Erosion

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Erosion ist der schleichende Verlust von fruchtbarem Boden.
Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt

Treffen starke Regenfälle oder stürmischer Wind auf den nackten Ackerboden, geraten die Bodenteilchen in Bewegung. Sie können hangabwärts oder durch die offene Landschaft über längere Distanzen transportiert werden. Die Folge ist der Verlust von fruchtbarem Boden, den wir zum Leben brauchen. Weil die Anbaupraxis immer intensiver und monotoner wird, können langfristig Probleme entstehen.

Inhaltsverzeichnis

Bodenerosion durch Wasser – eine unterschätzte Gefahr?

Treten sturzflutartige Regenfälle auf, kann der ungeschützte Ackerboden in Bewegung geraten. Auf Ackerflächen in Hanglagen werden die Bodenpartikel abgetragen und je nach Intensität über kurze oder lange Distanzen verfrachtet. Durch diesen Vorgang der Erosion geht fruchtbarer und humoser Boden verloren, der die landwirtschaftlichen Erträge garantiert. Gleichzeitig gelangen an die Bodenpartikel gebundene Nähr- und Schadstoffe in angrenzende Gewässer oder Ökosysteme. In Einzelfällen werden Straßen und Wohngebiete mit Erde überflutet und beeinträchtigen die öffentliche Sicherheit. In Mitteleuropa sind Bilder komplett erodierter Landoberflächen derzeit unbekannt, jedoch tritt Bodenerosion durch Wasser auf vielen Ackerflächen in Deutschland auf. Der wenig sichtbare und meist schleichende Bodenverlust gefährdet langfristig die Ernährungssicherheit, da neuer Boden langsamer entsteht als sein Verlust.

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Wie erkennen wir Bodenerosion durch Wasser?

Bodenerosion tritt sehr unregelmäßig und räumlich begrenzt auf. Das macht es anspruchsvoll den Vorgang zu beobachten und zu bilanzieren. In den vorwiegend hügeligen Landschaften von Deutschland ist die Bodenerosion durch Wasser dominant, wohingegen besonders in Norddeutschland und den küstennahen Regionen als Auslöser der Wind vorherrscht.

Bodenerosion durch Wasser tritt auf Ackerflächen je nach Ursache entweder in flächenhaften und/oder linienhaften Formen auf. Bei allen Formen werden Bodenpartikel von den oberen und mittleren Hanglagen zu den unteren Hangpartien verfrachtet oder in angrenzende Gewässer und auf benachbarte Flächen transportiert.

Flächenhafte Erosionsformen

Flächenhafte Erosionsformen bestehen aus kleinen, wenig bis gar nicht messbaren Formen auf der Ackerfläche. Dies betrifft die Spritzwassererosion („Splash-Erosion“), bei der durch die direkte Kraft eines aufprallenden Regentropfens die Bodenpartikel aus ihrem Verbund gelöst werden. Vor allem kleinere und größere Bodenklumpen und -aggregate werden zerstört und die Ackerkrume wird flächig verschlämmt.

Linienhafte Erosionsformen

Linienhafte Formen sind deutlich sichtbare, mess- und kartierbare Formen auf einer Ackerfläche. Unterschieden werden je nach Tiefe:

  • Rillen (zwei bis zehn Zentimeter),
  • Rinnen (10 bis 40 Zentimeter) und
  • Gräben (größer als 40 Zentimeter).

Sie orientieren sich meist an Abfluss- und Tiefenlinien sowie den Fahr- und Bearbeitungsspuren und reichen oftmals über mehrere Ackerschläge. Der Bereich des Abtrags und der erneuten Ablagerung liegen also deutlich auseinander.
Die langfristig daraus resultierenden Schäden auf einer Ackerfläche (englisch. „On-Site“) betreffen neben dem Verlust von fruchtbarem Boden meistens auch die angebauten Ackerkulturen und können außerhalb der Ackerfläche liegende Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie Gewässer und Ökosysteme (englisch. „Off-Site“) treffen.

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Wodurch kommt es zu Bodenerosion durch Wasser?

Die Ursache für Bodenerosion in Mitteleuropa ist der Ackerbau des Menschen. Einige Auslöser sind zwar natürlichen Ursprungs, jedoch wird Bodenerosion in diesen Ausmaßen erst durch menschliches Wirtschaften möglich.
Die Darstellung des gesamten Ursachenbündels kann anhand der „Allgemeinen Bodenabtragsgleichung“ (ABAG, englisch. USLE) gut illustriert werden, da in diese alle wesentlichen Faktoren einbezogen werden.

