Boden des Jahres

Rinderherdezum Vergrößern anklicken
Extensive Weidenutzung schützt die Böden
Quelle: scpictures / Fotolia.com

Die Vielfalt der Böden in Deutschland ist groß. Um mehr Licht in die Welt unter unseren Füßen zu bringen, wird jedes Jahr am 5. Dezember, dem Internationalen Tag des Bodens, der „Boden des Jahres“ vorgestellt. Welcher Boden gekürt wird entscheidet ein Fachgremium. Neben Namen und Verbreitung werden historische Fakten, die vorherrschende Nutzung und aktuelle Nöte der jeweiligen Böden präsentiert.

Der Grundwasserboden (Gley) - Boden des Jahres 2016

Grundwasserböden sind durch oberflächennahes Grundwasser geprägte Böden. Nach der deutschen Bodenkundlichen Kartieranleitung heißen sie Gleye, nach dem altdeutschen Wort „Klei“ für entwässerten Schlick. International zählen die Böden zu den Gleyosolen.

Böden mit Anschluss zum Grundwasser

Das Grundwasser beeinflusst diese Böden wie kein anderer Faktor. Da die Grundwasserstände im Jahresverlauf schwanken, spielt sich dies auch im Bild des Bodenprofils wider. Rot-orange sind die Teile des Bodenprofils, die jahreszeitliche wechselnde Wassersättigung erleben, grau bis blau gefärbt sind die ständig wasserführenden Bodenschichten. Auch auf Grundwasserböden gedeihen nur Pflanzen gut, die nasse Bodenverhältnisse vertragen.

Wassersättigung und Rostflecken

Im untersten Bodenbereich, der ganzjährig wassergesättigt ist, herrscht Sauerstoffarmut. Eisen und Mangan liegen in wasserlöslichen Verbindungen vor. Daher ist der Boden grau bis blau gefärbt. Während der Sommermonate entziehen die Pflanzen dem Boden Wasser. Wenn der Boden von oben her abtrocknet und der Grundwasserstand sinkt, wird der Boden von oben her belüftet. Damit können die Eisen- und Mangan-Ionen mit Sauerstoff reagieren (oxidieren, rosten). Je mehr Eisen- und Manganverbindungen mit dem Grundwasser zugeführt werden, desto reichern sich diese Stoffe als Raseneisenstein an. Im Mittelalter wurden diese Raseneisensteine abgebaut und für die Herstellung von Werkzeugen verwendet.

Wichtig für den Naturhaushalt

Gleye mit hohen Grundwasserständen sind Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzengemeinschaften. Rote-Liste-Arten wie das Breitblättrige Knabenkraut oder der Sumpfpippau kommen auf solchen Böden vor. Nicht entwässerte Gleye speichern große Mengen Wasser, geben es verzögert an die Gewässer ab und halten es so in der Landschaft. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz und wirken in Trockenperioden als kühlendes Landschaftselement.

Grünlandnutzung und Gefährdung

In der Landwirtschaft eignen sich Grundwasserböden am besten als Grünland. Allerdings wurden Gleye in der Vergangenheit oft entwässert, um die Nutzung als Grünland zu intensivieren oder gar Ackerbau zu ermöglichen. In den intensiven Agrarlandschaften sind nahezu alle Gleye entwässert. Dies sah man damals durchaus als Fortschritt an (Urbarmachung). Damit wurden die Bedingungen für einheimische Pflanzen und Tiere stark verändert, Humus wurde abgebaut und als CO2 freigesetzt. Zusätzlich konnte sich Nitrit bilden und ins Grundwasser gelangen.
Außerdem neigen diese Böden unter ungünstigen Umständen stark zur Bodenverdichtung, was zusätzlich negative Effekte auf das Bodenleben und den Pflanzenertrag bewirkt. Heute wird versucht, die Gleye nachhaltig zu bewirtschaften, das heißt auch, sie teilweise wieder zu vernässen.

Der Stauwasserboden (Pseudogley) - Boden des Jahres 2015

Stauwasserböden werden durch Niederschlagswasser geprägt, das nur stark verzögert in den Untergrund versickern kann. Unter einem gut durchlässigen Stauwasserleiter folgt ein gering durchlässiger, dichter gelagerter Staukörper. Nach der deutschen Bodenklassifikation bezeichnet man die meisten Stauwasserböden als Pseudogleye, solche mit lang anhaltender Vernässung auch als Stagnogleye. International zählen die Böden vor allem zu den Planosolen oder den Stagnosolen.

