Papier, Recyclingpapier

Schüler klatschen sich ab.zum Vergrößern anklicken
Nicht nur in der Schule klasse: Recyclingpapier mit dem Blauen Engel
Quelle: Robert Kneschke / Fotolia.com

Unsere Tipps

  • Kaufen Sie Papierprodukte aus Recyclingpapier (Blauer Engel).
  • Entsorgen Sie benutztes Papier getrennt (Altpapier-Container, Blaue Tonne, andere Altpapier-Sammlungen).

Gewusst wie

Die Herstellung von Papier belastet die Umwelt stark. Sie benötigt viel Holz, Energie und Wasser und kann zur Einleitung gefährlicher Chemikalien in Gewässer führen. Durch den Einsatz von Altpapier und beste verfügbare Techniken bei der Produktion von neuem Papier können diese Umweltbelastungen stark reduziert werden.

Kauf von Recyclingpapier: Für fast jeden Papierbedarf gibt es ein passendes Recyclingpapier. Ob für Drucker oder Kopierer, für Klopapier oder Küchenrolle, ob weiß oder bunt: Recyclingpapier kann fast überall bedenkenlos eingesetzt werden. Der Blaue Engel garantiert dabei, dass die Papierfasern zu 100 Prozent aus Altpapier gewonnen werden. Andere Produktkennzeichnungen wie FSC- oder PEFC-Label oder die Bezeichnung „Chlorfrei gebleicht“ sind bei Papierprodukten aus Umweltsicht weniger hilfreich (siehe Hintergrund).

Papier getrennt entsorgen: Benutztes Papier ist ein wertvoller Rohstoff und gehört deshalb getrennt entsorgt. Dabei sind die örtlich unterschiedlichen Sammelsysteme zu berücksichtigen (Altpapier-Container, Blaue Tonne, andere Altpapier-Sammlungen).

Ins Altpapier gehören:

  • Zeitungen/Zeitschriften/Broschüren/Bücher,
  • Schulmaterial aus Papier,
  • Papiere, Kartons und Pappen aus Büros und Verwaltungen,
  • Geschenkpapier und –karton,
  • Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton,
  • Eierkartons,
  • Selbstdurchschreibepapier.

Nicht ins Altpapier gehören:

  • Verbundmaterialien – Getränkekartons (Gelber Sack),
  • Tapeten (Restmüll),
  • Wachs-, Paraffin-, Bitumen- und Ölpapiere beziehungsweise -pappen (Restmüll),
  • Thermopapier – Kassenzettel, Fahrkarten (Restmüll),
  • Nassfest imprägnierte und/oder geleimte Papiere und Pappen – Plakate (Restmüll),
  • Mit Kunststofflacken oder -folien hergestellte Lack-, Glacé- und Chromopapiere und -pappen (Restmüll),
  • Papiere mit Kleber, der sich nicht durch Wasser lösen lässt (Post-it, Adressetiketten, Selbstklebeverschluss bei Kuverts) (Restmüll).

Was Sie noch tun können:

  • Bestellen Sie unerwünschte Kataloge, Prospekte und Zeitschriften ab: Per Anruf aus Verteilerlisten streichen lassen oder Prospekte retour mit dem Vermerk „zurück an den Absender“.
  • Digitalisierung von Dokumenten und Scan-to-E-Mail sparen Papier und Archivraum.
  • Informationen im Internet machen manches Archivieren überflüssig.
  • Bringen Sie das Altpapier zu Fuß oder per Fahrrad an seinen Bestimmungsort. Sparen Sie sich damit zusätzliche Spritkosten durch einen Transport mit dem Auto.
  • Auch bei Recyclingpapier gilt: Sparsam verwenden.
  • Nutzen Sie beim Papier beide Seiten.
  • Nutzen Sie bei Druckern – wenn vorhanden – die Duplex-Funktion (beidseitiges Drucken) und die Verkleinern-Funktion (2 Seiten auf 1 Seite drucken).
  • Green-Printing-Software entfernt leere Seiten und unnötige Informationen aus der zu druckenden Datei.
Blauer Engel für Recyclingpapier
Blauer Engel für Recyclingpapier
Quelle: Blauer Engel

Hintergrund

Umweltsituation: Für die Produktion von einem Kilogramm neuem Kopierpapier (200 Blatt - Primärfaserpapier) werden ca. 50 Liter Wasser und circa fünf Kilowattstunden Energie verbraucht. Die Produktion von Recyclingpapier hingegen benötigt nur etwa 50 Prozent an Energie und nur rund 33 Prozent der Wassermenge. Außerdem werden pro Kilogramm Sekundärfaserpapier bis zu 2,2 Kilogramm Holz eingespart. Dem stehen 1,2 Kilogramm Altpapier für die Herstellung von einem Kilogramm Recyclingpapier gegenüber. Vorteile in der Ökobilanz hat Recyclingpapier auch bei: Photooxidantienpotenzial, Eutrophierungspotenzial für Land- und Wasserökosysteme, Giftigkeit für die Umwelt (Ökotoxizität) und Giftigkeit für den Menschen (Humantoxizität). Auch ist es umweltverträglicher, Altpapier zu recyceln als Altpapier zur Energiegewinnung zu verbrennen.

