Risiken und Verwundbarkeit

Altstadt mit Häusern steht unter Wasserzum Vergrößern anklicken
Hochwasser bedroht auch immer wieder Siedlungsgebiete.
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Der Klimawandel birgt Risiken, insbesondere für sehr verwundbare Personen, Regionen oder Systeme. Dabei hängt die Verwundbarkeit von physischen und sozio-ökonomischen Faktoren ab. So sind zum Beispiel Siedlungsgebiete in Überschwemmungsbereichen von Hochwasser bedroht. Dort lebende bettlägerige oder von Informationen zur Hochwassersituation abgeschnittene Personen gelten als besonders verwundbar.

Konzept der Vulnerabilität

Es gibt verschiedene Konzepte, um die Verwundbarkeit von Personen, Regionen oder Systemen gegenüber möglichen Folgen des Klimawandels zu analysieren und zu bewerten. Eines der bekanntesten ist das Vulnerabilitätskonzept des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) von 2007 (Parry et al. 2007). Vulnerabilität bezeichnet hier das Ausmaß, wie stark eine Person, eine Region oder ein System durch Veränderungen des Klimas beeinflusst wird und in welchem Maße dies bewältigt werden kann. Die Verwundbarkeit ist abhängig von der Art und Intensität der Klimaänderung (Exposition oder Klimasignal), der Empfindlichkeit (Sensitivität) sowie der Anpassungskapazität der Person, der Region oder des Systems. Den Rahmen für die Bestimmung der Verwundbarkeit liefert die Vulnerabilitätsanalyse. Sie wird in der Regel durchgeführt, um besonders verwundbare Personen, Regionen oder Systeme zu identifizieren und Ansatzpunkte für mögliche Anpassungsmaßnahmen abzuleiten.

Vulnerabilitätsbewertungen in Deutschland

In Deutschland wurden bereits verschiedene Vulnerabilitätsanalysen durchgeführt, beispielsweise für Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, einzelne Regionen im Rahmen von Forschungsprojekten oder einzelne Handlungsfelder wie menschliche Gesundheit oder Energie.

Eine deutschlandweite Vulnerabilitätsanalyse wurde erstmals im Jahr 2005 vorgenommen. Im Rahmen dieser Analyse wurden die Regionen Südwestdeutschland (Oberrheingraben), die zentralen Gebiete Ostdeutschlands (Nordostdeutsches Tiefland, Südostdeutsche Becken und Hügel) und die Alpen als am stärksten verwundbar identifiziert. Die geringste Vulnerabilität wurde für die deutschen Mittelgebirge und Nordwestdeutschland gesehen. Im Vergleich der Handlungsfelder wurden die Sektoren Wasser, Gesundheit und Wintersporttourismus als besonders verwundbar bewertet.

Die Studie bildete eine wesentliche Basis für die Erstellung der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) im Jahr 2008.

Eine neue, bundesweit einheitliche Vulnerabilitätsbewertung

Seit 2005 wurde das Wissen über den Klimawandel und seine Folgen stetig erweitert. Dazu haben in Deutschland durchgeführte Forschungsprojekte und Verbundvorhaben (wie KLIWAS, KLIMZUG, klimazwei, KlimaMoro) maßgeblich beigetragen. Aus diesem Grund wurde 2011 bis 2015 eine deutschlandweite Vulnerabilitätsanalyse durchgeführt, die vorhandenes Wissen zusammenträgt und mithilfe einer neu entwickelten Methode die gegenwärtige und zukünftige Verwundbarkeit Deutschlands gegenüber dem Klimawandel bewertet. Die Analyse wurde im Rahmen des Forschungsvorhabens „Netzwerk Vulnerabilität“ realisiert. Beteiligt sind neben dem Umweltbundesamt 15 weitere Bundesoberbehörden und -einrichtungen.

Die Ergebnisse zeigen: Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts wird deutschlandweit die Erwärmung und damit der Artenwandel zunehmen. Dies hat Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in aquatischen und terrestrischen Ökosystemen. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Hitzewellen und Trockenperioden mit negativen Folgen für die menschliche Gesundheit, das Bauwesen und die Land- und Forstwirtschaft. Bei einem starken Klimawandel steigt auch die Gefahr von Sturzfluten und Flusshochwassern. Damit wird das Schadenspotenzial des Klimawandels für Umwelt, Gesundheit und Infrastrukturen größer, besonders in Ballungsgebieten. Die Studie zeigt auch, welche Klimafolgen welche Regionen besonders betreffen: So sind beispielsweise vor allem Ballungsgebiete in Ostdeutschland und dem Rheintal durch Hitzewellen gefährdet. Im norddeutschen Tiefland könnte die Anzahl der Überschwemmungen durch Flusshochwasser zunehmen, Süddeutschland ist dagegen durch Überschwemmungen infolge von Starkregen besonders bedroht.

Umgang mit den Risiken des Klimawandels

Es bedarf einer vorausschauenden Anpassung an die zu erwartenden Klimafolgen, um die Risiken des Klimawandels zu mindern. Daher sind die Ergebnisse der neuen bundesweiten Vulnerabilitätsanalyse, die das Netzwerk Vulnerabilität erarbeitet hat, in die Weiterentwicklung der Deutschen Anpassungsstrategie und des Aktionsplans Anpassung eingeflossen, um Handlungserfordernisse zu priorisieren.