Wechselfeuchte Böden

In Abhängigkeit von der Wasserdurchlässigkeit des Bodens, von der Witterung und vom Wasserverbrauch der Pflanzen wechseln sich in Stauwasserböden Nass-, Feucht- und Trockenphasen ab. Die Phasen können unterschiedlich lange andauern und sich im Jahresverlauf auch wiederholen. Dies führt zu zeitweiligem Überschuss und zeitweiligem Mangel an Bodenwasser. Während der Nassphase herrscht Sauerstoffmangel, dies ist schädlich für Pflanzenwurzeln und Bodenorganismen. Auf Stauwasserböden gedeihen nur Pflanzen gut, die nasse Bodenverhältnisse
vertragen.

Rostflecken und Bleichzonen

Sobald in einer Vernässungsphase der Sauerstoff im Boden aufgebraucht ist, nutzen spezialisierte Bakterien Eisen- und Manganverbindungen zur Energiegewinnung. Diese Stoffe, die unsere Böden meist braun färben, werden in helle, wasserlös-liche Verbindungen umgewandelt (reduziert); der Boden wird dadurch gebleicht. Die löslichen Eisen- und Manganverbindungen werden dabei innerhalb des Bodens umgelagert. Nach Austrocknung können Eisen und Mangan wieder verrosten (oxidieren) und den Boden rot-orange und schwarz färben, bevorzugt im Inneren der Bodenteilchen.

Allmählich entsteht so ein gefleckter bis marmorierter Boden mit einem kleinräumigen Nebeneinander von nassgebleichten und rostfarbenen Bereichen. Häufig bilden sich harte Eisen- und Mangan-Anreicherungen, sog. Konkretionen.

Wichtig für den Naturhaushalt

Stauwasserböden sind einzigartige Naturkörper und oft Standorte von Waldgesellschaften, die Wechselfeuchte bevorzugen, z.B. der Stieleichen-Hainbuchenwald. Stark vernässte Stauwasserböden eignen sich aufgrund ihrer extremen Standortbedingungen in hohem Maße als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzengemeinschaften. Stauwasserböden speichern Niederschlagswasser, das zeitverzögert verdunstet und von Pflanzen verbraucht wird. Sie puffern auf diese Weise Niederschlagsspitzen ab. Das langsam abziehende Stauwasser kann angrenzende Grundwasserböden und Gewässer mit Wasser versorgen.

Wald und angepasste Forstwirtschaft

An Wechselfeuchte angepasste Wälder können stabil und ertragreich und gleichzeitig ökologisch wertvoll sein.
Zu den Staunässe ertragenden Baumarten gehören Stieleiche, Hainbuche, Esche, Roterle und Moorbirke. Nicht bzw. nur eingeschränkt angepasst sind z.B. Fichten, Lärchen und Buchen; sie wurzeln bei Staunässe nur flach. In Trockenjahren kommt es zu Dürreschäden. Folgen mehrere nasse Jahre aufeinander, werden die Wurzeln geschädigt. Bei Sturm besteht für Flachwurzler erhöhtes Windwurfrisiko.
Eine bodenschonende Holzernte kann nur während der Trockenphase dieser Böden oder bei Bodenfrost erfolgen.

Grünland und angepasste Bewirtschaftung

In der Landwirtschaft eignen sich Stauwasserböden am besten als Grünland. Als Acker sind sie im Frühjahr für eine Bearbeitung oft noch zu nass. Wenn Feldfrüchte im Sommer reichlich
Wasser benötigen, sind sie häufig zu trocken.
Befahren mit Maschinen während der Nassphase zerstört den Bodenaufbau und verdichtet die Böden auf Dauer. Durch Entwässerung geht die Nassphase verloren. Als Folge wird Bodenhumus stärker abgebaut, klimaschädliches Kohlendioxid wird freigesetzt und die Erosionsgefahr steigt.

Klimasensible Standorte

Stauwasserböden sind witterungs- und klimasensibel. Zunehmende Starkregen führen zu häufigeren Nassphasen. Verlängert sich durch Klimaerwärmung die Vegetationszeit, wird der Wasserverbrauch
der Pflanzen ansteigen, längere Trockenphasen sind die Folge. Wechselfeuchte Stieleichen-Hainbuchenwälder können sich dann langfristig zu Buchenwäldern entwickeln.
In den letzten 50 Jahren hat sich die Vegetationszeit bereits um mehr als zwei Wochen verlängert und die Starkregenereignisse haben zugenommen.