Durch die Steigerung des Altpapiereinsatzes sank der mittlere Energieeinsatz bezogen auf erzeugtes Papier von 3,413 Megawattstunden pro Tonne im Jahr 1990 auf 2,726 Megawattstunden pro Tonne im Jahr 2000. Bis zum Jahr 2011 ist wieder ein Anstieg auf cirac 3,1 Megawattstunden pro Tonne zu verzeichnen. Dies ist auf Maßnahmen zur Qualitätssteigerung (aufwändigere Sortierung, höhere Weißegrade, glattere Oberfläche) zurückzuführen. Damit kommt einem maßvollen Papierverbrauch besondere Bedeutung für weitere positive Umwelteffekte zu. Bestimmte Papierfabrikationshilfsstoffe oder Inhaltsstoffe von Druckfarben oder Klebstoffen können sich im Recyclingkreislauf anreichern. Teilweise können diese nicht entfernt werden. Es besteht bei manchen Stoffen die Gefahr, dass sie aus Recyclingpapierverpackungen auf Lebensmittel übergehen. Für besonders gefährdete Lebensmittel ist daher eine wirksame Barriere in der Verpackung zum Schutz des Verbrauchers notwendig. Es ist allerdings auch sehr wichtig, dass alle Akteure in der Wertschöpfungskette ihren Beitrag zur Verringerung der Einträge in den Stoffkreislauf leisten. Durch den Ersatz schadstoffbelasteter Druckfarben, Klebstoffe und Fabrikationshilfsstoffe kann bereits an der Quelle ein großer Schritt für ein sauberes Papierrecycling getan werden. Damit wird sowohl dem Verbraucherschutz wie auch dem Umweltschutz nachhaltig Rechnung getragen.

Gesetzeslage: Es gelten die Grundsätze und Pflichten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG), zum Beispiel die Verwertungshierarchie des Paragraf 6 KrWG und die Verpflichtung zur getrennten Sammlung (§ 14). Die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling von Siedlungsabfällen sollen spätestens ab dem 1. Januar 2020 mindestens 65 Gewichtsprozent insgesamt betragen. Rücknahmepflichten von Herstellern und Vertreibern von (Papier-)Verpackungen und deren Verwertung werden in Deutschland durch die Verpackungsverordnung (VerpackV) gemäß Paragraf 23 Absatz 4 KrWG geregelt. Auf der Grundlage der Verpackungsverordnung wurde in Deutschland ein flächendeckendes Sammel- und Entsorgungssystem (Duales System Deutschland AG) in Verantwortung der Wirtschaft eingerichtet. Das Ende der Abfalleigenschaft von Altpapier ist gemäß Paragraf 5 des KrWG in einem technischen Hintergrundpapier beschrieben.

Die 16 führenden Druck- und Gerätehersteller haben sich auf europäischer Ebene u.a. verpflichtet, ihren Kunden die Verwendung von Recyclingpapier in ihren Geräten zu empfehlen. Außerdem wollen sie auf die Umweltvorteile von Recyclingpapier aufmerksam machen. Die EU-Kommission hat im Juni 2015 die Umsetzung dieser freiwilligen Selbstverpflichtung bestätigt.

Marktbeobachtung: Im Jahre 2011 lag der Verbrauch von Papier, Pappe und Karton in Deutschland bei 243,3 Kilogramm pro Einwohner. Dies entspricht einem Gesamtverbrauch von 19,8 Millionen Tonnen Die Altpapierrücklaufquote lag bei rund 15,3 Millionen Tonnen (77%). Die inländische Papierproduktion betrug 22,7 Millionen Tonnen mit einem Altpapieranteil von rund 16,1 Millionen Tonnen (71%). Die Altpapiereinsatzquote einzelner Papiersorten, beispielsweise bei den Wellpappenrohpapieren oder bei Zeitungsdruckpapier, lag bei über 100 Prozent. Denn bei der Aufbereitung von Altpapier müssen Sortierreste und alle Verunreinigungen, welche die Qualität des Neupapiers beeinträchtigen, abgeschieden werden. Steigerungsmöglichkeiten des Altpapiereinsatzes bestehen noch bei den Zeitschriftenpapieren sowie Büro- und Administrationspapieren, aber auch bei den Hygienepapieren.

