Indikator: Gesundheitsrisiken durch Feinstaub

Ein Diagramm zeigt die Anzahl der vorzeitigen Todesfälle durch von Feinstaub ausgelöste Erkrankungen. Dabei wird zwischen kardiopulmonalen und Lungenkrebs-Erkrankungen unterschieden. Die Zahl ging zwischen 2007 und 2014 zurück.zum Vergrößern anklicken
Vorzeitige Sterbefälle durch von Feinstaub verursachte Erkrankungen
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • 2014 gab es 41.100 vorzeitige Todesfälle in Deutschland, die auf die Feinstaub-Belastung der Luft zurückgeführt werden können.
  • Die Gesundheitsrisiken sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Dennoch sind die Risiken durch Feinstaub noch immer zu hoch.
  • Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die Freisetzung von Feinstaub weiter zu verringern.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Als Feinstaub werden feste und flüssige Partikel bezeichnet. Die dem Indikator zugrundeliegende Feinstaubfraktion ist PM10, also kleine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometern (µm). Feinstaub hat auch natürliche Quellen. Insbesondere in Ballungsräumen wird Feinstaub aber vor allem durch Verbrennungsanlagen und Fahrzeuge freigesetzt. Ferner trägt die Landwirtschaft zur Feinstaubbelastung der Luft bei. Sogenannter „sekundärer“ Feinstaub entsteht darüber hinaus aus „Vorläufergasen“ wie Stickoxiden, Ammoniak und Schwefel.

Feinstaub in der Atemluft ist gesundheitsschädlich. Die gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub reichen von Schleimhautreizungen, Entzündungen der Atemwege, erhöhter Thromboseneigung bis hin zu Veränderungen der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems. Sehr feine Staubpartikel mit einem Durchmesser von unter 2,5 µm (PM2,5) stellen ein besonderes Gesundheitsrisiko dar, da sie tief in die Bronchien oder sogar bis in die Blutbahn eindringen. Insgesamt sind Herz-Lungen-Krankheiten und insbesondere Lungenkrebs die bisher bekanntesten Gesundheitsrisiken, die durch Feinstaubbelastung verursacht werden können.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Für das Jahr 2007 waren nach Berechnungen des Umweltbundesamtes rund 51.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf- und Lungenkrebserkrankungen auf die Feinstaubbelastung der Bevölkerung im ländlichen und urbanen Raum zurückzuführen. Für das Jahr 2014 lag die Zahl für diese beiden Erkrankungen bei immerhin noch rund 41.100. Dies entspricht einem jährlichen Lebenszeitverlust von etwa 5,5 Jahren pro 1.000 Einwohner. Diese Entwicklung geht einher mit dem Rückgang der Belastung durch Feinstaub (siehe Indikator „Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub“).

Die Freisetzung von Luftschadstoffen wird durch verschiedene internationale Vereinbarungen reglementiert, insbesondere das Göteborg-Protokoll sowie die Luftreinhalte-Politik der EU. Diese Abkommen verpflichten Deutschland, die Freisetzung von sehr feinem Feinstaub (PM2,5) bis 2020 um 26 % und bis 2030 um 43 % unter den Wert von 2005 zu senken (siehe Indikator „Emission von Luftschadstoffen“). Auch verschiedene Vorläufersubstanzen sind durch diese Regelungen betroffen. Diese Ziele zu erreichen ist eine große Herausforderung für die deutsche Umweltpolitik.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Die Schätzung des Gesundheitsrisikos basiert auf der mittleren jährlichen bevölkerungsgewichteten Feinstaub-Konzentration (PM10, siehe Indikator „Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub“). Diese Daten fließen in Berechnungen auf Basis der EBD-(„Environmental Burden of Disease“-)Methode ein. Dabei werden Sterbefalldaten insgesamt und für die betrachteten Erkrankungen, die Lebenserwartung sowie Populationsdaten (Zusammensetzung der Bevölkerung nach Alter und Geschlecht) aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes verwendet. Methodische Details finden sich bei Kallweit et al. (2013).

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel "Gesundheitsrisiken der Bevölkerung in Deutschland durch Feinstaub"