Kunststoffabfälle

Die Abfallwirtschaft verwertet die gesammelten Kunststoffabfälle nahezu vollständig. Im Jahr 2013 hat sie 42 Prozent aller gesammelten Kunststoffabfälle werkstofflich recycelt. 57 Prozent der Abfälle wurden in Müllverbrennungsanlagen oder Ersatzbrennstoffkraftwerken energetisch verwertet. Aus Klima- und Umweltschutzsicht ist es wichtig, mehr Kunststoffabfälle werkstofflich zu verwerten.

Kunststoffe – Produktion, Verwendung und Verwertung

Die Produktionsmengen der deutschen Kunststoffindustrie blieben im Zeitraum von 2011 bis 2013 nahezu unverändert. Laut der Studie "Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen in Deutschland", die alle zwei Jahren industrieseitig durchgeführt wird, verarbeitete die Kunststoffindustrie im Jahr 2013 rund 11,76 Millionen Tonnen (Mio. t) Kunststoffe und stellte etwa 10,48 Mio. t Kunststoffwerkstoffe – wie zum Beispiel Verpackungen – her. Das sind 0,9 beziehungsweise 1,3 Prozent (%) weniger als im Jahr 2011. In diesem Zeitraum nahm jedoch die Menge der Kunststoffabfälle um 4,2 % auf 5,68 Mio. t zu. Von dieser Menge wurden 99 % stofflich oder energetisch verwertet (siehe Abb. „Entwicklung der Verwertung der Kunststoffabfälle“).

Neben der Produktion von Kunststoffen zur Herstellung von Kunststoffwerkstoffen wurden auch rund 9,32 Mio. t Polymere für Klebstoffe, Lacke und Harze erzeugt. Diese werden im Folgenden jedoch nicht mit betrachtet.

2013 wurden insgesamt 5,64 Millionen Tonnen Kunststoffe verwertet. 1994 waren es erst 1,40 Millionen Tonnen.
Entwicklung der Verwertung der Kunststoffabfälle
Quelle: Umweltbundesamt / CONSULTIC Marketing & Industrieberatung GmbH Diagramm als PDF

Kunststoffvielfalt

75 Prozent (%) der hergestellten Kunststoffe entfielen auf folgende fünf Thermoplaste:

  • Polyethylen (PE) mit 2,735 Millionen Tonnen (Mio. t),
  • Polypropylen (PP) mit 1,875 Mio. t,
  • Polyvinylchlorid (PVC) mit 1,835 Mio. t,
  • Polystyrol und expandiertes Polystyrol (PS/PS-E) mit 815.000 t sowie
  • Polyamid (PA) mit 605.000 t.

Etwa 14 % der produzierten Gesamtmenge waren andere Thermoplaste wie Polykarbonat (PC), Polyethylenterephthalat (PET) oder Styrol-Copolymere wie Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Styrol-Acrylnitril (SAN). Die restlichen 11 % waren Duroplaste wie Polyurethane, Polyester oder Formaldehydharze (siehe Abb. „Anteil Kunststoffsorten an der Verarbeitungsmenge Kunststoffe 2013“).

Größter Einsatzbereich für Kunststoffe bleiben die Verpackungen. 35,0 % der in Deutschland verarbeiteten Kunststoffe wurden 2013 hier eingesetzt. Der Bausektor belegte mit 23,5 % den zweiten Rang. Dahinter folgen die Segmente Fahrzeugindustrie mit 10,0 % sowie Elektro- und Elektronikgeräte mit 6,0 % (siehe Abb. „Anteil relevanter Branchen an der Verarbeitungsmenge Kunststoffe 2013“).

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Aufkommen an Kunststoffabfällen

Im Jahr 2013 fielen in Deutschland knapp 5,68 Millionen Tonnen (Mio. t) Kunststoffabfälle an. Etwa 83,6 Prozent (%) dieser Abfälle entstanden nach dem Gebrauch der Kunststoffe. Die restlichen 16,4 % fielen bei der Herstellung und vor allem bei der Verarbeitung von Kunststoffen an. Die drei mengenmäßig wichtigsten Kunststoffe dominieren auch den Kunststoffabfall: Von der Gesamtabfallmenge entfielen mit 2,2 Mio. t 38,7 % auf Polyethylen (PE), 0,96 Mio. t oder 16,9 % auf Polypropylen (PP) und 0,65 Mio. t oder 11,4 % auf Polyvinylchlorid (PVC).

Hohe Verwertungsquoten

Im Jahr 2013 wurden fast 99 Prozent (%) aller gesammelten Kunststoffabfälle verwertet:

  • Von den 5,68 Millionen Tonnen (Mio. t) Kunststoffabfällen wurden 2,37 Mio. t, oder 42 % werk- und rohstofflich genutzt.
  • 3,26 Mio. t, oder 57 % wurden energetisch verwertet – 2,03 Mio. t davon in Müllverbrennungsanlagen, 1,23 Mio. t ersetzten als Ersatzbrennstoff fossile Brennstoffe etwa in Zementwerken oder Kraftwerken.
  • 44.000 t, weniger als 1 % wurden auf Deponien beseitigt. Dies sind insbesondere Kunststoffe, die noch zu geringfügigen Anteilen in deponierten Bauabfällen oder Aufbereitungsabfällen aus mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) enthalten waren.

(siehe Tab. „Aufkommen und Verbleib von Kunststoffabfällen nach Anfallorten in Deutschland 2013“ und Abb. „Entwicklung der Verwertung der Kunststoffabfälle“).

Die Quoten der Abfallverwertung bei der Herstellung und Verarbeitung von Kunststoffen und dem gewerblichen und privaten Endverbrauch haben sich weitestgehend angeglichen (siehe Tab. „Aufkommens- und Verwertungsmengen von Kunststoffabfällen nach Verursacherbereichen 2013“). Bei der Kunststofferzeugung und -verarbeitung lag die Abfallverwertungsrate bei 97,3 % beziehungsweise bei 99,9 %. Abfälle aus dem gewerblichen Endverbrauch und den Haushalten wurden zu 98,7 % beziehungsweise 99,5 % verwertet. Die Angleichung der Verwertungsquoten liegt in erster Linie daran, dass die Verbrennung in energieeffizienten Müllverbrennungsanlagen mit Energieauskopplung generell als energetische Verwertung betrachtet wird.

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Unterschiede bei der stoffliche Verwertung

Die Höhe der Recyclingquote lag bei Abfällen aus der Kunststofferzeugung und Kunststoffverarbeitung im Jahr 2013 bei 66,6 Prozent (%)  beziehungsweise bei 90,7 %. Von Kunststoffabfällen aus privaten Haushalten wurden nur 34,2 % stofflich verwertet, von den Kunststoffabfällen aus dem gewerblichen Endverbrauch nur 30,3 %. Der Grund für diese unterschiedlichen Quoten ist, dass Kunststoffe in der Industrie meist sehr sauber und sortenrein anfallen, in Haushalten und bei vielen Gewerbebetrieben jedoch verschmutzt und vermischt. Aus Umweltschutzsicht ist es sinnvoll, vermehrt Altkunststoffe aus dem Restmüll „abzuschöpfen“ und einer möglichst hochwertigen werkstofflichen Verwertung zuzuführen. Denn diese Verwertung ist, wie viele Ökobilanzen zeigen, vorwiegend die umweltgünstigste Entsorgungsvariante.

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