  • Ein Profilfoto von einem Pseudogley
    Ein typischer Stauwasserboden oder Pseudogley unter Fachleuten.
    Quelle: Kuratorium Boden des Jahres
  • Ein Bodenprodil des Stauwasserbodens wird grafisch erläutert.
    Ein Stauwasserboden teilt sich in eine stauende und eine durchlässige Schicht.
    Quelle: Kuratorium Boden des Jahres
  • Eisen und Mangananreicherungen in einer Bodenschicht
    Detailaufnahme der Eisen- und Magananreicherungen im Stauwasserboden.
    Quelle: Kuratorium Boden des Jahres
  • Detailfoto von gebleichten und rostfleckigen Bereichen im Bodenprofil
    Bleich- und Rostfleckung wechseln sich im Stauwasserboden kleinräumig ab.
    Quelle: Kuratorium Boden des Jahres
  • Eine Kartendarstellung mit der Verbreitung von Stauwasserböden in Deutschland
    Die Verbreitung von Stauwasserböden in Deutschland.
    Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
  • Wasser staut sich auf einem Ackerboden, so dass dort kein Mais wächst.
    Ertragsausfall bei Mais auf einem Stauwasserboden.
    Quelle: Kuratorium Boden des Jahres
<>

Der Weinbergboden – Boden des Jahres 2014

Weinbergsböden sind seit der Römerzeit Zeuge der Wirtschaftsweise des Menschen. Nach der deutschen Bodengliederung werden die meisten Weinbergsböden als Rigosole bezeichnet. International gehören sie zu den Aric Anthrosolen (auch Regic oder Terric Anthrosol). Der Weinbergsboden ist bereits der zehnte "Boden des Jahres".

Wie sehen Weinbergsböden aus?

Kennzeichnend für viele Weinbergsböden ist der wiederholte Tiefumbruch – das Rigolen. Vielfach werden dabei reichlich organischer Dünger und Bodenmaterial, früher auch Hausabfälle, in die Böden eingebracht. Dadurch entsteht eine Bodenmischzone, der typische R-Horizont. Ziel des Rigolens ist die Verbesserung der Wasser- und Nährstoffversorgung der Reben. Auch für andere Nutzungen wie Baumschulen und Gartenbau werden Böden mitunter rigolt.

Wie entstehen Weinbergsböden?

Die Entstehung von Rigosolen reicht in vielen Anbauregionen in Römische Zeiten zurück. Durch intensives Rigolen vor der Neupflanzung von Rebstöcken werden die Böden bis 1 Meter tief umgegraben und gelockert. Aus dem 17. Jahrhundert sind Rigolarbeiten auf bis zu 3 Meter Tiefe überliefert. Dies erfolgte früher alle 30 bis 80 Jahre per Hand (Grabenrigolen), heute alle 20 bis 40 Jahre maschinell. Dem Boden wird Dünger beigemengt, grobe Steine werden ausgelesen und Verdichtungen gelockert. In Hanglagen wurden früher auf dem Fels aufsitzende Trockenmauern angelegt, um dem Boden Halt zu geben, der hinter den Mauern aufgefüllt wurde. Die so entstandenen Terrassen waren häufig die einzige Möglichkeit die oft mehr als 35 Grad (70 Prozent) geneigten, felsigen Hänge der Steillagen zu bewirtschaften. Die steilsten Weinlagen sind mit 75 Grad Gefälle der „Engelsfelsen“ im badischen Bühlertal und „Calmont“ an der Mosel mit bis zu 68 Grad Gefälle.

Wo kommen Weinbergsböden vor?

Weinbergsböden nehmen in Deutschland eine Fläche von 102.000 Hektar ein, was circa 0,5 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche entspricht. Sie verteilen sich auf 13 Anbaugebiete in 9 Bundesländern und sind regional meist auf klimatische Gunsträume beschränkt. Nicht alle Weinbergsböden sind Rigosole im Sinne der Bodenklassifikation. Der überwiegende Teil der Weinbauflächen ist zwar rigolt worden, in Weinbergen finden sich aber auch natürlich gewachsene Böden. Aus der Verbindung von Geologie, Boden, Klima und Kulturlandschaft ergibt sich das sogenannte Wein-Terroir, das den Charakter der in der jeweiligen Region angebauten Weine bestimmt.

Wie werden Weinbergsböden genutzt?

Der Wein als Sonder- und Dauerkultur stellt besondere Ansprüche an die Bewirtschaftung bezüglich Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutz. Darüber hinaus ist das Landschaftsbild der Weinkulturlandschaft insbesondere durch die Terrassen mit ihren Trockenmauern eindrucksvoll geprägt. Die Weinbergsböden der Steillagen verbinden eine vielfältige natürliche Ausstattung mit einer enormen Kulturleistung bei Anlage und Pflege der Rebflächen. Sie sind daher wesentlicher Bestandteil der Kulturlandschaft. Mit dem Boden des Jahres wird auf die spezielle Bodennutzung und -formung durch den Anbau des Weines fokussiert. Der Weinanbau zeigt in besonderer Weise die Verknüpfung zwischen Boden-, Agri- und Sozialkultur des Menschen auf.

