Handlungsfeld Menschliche Gesundheit

Babyhand hält Finger eines Erwachsenen umklammertzum Vergrößern anklicken
Die menschliche Gesundheit kann durch den Klimawandel beeinträchtigt werden.
Quelle: Miss X/photocase.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

Vektorenübertragene Krankheiten

Insbesondere der langfristige Anstieg der Durchschnittstemperaturen in Deutschland wird Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Mit steigenden Temperaturen können sich zum Beispiel Krankheitsüberträger (Vektoren) neue Lebensräume erschließen und so das Verbreitungsgebiet der von ihnen übertragenen Krankheiten ausweiten. Das betrifft unter anderem Vektoren wie Stechmücken, Zecken oder Wanzen.

Vektoren reagieren in ihrer Entwicklung und Verbreitung unmittelbar auf Veränderungen der Temperatur, aber auch der Feuchtigkeit und anderer ökologischer Faktoren. In Deutschland begünstigen vor allem die allgemein ansteigenden Temperaturen die Vermehrung und Verbreitung von Vektoren. Milde Winter erhöhen die Überlebensrate vieler Krankheitsüberträger. Sie verursachen beschleunigte Generationenfolgen und verlängerte jährliche Aktivitätsperioden.

Auch Extremwetterereignisse können die Existenz von Vektoren beeinflussen. Die Überschwemmungen beim Elbe-Hochwasser 2002 boten beispielsweise ideale Bedingungen für Massenvermehrungen von Stechmücken.

Ein erhöhtes Gefahrenpotenzial könnte in Deutschland insbesondere von Hantaviren, Borrelien und FSME-Viren ausgehen. Hantaviren werden unter anderem von Nagetieren, oft durch Rötelmäuse, übertragen. Sie können zu Fieber führen und schlimmstenfalls Nierenversagen verursachen. Besonders verbreitet ist der Virus heute schon in der Schwäbischen Alb, im Bayerischen Wald, in Unterfranken und im Raum Osnabrück.

Die größte Gefahr geht in Deutschland jedoch von Borrelien oder Frühsommer-Meningoenzephalitis-Viren (FSME-Viren) aus. Sie werden durch Zecken übertragen. Die Lyme-Borreliose zählt zu den am häufigsten vektoriell auf den Menschen übertragenen Infektionserkrankungen in Deutschland. FSME-Risikogebiete sind zurzeit in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen ausgewiesen.

Mit dem Klimawandel steigt zudem das Risiko, dass in Deutschland neue gesundheitsgefährdende Tiere oder Pflanzen heimisch werden können, deren Verbreitung zuvor auf tropische und subtropische Regionen beschränkt war. Durch den zunehmenden globalen Warenhandel und Tourismus können gebietsfremde Erreger ungewollt von Menschen oder Tieren eingeschleppt werden, beispielsweise durch Tiertransporte, Futtermittel oder Saatgut. Die klimatischen Veränderungen, speziell die allgemeine Erwärmung, ermöglichen ein Vordringen nicht-heimischer Erreger in gemäßigte Klimazonen und ihr dortiges Überleben. Vor diesem Hintergrund können Krankheitserreger aus südlicheren Regionen, die bisher in Deutschland nur sporadisch festgestellt wurden, künftig vermehrt auftreten. In den besonders warmen Regionen Baden-Württembergs wurden bereits potente Überträger der Infektionskrankheit Leishmaniose nachgewiesen, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet die Tropen sind.

Asthma, Allergien, Sonnenbrand und Hautkrebs

Weitere gesundheitliche Risiken wie Asthma und Allergien treten durch veränderte Umweltbedingungen als Folge des Klimawandels auf. So wird die Pollensaison künftig früher beginnen und länger andauern. Eine Zunahme der CO2-Konzentration in der Luft kann die Pollenproduktion zusätzlich steigern. Für Personen mit Asthma und Heuschnupfen verlängert sich so die Beschwerdezeit. Die Häufigkeit von durch Pollen ausgelösten Allergien hat in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich zugenommen. Dazu tragen auch neu eingewanderte Pflanzen wie das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) bei, die unter den veränderten klimatischen Bedingungen gut gedeihen.

