Landwirtschaft umweltfreundlich gestalten

Hügelige Landschaft mit Wiesen und Wäldernzum Vergrößern anklicken
Hügelige Landschaft mit Wiesen und Wäldern

Hügelige Landschaft mit Wiesen und Wäldern

Quelle: CC Vision

Der Landwirtschaft kommt beim Erhalt und Schutz unserer natürlichen Ressourcen eine große Bedeutung zu. Eine umweltfreundlich gestaltete Landwirtschaft trägt dazu bei, Umweltbelastungen zu vermindern und zu vermeiden. Voraussetzung sind ausreichende rechtliche Grundlagen und eine umweltfreundliche Agrarpolitik.

Einführung

Deutschland ist aufgrund seiner fruchtbaren Böden, gemäßigten Temperaturen und ausreichenden Niederschläge ein Gunststandort für die landwirtschaftliche Produktion. Das ermöglicht hohe Erträge bei guter Qualität der erzeugten Lebens- und Futtermittel.

Mit ihrem umweltoffenen Einsatz ist die Landwirtschaft einerseits Verursacher vielfältiger Umweltbelastungen, andererseits erhält sie Agrarökosysteme und (mit Einschränkungen) unsere gewachsene Kulturlandschaft, prägt das Landschaftsbild und bietet Möglichkeiten einer umweltverträglichen Bewirtschaftung der Flächen. Sie ist damit in bestimmten Regionen auch eine wichtige Grundlage für die regionale Wirtschaft und den Tourismus. Ziel einer umweltfreundlich gestalteten Landwirtschaft muss es sein, negative Auswirkungen auf die Schutzgüter Boden, Luft, Wasser und die Biodiversität zu vermeiden, Kulturlandschaften zu erhalten und gleichzeitig die regionale Entwicklung zu fördern.

Das Ordnungsrecht und die Ausgestaltung der europäischen und nationalen Agrarpolitik bieten Möglichkeiten, Umweltbelastungen durch die Landwirtschaft in Grenzen zu halten und eine umweltschonende Bewirtschaftung der Flächen zu gewährleisten. Dies kann einerseits über gesetzliche Vorschriften (Ordnungsrecht) und deren Integration in die Voraussetzungen für den Erhalt von Direktzahlungen (Förderrecht, Cross Compliance), andererseits über einen finanziellen Ausgleich für wirtschaftliche Nachteile bei der Erbringung höherer, über die gesetzlichen Standards hinaus gehender Umweltleistungen gelingen (Agrar-Umweltprogramme). Weitere Möglichkeiten bietet die Teilnahme an Umweltmanagementsystemen und -zertifizierungen, wenn diese auf einer glaubwürdigen fachlichen Basis beruhen.

Nationales Ordnungsrecht

 Vorschriften und Mindeststandards zum Umweltschutz an die sich Landwirte in Deutschland halten müssen, sind im bestehenden Ordnungsrecht verankert. Dieses umfasst eine Vielzahl von nationalen Gesetzen und Verordnungen mit denen Deutschland zumeist die Vorgaben der europäischen Agrar-Umweltpolitik (EU-Richtlinien) umsetzt. Hierzu gehören beispielsweise das Dünge-, Pflanzenschutz, Naturschutz- und Wasserrecht. Das Bodenschutzrecht, welches über die „Gute fachliche Praxis der Landwirtschaft“ landwirtschaftliche Maßnahmen zum Bodenschutz definiert, basiert hingegen derzeit in Ermangelung einer EU-weiten Bodenrahmenrichtlinie ausschließlich auf nationalen Vorgaben.
Obwohl das Ordnungsrecht umfangreiche Vorschriften für die Landwirtschaft enthält, zeigen die vielfältigen Umweltbelastungen, dass Nachbesserungsbedarf besteht. Dies liegt unter anderem daran, dass es in einigen Rechtsbereichen Vollzugsdefizite gibt. Ein weiterer Grund ist, dass nicht alle umweltbelastenden Ursachen ausreichend gesetzlich geregelt sind. Die Düngeverordnung enthält beispielsweise bislang keine Vorgabe, wie der Stickstoff  aus Gärresten in die gesetzlich festgelegte Höchstmenge von 170 kg/N/ha einbezogen werden soll. Eine zusätzliche Ausbringung von stickstoffreichen Gärresten ist folglich beim gegenwärtigen Regelungsstand nicht hinreichend auszuschließen, was regional zur steigenden Nitratbelastung des Grundwassers führen kann.

Als weiterer Grund kann vermutet werden, dass viele Vorgaben eher Empfehlungscharakter haben und Vorortkontrollen durch die zuständigen Kontrollinstanzen (zum Beispiel Landwirtschaftskammern) nur sporadisch durchgeführt und Verstöße nur selten aufgedeckt und geahndet werden.

