Faktor X

"Faktor X" steht für eine intelligente, effiziente und umweltschonende Nutzung von natürlichen Ressourcen (Rohstoffe, Wasser, Land). Mehr Wohlstand kann mit weniger Natur geschaffen werden. Die Steigerung der Ressourceneffizienz um einen Faktor X ist Kernelement einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung.

Natürliche Ressourcen umweltschonend nutzen

Die immer intensivere Nutzung natürlicher Ressourcen durch den Menschen führt zu einer Überschreitung der Belastungsgrenzen der Ökosysteme und zu einer Verschärfung der globalen Umweltprobleme. In den letzten 30 Jahren hat sich die weltweite Rohstoffentnahme auf rund 70 Milliarden Tonnen pro Jahr verdoppelt. Schon heute übersteigt dies die Regenerationsfähigkeit der Erde deutlich und gefährdet die Entwicklungsmöglichkeiten zukünftiger Generationen.

Die Idee Faktor X

Natürliche Ressourcen müssen um einen „Faktor X“ intelligenter und effizienter genutzt werden. Aus einer Tonne Rohstoff kann X-mal mehr Nutzen und somit Wohlstand gewonnen werden. Ob um den Faktor 4 (= 75-prozentige Steigerung), Faktor 10 (90%) oder mehr – die Ressourceneffizienz muss drastisch gesteigert werden. Die Bezeichnung Faktor X weist darauf hin, dass es in vielen Bereichen der Produktion und des Konsums enorme, bisher aber weitestgehend ungenutzte und zum Teil auch noch nicht ausreichend bekannte Potenziale für Ressourceneffizienz gibt. Um ein Ziel wie Faktor X zu erreichen, müssen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Ökonominnen, Ökonomen, Politikerinnen, Politiker, Produktdesignerinnen, Produktdesigner, Verbraucherinnen, Verbraucher und Dienstleisterinnen und Dienstleister kreativ und engagiert zusammenwirken. Die Wirtschaft muss mit Ressourcen schonender arbeiten, das Angebot an und die Nachfrage nach ressourceneffizienten Produkten und Dienstleistungen müssen steigen.

Natürliche Ressourcen intelligent, effizient und umweltschonend nutzen

Die Schonung und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen (Rohstoffe, Wasser, Land) ist seit vielen Jahren ein Schwerpunktthema des Umweltbundesamtes. Ziel ist die absolute Senkung des weltweiten Ressourcenverbrauchs. Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sieht bis 2020 vor, die Rohstoffproduktivität im Vergleich zum Referenzwert von 1994 zu verdoppeln. Das Bundeskabinett hat dazu am 29. Februar 2012 das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) beschlossen. Damit hat die Bundesregierung als eines der ersten europäischen Länder ein umfassendes strategisches Konzept zur Steigerung der Ressourceneffizienz erarbeitet.

Der Begriff „Faktor X“

Der Begriff „Faktor X“ geht auf den von Friedrich Schmidt-Bleek entwickelten „Faktor 10“ zurück. Schmidt-Bleek forderte bereits Anfang der 1990er-Jahre, dass die Industrienationen ihren Ressourcenverbrauch innerhalb von 50 Jahren um den Faktor 10 oder 90 Prozent reduzieren müssten. Nur so könne eine global nachhaltige Entwicklung für die Menschheit erreicht werden. Ernst-Ulrich von Weizsäcker stellte 1995 fest, dass ein Faktor 4 zu einem doppelten Wohlstand und einem halbierten Naturverbrauch führen kann. 2010 formulierte von Weizsäcker den Faktor 5.

Kurzfilm FLOW – die Zukunft gestalten

Der zehnminütige Kurzfilm FLOW (abspielbar weiter unten), den das sustainable design center im Auftrag des Umweltbundesamtes im Rahmen der Kampagne „Faktor X: Beyond Climate Change“ produziert hat, beleuchtet die Verschwendung unserer natürlichen Ressourcen. Er reflektiert mit eindrücklicher Bildsprache unseren konsumorientierten Lebensstil und illustriert die Zusammenhänge globaler Stoffströme. Zahlen und Fakten mahnen den Zuschauer und die Zuschauerin zur Verantwortung ohne zu demotivieren. Der Film endet mit einer Kamerafahrt durch eine Stadt von morgen mit vielen Beispielen und Ansätzen nachhaltiger, ressourceneffizienter Gestaltung.

Literatur

  • Michael Angrick, Andreas Burger, Harry Lehmann: Factor X. Re-source – Designing the Recycling Society. Eco-efficiency in Industry and Science (30), Springer, 2013.
  • Michael Angrick, Andreas Burger, Harry Lehmann: Policy, Strategies and Instruments for a Sustainable Resource Use. Eco-efficiency in Industry and Science (29), Springer, 2014.
  • Friedrich Schmidt-Bleek: Wie viel Umwelt braucht der Mensch? MIPS - Das Maß für ökologisches Wirtschaften, Birkhäuser, 1993.
  • Friedrich Schmidt-Bleek (mit Willy Bierter): Das MIPS Konzept. Weniger Naturverbrauch – mehr Lebensqualität durch den Faktor 10. , Droemer, 1998.
  • Ernst-Ulrich von Weizsäcker et al.: Faktor vier. Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch, Droemer Knaur, 1995.
  • Ernst-Ulrich von Weizsäcker et al.: Faktor fünf. Die Formel für nachhaltiges Wachstum, Droemer, 2010.
Quelle: sustainable design center

FLOW - Wie wollen wir die Zukunft gestalten?