Natürliche Einflussfaktoren

  • Klima (Niederschlagsintensität),
  • Boden (Erosionsanfälligkeit der Korngrößen),
  • Geländebeschaffenheit (Gefälle und Geländeform).

Grundsätzlich gilt: Starke Regenfälle in Verbindung mit sehr erosionsanfälligen Böden in Hanglagen bedeuten eine hohes Risiko für Erosion.

Die Niederschlagsintensität: Im Winter und Frühjahr sind eher lang anhaltende Niederschläge mit geringerer Intensität der Auslöser für Erosion. Im Juni und im Spätsommer ist die Häufigkeit von Stark- und Gewitterregen ausschlaggebend.

Als Faustformel gilt: Regenereignisse mit mehr als zehn Millimeter (10 Liter) Niederschlag auf einem Quadratmeter können Bodenerosion auslösen.

Die Korngrößenzusammensetzung des Bodens: Besonders Böden mit hohen Anteilen der Korngröße „Schluff“, die vor allem in Lößböden vorherrscht, sind sehr erosionsanfällig. Hohe Anteile an Steinen auf der Oberfläche und viel Humus bieten Schutz vor den auftreffenden Regentropfen. Ein aktives Bodenleben sorgt für viele senkrechte Bodenporen, kleine Röhren, zum Beispiel von Regenwürmern, die die Versickerung des Regenwassers beschleunigen und den oberflächlichen Abfluss und die Erosion verringern.

Die Geländebeschaffenheit – insbesondere die Größe des Gefälles – und die Form des Geländes sind entscheidend, besonders wenn die Bearbeitung in Richtung des Gefälles erfolgt.
Als Faustformel gilt: Schon ab einem Gefälle von zwei Prozent kann Bodenerosion einsetzen.

Einfluss der Bewirtschaftung

Verschiedene Faktoren der Bewirtschaftung beeinflussen das Auftreten von Bodenerosion. Diese Faktoren können betrieblich angepasst werden:

  • Hanglänge (Flurgestaltung, Geometrie und Größe der Ackerfläche),
  • Kulturarten (Vielfalt und Abfolge der Kulturarten),
  • Bearbeitungssystem (Bestellweise und -intensität),
  • Bearbeitungsrichtung (Anordnung der Bearbeitungsrichtung zum Gefälle).

Der Einfluss der Hanglänge bemisst sich aus der Strecke, die ohne Barrieren und Hindernisse für den Abfluss des Wassers zur Verfügung steht. Je länger der Hang desto größer wird das Risiko. Bei starkem Gefälle haben auch geringe Fließstrecken ein hohes Risiko.

Die angebauten Kulturarten beeinflussen den Grad der Bodenbedeckung zu bestimmten Zeiten im Jahresverlauf. Besonders Hackfrüchte wie Mais und Zuckerrüben garantieren erst sehr spät nach der Aussaat eine Bodenbedeckung von mehr als 30 Prozent, die als Minimum für einen wirksamen Schutz des Bodens gilt.

Die Intensität der Bodenbearbeitung: Die konventionelle Bearbeitung erfolgt mit Pflug. Dabei wird der Boden gewendet und alle Erntereste in den Boden eingemischt. Zwei Effekte, die der Bodenerosion entgegenwirken, gehen dabei verloren: Zum einen verbleiben keine Erntereste (Mulch) auf dem Boden, die den Boden vor der Aufprallenergie des Wassers schützen. Zum anderen zerstört das Pflügen die Struktur des gewachsenen Bodens. Der Boden verliert seine senkrechten Röhren für die Versickerung des Regenwassers und seine Stabilität. Diese positiven Effekte bleiben mit der dauerhaft pfluglosen Bodenbearbeitung erhalten. Die Struktur des Bodens wird konserviert. Die schonendste Form der konservierenden Bodenbearbeitung ist die Direktsaat, bei der die Saat direkt in die Vorfrucht erfolgt, so dass der Boden dauerhaft bedeckt ist.

Die Bearbeitungsrichtung also die Bestellung entweder in Richtung des Gefälles oder hangparallel quer zum Gefälle ist eine der wesentlichen Einflussfaktoren auf die Erosion. Dies gilt besonders für die Fahrspuren auf einer Ackerfläche.

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Was sind die Folgen von Bodenerosion durch Wasser?