Welche Funktionen erfüllen Weinbergsböden für Mensch und Umwelt?

Aufgrund ihrer typischen Lage an Talhängen, in Tälern und Auen der Flüsse spielen Weinbergsböden eine zentrale Rolle beim Rückhalt von Wasser sowie von Nähr- und Schadstoffen und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Hochwasser- und Gewässerschutz. Die Böden historischer Weinbergslagen sind als Archiv der Kulturgeschichte besonders schützenswert. Gleiches gilt für das Landschaftsbild terrassierter Rebflächen und den touristischen Erholungscharakter durch die Kombination aus Weinkulturlandschaft und Weinwirtschaft.

Wodurch sind Weinbergsböden gefährdet?

Die Rebflächen in Deutschland sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Insbesondere Steillagen werden aufgelassen und verbuschen, Terrassen und Mauern verfallen. Flurbereinigungen und Standortmeliorationen gehen oft mit massiven Erdbauarbeiten im Landschaftsmaßstab einher, wobei alte Bodendecken und historische Terrassenanlagen meist vollständig zerstört werden. Zudem sind vor allem Steillagen durch Bodenerosion gefährdet. Traditionell sind Pflanzenschutz und Düngung im Weinbau intensiv. Dies führt zum Teil zu erheblichen Stoffbelastungen der Böden.

  • Das Profil eines Weinbergsbodens - hier das Motiv zum Boden des Jahres 2014
    Ein Weinbergsboden. In der deutschen Bodengliederung meist ein Rigosol.
    Quelle: Landesamt f. Bergbau und Geologie - Rheinland-Pfalz
  • Das Bodenprofil eines Weinbergsbodens aus Tonschiefer.
    Ein Weinbergsboden. Hier entstanden aus Tonschiefer.
    Quelle: Landesamt f. Bergbau und Geologie - Rheinland-Pfalz
<>

Der Plaggenesch – Boden des Jahres 2013

Der Plaggenesch ist Zeuge einer historischen Wirtschaftsweise des Menschen, bei der arme Böden oberflächlich „abgeplaggt“, im Tierstall mit Dung vermischt und dann auf der „Esch“ verteilt wurden. Das ermöglichte Roggenanbau auf vormals verarmten Böden, hinterließ aber auch weite Heideflächen oder Wanderdünen abseits der Küsten. Der internationale Name (nach World Reference Base for Soil Resources, WRB) des Plaggeneschs ist Plaggic Anthrosol.

Wie sehen Plaggenesche aus?

Kennzeichen der Plaggenesche ist eine mehr als 40 Zentimeter, teils bis zu 150 Zentimeter mächtige humose Bodenschicht. Diese ist im Verlauf der über Jahrhunderte andauernden Plaggenwirtschaft entstanden, da immer wieder Boden aufgetragen wurde. Vielerorts sind diese Aufträge noch heute an erhöht liegenden Ackerfluren mit den typischen Eschkanten erkennbar.

Die Farbe des Eschhorizonts verrät die Herkunft des Materials. So fanden beim „Grauen Plaggenesch“ überwiegend Heideplaggen, beim „Braunen Plaggenesch“ vor allem Wiesenplaggen Verwendung. Da die Schichten von Menschen aufgetragen wurden,  finden sich auch häufig Beimengungen von Holzkohle, Ziegeln und anderen Resten des täglichen Gebrauchs.

Wie entstehen Plaggenesche?

Die Entstehung der Plaggenesche ist eng verknüpft mit der Plaggenwirtschaft, deren Beginn etwa im 10. Jahrhundert angenommen wird. Sie fällt zusammen mit dem kontinuierlichen Anbau von Roggen, auch als „Ewiger Roggenbau“ bezeichnet. Seine Einführung stellte einen ähnlich bedeutenden landwirtschaftlichen Umbruch dar wie die spätere Einführung des Mineraldüngers. Mit der Twicke (Quicke) wurden die Plaggen in der gemeinen Mark (Allmende) geschlagen.
Als Plaggen werden Gras-, Kraut- und Strauchsoden mitsamt dem Wurzelwerk und anhaftendem Bodenmaterial bezeichnet. Soden sind mit einem Spaten ausgetochene Teilstücke des Bodens. Sie wurden als Streu in die Viehställe gebracht, mit dem Kot des Viehs angereichert oder kompostiert und dann als Dung auf die Felder gefahren. Hier führte dies zu steigender Bodenfruchtbarkeit, die wir heute noch an höheren Bodenwertzahlen der Eschflächen nachvollziehen können. Die Entnahmeflächen dagegen verarmten stark an Humus und Nährstoffen, erkennbar an der Heidevegetation bis hin zur Bildung von Wanderdünen.

