Nachhaltige Waldwirtschaft

Rund ein Drittel der Landfläche in Deutschland ist mit Wald bedeckt. Dieser erfüllt vielfältige Funktionen für Mensch und Umwelt. Eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung soll diese Funktion jetzt und zukünftig erhalten und sicherstellen.

Inhaltsverzeichnis

 

Die vielfältigen Funktionen des Waldes

Nach den Ergebnissen der dritten Bundeswaldinventur ist Deutschland mit rund 11,4 Millionen Hektar (Mio. ha) etwa zu einem Drittel mit Wald bedeckt. Der Wald erfüllt zahlreiche Funktionen – vielfach gleichzeitig und auf derselben Fläche: Er ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere, filtert Schadstoffe aus der Luft, schützt vor Erosion und Lawinen und speichert Kohlenstoff. Der Wald liefert Rohstoffe – vor allem Holz – und dient den Menschen als Erholungsraum (siehe Schaubild „Funktionen der Wälder“).

Umweltbelastungen, Klimawandel und menschliche Nutzung können aber die natürliche Leistungsfähigkeit der Wälder überfordern. Um sowohl die Leistungen und die Produktivität der Waldökosysteme dauerhaft zu erhalten als auch den Erhalt der biologischen Vielfalt auf der ganzen Waldfläche zu gewährleisten, ist eine nachhaltige und multifunktionale Waldbewirtschaftung Voraussetzung.

Das Schaubild zeigt verschiedene Bereiche, in denen der Wald Funktionen für Mensch und Umwelt erfüllt. Dazu gehören die Bereiche Wasserschutz, Klimaschutz, Bodenschutz, Biodiversität, Lebensraum sowie Freizeit und Erholung.
Schaubild: Funktionen der Wälder
Quelle: Umweltbundesamt Schaubild als PDF
 

Nachhaltige Waldbewirtschaftung

Übermäßiger Holzverbrauch und die damit einhergehende drohende Holzverknappung und Degradierung der Wälder führte dazu, dass bereits Anfang des 18. Jahrhunderts Ansätze einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung entwickelt wurden. Im Jahr 1713 formulierte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica" erstmals, dass immer nur so viel Holz eingeschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung nachwachsen kann.

Heute verstehen wir unter nachhaltiger Waldwirtschaft weit mehr als die Sicherstellung der Holzmengen. Die Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (FOREST EUROPE) 1993 in der Helsinki-Deklaration eine nachhaltige Waldbewirtschaftung definiert als „die Betreuung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Weise und in einem Ausmaß, welche deren biologische Vielfalt, Produktivität, Regenerationsfähigkeit und Vitalität erhält und ihre Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, gewährleistet, ohne dass dies zu Schäden an anderen Ökosystemen führt“. FOREST EUROPE hat in diesem Zusammenhang sechs übergreifende Kriterien einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung erarbeitet:

  • Erhaltung und angemessene Verbesserung der forstlichen Ressourcen und Sicherung ihres Beitrags zu den globalen Kohlenstoffkreisläufen,
  • Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von Waldökosystemen,
  • Erhaltung und Förderung der Produktionsfunktion der Wälder, sowohl für Holz als auch für Nicht-Holzprodukte,
  • Erhaltung, Schutz und adäquate Verbesserung der biologischen Vielfalt in Waldökosystemen,
  • Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Schutzfunktion bei der Waldbewirtschaftung, vor allem in den Bereichen Boden und Wasser,
  • Erhaltung sonstiger sozio-ökonomischer Funktionen und Konditionen.

Dies wird aus Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) nur durch eine naturnahe, umweltverträgliche und multifunktionale Waldbewirtschaftung ermöglicht.

 

Naturnähe der Wälder

Ziel der Bundesregierung ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung auf möglichst der gesamten forstwirtschaftlichen Fläche. Dieses Ziel hat sie sich bereits in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie gesetzt und mehrfach bekräftigt. Daneben hat die Bundesregierung in ihrer Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt eine Vielzahl weiterer waldbezogener Ziele formuliert, wie zum Beispiel 5 Prozent (%) der Wälder einer natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Eine Möglichkeit die Naturnähe der Wälder zu ermitteln, ist der Vergleich der aktuellen Bestockung der Waldfläche mit der natürlichen Waldgesellschaft. Dies gibt Auskunft über die Naturnähe der Baumartenzusammensetzung und ermöglicht Aussagen zur ökologischen Stabilität des Waldes.

Nach den Ergebnissen der dritten Bundeswaldinventur 2011/2012 sind rund 36 % der Waldfläche als sehr naturnah (14,5 %) oder als naturnah (21,3 %) einzustufen. Dabei liegt der Anteil naturnaher Waldflächen im Staatswald mit 40 % deutlich über dem Anteil der naturnahen Waldflächen im Privatwald (30,5 %) (siehe Abb. „Naturnähe der Baumartenzusammensetzung“).