Bodenerosion bedeutet den Verlust von fruchtbarem Boden und langfristig eine Bedrohung der Produktionsgrundlage für Nahrungsmittel.
Neben der Beeinträchtigung des Bodens und seiner Funktionen, können auch öffentliche und schützenswerte Güter wie die Wasserqualität und Sachschäden an Siedlungs- und Verkehrsflächen betroffen sein.

Als Faustformel gilt: Ein Bodenverlust von zehn Tonnen pro Hektar und Jahr entspricht einem Verlust von einem Millimeter Boden pro Jahr. Demzufolge kann sich der Verlust im Laufe eines Menschenlebens (80 Jahre) auf circa acht Zentimeter summieren, was einem Drittel der fruchtbaren Ackerkrume (oberste 25-30 Zentimeter) entspricht. Seit der Kulturnahme des Menschen sind vielerorts Bodenabträge von mehreren Dezimetern keine Seltenheit.

Negative Auswirkungen auf der Ackerfläche (englisch. „On-Site“):

  • Verringerung der Bodenfruchtbarkeit,
  • Beeinträchtigung der Bodenfunktion: Filtern von Verunreinigungen,
  • Beeinträchtigung der Bodenfunktion: Wasserspeicher,
  • Ernteausfall in Folge des Verlusts der Kulturpflanzen und
  • Verlust von Mineraldünger.

Negative Auswirkungen auf benachbarten Flächen, in Bächen, Flüssen und Seen (englisch. „Off-Site“):

  • Verunreinigung von Wegen und Straßen,
  • Verunreinigung von Gräben und Kanalisation,
  • Verunreinigung in Wohngebieten und von Privateigentum,
  • Steigerung der lokalen Überschwemmungsgefahr durch oberflächlichen Wasserabfluss,
  • Ernteausfall durch Überschwemmung benachbarter Flächen,
  • Verfrachten von an den Boden gebundenen Schadstoffen und Mineraldünger in Bäche, Flüsse und Seen sowie benachbarte Ökosysteme (Eutrophierung).
Schaubild zum Bodenverlust durch Bodenerosion durch Wasser.
Bodenverlust nach 80 Jahren bei bestimmten jährlichen Abtragsmengen.
Quelle: FG II 2.7 / Umweltbundesamt

Wie hoch ist die Bodenerosion durch Wasser in Deutschland tatsächlich?

Um den tatsächlichen Bodenabtrag durch Wasser zu ermitteln, bedarf es einer Beobachtung auf den Ackerflächen. Die zweckmäßigste Methode ist die Kartierung von Ereignissen, bei denen Erosion sichtbar ist. Einen solchen Ansatz gibt es in Deutschland systematisch seit dem Jahr 2000 in Niedersachsen und seit kurzem in Baden-Württemberg. Die über zehnjährigen Beobachtungen in Niedersachsen lieferten bislang weiterführende Erkenntnisse zum Erosionsgeschehen:

  • bei einzelnen Ereignissen betrug der Bodenverlust von weniger als einer Tonne bis 50 Tonnen Boden pro Hektar (50 Tonnen Boden entspräche einem Bodenverlust von circa fünf Millimeter pro Jahr und im Laufe eines Menschenlebens dem kompletten Verlust der fruchtbaren Ackerkrume),
  • der durchschnittliche Bodenverlust auf allen Beobachtungsflächen reichte von 1,4 bis 3,2 Tonnen pro Hektar und Jahr,
  • der durchschnittliche Bodenverlust auf den stark gefährdeten Flächen betrug über fünf Tonnen pro Hektar und Jahr (entspricht einem Bodenverlust von mehr als 0,5 Millimeter pro Jahr). Ein Viertel aller Flächen sind davon betroffen,
  • generelle Ursachen für hohe Abtragsmengen waren: Hanglänge, Bewirtschaftung in Gefällerichtung, Bodenanfälligkeit, Bestellweise und Bodenverdichtungen,
  • Kulturarten mit hohem Abtragspotenzial: Kartoffel, Mais, Zuckerrübe und Winterweizen,
  • ein Sechstel der Abtragsmengen gelangten in angrenzende Gewässer,
  • bei mehr als der Hälfte der Ereignisse erfolgte ein Transport in angrenzende Flächen.

Die methodische Vorgehensweise ermöglicht das Bilanzieren der tatsächlichen linienhaften Abtragsmengen. Als Faustformel für die gesamte Abtragsmenge gilt: Durch linienhafte und flächenhafte Erosionsformen auftretende Bodenverluste verteilen sich im Verhältnis eins zu eins.

