnell zu trocknen, um Schimmelwachstum zu vermeiden

Wie gesundheitsschädlich ist Schimmel in der Wohnung?

Zahlreiche Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Schimmelpilzen sehen einen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Schimmelpilze und Atemwegsbeschwerden (WHO 2010 und WHO 2009). Sporen und Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen können, über die Luft eingeatmet, allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. Es konnte jedoch bisher noch nicht festgestellt werden, ab welcher Konzentration an Schimmelpilzen in der Luft welche gesundheitlich negativen Auswirkungen auftreten. Da bislang keine Grenzwerte für Schimmelpilze festgelegt werden können, muss das Vorsorgeprinzip angewendet werden, wonach Schimmel in Innenräumen ein hygienisches Problem darstellt und beseitigt werden muss, bevor es zu Erkrankungen kommt.

Weiterführende Informationen zum Thema Schimmelpilze und Gesundheit

Wo finde ich Beratung zum Thema Schimmel in Innenräumen?

Sie können sich an das Netzwerk Schimmelpilzberatung Deutschland in Ihrer Region wenden. Auch einige Gesundheitsämter bieten Beratung bei Schimmelpilzproblemen an. Für die Anzeige von Schimmelproblemen in öffentlichen Gebäuden (z.B. Kindergärten, Schulen) sind die örtlichen Gesundheitsämter zuständig.

Mietervereine geben Tipps zum Umgang mit Vermietern, wenn ein Schimmelpilzproblem auftritt.

In Bundesländern, in denen Wohnungsaufsichtsgesetze bestehen (Hamburg, NRW, Berlin, Hessen), können auch die Städte im Rahmen der Wohnungsaufsicht beraten und konkret beim Vermieter eine Mängelbeseitigung anordnen und hoheitlich durchsetzen.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich vermute, durch Schimmel krank zu sein?

Grundsätzlich ist Ihr Hausarzt als erster Ansprechpartner zuständig, der Sie gegebenenfalls zu Spezialisten zur weiteren Abklärung Ihrer Symptome schicken kann. Einige Mitglieder im Netzwerk Schimmelpilzberatung bieten auch medizinische Hilfestellung an. In Deutschland gibt es nur wenige umweltmedizinische Zentren, die sich auf die Behandlung von Patienten mit Umwelterkrankungen spezialisiert haben.

Umweltmedizinische Beratungsstellen in Deutschland

Was tun bei Schimmel in meiner Wohnung?

Generell gilt: Materialien, auf denen Schimmelpilze wachsen, müssen gereinigt oder entfernt werden. Die Ursachen für die erhöhte Feuchtigkeit, die zu dem Schimmelwachstum geführt haben, müssen geklärt und abgestellt werden. (siehe Leitfaden 2005, S. 24 ff. )

Sie können kleineren Schimmelbefall (z.B. < 0,5 m 2 und nur oberflächlicher Befall) selbst beseitigen, wenn Sie nicht allergisch auf Schimmelpilze reagieren, an chronischen Erkrankungen der Atemwege leiden oder ein geschwächtes Immunsystem haben. Die Ursache der Feuchtigkeit muss aber erkannt und beseitigt werden, sonst kommt der Schimmel immer wieder zurück. Tipps zum Entfernen des Schimmelbefalls gibt der UBA-Schimmelpilzsanierungsleitfaden (siehe Leitfaden 2005 S. 30-33). Dabei sollten Sie aber Schutzmaßnahmen beachten!

Bei Unklarheiten sollten Sie die Fachleute zu Rate ziehen.

Größerer Schimmelbefall sollte immer von einer fachkundigen Firma saniert werden. Für eine fachgerechte Sanierung gibt der Schimmelpilzsanierungsleitfaden wichtige Hinweise (Kapitel 4, Seite 35 ff.)

Wie finde ich eine fachkundige Firma?

Woran erkenne ich einen guten Sachverständigen für die Probenahme und die Bewertung von Schadstoffen in Innenräumen?

Sachverständige für die Probenahme und die Bewertung von Schadstoffen in Innenräumen besitzen ein abgeschlossenes Hoch- bzw. Fachhochschulstudium (Mikrobiologie, Chemie oder Ingenieurwissenschaft) bzw. eine Meister- oder Technikerausbildung für ein entsprechendes Arbeitsgebiet

Gute Sachverständige:

  • besitzen eine Zusatzqualifikation in den Bereichen Analytik, Baubiologie, Bauphysik, Bauwesen, Innenraumhygiene und/oder Probenahme und deren Bewertung
  • haben mehrjährige praktische Erfahrungen und theoretische Kenntnisse in ihrem entsprechenden Arbeitsgebiet
  • nehmen regelmäßig an Weiterbildungsveranstaltungen auf ihrem Arbeitsgebiet teil
  • teilen ihren Kunden das Arbeitsgebiet mit, auf dem sie aufgrund ihrer Aus- und Weiterbildung sowie ihrer praktischen Erfahrungen tätig sind und übernehmen nur Aufträge, wo sie selbst über die erforderliche Kompetenz verfügen
  • orientieren sich bei ihrer Arbeit an der VDI-Richtlinienreihe 4300 bzw. der DIN ISO Reihe 16000. Wenden sie Methoden an, die hier nicht beschrieben sind, legen sie diese offen und machen Angaben zur Validierung, Messunsicherheit und Bewertung der Ergebnisse
  • verfügen über ein Qualitätssicherungssystem, das ein akkreditierungskonformes Arbeiten sicherstellt
  • nehmen an entsprechenden Ringversuchen teil
  • orientieren sich bezüglich der Bewertung ihrer Ergebnisse an den aktuellen Beurteilungskriterien der Innenraumlufthygiene Kommission des Umweltbundesamtes, wie z. B. der Bewertungshilfe für Luftproben - kultivierbare Schimmelpilze und Bewertungshilfe für Luftproben - Partikelauswertung (s. Schimmelpilzsanierungsleitfaden des UBA)
  • beraten Kunden über die anzuwendende Probenahmestrategie in dem konkret vorliegenden Fall und machen Angaben zu den zu erwartenden Kosten
  • geben ihre Proben zur Untersuchung nur an ein qualifiziertes Schimmelpilzlabor und fügen ihrem Gutachten den Originalprüfbericht des Labors bei
  • nehmen keine medizinischen Bewertungen der Ergebnisse vor