Wo kommen Plaggenesche vor?

Die Hauptverbreitungsgebiete der „Grauen Plaggenesche“  sind die durch die Saaleeiszeit geprägten, meist nährstoffarmen Gebiete Nordwestdeutschlands. Die „Braunen Plaggenesche“ sind überwiegend weiter südlich im Osnabrücker Raum bis hin zum südöstlichen Münsterland verbreitet. Vereinzelte Plaggenesche sind auch im nordfriesischen Raum insbesondere auf den Inseln Amrum, Föhr und Sylt zu finden. Plaggenesche treten meist kleinflächig in Orts- oder Hofnähe auf. Sie sind auf Karten deshalb kaum darstellbar.

Wie werden Plaggenesche genutzt?

Stand früher der Roggenbau im Mittelpunkt, so werden heute alle Getreidearten und Hackfrüchte (zum Beispiel Kartoffeln) angebaut, wobei diese zunehmend vom Mais verdrängt werden. In Nordwestdeutschland werden Plaggenesche gerne auch für Sonderkulturen (z. B. Baumschulen) genutzt.

Welche Funktionen erfüllen Plaggenesche für Mensch und Umwelt?

Plaggenesche sind bedeutende landschafts- und kulturgeschichtliche Relikte. Sie zeugen von alten Bewirtschaftungsformen, die in der Plaggenauflage erhalten und heute noch in der Landschaft nachweisbar sind. Zugleich sind sie Archive für archäologische Funde, die verbreitet an der Basis des Plaggenauftrags und in der Plaggenauflage enthalten sind. Örtlich schützt die Plaggendecke sehr alte archäologische Zeugnisse.

Welche Gefährdungen bestehen für diese Böden?

Viele Plaggenesche sind vor allem als Folge ihrer ortsnahen Lagen stark von Bebauung und durch Sondernutzungen gefährdet. Große Areale insbesondere in Stadtnähe sind bereits bebaut und versiegelt. Aber auch die Baumschulnutzung auf diesen Standorten ist problematisch. Denn die Bäume werden in der Regel im Ballen, also mit dem umgebenden Bodenmaterial entnommen, womit beträchtliche Massen- und infolgedessen auch Funktionsverluste einhergehen.

  • Plaggenesch
    Brauner Plaggenesch
    Quelle: L.Giani
  • Querschnitt des Bodentyps "Grauer Plaggenesch" von der mit Gras bewachsenen Oberfläche bis zu 1,7 Metern Tiefe.
    Grauer Plaggenesch

    Grauer Plaggenesch

    Quelle: L.Giani
<>

Das Niedermoor – Boden des Jahres 2012

Was sind Niedermoore und wie sehen sie aus?

Niedermoore sind Böden, die sehr große Mengen (über 30 %) an organischem Material als Torf enthalten. Niedermoortorfe besitzen eine typisch dunkelbraune bis schwarze Farbe. Je nach Erhaltungszustand sind die torfbildenden Pflanzenteile mit bloßem Auge mehr oder weniger gut erkennbar.

Der Untergrund von Niedermooren kann aus Sand, Schluff, Lehm und Ton bestehen - oder auch aus ganz besonderen, in Seen abgelagerten Materialien, den Mudden. Diese Mudden können je nach Ausgangsmaterial weiß (Kalkmudde), oliv (Lebermudde aus Algen) oder dunkelbraun (Tonmudde) gefärbt sein.

International gehören Niedermoore zu den Histosolen (WRB).

Wie entstehen Niedermoore und wo kommen sie vor?

Niedermoore entstehen bevorzugt in Niederungen durch Grundwassereinfluss oder entlang von Flüssen und an Seen. Weltweit sind sie vor allem in den kühlen und feuchten Klimaten der Nordhalbkugel zu finden. Dort herrscht stets Wasserüberschuss, weil mehr Niederschlag fällt als verdunstet.

In Deutschland nehmen Niedermoore eine Fläche von etwa einer Million Hektar ein. Die meisten und größten zusammenhängenden Moorflächen (bis zu 30.000 Hektar) finden sich in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg. Die ca. 211.000 Hektar Niedermoorflächen in Brandenburg werden überwiegend als Grünland genutzt.

Meist beginnt die Niedermoorentwicklung mit der Versumpfung durch hoch anstehendes Grundwasser oder der Verlandung von Seen.

Bei Versumpfungsmooren sammelt sich das abgestorbene Pflanzenmaterial unter Wassersättigung und Luftabschluss über dem mineralischen Unterboden an.

