Abfallaufkommen

Das Netto-Abfallaufkommen sank zwischen den Jahren 2000 und 2015 um rund 14 Prozent. Das liegt neben statistischen Effekten hauptsächlich an der konjunkturell bedingten Abnahme der Bau- und Abbruchabfälle. Die Abfälle aus Haushalten nahmen zu. Der Großteil des anfallenden Abfalls wird verwertet.

Inhaltsverzeichnis

 

Deutschlands Abfall

Im Jahr 2015 betrug das Brutto-Abfallaufkommen in Deutschland 402,2 Millionen Tonnen (Mio. t). Das in diesem enthaltene Netto-Abfallaufkommen von 351,3 Mio. t sank im Vergleich zu 2000 um rund 14 Prozent. Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf die Abnahme der Bau- und Abbruchabfälle zurückzuführen (siehe Abb. und Tab. „Abfallaufkommen“).

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Bau-, Abbruch-, Gewerbe- und Bergbauabfälle

Bau- und Abbruchabfällen, Gewerbe- sowie Bergbauabfällen kommt beim Abfallaufkommen eine besondere Bedeutung zu (siehe Abb. und Tab. „Abfallaufkommen“).

  • Bau- und Abbruchabfälle: Der Abfallgruppe der „Bau- und Abbruchabfälle (einschließlich Straßenaufbruch)“ kommt eine Schlüsselrolle für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft zu. Sie machte im Jahr 2015 mit rund 209 Millionen Tonnen (Mio. t) den Großteil (52,0 Prozent) des Brutto-Abfallaufkommens aus. Den größten Anteil an dieser Abfallgruppe hat der Bodenaushub, der mit 85 Prozent (%) überwiegend verwertet wurde. Auch die restlichen mineralischen Bauabfälle wurden zu einem erheblichen Teil verwertet. Die Entwicklung der Bau- und Abbruchabfälle verlief weitgehend parallel zur konjunkturellen Entwicklung im Baugewerbe.
  • Gewerbeabfälle: Nach den Bauabfällen waren die „Übrigen Abfälle (insbesondere aus Produktion und Gewerbe)“ im Jahr 2015 die bedeutendste Abfallgruppe. Mit rund 59,2 Mio. t Abfällen stammten 14,7 % aller Abfälle aus dieser Abfallgruppe. Bis zum Jahr 2008 hieß diese Abfallgruppe noch „Abfälle aus Produktion und Gewerbe“.
  • Bergbauabfälle: Die Abfallgruppe „Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen“ machten im Jahr 2015 mit 31,4 Mio. t etwa 7,8 % des Abfallaufkommens aus. Diese Abfälle stammen überwiegend aus dem Steinkohlebergbau. Der größte Teil des Materials wurde auf Halden gelagert. Lediglich 2,0 % dieses Abfalls konnte verwertet werden. Bis zum Jahr 2008 hieß diese Abfallgruppe „Bergematerial aus dem Bergbau“.
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Siedlungsabfälle / Haushaltstypische Siedlungsabfälle

Bei einem relativ konstanten Anfall an Siedlungsabfällen von ca. 50 Millionen Tonnen (Mio. t) pro Jahr stieg das Aufkommen der haushaltstypischen Siedlungsabfälle (in der Abfallbilanz bis 2011 als „Haushaltsabfälle“ bezeichnet) von 37,6 Mio. t im Jahr 2000 auf 45,9 Mio. t im Jahr 2015 stark an. Pro Einwohner waren das im Jahr 2000 noch 458 kg, 2015 waren es 559 kg/Ew. Gleichzeitig stieg der verwertete Anteil. Wurden im Jahr 2000 nur etwa 51 % verwertet, waren es 2015 bereits 91 %, davon 68 % mit stofflicher Verwertung (Quelle: Abfallbilanzen des Statistischen Bundesamtes, siehe auch "Ablagerungsquoten der Hauptabfallströme", „Verwertungsquoten der wichtigsten Abfallarten“ und Abb. „Zusammensetzung der haushaltstypischen Siedlungsabfälle 2015“). 

In Deutschland fielen im Jahr 2015 circa 46 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle an. Hausmüll und ähnliche gewerbliche Abfälle stellten davon 30,8 %, Papier, Pappe, Kartonagen 17,6 % sowie Leichtverpackungen und Kunststoffe 13,0 %.
Zusammensetzung der haushaltstypischen Siedlungsabfälle 2015
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Über die Müllabfuhr gesammelte Abfälle

Über die öffentliche Müllabfuhr werden Restabfälle wie nicht gefährlicher Hausmüll und nicht gefährliche hausmüllähnliche Gewerbeabfälle sowie Sperrmüll eingesammelt. Die Menge dieser Abfälle lag im Jahr 2015 bei rund 188 kg/Ew, die zu rund 49 Prozent (%) beim Erstempfänger verwertet wurden. Im Jahr 2000 waren es hingegen mit 221 kg/EW noch deutlich mehr: Damit ging die Menge um 33 kg/Ew oder etwa 15 % zurück. Die übrigen getrennt eingesammelten Abfälle – das sind Abfälle aus der Biotonne, Garten- und Parkabfälle sowie Wertstoffe und andere getrennt gesammelte Fraktionen – machten im Jahr 2015 265 kg/Ew aus. Diese Abfälle wurden zu nahezu 100 % verwertet (Quelle: GENESIS-Online Datenbank, Ergebnis – 32121-0001, Tabelle).