Besonderen Anteil an der sehr naturnahen oder naturnahen Bestockung haben ungleichaltrige Wälder und Bestände der höheren Altersklassen. Während Bestände mit einem Alter ab 120 Jahren zum überwiegenden Anteil eine naturnahe Bestockung aufweisen (zwischen 60 und 80 %), weisen junge und jüngere Bestände mit einem Alter unter 60 Jahren nur zu knapp einem Drittel eine naturnahe Bestockung auf (zwischen 23 und 32 %) (siehe Abb. „Anteil sehr naturnaher und naturnaher Bestockung an der Waldfläche nach Altersklasse“). Es ist jedoch festzustellen, dass die jüngste Altersklasse den Trend eines Rückgangs der Naturnähe bei Abnahme des Alters durchbricht. Dies kann als ein Indiz für erste Erfolge beim Umbau der Wälder hin zu naturnahen Beständen gewertet werden.

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Holznutzung nahe am Zuwachs

Angesichts der steigenden Holznachfrage in Deutschland wurde in der Waldstrategie 2020 der Bundesregierung das Ziel formuliert, den Wald als Kohlendioxid (CO2)-Senke zu erhalten und dazu die Holzernte maximal bis zum durchschnittlichen jährlichen Zuwachs zu steigern. Die Waldgesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes macht deutlich, dass seit 2002 die Holzentnahme deutlich angestiegen ist und bereits ein Großteil des nutzbaren Zuwachses auch eingeschlagen wird.

Wurden im Jahr 1993 mit rund 51 Millionen Kubikmetern (Mio. m³) nur rund 49 Prozent (%) des nutzbaren Zuwachses auch tatsächlich genutzt, stieg die Holzentnahme bis zum Jahr 2004 bereits auf 87 Mio. m³ oder 88 % des nutzbaren Zuwachses an. Im Jahr 2007 erreichte der Holzeinschlag mit rund 113 Mio. m³ oder 112 % des nutzbaren Holzzuwachses seinen bisherigen Höchststand, bevor er sich nach 2009 auf Werte zwischen 80 und 90 Mio. m³ einpendelte (was in etwa 80 % des nutzbaren Zuwachses entspricht). Im Jahr 2010 wurden größere Waldflächenanteile im Rahmen der Übergabe „Nationales Naturerbe“ an die Bundesländer, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder Naturschutzorganisationen übergeben und damit aus der Nutzung herausgenommen. Der Zuwachs dieser Flächen stand somit 2010 theoretisch zur Holzproduktion zur Verfügung, war aber aufgrund des in diesem Jahr vereinbarten Nutzungsverzichts nicht mehr nutzbar. Hierdurch erklärt sich die große Diskrepanz zwischen Bruttozuwachs und nutzbarem Zuwachs und somit auch die Nutzung von rund 135 % des Zuwachses in diesem Jahr (siehe Abb. „Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses“).

Der nutzbare Zuwachs ist der Teil des Bruttozuwachses der für die Holzproduktion verfügbaren Flächen, der nach Abzug von nicht verwertbarem Holz, Mortalität und des Zuwachses auf Flächen, welche aus der Nutzung herausgenommen wurden, verbleibt.

Die Abbildung zeigt den Anteil des nutzbaren Zuwachses zwischen 1993 und 2013. Während vor der zweiten Bundeswaldinventur der Vorratsaufbau überwog, lag die Holzentnahme nach 2003 in den meisten Jahren über 80 Prozent des nutzbaren Zuwachses.
Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Zertifizierung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung

Die Zertifizierung ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Forstbetriebe, über die gesetzlichen Mindestanforderungen der Wald- und Naturschutzgesetze hinaus weitere Mindestnormen im ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereich einzuhalten. Mit der Zertifizierung nach einem anspruchsvollen Zertifizierungssystem dokumentieren die Waldbesitzer ihre Bereitschaft, bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen Erfordernisse der Nachhaltigkeit sowie des Natur- und Artenschutzes über den gesetzlich vorgegebenen Standard hinaus zu berücksichtigen.

Daher hat auch die Bundesregierung in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel festgelegt, dass 80 Prozent (%) der Waldfläche bis 2010 nach hochwertigen ökologischen Standards zertifiziert sein sollen (siehe Abb. „Anteil nach PEFC bzw. FSC zertifizierter Waldfläche“). Dieses Ziel wurde jedoch verfehlt.

In Deutschland sind derzeit drei forstliche Zertifizierungssysteme etabliert: Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) ist mit einer Fläche von aktuell rund 7,39 Millionen Hektar (Mio. ha) das System mit der größten zertifizierten Fläche.

Nach dem System des Forest Stewardship Council (FSC) sind aktuell rund 1,16 Mio. ha zertifiziert. Nach den Kriterien zur Ökologischen Waldnutzung von Naturland sind derzeit 54.000 ha zertifiziert. Diese sind zugleich auch FSC-zertifiziert.

Der Anteil der nach PEFC und FSC zertifizierten Waldfläche an der Gesamtwaldfläche wird als Indikator der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verwendet. Es ist dabei zu beachten, dass Waldflächen sowohl nach PEFC als auch nach FSC zertifiziert sein können und das Ausmaß der Überschneidung nicht ermittelbar ist. Ferner sind die nach Naturland zertifizierten Flächen in den Zahlen des FSC enthalten.

Der Anteil der nach PEFC zertifizierten Fläche lag in 2016 bei rund 67 Prozent. Nach FSC waren rund 11 Prozent der Waldfläche zertifiziert. Nach einem schnellen Anstieg in den ersten drei Jahren nahm der Anteil zertifizierter Flächen nur noch langsam zu.
Anteil nach PEFC bzw. FSC zertifizierter Waldfläche
Quelle: FSC und PEFC Diagramm als PDF