Kunststoffabfälle

Die Abfallwirtschaft verwertet die gesammelten Kunststoffabfälle nahezu vollständig. Im Jahr 2015 hat sie 45 Prozent aller gesammelten Kunststoffabfälle werkstofflich und 1 Prozent rohstofflich verwertet. 53 Prozent der Abfälle wurden energetisch verwertet. Aus Klima- und Umweltschutzsicht ist es wichtig, mehr Kunststoffabfälle werkstofflich zu verwerten.

Inhaltsverzeichnis

 

Kunststoffe – Produktion, Verwendung und Verwertung

Die Produktionsmengen der deutschen Kunststoffindustrie sind im Zeitraum von 2013 bis 2015 etwas gesunken, während die verarbeiteten Mengen leicht gestiegen sind. Laut der Studie „Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen in Deutschland“, die alle zwei Jahren industrieseitig durchgeführt wird, verarbeitete die Kunststoffindustrie im Jahr 2015 rund 12,06 Millionen Tonnen (Mio. t) Kunststoffe, wie zum Beispiel Verpackungen. Der Kunststoffverbrauch in Deutschland lag nach Bereinigung um Im- und Exporte bei 10,1 Mio. t. Das sind 2,6 Prozent (%) beziehungsweise 4,6 % mehr als im Jahr 2013. Im gleichen Zeitraum nahm die Menge der Kunststoffabfälle um 4,23 % auf 5,92 Mio. t zu. Von dieser Menge wurden 99 % stofflich oder energetisch verwertet (siehe Abb. „Verwertung der Kunststoffabfälle“).

Neben der Produktion von Kunststoffen zur Herstellung von Kunststoffwerkstoffen wurden auch rund 8,35 Mio. t Polymere für Klebstoffe, Lacke und Harze erzeugt. Diese werden im Folgenden jedoch nicht mit betrachtet.

2015 wurden insgesamt 5,88 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle verwertet. 1994 waren es erst 1,40 Millionen Tonnen.
Verwertung der Kunststoffabfälle
Quelle: Umweltbundesamt / CONSULTIC Marketing & Industrieberatung GmbH Diagramm als PDF
 

Kunststoffvielfalt

73,9 Prozent (%) der hergestellten Kunststoffe entfielen auf folgende fünf Thermoplaste:

  • Polyethylen (PE) mit 2,8 Millionen Tonnen (Mio. t),
  • Polypropylen (PP) mit 2,0 Mio. t,
  • Polyvinylchlorid (PVC) mit 1,55 Mio. t,
  • Polystyrol und expandiertes Polystyrol (PS/PS-E) mit 535.000 t sowie
  • Polyamid (PA) mit 615.000 t.

Etwa 15 % der produzierten Gesamtmenge waren andere Thermoplaste wie Polykarbonat (PC), Polyethylenterephthalat (PET) oder Styrol-Copolymere wie Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Styrol-Acrylnitril (SAN). Die restlichen 11 % waren sonstige Kunststoffe, u. a. Duroplaste wie Polyurethane, Polyester oder Formaldehydharze (siehe Abb. „Anteil Kunststoffsorten an der Verarbeitungsmenge Kunststoffe 2015“).

Größter Einsatzbereich für Kunststoffe bleiben die Verpackungen. 35,2 % der in Deutschland verarbeiteten Kunststoffe wurden 2015 hier eingesetzt. Der Bausektor belegte mit 22,7 % den zweiten Rang. Dahinter folgen die Segmente Fahrzeugindustrie mit 10,5 % sowie Elektro- und Elektronikgeräte mit 6,0 % (siehe Abb. „Anteil relevanter Branchen an der Verarbeitungsmenge Kunststoffe 2015“).

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Aufkommen an Kunststoffabfällen

Im Jahr 2015 fielen in Deutschland knapp 5,92 Millionen Tonnen (Mio. t) Kunststoffabfälle an. Etwa 84,5 Prozent (%) dieser Abfälle entstanden nach dem Gebrauch der Kunststoffe. Die restlichen 15,5 % fielen bei der Herstellung und vor allem bei der Verarbeitung von Kunststoffen an. Die drei mengenmäßig wichtigsten Kunststoffe dominieren auch den Kunststoffabfall: Von der Gesamtabfallmenge entfielen mit 2,29 Mio. t oder 38,7 % auf Polyethylen (PE), 0,99 Mio. t oder 16,8 % auf Polypropylen (PP) und 0,67 Mio. t oder 11,3 % auf Polyvinylchlorid (PVC).

