Indikator: Plastikmüll in der Nordsee

Ein Diagramm zeigt in 5-Jahres-Mitteln der Jahre 2003 bis 2014 die Entwicklung des Anteils der an Nordsee-Stränden gefundenen toten Eissturmvögel, bei denen mehr als 0,1 Gramm Plastik im Magen vorgefunden wurde. Der Indikator verharrt bei ungefähr 60 %.zum Vergrößern anklicken
Anteil der Eissturmvogel-Totfunde an der deutschen Nordsee-Küste mit mehr als 0,1 g Plastik im Magen
Quelle: Forschungs- und Technologiezentrum Westküste Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Seit Beginn der Untersuchungen werden in 93 % bis 97 % der Mägen von tot gefundenen Eissturmvögeln Plastikmüll gefunden.
  • In rund 60 % der Mägen toter Eissturmvögel an Küsten der Nordsee finden sich mehr als 0,1 Gramm Plastik.
  • Ziel der OSPAR-Konvention ist es, dass dieser Anteil maximal 10 % betragen sollte. Es wird noch lange dauern, bis das Ziel erreicht ist.
  • Nach wie vor gelangen große Mengen Plastikmüll in die Meere, wo Plastik nur sehr langsam abgebaut wird.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Durchschnittlich 18.000 Plastikmüllpartikel treiben mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Plastik wird von Tieren für Nahrung gehalten und kann nach dem Verzehr deren Verdauungsorgane verletzen und verstopfen, was zum Tod durch Verhungern führen kann. Für rund 800 Arten von Meereslebewesen ist bekannt, dass sie mit Meeresmüll in Berührung kommen. Die prominentesten Auswirkungen sind die Aufnahme von und das Verheddern in Müllteilen. Während das Strangulieren in Meeresmüll zu sichtbaren Verletzungen bis hin zum Tod führt, bleiben die Wirkungen des Verschluckens von Plastikmüll oftmals unsichtbar.

Für das Monitoring in der Nordsee kommt vor allem der Eissturmvogel in Frage: Er ist sehr verbreitet und er nimmt seine Nahrung ausschließlich auf der offenen See auf. Für die Ostsee konnte bislang noch keine Tierart identifiziert werden, mit der ähnliche Untersuchungen möglich sind. Deshalb sind für die Ostsee bis auf weiteres keine vergleichbaren Aussagen möglich.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Der Großteil der Eissturmvögel, die tot an Stränden der deutschen Nordseeküste gefunden werden, hat mehr als 0,1 Gramm Plastikmüll im Magen. Seit Beginn der Untersuchungen schwankt ihr Anteil zwischen 56 % und 62 %. Über die gesamte Dauer kann statistisch kein klarer Entwicklungstrend festgestellt werden.

Deutschland hat die Convention for the Protection of the Marine Environment of the North-East Atlantic (OSPAR) unterzeichnet. Im Jahr 2008 entschieden die OSPAR-Vertragsstaaten, dass bei maximal 10 % aller tot gefundenen Eissturmvögel mehr als 0,1 Gramm Plastik im Magen gefunden werden darf. Dieser Wert wurde von der relativ unbelasteten kanadischen Arktis abgeleitet.

Noch immer werden große Mengen Plastikmüll in die Meere eingetragen. Plastik wird jedoch nur sehr langsam abgebaut. Das OSPAR-Ziel wird deshalb erst auf lange Sicht zu erreichen sein. Ein wichtiges Instrument, um weitere Einträge und vorhandene Mengen von Meeresmüll im Nordost-Atlantik zu reduzieren, ist der 2014 verabschiedete OSPAR Regional Action Plan on Marine Litter (OSPAR Commission 2014). Er adressiert eine Reihe von Maßnahmen hinsichtlich der relevanten see- und landbasierten Eintragsquellen sowie Möglichkeiten zur Bewusstseinsbildung.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Basis des Indikators sind Untersuchungen von toten Eissturmvögeln, die an der deutschen Nordseeküste (Südöstliche Nordsee) gefunden werden. Im Labor wird der Mageninhalt untersucht. Gefundene Plastikpartikel werden gezählt und gewogen. Da die Werte zwischen den Jahren teilweise stark schwanken, berechnet sich der Indikator als Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Eine ausführliche Beschreibung der Vorgehensweise findet sich bei Guse et al. (2012).

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Themen-Artikel „Müll im Meer“.