In Verlandungsmooren liegen die Torfe auf den am Gewässergrund abgelagerten organischen oder mineralischen Sedimenten, den Mudden.

Die Torfe eines Niedermoores entstehen aus abgestorbenen Wurzeln, Ästen, Blättern und Sprossen von Seggen, Schilf, Moosen, Erlen, Weiden oder anderen Sumpfpflanzen. Der Zersetzungsprozess des ständig neu anfallenden Materials läuft infolge von Luftmangel sehr langsam und unvollständig ab.

Zudem müssen dafür besondere Mikroorganismen vorhanden sein. Der Torfkörper wächst nur um wenige Millimeter pro Jahr zur Wasseroberfläche oder zur Seemitte, er wächst von unten nach oben. Sind die Torfe mehr als 30 Zentimeter mächtig, sprechen wir von einem Niedermoor.

Welche Funktionen haben Niedermoore und wie werden sie genutzt?

Natürliche Niedermoore sind ökologisch sehr wertvoll. Mit den hohen Wassergehalten und den besonderen Nährstoffverhältnissen kommen nur angepasste, meist selten vorkommende Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt zurecht. Dazu gehören der Große Feuerfalter, das Wollgras und die Seggen.

In mächtigen Niedermooren sind bis zu 2.000 Tonnen Kohlenstoff je Hektar festgelegt. Sie sind damit weltweit die größten Kohlenstoffspeicher pro Flächeneinheit.

An der Zusammensetzung von Torfen lassen sich frühere Vegetations- und Klimaverhältnisse ablesen. Nicht selten finden sich auch Spuren ehemaliger Nutzung und Besiedlung. Niedermoore sind daher wichtige Archive der Natur und Kulturgeschichte.

Damit Niedermoorflächen für Land- oder Forstwirtschaft oder für Siedlungen nutzbar wurden, mussten sie durch Gräben oder Dräne entwässert werden. Dadurch veränderten sich ihre Eigenschaften erheblich - oft irreversibel. Die meisten Niedermoore Deutschlands werden derzeit als Grünland in unterschiedlicher Intensität genutzt.

Torf aus Niedermooren wird seit über 1.000 Jahren als Brennstoff, Heilmittel und Dünger verwendet. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der Torfabbau industriell betrieben. Auch Raseneisenstein, eine Bildung in Niedermooren mit eisenreichem Grundwasserzufluss, und Kalkmudde wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut. Heute wird Niedermoortorf in Deutschland nur noch auf sehr wenigen Flächen für medizinische Zwecke gewonnen.

Wegen ihrer Seltenheit stehen intakte, naturnahe Niedermoore in Deutschland unter Naturschutz.

Wodurch sind Niedermoore gefährdet?

Die Hauptgefahr für naturnahe Niedermoore ist die Entwässerung - der Torf schrumpft und die Mooroberfläche sackt zusammen. Sauerstoff gelangt in den zuvor wassergesättigten Boden. Die Mineralisierung des Torfes kommt in Gang. Nährstoffe und Gase wie Kohlendioxid (CO2) werden freigesetzt. Aus einer Kohlenstoffsenke wird so eine Kohlenstoffquelle. Auch eine Klimaerwärmung kann zur Austrocknung und Zerstörung der Moore führen.

Vega (Brauner Auenboden) – Boden des Jahres 2011

Was sind Vegen und wie sehen sie aus?

Vegen sind braune, fruchtbare Böden im Überflutungsbereich von Flüssen und werden auch als Braune Auenböden bezeichnet. Der Name Vega stammt aus dem iberischen Sprachraum und bedeutet so viel wie „Aue“ oder „fruchtbare Ebene“.

Typische Merkmale: dunkler, humusreicher Oberboden mit graubraunem, feinkörnigem Unterboden, der deutlich geschichtet und oft ebenfalls humushaltig ist. Darunter können sich Kiesschichten älterer Flussablagerungen oder Oberböden früherer Auenböden befinden. Vegen werden nur sporadisch überflutet und sind im oberen Bereich kaum von Grundwasser geprägt. Sie zeigen daher weder Rostflecken noch grau-blaue Verfärbungen.

International wird die Vega (Plural: Vegen) als Fluvic Cambisol oder als Fluvisol bezeichnet (WRB)

Wie entstehen Vegen und wo kommen sie vor?

Braune Auenböden (Vegen) gibt es weltweit entlang großer Flusssysteme. Auch an kleinen und mittleren Flüssen kommen sie vor, besonders in hügeligen Regionen mit Bodenverlagerung durch Erosion. Erosionsanfällige Böden in Lösslandschaften sind die Hauptlieferanten des Bodenmaterials heutiger Vegen. Durch die Rodung des Waldes und nachfolgende ackerbauliche Nutzung - örtlich bereits seit der Jungsteinzeit - wurden große Bodenmengen abgetragen.