Welche Gebiete sind besonders von Bodenerosion durch Wasser gefährdet?

Für die bundesweite Ermittlung der tatsächlichen bewirtschaftungsabhängigen Erosionsgefährdung wird die anerkannte Methode der „Allgemeinen Bodenabtragsgleichung – ABAG“ eingesetzt. Das Verfahren liefert als Ergebnis den mittleren langjährig zu erwartenden Bodenabtrag in Tonnen pro Hektar und Jahr.

In der Praxis wird oft eine standortabhängige Variante, die sogenannte „potenzielle“ Gefährdung ermittelt, die nur die „natürlichen“ Einflussfaktoren Klima, Boden und Gelände berücksichtigt.

Der gegenwärtige Stand beruht auf Niederschlagsmessungen des Zeitraums 1971 bis 2000. Den Informationen zur Verteilung der Kulturarten liegen statistische Daten aus dem Jahr 2007 zugrunde, die für die Ebene der Naturräume zusammengefasst wurden. Für die Bodenbearbeitung ist derzeit in Deutschland davon auszugehen, dass auf circa der Hälfte der Ackerfläche pfluglose, konservierende Lockerung nach der Ernte durchgeführt wird. Regional fällt dies unterschiedlich aus.

Nach gegenwärtigem Stand weisen derzeit 14 Prozent der ackerbaulich genutzten Fläche für das Bezugsjahr 2007 einen mittlere langjährige Gefährdung von mehr als drei Tonnen pro Hektar und Jahr auf. Das entspricht einer hohen bis sehr hohen Gefährdung. Auf weiteren 36 Prozent der Ackerfläche besteht eine mittlere bis geringe Erosionsgefährdung durch Wasser. Demnach ist auf der Hälfte der bundesdeutschen Ackerfläche das Erosionsrisiko durch Wasser vergleichsweise gering bis gar nicht vorhanden. Die Ergebnisse berücksichtigen nicht die Bearbeitungsrichtung. Diese Größe ist nur lokal oder einzelbetrieblich darstellbar.
Für die Gefährdung durch Wassererosion ergibt sich ein bestimmtes Muster für Deutschland.
Stark gefährdet sind:

  • das mittelsächsische Lößlehmhügelland,
  • randliche Teile des Thüringer Beckens,
  • das östliche und nördliche Harzvorland,
  • Teile des Weserberglandes,
  • die Hellwegbörden,
  • das Bergische Land,
  • die Ville,
  • Teile des Saar-Nahe Hügellandes,
  • der Kraichgau mit Gäuplatten,
  • das Markgräfler Hügelland,
  • Teile der Schwäbischen Alb,
  • das Donau-Isar-Inn Hügelland sowie
  • Teile des Oberpfälzer- und Bayerischen Waldes.

Der Vergleich mit einem Szenario unter Annahme einer flächendeckend konventionellen Bodenbearbeitung mit dem Pflug zeigt das Minderungspotential der konservierenden, pfluglosen Bearbeitung auf.
Die bundesweiten Ergebnisse können nicht auf einzelne Betriebe oder Parzellen übertragen werden.

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Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Bodenerosion durch Wasser aus?

Das tatsächliche Auftreten von Bodenerosion durch Wasser wird sich in Folge des Klimawandels verändern. Diese Veränderungen werden Deutschland nicht gleichmäßig treffen, denn die Prognosen zeigen regionale Unterschiede. Für die Bodenerosion durch Wasser wird maßgebend sein, wie sich die Niederschlagsintensität und der Temperaturverlauf entwickeln. Regionale Anbauschwerpunkte bestimmter Kulturpflanzen lassen dann Hinweise auf gezielte Anpassungsmaßnahmen zu.

Klimamodelle ermöglichen es, die Veränderungen beim Niederschlag und der Lufttemperatur für die Zukunft zu berechnen. In einer Studie wurde mittels Klimamodell WETTREG aus dem Jahr 2006 und dem Klimaszenario A1b eine Prognose der Bodenerosion durch Wasser für die Zeiträume 2011 bis 2040, 2041 bis 2070 und 2071 bis 2100 berechnet.

