Struktur der Flächennutzung

Mehr als die Hälfte der deutschen Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Dieser Anteil sinkt langsam, während der für Siedlungen und Verkehr stetig steigt. Ziel einer nachhaltigen Flächennutzung ist daher, den Flächenverbrauch durch Siedlungen und Verkehr zu senken und gleichzeitig vorhandene Flächen optimal zu nutzen und ökologisch aufzuwerten.

Die wichtigsten Flächennutzungen

Deutschland hatte im Jahr 2014 eine Fläche von 357.376 Quadratkilometern (km²) (siehe Abb. „Flächennutzung in Deutschland“). Zur Gesamtfläche zählen unter anderem landwirtschaftlich genutzte Flächen, Waldflächen, Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV-Flächen) und Gewässer wie Seen, Flüsse, Kanäle und nahe Küstengewässer wie das Wattenmeer.

Wie Deutschlands Fläche genutzt wird, steht in Grundstückskatastern. Danach teilte sich im Dezember 2014 die Gesamtfläche folgendermaßen auf:

  • 51,7 Prozent (%) der Gesamtfläche wurde landwirtschaftlich genutzt. Das sind 184.607 km². Diese Zahlen schließen Moor- und Heideflächen mit ein.
  • Wälder wuchsen auf 30,6 % der Gesamtfläche, also auf 109.306 km².
  • Die Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV-Fläche) ist die drittgrößte Nutzungsart. Sie nahm Ende 2014 13,7 % – also 48.895 km² – der Gesamtfläche in Anspruch. Zur SuV-Fläche zählen neben Gebäude- und Freiflächen für Wohnen, öffentliche Zwecke oder Gewerbe und Betriebsflächen (ohne Abbauland) auch Erholungsflächen und Friedhöfe.
  • Seen, Flüsse, Kanäle und nahe Küstengewässer nahmen 2,4 % (8.477 km²) der deutschen Fläche ein.
  • Die restlichen 1,7 % der Gesamtfläche (5.900 km²) sind „sonstige Flächen“. Dazu zählen militärische Übungsplätze, historische Anlagen wie Burgen und Schlösser, „Abbauland“ wie Kies- oder Braunkohlengruben sowie „Unland“ wie Felsen, ehemaliges Militärgelände oder ehemalige Abraumhalden.
Die Abbildung zeigt, wie die deutsche Gesamtfläche 2014 genutzt wurde. 51,7 % der Fläche wurde landwirtschaftlich genutzt. Auf 30,6 % der Fläche steht Wald. Siedlungs- und Verkehrsflächen beanspruchten 13,7 % der Fläche.
Flächennutzung in Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF

Landwirtschaftlich genutzte Fläche schrumpft

Von 2000 bis 2014 sank der Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche von 53,5 auf 51,7 Prozent (%). Diese Abnahme erfolgte besonders im Umland städtischer Verdichtungsräume. Der wichtigste Grund dafür ist die stete Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen.

Die meisten landwirtschaftlich genutzten Flächenanteile haben die nördlichen und östlichen Bundesländer; Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein mit einem Anteil von rund 70,0 % Landwirtschaftsfläche. Die geringsten Anteile haben Stadtstaaten wie Berlin mit 4,3 % landwirtschaftlich genutzter Fläche (siehe Abb. „Flächennutzung in den Bundesländern“).

Die Art der Flächennutzung beeinflusst die biologische Vielfalt und die Umweltbelastung. Viele Tier- und Pflanzenarten profitieren etwa von einer extensiven Bewirtschaftung von Äckern und Weiden. Intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen wiederum können die Natur belasten: Sie können Biotope stören, Gewässer eutrophieren sowie Böden und Grundwasser weiteren Belastungen aussetzen. Auch der technische Wandel kann etwa durch große landwirtschaftliche Maschinen zu einer Ausräumung ökologisch wertvoller Landschaftsteile führen, da Knicks, Wälle oder Baumgruppen beseitigt, Gewässer begradigt, Böden verdichtet oder neue landwirtschaftliche Wegenetze angelegt werden.

Geringe Zunahme der Waldfläche

Der Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche stieg vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2014 um rund 1,1 Prozentpunkte (%-Punkte) auf 30,6 %. Damit wuchs die Waldfläche selber um 3,7 %. Die neuen zusätzlichen 3.992 Quadratkilometer (km²) an Wald entstanden vor allem auf „Flächen sonstiger Nutzung“ wie ehemaligen Übungsplätzen oder ehemaligen Bergbauflächen und Abraumhalden.

Überdurchschnittlich hohe Waldflächenanteile finden sich in siedlungsarmen, für eine intensivere Landwirtschaft weniger geeigneten Mittel- und Hochgebirgslagen, etwa dem Harz, dem Thüringer Wald, dem Sauerland, der Eifel, dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald und in den Alpen. In den Zentren großer Verdichtungsräume und in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten sind die Waldanteile dagegen geringer.

Wälder haben – ähnlich wie Gewässer, Moore und Heiden – einen besonderen ökologischen Stellenwert. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft, schützen Böden vor Erosion, helfen sauberes Grundwasser zu bilden und schützen das Klima, indem sie das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) aus der Luft binden. Sie dienen auch – abgesehen von einigen Naturschutzgebieten – den Erholungs- und Freizeitbedürfnissen der Bevölkerung.

Mehr Betriebs- und Wohngebäude, Straßen und Flugplätze

Die Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) ist die am dynamischsten wachsende Nutzungsart in Deutschland. Sie wuchs von 2000 bis 2014 um 10,1 Prozent (%), also um 4.956 Quadratkilometer (km²). Der SuV-Anteil an der Gesamtfläche fällt regional unterschiedlich aus. In den Zentren der Verdichtungsräume erreicht ihr Anteil mehr als 50 %. Neben den Stadtstaaten weisen Nordrhein-Westfalen mit rund 23 % und das Saarland mit rund 21 % besonders hohe Siedlungsflächenanteile auf (siehe Abb. „Flächennutzung in den Bundesländern“).

Die zunehmende Flächennutzung für Gebäude und Verkehrswege hat viele negative Auswirkungen auf die Umwelt. Nennenswert ist der direkte Verlust der vorher meist landwirtschaftlich genutzten Böden. Hinzu kommt etwa der Material- und Energieaufwand für Bau und Erhalt neuer Gebäude, ein höherer Kraftstoffverbrauch mit einem höheren Ausstoß an Schadstoffen durch mehr Verkehr sowie mehr Lärm und die Zerschneidung und Verinselung der Lebensräume für die wildlebende Flora und Fauna.

Die Abbildung zeigt, wie in den 16 Bundesländern die Fläche genutzt wird. Die landwirtschaftliche Fläche dominiert etwa in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Viel Wald steht z.B. in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg
Flächennutzung in den Bundesländern
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF

Zunahme der Gewässerfläche in Deutschland

Der Anteil der Gewässer an der deutschen Gesamtfläche nahm vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2014 um 0,1 Prozentpunkte, das waren 392 Quadratkilometer (km²) zu. Der Grund für den Zuwachs lag vor allem im Abbau von Rohstoffen wie Kies, Sand oder Braunkohle mit anschließender Flutung der Abbauflächen, in deren Folge neue Seen entstanden.

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