Wechselnde Ablagerungsbedingungen und unterschiedliche Grundwasserstände ließen in den Auen ein kleinräumiges Muster verschiedener Böden entstehen. Mit zunehmendem Grundwassereinfluss kommen neben Vegen auch Grundwasserböden (Gleye) und Niedermoore vor. Nimmt der Einfluss des Grundwassers dagegen ab und bleiben episodische Überflutungen aus, entwickeln sich Braunerden und Parabraunerden.

Je nach Entstehungsart werden zwei Typen von Vegen unterschieden. Bei der „allochthonen Vega“ geht die charakteristische Braunfärbung auf bereits vorverwittertes braunes Bodenmaterial im Auensediment zurück. Erhalten die Auensedimente dagegen erst am Ort der Ablagerung ihre typische braune Farbe, spricht man von einer „autochthonen Vega“.

Wie werden Vegen genutzt und welche Funktion haben sie?

Je nach Herkunftsgebiet des Bodenmaterials der Vegen variieren auch ihre Eigenschaften. Über einem lockeren, krümeligen Oberboden mit reichhaltigem, aktivem Bodenleben folgt meist ein gut durchwurzelbarer Unterboden. In der Regel verfügen Vegen über hohes chemisches Bindungsvermögen, was dafür sorgt, dass zum einen Nährstoffe für die Pflanzenwurzeln gut nutzbar sind, zum anderen aber auch Schadstoffe an der Auswaschung ins Grundwasser gehindert werden. Neben dieser Reinigungswirkung bei der Grundwasserneubildung leisten Vegen durch ihr hohes Wasserrückhaltevermögen auch einen erheblichen Beitrag zum Hochwasserschutz.

Wegen der hohen natürlichen Bodenfruchtbarkeit und einem meist ausreichenden Wasserangebot sind Vegen bevorzugt landwirtschaftlich genutzte Standorte. Die Ablagerungsschichten von Auenböden berichten ähnlich wie historische Archive über die Landschaft und ihre Nutzung. Der Einfluss des Industriezeitalters und des historischen Bergbaus lassen sich in Auenböden örtlich an erhöhten Werten von z.B. Schwermetallen oder organischen Schadstoffen ablesen.

Unter natürlichen Bedingungen entwickelt sich auf Vegen ein artenreicher Hartholzauenwald mit Esche, Ulme, Linde, Stieleiche, Hainbuche und einer vielfältigen Krautvegetation. Auenböden sind einzigartige Lebensräume für Tiere. So ist z.B. die Regenwurmdichte meist sehr hoch und die Uferabbrüche bieten dem Eisvogel ideale Brutstätten.

Wodurch sind Auenböden gefährdet?

Vegen sind durch ihre Lage in meist dicht besiedelten Flusstälern sehr stark vom Flächenverbrauch betroffen. Auch Eindeichung und Grundwasserabsenkung im Zuge von Flussregulierung, Kiesabbau, Wassergewinnung und Intensivierung der Landwirtschaft unterbinden die natürliche Auendynamik und gefährden damit den natürlichen Bodenbestand im Ökosystem Auenlandschaft. Projekte an allen großen Flüssen, wie das Integrierte Rheinprogramm (IRP), versuchen, die unterschiedlichen Nutzer, den Hochwasserschutz sowie die Auenrenaturierung zu verbinden.

Stadtböden – Boden des Jahres 2010

Was sind Stadtböden?

Stadtböden sind ebenso wie die Böden unter Acker und Wiesen sowie in Wäldern Teil des Umweltmediums Boden, das unsere Lebensgrundlage ist. Unter dem Begriff Stadtböden werden die vielfältigen Böden städtisch industrieller Räume zusammengefasst. Die Faktoren, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben, wie Ausgangsgestein, Relief, Klima, Wasserführung, Flora und Fauna, sind hier durch den Menschen sehr stark beeinflusst worden; so stark, dass sich Stadtböden von denen des Umlandes erheblich unterscheiden.

Nutzungen wie Gewerbe, Industrie, Straßen, Wohnen, Gärten, Grünanlagen oder Brache beeinflussen die Stadtbodenentwicklung in sehr charakteristischer Weise: Böden in Gärten und Parkanlagen zeigen oft einen naturähnlichen Aufbau mit einem Humushorizont an der Oberfläche, dagegen sind Böden unter Straßen technisch stark verändert und durch eine Fahrbahndecke versiegelt. Dieses Mosaik aus Böden mit natürlicher Entwicklung, solchen aus umgelagerten Bestandteilen und welchen aus Bau- oder Trümmerschutt, Müll, Schlacken und Schlämmen ist typisch für Stadtlandschaften.

International werden Stadtböden als Technosole (WRB) bezeichnet.

Städte haben vielfältige Böden

Stadtböden erfüllen sehr viele Funktionen. Die meisten sind nicht auf den ersten Blick erkennbar. Am stärksten nehmen Stadtbewohner Böden wohl in Parks, Gärten und auf Grünflächen wahr. Doch hier sind Böden nicht nur Grundlage für Freizeitgestaltung und Erholung, sondern auch Lebensgrundlage für Tiere und Pflanzen. Zudem sorgen sie zusammen mit den Pflanzen für ein ausgeglichenes Stadtklima - im Sommer wie im Winter. Sie sind die grünen Lungen der Städte. Ohne Böden gäbe es sie nicht!

Die Böden der Städte und deren Randbereiche sind mit ihren teilweise extremen Eigenschaften oft artenreiche Lebensräume. Vielfach sind sie sogar Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Die wichtigste Funktion von Stadtböden: sie sind Baugrund für Wohnhäuser, Kirchen, Kaufhäuser, Schulen, Theater und vieles mehr. Zwischen diesen Gebäuden tragen Böden unsere Straßen, Plätze, Sportstätten genauso wie Friedhöfe, Bahngleise und Kleingärten. Unzählige Ver- und Entsorgungsstränge durchziehen die Böden unserer Städte und sichern unser tägliches Leben. Dort, wo Böden nicht versiegelt, d.h. bebaut oder asphaltiert sind, kann Niederschlagswasser versickern. Böden tragen damit aktiv zur Entlastung der Kanalnetze und zum Hochwasserschutz bei, Gleichzeitig liefern sie durch ihre Filterwirkung sauberes Grund- und Trinkwasser. Zusammen mit den Pflanzen sorgen Stadtböden für frische Luft in den Städten indem sie gesundheitsschädliche Feinstäube herausfiltern und dauerhaft binden.

Stadtböden sind Zeugen der Geschichte

Ein Stadtboden kann spannende Geschichten erzählen. Jede Epoche der Siedlungsgeschichte hinterlässt ihre Spuren. So können Stadtböden tausend Jahre alten Bauschutt oder Reste mittelalterlicher Stadtbrände enthalten. In vielen städtischen Böden ist auch Trümmerschutt der zwei Weltkriege zu finden. Bombenfunde sind nicht selten. Begrabene Siedlungsstrukturen, alter Müll sowie uralte Grabstätten sind Zeugnisse aus oft weit zurückliegenden Zeiten. Sie geben Siedlungsforschern und Archäologen Rückschlüsse auf das Leben unserer Vorfahren. Auch Gewerbe, Bergbau und Industrie hinterlassen ihre Spuren in den Böden. In Zeiten ungeregelter Abfallentsorgung wurden manche Böden so stark belastet, dass ihre Filter- und Ausgleichsfunktionen versagten. Diese Flächen müssen heute aufwendig saniert werden.

Probleme der Stadtböden

Eines der zentralen Probleme beim Bodenschutz in Deutschland ist der Flächenverbrauch. Etwa zwölf Prozent der Böden sind bebaut und asphaltiert. Damit ist ihre Oberfläche versiegelt und sie können ihre lebenswichtigen Funktionen wie Wasseraufnahme und Schadstofffilterung nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr erfüllen. Pflanzen und Tiere finden hier keinen geeigneten Lebensraum mehr.

Daher muss das Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung, die Flächeninanspruchnahme bis zum Jahr 2020 auf nur noch 30 ha pro Tag zu senken, unbedingt umgesetzt werden. Gleichzeitig sollten nicht mehr benötigte bebaute Flächen wieder entsiegelt werden.

Stadtböden können erlebt werden

Die Möglichkeiten, Böden in Städten selbst zu erkunden und zu erleben, sind vielfältig. Sie sind überall anzutreffen: auf Spielplätzen, in Schulgärten, Parks, Kleingartenanlagen, Botanischen und Zoologischen Gärten; aber auch auf Fahrradwegen am Stadtrand, auf Brachflächen und an Baugruben. Seien Sie neugierig und schärfen Sie Ihren Blick. Es lohnt sich. Stadtböden haben viel zu erzählen.

Die Böden der Vorjahre

  • 2009: Die Kalkmarsch
  • 2008: Die Braunerde
  • 2007: Der Podsol
  • 2006: Die Fahlerde
  • 2005: Die Schwarzerde
weiter im Artikel
Alle anzeigen