Der Blaue Engel ist für Papiere der beste Orientierungsmaßstab. Andere Produktkennzeichnungen sind aus Umweltsicht für Papiere weniger hilfreich:

  • FSC und PEFC auf Papier: FSC und PEFC sind Label für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Am Markt findet man überwiegend FSC Mix-Papiere. „Mix“ besagt, dass mindestens 70 Prozent der Fasern aus FSC-Holz und /oder Altpapier stammen. Meistens handelt es sich um reine Frischfaserpapiere. Zwar gibt es auch einige Papiere mit dem FSC Recycling-Siegel. Doch dieses erfüllt nicht die strengen Anforderungen des Blauen Engels, beispielsweise zum Mindestanteil niedriger Altpapiersorten, an den Energie- und Wasserverbrauch oder an den Einsatz von Chemikalien bei der Produktion. Papiere mit dem FSC oder dem PEFC Zeichen sind deshalb im Vergleich zu Waren, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind, weniger empfehlenswert.
  • Chlorfrei gebleicht: Bedeutet, dass kein Altpapier enthalten ist und trifft keine Aussage über die Art der Waldbewirtschaftung. Es macht lediglich Aussagen über den Chemikalieneinsatz bei der Bleichung. Heutzutage überwiegt die Elementarchlorfreie (ECF) mit 90 Prozent vor der vollständig chlorfreien Bleiche (TCF) mit fünf Prozent. Nur fünf Prozent der weltweiten Produktion wird noch mit reinem Chlor produziert.
  • EU-Ecolabel (EU Blume) und skandinavisches Umweltzeichen Nordic Ecolabel (Nordischer Schwan): Beide Siegel fordern weniger Energieverbrauch und Abwasserbelastung als bei der durchschnittlichen Papierherstellung üblich. Das Nordic Ecolabel verlangt keinen Altpapiereinsatz. Das EU Ecolabel fordert nur beim Zeitungsdruckpapier einen Altpapieranteil von 70 Prozent. Beide Zeichen erfüllen die Anforderungen an eine nachhaltige Forstwirtschaft nicht ausreichend. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Anteil der Hölzer aus Urwäldern stammt.
  • Österreichische Umweltzeichen: Dieses Zeichen setzt Grenzwerte zum Energieverbrauch, zur Abwasserbelastung sowie zum Chemikalieneinsatz. Bei Büropapier verlangt es den Einsatz von 100 Prozent Altpapier. Bei Zeitungsdruckpapier sind nur 50 Prozent, bei hochwertigen gestrichenen und ungestrichenen Druckpapieren sogar nur zehn beziehungsweise 20 Prozent Altpapier vorgeschrieben. Die eingesetzten Primärfasern müssen nur zur Hälfte aus zertifizierter Forstwirtschaft stammen. Die Kriterien für eine umweltverträgliche Rohstoffbeschaffung werden dabei also nicht erfüllt.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren Themenseiten:

  • 2014 wurden in Deutschland 20,4 Millionen Tonnen Papier verbraucht und für die Produktion 16,6 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt. Die Verwertungsquote von Altpapier betrug also 81,6 Prozent. Im Jahr 2000 betrug sie 57,6, im Jahr 1950 gut 29 Prozent.
    Altpapierverwertungsquote
    Quelle: Verband deutscher Papierfabriken Diagramm als PDF
  • Die Altpapiereinsatzquote stieg in den Jahren von 2000 bis 2014 von 60,4 auf 73,8 Prozent. Diese Quote lässt sich weiter erhöhen. Zeitschriften-, Büro-, Administrations- und Hygienepapieren bestand im Jahr 2014 im Durchschnitt aus 51 Prozent Altpapier.
    Tab: Altpapiereinsatzquoten in Prozent
    Quelle: Verband deutscher Papierfabriken Tabelle als PDF
  • Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 15 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt – das waren 74 Prozent des hergestellten Papiers. Bei der Herstellung neuen Papiers wurden fast 74 Prozent Altpapier eingesetzt. Im Jahr 1990 waren es erst 49 Prozent.
    Tab: Papiererzeugung, Papierverbrauch und Altpapierverbrauch
    Quelle: Verband deutscher Papierfabriken Tabelle als PDF
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Quellen

  • Initiative 2000plus (Hrsg.) (2005): Kritischer Papierbericht 2005.
  • Forum Ökologie und Papier (Hrsg.) (2012): Papier. Wald und Klima schützen.
  • Verband Deutscher Papierfabriken e.V. (VDP) (2012): Papier 2012: Ein Leistungsbericht.
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