 

Gefährliche Abfälle

Gefährliche Abfälle werden ab dem Jahr 1999 in der Abfallbilanz lediglich nachrichtlich als Summe ausgewiesen. Rund sechs Prozent (%) des Abfallaufkommens gehörten im Jahr 2015 diesem Abfallstrom an. Sie fielen vor allem in der Industrie und dem Baugewerbe an und gingen zu 67 % in die Verwertung.

 

Beseitigte Abfälle

Der nicht verwertbare Anteil des anfallenden Abfalls muss unter Vermeidung von Umweltschäden und Gesundheitsbeeinträchtigungen für die Bürger beseitigt werden. Vor der endgültigen Ablagerung sind organische Abfälle grundsätzlich mechanisch-biologisch oder thermisch zu behandeln. Damit sollen sie unschädlich gemacht (das heißt inertisiert) werden. Ziel ist es, aus Deponien weniger Sickerwässer und Deponiegas freizusetzen. Seit Mitte 2005 ist die Ablagerung (das heißt Deponierung) nicht vorbehandelter organischer Abfälle nicht mehr zulässig. Für Verbrennungsanlagen gelten strenge Standards zur Luftreinhaltung (siehe „Ablagerungsquoten der Hauptabfallströme“).

 

Abfallintensität

Die Abfallintensität ist ein Indikator für die Entkopplung des Abfallaufkommens von der Wirtschaftsleistung. Sie sank zwischen den Jahren 2000 und 2015 um 27 Prozentpunkte (siehe Abb. „Entkopplung des Abfallaufkommens von der Wirtschaftsleistung“).

Weitere Informationen gibt es aus der Abfallstatistik des Statistischen Bundesamtes.

Das Abfallaufkommen ist von der Wirtschaftsleistung weitgehend entkoppelt. Der Indikator dazu, die Abfallintensität, ist in Deutschland zwischen den Jahren 2000 bis 2015 um 27 % gesunken.
Entkopplung des Abfallaufkommens von der Wirtschaftsleistung, Abfallintensität
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Deutschlands Abfallbilanzen ab dem Jahr 2000

Bei der Interpretation der Daten zu den einzelnen Hauptabfallströmen ist zu beachten, dass die Abfallstatistik nicht auf eine unmittelbare Erfassung des Abfallaufkommens ausgerichtet ist. Erfasst werden seit dem Jahr 1996 in erster Linie die bei den Betreibern von Abfallentsorgungsanlagen jeweils eingesetzten Abfallmengen.

Das Statistische Bundesamt führte bis zum Jahr 2005 diese Abfallmengen mit Hilfe eines Rechenmodells zum Gesamtabfallaufkommen – der Abfallbilanz – zusammen. Das Bundesamt zog vom gesamten Input an Abfallentsorgungsanlagen den Output zur Abfallverwertung und Abfallbeseitigung im Inland ab. Fachleute sprechen hier vom Nettoprinzip. Dabei konnten Doppelzählungen nicht gänzlich vermieden werden.

Seit dem Jahr 2006 gilt daher das Bruttoprinzip. Das Statistische Bundesamt zieht seitdem Sekundärabfälle – also Abfälle, die bereits in anderen Abfallentsorgungsanlagen behandelt wurden – nicht mehr vom Input der Anlagen ab. Diese Sekundärabfälle (siehe Europäisches Abfallverzeichnis / EAV 19) werden nun getrennt ausgewiesen.

 

Geänderte statistische Erfassung

Die Abfallbilanzen sind über die Jahre nicht direkt vergleichbar, weil sich die Erfassung der Abfälle mehrfach änderte:

  • Ab 2002: Im Jahr 2002 löste das Europäische Abfallverzeichnis (EAV) den Europäischen Abfallkatalog (EAK) ab. Diese Änderung führte zu Verschiebungen innerhalb der Siedlungsabfälle sowie zwischen nicht gefährlichen und gefährlichen Abfällen. Die gefährlichen Abfälle werden im Gegensatz zu früheren Jahren ab 1999 als Bestandteil der im Folgenden dargestellten Abfallarten betrachtet. Sie werden lediglich nachrichtlich gesondert als Summe ausgewiesen.
  • Ab 2006: Ein weiterer Bruch in der Zeitreihe ist durch das ab dem Jahr 2006 auf die Abfallbilanz angewendete Bruttoprinzip entstanden. Mit den früheren Angaben annähernd vergleichbar ist ab 2006 das Nettoabfallaufkommen: Es enthält keine Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen.