Bislang gibt es keine systematische Erfassung der tatsächlich ausgebrachten Pflanzenschutzmittelmengen. Die Verkaufszahlen geben jedoch einen Anhaltspunkt:
- Der jährliche Absatz von Pflanzenschutzmitteln in der deutschen Landwirtschaft bewegt sich seit Mitte der 1990er Jahre zwischen 25.000 und 35.000 Tonnen (t) Wirkstoff, zuletzt mit einem Rückgang in 2023 (ohne Berücksichtigung der im Vorratsschutz eingesetzten inerten Gase). Insbesondere der Verkauf problematischer Wirkstoffe steigt jedoch. Die Gruppe der Herbizide macht mit rund 50 % den größten Anteil an den abgegebenen Pflanzenschutzmitteln (ohne inerte Gase) aus.
- Die erheblichen Schwankungen lassen sich zum Teil durch wechselnde Witterungsbedingungen und Markteffekte erklären. 2023 sank der Absatz um 21 % im Vergleich zu 2022 und um 15 % gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2022. Zuvor hatten erhebliche Preisanstiege (durchschnittlich plus 20 %) sowie global begrenzte Verfügbarkeiten für Agrochemikalien zunächst zu einer stark erhöhten Nachfrage in den Jahren 2021/2022 geführt. Inwiefern der aktuelle Rückgang eine Folge der Bevorratung in 2022 ist oder auch einen langfristigen Trend darstellt, können erst die Absatzzahlen der kommenden Jahre zeigen.
- Detaillierte Informationen zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) herausgegeben.
(siehe Abb. „Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln“ und Tab. „Inlandsabsatz von Pflanzenschutzmitteln“).
Aus den Verkaufszahlen der Pflanzenschutzmittel kann nicht unmittelbar auf deren Verbrauch geschlossen werden, da die ausgebrachten Mengen je nach Art des Anbaus und der Fruchtfolge sowie der lokalen Bedingungen erheblich variieren. Außerdem werden die Präparate unter Umständen über mehrere Jahre gelagert. Auf die landwirtschaftliche Nutzfläche von Ackerland und Dauerkulturen umgerechnet ergibt sich aus dem Absatz von 2023 durchschnittlich eine Verwendung von 6,4 Kilogramm Pflanzenschutzmitteln beziehungsweise 2,1 Kilogramm Wirkstoff je Hektar (bei rund 11,9 Millionen Hektar Ackerland und Dauerkulturen gemäß Statistischem Bundesamt). Im „Panel Pflanzenschutzmittel-Anwendungen“ (PAPA) besteht für eine Auswahl relevanter Kulturpflanzen (Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Tafelapfel, Hopfen und Wein) ein Netz an landwirtschaftlichen Erhebungsbetrieben. Diese erfassen detailliert die jährlich tatsächlich ausgebrachten Mengen an chemischen Pflanzenschutzmitteln und übermitteln diese anonymisiert an das Julius Kühn-Institut (JKI). Ab 2028 erfolgt eine systematische digitalisierte Nutzungserfassung der Anwendungsdaten. Grundlage hierfür schuf die Überarbeitung der europäischen Verordnung zu Statistiken von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln (SAIO-Verordnung, EU 2022/2379).
Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln
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* zum Beispiel Kohlendioxid; inert = wenig reaktionsfreudig; Einsatz in geschlossenen Räumen/Lagerungsbehältern
Quelle:
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Absatz an Pflanzenschutzmitteln in der Bundesrepublik Deutschland. Ergebnisse der Meldungen gemäß § 64 (früher § 19) Pflanzenschutzgesetz
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