Zukünftige Schwerpunktgebiete der standortabhängigen Erosionsgefährdung

Die standortabhängige, potenzielle Erosionsgefährdung gibt einen Hinweis auf die Veränderung der Niederschlagsintensität in Deutschland. Im Zeitraum 2011 bis 2040 zeigt sich ein Anstieg der Niederschlagsintensität im Nordosten und im Westen Deutschlands, der sich im Zeitraum 2041 bis 2070 vom Nordosten in den Nordwesten verlagert, so dass vor allem Nordwestdeutschland betroffen ist. Im Zeitraum 2071 bis 2100 tritt ein einheitlicher Anstieg von Nordwesten her auf, bei dem der Nord- und Südosten ausgenommen ist sowie Bayern und ein Teil von Baden-Württemberg.

Dementsprechend ergeben sich Schwerpunktgebiete für die zukünftige standortabhängige Erosionsgefährdung zunächst im Westen der Mittelgebirgsschwelle. Sie dehnt sich in der Folge nach Hessen aus und betrifft im letzten Zeitraum (2071-2100) die gesamte westliche Mittelgebirgsschwelle. Die Steigerungsraten sind in den ersten beiden Zeiträumen gering, erfahren aber 2071 bis 2100 einen deutlichen Anstieg.

Zukünftige Schwerpunktgebiete der bewirtschaftungsabhängigen Erosionsgefährdung

Für die tatsächliche, bewirtschaftungsabhängige Erosionsgefährdung verlagert sich das Muster der Schwerpunktgebiete. Der Grund liegt in einer Veränderung der Bodenbedeckung im Jahresverlauf, die durch den Einfluss von Niederschlag und Temperatur auf die Kulturpflanzen gesteuert wird.

Die geringen Steigerungsraten der standortabhängigen, potenziellen Erosionsgefährdung für die Zeiträume 2011 bis 2040 und 2041 bis 2070 ändern sich für die bewirtschaftungsabhängige Gefährdung. Von 2011 bis 2040 ist die gesamte deutsche Mittelgebirgsschwelle von einer Zunahme betroffen, die besonders das Thüringer Becken und Mitteldeutschland betrifft. Dieser Trend schwächt sich 2041 bis 2070 etwas ab um von 2071 bis 2100 wiederum viel deutlicher hervorzutreten.

Insgesamt erhöht sich die Erosionsgefährdung durch Wasser in Abhängigkeit von der Region moderat bis mittel. Es gibt Regionen in denen keine Veränderung eintritt. Maisanbau auf Stilllegungsflächen bedeutet eine deutliche Erhöhung der bewirtschaftungsabhängigen Erosionsgefährdung. Die verschiedenen Szenarien der Bodenbearbeitung unterstreichen, dass die steigende Erosionsgefährdung durch pfluglose, konservierende Bodenbearbeitung kompensiert werden kann.

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Welche Regelungen zur Vermeidung von Bodenerosion durch Wasser gibt es?

Bodenerosion durch Wasser ist in mehreren unabhängig voneinander geltenden Rechtsbereichen verankert:

  • Bundes-Bodenschutzgesetz – BBodSchG (§17) und Bundes-Bodenschutz und Altlastenverordnung – BBodSchV (§8),
  • Direktzahlungen-Verpflichtungengesetz – DirektZahlVerpflG (§2) und Direktzahlungen-Verpflichtungenverordnung – DirektZahlVerpflV (§2) zur Umsetzung der EG – Verordnung (Cross Compliance) Nr. 1782/2003 (Artikel 5),
  • Wasserhaushaltsgesetz – WHG (§78, §83) zur Umsetzung der EG – Wasserrahmenrichtlinie Nr. 2000/60/EG (Artikel 13) und
  • Bundes-Naturschutzgesetz – BNatSchG (§5)

Das Bundes-Bodenschutzgesetz regelt neben der Abwehr von Gefahren für die öffentlichen Güter vor allem die Vorsorge vor schädlichen Einwirkungen auf den Boden. Für die landwirtschaftliche Bodennutzung wird dies im Paragraf 17 des BBodSchG mit der „Guten fachlichen Praxis“ (GfP) in der Landwirtschaft konkretisiert. Speziell für die Vermeidung von Bodenerosion sieht Paragraf 17 vor: „Bodenabträge durch eine standortangepasste Nutzung unter Berücksichtigung der Hangneigung, der Wasser- und Windverhältnisse sowie der Bodenbedeckung möglichst zu vermeiden“.

