Glas und Altglas

Altglas kann mehrfach eingeschmolzen und zur Herstellung neuer Glasprodukte genutzt werden. Solch eine erneute stoffliche Nutzung ist umweltverträglich und kann viel Energie und viele Rohstoffe einsparen, wenn die verschiedenen Glasprodukte wie Flaschen und Fenstergläser an ihrem Lebensende dem richtigen Entsorgungsweg zugeführt werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Massenprodukt Glas

In Deutschland stellten Glashersteller 2016 rund 7,471 Millionen Tonnen (Mio. t) Glas her. Aus 3,960 Mio. t davon wurde Behälterglas gefertigt, aus 2,116 Mio. t Flachglas. Aus rund 392.500 Tonnen (t) entstanden spezielle Gläser für Haushalte, Forschung und Wirtschaft. Der folgende Text beschreibt die Sammlung und Verwertung dieser Gläser. Zusätzlich gibt es Produzenten von Mineralwollen, die rund 1 Mio. t Glas- und Steinwolle herstellen, die als Dämmmaterial eingesetzt wurden (siehe Abb. „Glasproduktion im Jahr 2016 und die Anteile der einzelnen Glasbranchen“).

Im Jahr 2016 wurden 7,471 Millionen Tonnen Glas in Deutschland produziert. Davon fielen 53 Prozent auf Behälterglas, 28,3 Prozent auf Flachglas, 5,3 Prozent auf Spezialgläser und 13,4 Prozent auf Glas- und Steinwolle.
Glasproduktion im Jahr 2016 und die Anteile der einzelnen Glasbranchen
Quelle: Bundesverband Glasindustrie Diagramm als PDF
 

Glas: gut recycelbar!

Glas lässt sich unendlich oft wieder einschmelzen. Es kann beliebig oft in den Schmelzprozess zurückgeführt und zu neuen Produkten verarbeitet werden. Da recyceltes Glas bei niedrigeren Temperaturen als die zur Glasherstellung erforderlichen Rohstoffe schmilzt, sinkt der Energiebedarf, wenn Glasscherben zugesetzt werden. Über den Daumen lässt sich sagen, dass der Energiebedarf um etwa 0,2 bis 0,3 Prozent (%) sinkt, wird ein Prozent Altglas dem Schmelzofen hinzugefügt. Einschmelzen von Altglas schützt so das Klima und spart Rohstoffe wie Quarzsand, Soda und Kalk ein. Das trägt ebenfalls zur Verringerung der dem Herstellungsprozess anrechenbaren Umweltbelastungen bei. Weiterhin braucht eingeschmolzenes Altglas nicht deponiert zu werden.

Glashersteller setzen Scherben, die als Ausschuss bei der Produktion anfallen, wieder ein. Der Einsatz von Altglas hängt aber von den herstellungsspezifischen Anforderungen an den Reinheitsgrad der Scherben ab. So kann gefärbtes Glas nicht zur Herstellung von Weißglas genutzt werden und Keramikscherben oder Steine stören den Produktionsprozess.

Im Jahr 2008 haben Glashersteller in Glaswannen durchschnittlich 62,7 % Scherben eingesetzt. Im Jahr 2006 sind es bei der Produktion von Braunglas im Schnitt 40 % Altglas gewesen, bei Weißglas 57 % und bei Grünglas 63 %. Die Spitzenwerte liegen bei einzelnen Schmelzwannen bei rund 70 % (Weißglas und Braunglas) oder etwa 90 % (Grünglas).

 

Altglassammlung mit Tradition

Für Behälterglas wurde bereits im Jahr 1974 ein flächendeckendes Sammelsystem eingerichtet. Meist werden Bringcontainersysteme zur getrennten Erfassung von Weiß-, Braun- und Grünglas eingesetzt. Über 250 000 solcher Altglascontainer sind bundesweit im Einsatz.

Die Aufbereitung des gesammelten Behälterglases erfolgt zwar weitestgehend vollautomatisch. Die Farbsortierung erfordert jedoch aus technischen und ökonomischen Gründen eine nach Farben getrennte Sammlung der Glasbehälter. So ist die Sortenreinheit der gesammelten Glasmengen eine Voraussetzung für die Rückführung von Behälterglasscherben in den Schmelzprozess zur Herstellung neuer Flaschen und Gläser.

Im Jahr 2006 erreichte die Behälterglasverwertung eine Quote von 83,6 %. Bis zu diesem Jahr hat die Gesellschaft für Glasrecycling und Abfallvermeidung mbH (GGA) die entsprechenden Daten zur Verfügung gestellt. Nach dem kartellrechtlichen Verbot dieser Organisation fehlen verlässliche Daten über das Aufkommen von Behälterglasscherben. Zahlen müssen nunmehr aus den entsprechenden Abfallstatistiken sowie den jährlichen Erhebungen zum Aufkommen und zur Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland (siehe auch „Verpackungsabfälle“) entnommen werden. Diese Veröffentlichung weist für das Jahr 2014 eine Verwertungsquote von 89,0 % für auf den Markt gebrachte Behältergläser aus (siehe Abb. „Verwertung von Glas aus gebrauchten Verpackungen“).