Mit der Zunahme heißer Tage erhöhen sich auch die Konzentrationen von Ozon und Feinstaub in der Luft. Zu den direkten gesundheitlichen Auswirkungen der gestiegenen Ozon-Konzentration zählen mitunter Schleimhautreizungen, Reaktionen der Atemwege wie eine Einschränkung der Lungenfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Beeinträchtigung der physischen Leistungsfähigkeit. Insbesondere zunehmende sommerliche Hochdruckwetterlagen könnten die Bildung von bodennahem Ozon begünstigen.

Durch sie intensiviert sich auch die Sonneneinstrahlung. Zu den Auswirkungen erhöhter UV-Strahlung gehören Sonnenbrand, Horn- und Bindehautentzündung sowie Hautkrebs. In Deutschland hat die UV-Strahlung im letzten Jahrzehnt allerdings nur gering zugenommen. In Zukunft ist hier mit einem weiteren leichten Anstieg zu rechnen.

Gesundheitliche Folgen von Extremwetterereignissen

Als Folge des Klimawandels ist ein Anstieg von Extrem-Wetterlagen in Deutschland zu erwarten. Extremwetterereignisse sind zum Beispiel Hitzewellen, Stürme, Hagelschläge, Starkniederschläge, Hochwasser, Lawinenabgänge oder Erdrutsche. Direkte Auswirkungen durch solche Wetterextreme können Krankheiten und Verletzungen sein, zum Teil sogar mit tödlichem Ausgang. Als sekundäre Folgen im Anschluss an Extremwetterereignisse können bei Betroffenen gesundheitliche Belastungen wie Stress, psychische Störungen, Angstzustände oder Depressionen auftreten, bedingt beispielsweise durch die Zerstörung von Eigentum oder gar der Lebensgrundlage.

Die Wirkung von Hitzewellen auf die menschliche Gesundheit hängt entscheidend von ihrer Intensität und Dauer ab. In Deutschland werden Hitzewellen als Folge des Klimawandels zukünftig häufiger auftreten und länger andauern. Sie können extremen Hitzestress beim Menschen auslösen, wenn über längere Zeit sehr hohe Temperaturen herrschen, nur geringe Luftbewegung stattfindet und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit besteht. Der Stress vermindert die körperliche Leistungsfähigkeit und wirkt sich so auch nachteilig auf die gesellschaftliche Produktivität in Industrie und Gewerbe aus.

Besonders das menschliche Herz-Kreislauf-System wird durch extrem hohe Temperaturen stark beansprucht. Betroffen vom Hitzestress sind vor allem ältere Menschen, da sich mit fortschreitendem Alter der Prozess zur Regulierung der Köpertemperatur verlangsamt und die Fähigkeit zur körperlichen Wärmeabgabe abnimmt. Mit dem demografischen Wandel steigt deshalb das Risikopotenzial in der Bevölkerung. Außerdem kann die Anpassungsfähigkeit des Körpers durch Vorerkrankungen wie Diabetes oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems sowie durch Medikamenteneinnahme und Drogenkonsum (Alkohol, Koffein etc.) beeinträchtigt werden.

Im Jahr 2003 führte die Hitzewelle in Deutschland zu etwa 7.000 zusätzlichen Todesfällen durch Herzinfarkt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenversagen sowie zu Atemwegsproblemen und Stoffwechselstörungen. Insgesamt wird für die EU-Staaten von einer Zunahme der Mortalität von einem bis vier Prozent pro Temperaturgradanstieg ausgegangen. Für Deutschland wird für die Jahre 2071 bis 2100 geschätzt, dass die hitzebedingten Todesfälle jährlich um 5.000 ansteigen. Die Wintermortalität und glättebedingte Verletzungen hingegen werden aufgrund milderer Winter voraussichtlich abnehmen. Große Hitzebelastungen sind insbesondere in städtischen Ballungszentren und im Oberrheingraben zu erwarten, also in Regionen, die ohnehin vergleichsweise warm sind.

Die Zunahme von Wetterextremen wie Starkregen, Überschwemmungen oder Trockenheit wird sich auch auf die Qualität und die Verfügbarkeit von (Trink-)Wasser auswirken. Milde Temperaturen, eine erhöhte Sonneneinstrahlung und höhere CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre begünstigen das Pflanzenwachstum und führen so beispielsweise zu einem Anstieg von Blaualgen (Cyanobakterien) in der Ostsee und in Binnenseen. Da bestimmte Blaualgen zahlreiche Giftstoffe produzieren, sinkt die Qualität betroffener Gewässer deutlich. Gesundheitliche Auswirkungen sind Hautirritationen oder Magen-Darm-Erkrankungen. Im Hitzesommer 2003 wurden an der Ostsee als Folge der vermehrten Blaualgenblüte zahlreiche Badestrände gesperrt.