Die Direktzahlungen-Verpflichtungenverordnung regelt national die Gewährung von Fördermitteln der gemeinsamen EU-Agrarpolitik im Rahmen der Cross-Compliance-Bestimmungen. Je nach Erosionsgefährdung eines Betriebes ist die Zahlung von Fördermitteln an bestimmte Auflagen zur Vermeidung von Bodenverlusten gebunden. Grundsätzlich ist das Instrument geeignet, um Vorsorgemaßnahmen zu fördern. Die Auflagen stellen einen Mindeststandard dar. Die Erfüllung der Auflagen ist freiwillig und vom Bundes-Bodenschutzgesetz losgelöst, dessen Grundsätze der Vorsorge und Gefahrenabwehr verpflichtend sind.

Es ist für den Landwirt möglich, die Gefährdung und Maßnahmen entweder selber zu ermitteln oder bei Bedarf durch entsprechende Beratung nach Paragraf 17 des BBodSchG zu erhalten. In vielen Bundesländern existieren dazu Verfahren. Ein Beispiel ist der „Bodenerosionsschlüssel für Betriebsleiter und Berater“ in Niedersachsen, den es bereits seit 2004 gibt. Das Schema ermöglicht es, die Erosionsgefährdung durch Wasser auf der Ackerfläche selbst abzuschätzen und Maßnahmen zu ergreifen.

Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und die Aufstellung von Bewirtschaftungsplänen haben viele Bundesländer Handreichungen und Maßnahmensteckbriefe erarbeitet, die deren Wirkung und die jeweiligen Kosten beschreiben.

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Welche Maßnahmen vermeiden Bodenerosion durch Wasser?

Zur Vermeidung von Bodenerosion durch Wasser existiert eine Vielzahl an pflanzenbaulichen und betrieblichen Maßnahmen im Rahmen der „Guten fachlichen Praxis“ nach Paragraf 17 des BBodSchG.

Acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen:

  • Anlegen vielfältiger Fruchtfolgen,
  • Nutzen von Zwischenfruchtanbau (Gewährleisen einer langen Bodenbedeckung),
  • Anlegen von Untersaaten (z.B. bei Mais und Zuckerrübe),
  • Durchführen der Querbewirtschaftung (Vermeiden hangabwärts gerichteter Bearbeitung),
  • Vermeiden von Bodenverdichtungen,
  • Zuführen organischer Substanz und Kalken (Erhalten der Bodenstruktur).

Bodenbearbeitungs- und Bestellverfahren:

Die wirksamste Maßnahme ist die dauerhaft pfluglose Bodenbearbeitung und Mulchsaat. In Deutschland liegen 20 Jahre Erfahrung mit dieser Art der Bodenbearbeitung vor. Bundesweite Bilanzierungen belegen, dass der Bodenverlust um bis zu 50 Prozent gegenüber der konventionellen Bearbeitung reduziert werden kann. Die pfluglose Bodenbearbeitung erfordert besondere Maßnahmen beim Pflanzenschutz.

  • Durchführen dauerhaft pflugloser Bodenbearbeitung und Mulchsaaten,
  • Einführen der Streifenbearbeitung,
  • wo möglich einsetzen von Direktsaattechnik (Einsaat in die Erntereste der Vorfrucht),
  • Anhäufeln von Querdämmen im Kartoffelanbau.

Vermeiden des linienhaften Wasserab- und -zuflusses:

  • Anlegen von Barrieren (Kleinterrassen, Wiesenstreifen),
  • Dauerbegrünen von Hangmulden und Tiefenlinien,
  • Vermeiden von Fremdzufluss (z.B. zufließendes Wasser von Wegen),
  • Anlegen von Gewässerrandstreifen zum Vermeiden von Gewässerbelastungen,
  • Anlegen von Rückhalteeinrichtungen und Retentionsflächen.

Stark gefährdete Ackerflächen erfordern besondere Maßnahmen:

Große Effekte lassen sich durch die Neuverteilung der einzelnen Ackerflächen in der Landschaft (Flur) erreichen:

  • Verändern der Nutzung und dauerhaftes Stilllegen (Begrünen von stark gefährdeten Bereichen),
  • Verzichten auf Grünlandumbruch (besonders auf stark gefährdeten Standorten),
  • Durchführen von Hang- und Parzellenteilungen (streifenförmiger Anbau quer zum Gefälle),
  • Aufstellen von einzugsgebietsbezogenen Anbauplanungen (Optimieren der Kulturartenverteilung) und
  • Durchführen von Flurneuordnungen (Neuanlegen von erosionsmindernden Parzellen- und Bearbeitungsstrukturen).
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