Generell ist eine Vorsortierung beim Verbraucher unbedingt erforderlich. Fensterglas, Autoglas, Kristallglas und feuerfeste Gläser wie Laborglas, Ceran®, Pyrex® lassen sich bei der Altglasaufbereitung nur schwer aussortieren und können zu hohen Produktionsausfällen oder zur Anreicherung von Schwermetallen im Behälterglaskreislauf führen, zum Beispiel durch Bleikristallglasscherben. Deshalb dürfen diese Gläser nicht in Altglasbehältern entsorgt werden.

Zwischen 2007 und 2014 stieg die Verwertungsquote von Glas aus gebrauchten Verpackungen von 83,7 auf 89 Prozent.
Verwertung von Glas aus gebrauchten Verpackungen
Quelle: Gesellschaft für Glasrecycling und Abfallvermeidung mbH Diagramm als PDF
 

Stoffliche Verwertung von Behälterglas

In der Behälterglasindustrie stellt Altglas mittlerweile die wichtigste Rohstoffkomponente dar. Eine Tonne Altglas darf jedoch nicht mehr als 25 g an Keramik, Steinen und Porzellan (KSP-Fraktion) enthalten und maximal 5 g an Nichteisenmetallen wie Aluminium. Zudem sind Grenzwerte für Eisenmetalle und für organische Bestandteile wie Kunststoffe und Papier zu unterschreiten.

Besonders wichtig ist die Farbreinheit der Altglasscherben. Um weißes Behälterglas herzustellen, ist bei einer Altglasscherbenzugabe von 50 % eine Farbreinheit von 99,7 % erforderlich. Der Fehlfarbenanteil im Braunglas darf die 8 %-Marke nicht überschreiten. Lediglich grünes Glas lässt einen Fehlfarbenanteil von bis zu 15 % zu.

 

Stoffliche Verwertung von Flachglas

Für Flachglasprodukte wie Fensterglas und andere Baugläser gelten besondere Qualitätsanforderungen wie Farbreinheit und Blasenfreiheit. Die Flachglasindustrie setzt daher überwiegend sortenreine Glasscherben aus weiterverarbeitenden Betrieben und Eigenscherben ein. In den letzten Jahren wurden die Sammelsysteme zur Erfassung möglichst sortenreiner und fremdstoffarmer Flachglasprodukte im weiterverarbeitenden Gewerbe ausgebaut. Altglas, das nicht den vorgegebenen Anforderungen an den Reinheitsgrad entspricht, muss aufbereitet werden. Hierfür stehen in Deutschland derzeit zehn Aufbereitungsanlagen zur Verfügung.

Altglasfraktionen, die sich aus Qualitätsgründen nicht für die Herstellung neuer Flachgläser eignen, können in geringem Umfang bei der Herstellung von Behälterglas eingesetzt werden, aber auch bei der Herstellung von Dämmwolle, Schmirgelpapier, Schaumglas und Glasbausteinen.

 

Autoscheiben werden geschreddert

Demontagebetriebe für Altfahrzeuge müssen Front-, Heck- und Seitenscheiben sowie Glasdächer von Altfahrzeugen ausbauen und dem Recycling zuführen. Das schreibt die Altfahrzeugverordnung vor. Im Jahr 2014 fielen in Deutschland 512.163 Altfahrzeuge an. Sie enthielten im Schnitt etwa 30 Kilogramm (kg) Fahrzeugglas je Altfahrzeug, insgesamt rund 15.000 Tonnen (t). Aufgrund behördlicher Ausnahmen von der Demontagepflicht haben die Altfahrzeugverwerter nach Angaben des Statistischen Bundesamtes davon nur etwa 8 Prozent (%) – also 1.191 t – demontiert. Der überwiegende Anteil der Fahrzeugscheiben und Glasdächer gelangt mit den Altfahrzeugen in Schredderanlagen. Die dabei anfallenden nichtmetallischen mineralischen Rückstände wurden im Jahr 2014 überwiegend verwertet etwa als Bergversatz oder im Deponiebau und teilweise beseitigt.

Über die Ersatzverglasung, also den Anfall von Fahrzeugglas durch Scheibenwechsel, liegen ältere Daten vor: Im Jahr 2005 wurden in Deutschland 2,54 Millionen Scheiben an PKWs und Kombis ersetzt. Geht man von einem durchschnittlichen Gewicht einer Windschutzscheibe von ca. 10 kg aus, so bedeutet dies einen Anfall von 25.000 t an Verbundsicherheitsglas (VSG). Hinzu kommt noch eine unbekannte Menge aus der Ersatzverglasung von Nutzfahrzeugen. Etwa 90 % der Altgläser aus der Ersatzverglasung werden einer Verwertung zugeführt.

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 Altglas  Behälterglas  Flachglas  Verwertungsquote  Altautoverwertung