 

Hohe Verwertungsquoten

Im Jahr 2015 wurden fast 99 Prozent (%) aller gesammelten Kunststoffabfälle verwertet:

  • Von den 5,92 Millionen Tonnen (Mio. t) Kunststoffabfällen wurden 2,74 Mio. t, oder 46 % werk- und rohstofflich genutzt.
  • 3,14 Mio. t oder 53 % wurden energetisch verwertet – 2,05 Mio. t davon in Müllverbrennungsanlagen, 1,09 Mio. t ersetzten als Ersatzbrennstoff fossile Brennstoffe etwa in Zementwerken oder Kraftwerken.
  • 44.000 t, weniger als 1 %, wurden auf Deponien beseitigt. Dies sind insbesondere Kunststoffe, die noch zu geringfügigen Anteilen in deponierten Bauabfällen oder Aufbereitungsabfällen aus mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) enthalten waren.

(siehe Tab. „Aufkommen und Verbleib von Kunststoffabfällen nach Anfallorten in Deutschland 2015“ und Abb. „Entwicklung der Verwertung der Kunststoffabfälle“).

Die Quoten der Abfallverwertung bei der Herstellung und Verarbeitung von Kunststoffen und dem gewerblichen und privaten Endverbrauch haben sich weitestgehend angeglichen (siehe Tab. „Aufkommens- und Verwertungsmengen von Kunststoffabfällen nach Verursacherbereichen 2015“). Bei der Kunststofferzeugung und -verarbeitung lag die Abfallverwertungsrate bei 96,7 % beziehungsweise bei 99,7 %. Abfälle aus dem gewerblichen Endverbrauch und den Haushalten wurden zu 98,8 % beziehungsweise 99,5 % verwertet. Die Angleichung der Verwertungsquoten liegt in erster Linie daran, dass die Verbrennung in energieeffizienten Müllverbrennungsanlagen mit Energieauskopplung generell als energetische Verwertung betrachtet wird.

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Unterschiede bei der stoffliche Verwertung

Die Höhe der Recyclingquote lag bei Abfällen aus der Kunststofferzeugung und Kunststoffverarbeitung im Jahr 2015 bei 66,5 Prozent (%) beziehungsweise bei 90,8 %. Von Kunststoffabfällen aus privaten Haushalten wurden 41,7 % stofflich verwertet, 7,5 Prozentpunkte mehr als in 2013, von den Kunststoffabfällen aus dem gewerblichen Endverbrauch nur 33,5 %. Der Grund für diese unterschiedlichen Quoten ist, dass Kunststoffe in der Industrie meist sehr sauber und sortenrein anfallen, in Haushalten und bei vielen Gewerbebetrieben jedoch verschmutzt und vermischt. Aus Umweltschutzsicht ist es sinnvoll, vermehrt Altkunststoffe aus dem Restmüll „abzuschöpfen“ und einer möglichst hochwertigen werkstofflichen Verwertung zuzuführen. Denn diese Verwertung ist, wie viele Ökobilanzen zeigen, vorwiegend die umweltgünstigste Entsorgungsvariante.

Haupteinsatzgebiete von Kunststoffrezyklaten in Neuprodukten sind Bauprodukte und Verpackungen. Im Jahr 2015 haben diese insgesamt 63,4 % der in Deutschland eingesetzten Rezyklate ausgemacht (siehe Abb. „Einsatz von Kunststoffrezyklaten in Deutschland 2015“).

Im Jahr 2015 machten Bauprodukte und Verpackungen 63,4 % der in Deutschland eingesetzten Kunststoffrezyklaten aus. In Produkten für die Landwirtschaft werden 10,2 %, in Fahrzeugen 7,9 % eingesetzt.
Einsatz von Kunststoffrezyklaten in Deutschland 2015
Quelle: Umweltbundesamt / CONSULTIC Marketing & Industrieberatung GmbH Diagramm als PDF