Gefährdung der Biodiversität

Kleines Waldstück umgeben von mehreren Feldernzum Vergrößern anklicken
Wildblumen im Feld
Quelle: E. Schittenhelm/ Fotolia.com

Agrarlandschaften sind Lebensraum für viele wildlebendeTier- und Pflanzenarten. Felder, Wiesen, Weiden dienen als Nahrungsgrundlage und bieten Brut- und Rückzugsräume. Die zunehmende Intensivierung und Monotonisierung der Landwirtschaft schränkt dieses Potenzial jedoch erheblich ein. Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ist seit Jahren rückläufig.

Einführung

Über die Hälfte der Landesfläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Als Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen kommt einer umweltverträglichen und die Artenvielfalt erhaltenden Gestaltung der Landwirtschaft eine besondere Bedeutung zu.

Die Landwirtschaft galt lange Zeit als Garant für die Arten- und Biotopvielfalt in der offenen Kulturlandschaft. Mit der Intensivierung im Pflanzenbau und der Industrialisierung in der Tierhaltung zählt sie heute zu den treibenden Kräften für den Verlust an biologischer Vielfalt. Mit zunehmender Technisierung vergrößerten sich die Ackerschläge. Flurgehölze, natürliche Landschaftselemente wie Hecken oder Blühstreifen, Weiher und Ackerrandstreifen wurden vielfach entfernt und sind heute insbesondere in den ackerbaulichen Gunstregionen und in den Intensivtierhaltungsregionen selten anzutreffen. Diese natürlichen und miteinander verbundenen Landschaftselemente sind für wildlebende Tiere und Pflanzen außerordentlich wichtig.

Der hohe Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln verschärft die Situation, denn eingetragen in natürliche Ökosysteme verdrängen sie hier die natürliche, standortangepasste Vegetation. Auch mit der im Zuge des verstärkten Anbaus von Nachwachsenden Rohstoffen (Raps und Mais) intensivierten landwirtschaftlichen Nutzung, können Biodiversitätsverluste verbunden sein. Für den Anbau von Energiepflanzen werden häufig ehemalige Stilllegungs-oder Grünlandflächen umgebrochen. Die engen Fruchtfolgen im Energiepflanzenanbau bieten Insekten und Vögeln nur wenig Abwechslung und erfordern zudem einen hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Das Habitat- und Rückzugsdargebot für viele heimische Vogel- und Insektenarten verringert sich. Mit 52 Prozent des Artenbestandes Deutschlands gehören Grünlandstandorte zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Der Umbruch zu Ackerstandorten schränkt dieses Potenzial somit erheblich ein. Damit kann es weiterhin zu einer zunehmenden Isolation der verbleibenden Grünland-Restbestände mit einer Störung des Biotopverbundsystems kommen.

Die Vielfalt der Organismen auf und in Böden erfüllt aber auch wichtige Funktionen für die Erhaltung der Ertragsfähigkeit und Bodenfruchtbarkeit. Funktionen der Organismen wie Bestäubung, Kontrolle von Schaderregern sind vielen ein Begriff. Dass aber der gesamte Umbau der Pflanzen- und Wurzelrückstände im Boden von Bodentieren, wie zum Beispiel Regenwürmern, Springschwänzen, Milben und letztlich von den Bodenbakterien und -pilzen abhängt, ist oft unbekannt. Dabei nutzen wir diese Funktionen im heimischen Komposthaufen.

Je intensiver landwirtschaftliche Böden bewirtschaftet werden, desto geringer sind Artenzahl und Vorkommen der Bodenorganismen. Erhöhter Aufwand zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ist nötig, wenn man auf diese ökologischen Leistungen der Natur verzichtet. Die Verbesserungen durch Gesetze im Bereich des Pestizid- und Düngereinsatzes bringen zwar punktuell einige Verbesserungen, reichen aber für eine Umkehr beim Verlust der Artenvielfalt nicht aus. Der für 2010 angestrebte Stopp beim Artenverlust nebst Trendwende konnte bislang nicht erreicht werden. Das Ziel soll nun bis 2020 erreicht werden. Die Indikatoren der Nationalen Biodiversitätsstrategie "Artenvielfalt und Landwirtschaft" und "Gefährdete Arten" zeigen nur marginale Veränderungen.