Europäisches Förderrecht

Die Integration von Umweltbelangen in die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) erfolgt über die Vermeidung landwirtschaftlicher Tätigkeiten, die die Umwelt schädigen, die Erhaltung der Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand (GLÖZ) sowie Agrar-Umweltprogramme, mit denen Bewirtschaftungserschwernisse und Mindererträge als Folge von Umweltschutzleistungen kompensiert werden sollen. Als Voraussetzung für die GAP-Direktzahlungen müssen Landwirte bestimmte, nach EU-Recht obligatorische Auflagen im Bereich Umweltschutz, Lebensmittelsicherheit, Tier- und Pflanzengesundheit und Tierschutz einhalten und gewährleisten, dass sie die landwirtschaftlich genutzten Flächen (auch die vorübergehend nicht bewirtschafteten) im oben genannten GLÖZ erhalten. Bei Verstößen werden die Zahlungen gekürzt. Landwirte, die über die obligatorischen Anforderungen hinaus zusätzliche Güter und Dienstleistungen bereitstellen und sich freiwillig zum Schutz der Umwelt und zum Erhalt der Landschaften verpflichten, werden dafür im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen finanziell unterstützt. Hierzu gehören beispielsweise Anbauverfahren und Techniken, die den Boden verbessern und Erosion vermindern, sowie extensiver Grünlanderhalt und der Ökologische Landbau

Umweltmanagementsysteme und Zertifizierung

Umweltmanagementsysteme in der Landwirtschaft dienen dazu, die Abläufe im Betrieb zu erfassen, zu verfolgen und zu dokumentieren, um Umweltbelastungen zu reduzieren und Kosten zu sparen. Ziel von Umweltmanagementsystemen in der Landwirtschaft (und damit auch ihrer Förderung durch den Staat) ist die freiwillige Verbesserung des Umweltschutzes in der Landwirtschaft, indem die Landwirtschaftsbetriebe zu umweltbewussterem Handeln motiviert werden und sich eigene Ziele setzen. Das Umweltmanagement unterstützt die Optimierung von Stoffströmen aus betriebswirtschaftlicher Sicht und hilft somit, durch Ressourceneinsparung die Umwelt zu entlasten. Seit dem Inkrafttreten von EMAS II (Environmental Management and Audit Scheme), der novellierten europäischen Öko-Audit-Verordnung, sind auch Landwirtschaftsbetriebe berechtigt, am europäischen Umweltmanagementsystem EMAS teilzunehmen. EMAS II gilt für „alle Organisationen mit Umweltauswirkungen", dazu gehören auch landwirtschaftliche Betriebe. Die EU-Verordnung ermöglicht es Organisationen jeder Art, nach einem festgelegten Schema innerbetriebliche Schwachstellen aufzudecken (internes Audit), dadurch Kosten zu sparen und letztlich auch mehr Rechtssicherheit zu erhalten. Die zu erstellende Umwelterklärung ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Sie muss Aussagen treffen über die innerbetrieblichen Verfahrensabläufe, die Umweltauswirkungen und konkrete Umweltziele des landwirtschaftlichen Betriebes für die nächsten drei Jahre. Besonderes Gewicht gewinnt diese Umwelterklärung aufgrund der obligatorischen Begutachtung des Unternehmens durch einen staatlich zugelassenen externen Umweltgutachter, der die Umwelterklärung offiziell für gültig erklärt, das heißt validiert (externes Audit). Dadurch wird die Umwelterklärung zu einem glaubwürdigen Instrument in der Kommunikation mit Bürgern, Medien und Behörden. Sodann wird das Unternehmen in das europäische Register der EMAS-Standorte eingetragen.

Aus Sicht der europäischen Umweltpolitik ist die Ausweitung von EMAS auf den Agrarbereich konsequent und zeitgemäß, denn mit fast jeder landwirtschaftlichen Produktion sind Umweltwirkungen verbunden. Diese zu minimieren, ist ein wichtiges Ziel des Umweltmanagements. Mit technischen und organisatorischen Maßnahmen soll eine weitgehende Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Produktion erreicht werden. Wichtig ist hierbei die Einhaltung des geltenden Rechts (legal compliance) und die Anwendung der besten verfügbaren Technik (BAT-Standard: best available technology). Neben dem Umweltaudit (EMAS sowie die verschlankte Version EMASeasy) sind weitere Betriebsbewertungs- und Zertifizierungssysteme für landwirtschaftliche Betriebe im Umlauf, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, so das "Kriteriensystem Nachhaltige Landwirtschaft" (KSNL) aus Thüringen (bzw. dem VDLUFA), das DLG-Nachhaltigkeitszertifikat (basierend auf dem System REPRO) oder das aus der Schweiz stammende und weltweit einsetzbare System RISE (response inducing sustainability evaluation - maßnahmenorientierte Nachhaltigkeitsanalyse).