Woran erkenne ich ein qualifiziertes Schimmelpilzlabor?

Qualifizierte Labore:

  • besitzen eine Genehmigung zum Arbeiten mit infektiösem Material, v.a. auf dem Gebiet der Schimmelpilzidentifizierung, entsprechend § 44 Infektionsschutzgesetz
  • haben mehrjährige praktische Erfahrungen und theoretische Kenntnisse auf dem Gebiet der Umweltmykologie
  • nehmen regelmäßig an mykologischen Weiterbildungsveranstaltungen teil
  • orientieren sich bei ihrer Arbeit (Probenlagerung, Probenaufarbeitung, Identifizierung und Ergebnisberechnung) an den Empfehlungen der VDI-Richtlinie 4300 Blatt 10 „Messen von Innenraumluftverunreinigungen - Messstrategie bei der Untersuchung von Schimmelpilzen im Innenraum“ bzw. der DIN ISO 16000 Teil 16 bis 20
  • machen Angaben zur Validierung, Messunsicherheit und Bewertung der Ergebnisse und legen diese offen, wenn sie Untersuchungen durchführen, die noch nicht in der VDI-Richtlinie 4300 Blatt 10 bzw. in der DIN ISO 16000 Teil 16 bis 20 beschrieben sind
  • präzisieren gegebenenfalls in Abstimmung mit dem Auftraggeber in Abhängigkeit von der Zielsetzung die Messaufgabe und machen Angaben zu den zu erwartenden Kosten
  • verfügen über ein System der internen Qualitätskontrolle und der Rückführbarkeit der Ergebnisse
  • geben an, nach welchem Bestimmungsschlüssel sie die einzelnen Schimmelpilze identifiziert haben und mit welcher Messwertunsicherheit die erhaltenen Ergebnisse allgemein behaftet sind
  • nehmen regelmäßig erfolgreich an dem Ringversuch „Identifizierung von Schimmelpilzen im Innenraum und in Lebensmitteln“ oder an anderen gleichgelagerten Ringversuchen teil
  • oriientieren sich bezüglich der Bewertung ihrer Ergebnisse an den aktuellen Beurteilungskriterien der Innenraumlufthygiene Kommission des Umweltbundesamtes wie z. B. der Bewertungshilfe für Luftproben - kultivierbare Schimmelpilze und Bewertungshilfe für Luftproben - Partikelauswertung (s. Schimmelpilzsanierungsleitfaden des UBA)
  • geben Hilfestellung zur Interpretation der Ergebnisse nach Rücksprache mit dem Probenehmer, bei Ergebnissen, die vom Auftraggeber nicht einschätzbar sind (fehlende Fachkenntnis)
  • geben in ihrer Interpretation der Ergebnisse nur in kurzer Form an, dass Feuchte- /Schimmelpilzschäden ein hygienisches Problem darstellen
  • nehmen keine medizinischen, baulichen und anderen fachfremden Bewertungen der Ergebnisse vor, arbeiten aber in konkreten Einzelfällen kooperativ mit Ärzten und anderen Sachverständigen zusammen

Schutzmaßnahmen: Worauf muss ich bei der Entfernung von Schimmel achten?

Schutzmaßnahmen beachten!

  • Schwer zu reinigende Gegenstände,  z.B. Textilien, abdecken oder aus dem Sanierungsbereich entfernen.
  • Lebensmittel und andere Gegenstände wie Kinderspielzeug und Kleidung vor der Sanierung aus dem Raum entfernen.
  • Möglichst staubarm arbeiten (z.B. Oberflächen vorher absaugen oder anfeuchten).
  • Eine Ausbreitung von Schimmelpilzsporen vermeiden.
  • Schimmelpilze nicht mit bloßen Händen berühren – Schutzhandschuhe aus Kunststoff tragen (in Baumärkten erhältlich) und nach Gebrauch entsorgen.
  • Schimmelpilzsporen nicht einatmen – Atemschutz tragen (in Baumärkten erhältlich) und nach Gebrauch entsorgen.
  • Schimmelpilzsporen nicht in die Augen gelangen lassen – spezielle Staub-Schutzbrillen tragen (in Baumärkten erhältlich).
  • Arbeitskleidung nach Benutzung gründlich waschen oder Einwegschutzanzug verwenden und entsorgen.

Auszug aus: Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen („Schimmelpilzsanierungsleitfaden“): Umweltbundesamt, 2005, S. 32.

Firmen müssen Arbeitsschutzmaßnahmen beachten: Informationen zum Arbeitsschutz durch die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft.

Ist Desinfektion sinnvoll?

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 Allgemeine Gesundheit  Innenraum  Schimmel in Gebäuden