Wenn Sie sich für mögliche Anpassungsmaßnahmen im Handlungsfeld Menschliche Gesundheit interessieren, klicken Sie bitte hier.

Quellen

Anpassung

Technische Maßnahmen

Technische Maßnahmen zur gesundheitlichen Anpassung an den Klimawandel betreffen vor allem die medizinische Forschung. Beim Monitoring von Krankheiten, die durch den Klimawandel beeinflusst werden, steht die Beobachtung von Krankheitserregern im Fokus, die bislang in Deutschland noch nicht heimisch waren, sich aber durch den Temperaturanstieg künftig ansiedeln könnten. Monitoring-Netzwerke, die bereits bestehen, wie die des Robert Koch-Instituts, sollten hierfür genutzt und ausgebaut werden.

Neben medizinischen Maßnahmen, beispielsweise Schutzimpfungen, können auch technische Schutzmaßnahmen die negativen Folgen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit mindern. Wärmeschutzisolierungen oder Jalousien können beispielsweise Hitzestress vermeiden. Besonders Gemeinschaftseinrichtungen, in denen sich Risikogruppen aufhalten, wie Krankenhäuser oder Alten- und Pflegeheime, sollten unter anderem auch durch technische Vorrichtungen geschützt werden.

Ökosystemare Maßnahmen

Um ökosystemare Maßnahmen für die gesundheitliche Anpassung an den Klimawandel zu realisieren, muss die Gesundheitsvorsorge mit der Bauplanung verknüpft werden: Grünanlagen mit ausreichend Bäumen, Innenhofgärten oder Dachbegrünungen sowie Frischluftschneisen sind vor allem in der städtischen Planung von großer gesundheitlicher Relevanz. Sie vermindern die Aufheizung der Städte und schützen die Bevölkerung so vor größerer Hitze. Stadtplaner und kommunale Behörden sollten daher der Versieglung von Siedlungs- und Verkehrsflächen möglichst entgegenwirken.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Aufklärungsmaßnahmen über die Folgen des Klimawandels und die dadurch entstehenden gesundheitlichen Risiken sind zentral für den Schutz der Bevölkerung. Nur so können Bürger gesundheitliche Gefahren abschätzen und entsprechend Vorsorge treffen. Interessierten werden beispielsweise Informationen zum Verhalten bei Hitzewellen vom Deutschen Wetterdienst (DWD), der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), dem Umweltbundesamt (UBA) sowie den zuständigen Landesämtern zur Verfügung gestellt.

Auch das medizinische Fach- und Pflegepersonal sollte gezielt geschult werden, um als Multiplikator den Informationsaustausch sowie eine stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung zu fördern.

Spezielle Frühwarnsysteme mit lokal angepassten Gegenmaßnahmen werden gegenwärtig bereits in einigen Städten eingeführt. Sie senden zeitlich und räumlich konkrete Warnungen aus. In Folge der Hitzewelle von 2003 hat zum Beispiel der DWD ein Hitzewarnsystem entwickelt. Dieses verfolgt das Ziel, rechtzeitig über erhöhte Wärmebelastungen zu informieren, damit Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens entsprechende Präventionsmaßnahmen ergreifen können. Neben den Gesundheitsbehörden der Bundesländer sollen zudem Alten- und Pflegeheime von den Warnsystemen profitieren. Bürger haben zudem die Möglichkeit, sich Informationen und Unwetterwarnungen vom DWD direkt auf das Handy senden zu lassen.

Darüber hinaus müssen auch die medizinische Vorsorge und Versorgung angepasst werden, um durch den Klimawandel hervorgerufene Gesundheitsprobleme in die Programme der öffentlichen Gesundheitspflege einzugliedern und Krankheitsüberträger langfristig einzudämmen (klimasichere Gesundheitsvorsorge). Entsprechende Impfungen sind hier mögliche Maßnahmen.

Wenn Sie sich für die konkreten Folgen des Klimawandels im Handlungsfeld Menschliche Gesundheit interessieren, klicken Sie bitte hier.

weiter im Artikel
Alle anzeigen