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Letzte Änderung: 13.07.2011
„Man stelle sich ein Land vor, so groß wie Australien und Europa zusammen. Sonniger als Kalifornien und doch kälter als das Gefrierfach eines Kühlschranks. Trockener als Arabien und höher als die bergige Schweiz. Leerer als die Sahara. Es gibt nur einen Ort auf der Welt, auf den diese Beschreibung zutrifft. Die Antarktis – dieser fremde, aber wunderschöne Kontinent im untersten Teil der Erde.”
J. M. DUKERT
zitiert nach WALTHER, C.
(2004):
Antarktis – Ein Reise-, Lese- und Informationsbuch über den Kontinent
am Südpol

Foto: F. HertelDie Antarktis ist ein vom Menschen noch weitgehend unbeeinflusstes
natürliches Ökosystem von großem wissenschaftlichem und ästhetischem Wert. Die Staaten,
die den Antarktis-Vertrag unterzeichnet haben, verpflichteten sich, die ursprünglichen Lebensgemeinschaften, die
Atmosphäre sowie die Land-, Wasser-, Gletscher- und Meeresumwelt der Antarktis
als ein gemeinsames Erbe der Menschheit zu schützen und zu bewahren. Die
Antarktis hat nicht nur gravierenden Einfluss auf das Weltklimageschehen,
sondern dokumentiert wichtige Stufen der Erdgeschichte und repräsentiert
bedeutende geologische und biologisch-evolutive Prozesse. In jüngerer Zeit
spiegelt die Antarktis auch anthropogene (von Menschen verursachte) Veränderungen
wider.
Der Antarktisvertrag definiert das gesamte Gebiet südlich 60° südlicher Breite als Antarktis, d.h. den Kontinent, die Inseln, die Schelfeisflächen und den Ozean. Der Kontinent allein umfasst eine Fläche von rund 13,5 Mio. km² und ist damit 37mal so groß wie Deutschland oder anderthalb mal so groß wie Europa. 98% des antarktischen Kontinents sind mit Eis bedeckt, das durchschnittlich 2,3 km dick ist. Das Transantarktische Gebirge trennt den halbkreisförmigen ostantarktischen Schild von der Westantarktis mit der antarktischen Halbinsel. Es erstreckt sich von Victorialand am Rossmeer bis Coats Land am Weddellmeer und ist mit einer Länge von 3.500 km die fünftlängste Gebirgskette der Erde. Die Westantarktis ist von Bergmassiven und ebenen Eisflächen mit mittleren Höhen um 2.500 m geprägt. Die Ostantarktis, etwa doppelt so groß wie die Westantarktis, wird von einem großen eisbedeckten Hochplateau mit Gipfelhöhen bis zu 4.500 m eingenommen. Die stellenweise mehr als 4000 m dicke Inlandeisdecke macht die Antarktis zum höchsten Kontinent der Erde. 70-80% des Süßwassers der Erde sind hier als Eis gebunden (größtes Süßwasserreservoir). Ein Abschmelzen der Eiskappe würde den Meeresspiegel um bis zu 60 m ansteigen lassen, was zur Überschwemmung zahlreicher dicht besiedelter Küstenregionen, Inseln und von weiten Landstrichen führen würde.
Die höchste Erhebung der Antarktis ist der Mount Vinson im Ellsworth-Gebirge (4.897 m); der tiefste Punkt liegt im Bentleygraben (2.538 m unter dem Meeresspiegel). In der Antarktis gibt es vulkanisch aktive Gebiete, z.B. Deception Island (vom Meer überflutete Caldera) oder der Vulkan Mount Erebus (3.794 m) auf der Ross-Insel.
Der antarktische Kontinent hat eine Küstenlinie von 32.000 km. Er ist von einem Ringozean umgeben. Dieses Südpolarmeer wird von einem zirkumpolaren Strom beherrscht. Zwischen 40° und 60° südlicher Breite bildet dieser eine Front aus, entlang der das wärmere Meerwasser aus den nördlich gelegenen gemäßigten Breiten auf die kalten Wassermassen des Südpolarmeers trifft.
Der Kontinent Antarktis war Teil des Urkontinents Pangäa. Dieser Urkontinent zerbrach vor mehr als 200 Mio. Jahren in einen nördlichen Teil (Laurasia) und einen südlichen Teil (Gondwana). Nach der Theorie der Kontinentalverschiebung (Alfred Wegener, 1912) sind Laurasia und Gondwana seit dem Mesozoikum nach und nach in die heutigen Kontinente zerbrochen. Angetrieben von Konvektionsströmen im Erdinneren bewegen sich die Kontinentalplatten weiterhin mit wenigen Zentimetern pro Jahr. Infolge dieser Kontinentaldrift schob sich die Antarktis auf ihre heutige Position am Südpol.
Die Antarktis besteht aus zwei geologisch sehr unterschiedlichen Einheiten. Die Ostantarktis bildet ein zusammenhängendes Gebiet unter dem Eis. Das Grundgebirge besteht aus bis zu 3,8 Mrd. Jahren alten Gneisen, die von jüngeren vulkanischen Gesteinen und Sedimenten überdeckt sind.
Die Westantarktis ist ein unter dem Eis liegender Inselarchipel. Diese Erkenntnisse gehen auf moderne Messverfahren zurück, die einen „Blick unter das Eis” ermöglichen, wie Radar- und Satellitenerkundung sowie seismische Untersuchungen. Das Transantarktische Gebirge trennt die beiden Gebiete voneinander. Es zieht sich quer über den Kontinent und bildet ein tektonisch aktives Gebiet. Am Rande dieses Gebirges findet sich der südlichste aktive Vulkan der Welt, der Mount Erebus (3.794 m).
Die sehr niedrigen Temperaturen in der Antarktis gehen im Wesentlichen auf den geringen Eintrag von Strahlungsenergie zurück, weil das Sonnenlicht mit einem sehr flachen Winkel (Sommer) oder gar nicht einfällt (Winter). Im Südsommer (Winterzeit auf der Nordhalbkugel) ist der Südpol zur Sonne geneigt und es herrscht 24 Stunden lang Tag. Jedoch wegen der Schiefe der Ekliptik, also der Neigung der Erdachse von 23,5° zur Ebene ihrer Umlaufbahn um die Sonne, treffen die Sonnenstrahlen selbst im Südsommer nur sehr flach auf die Oberfläche der Antarktis. Zusätzlich besitzt der Schnee ein starkes Reflektionsvermögen, so dass die Sonnenenergie zum größten Teil gar nicht aufgenommen wird und die Wärmeabstrahlung größer als die Sonneneinstrahlung ist (negative Strahlungsbilanz der Antarktis). Selbst im Südsommer bei ganztägiger Sonneneinstrahlung erwärmt sich die Antarktis nicht nennenswert. Im Südwinter (Nordsommer) herrscht am Südpol wegen der Neigung der Erdachse von der Sonne weg 24 Stunden lang Nacht, so dass keine Sonnenstrahlung den Kontinent erwärmt.
In den Küstengebieten der westlichen Antarktis herrscht ein eher ozeanisches, in der zentralen östlichen Antarktis ein eher kontinentales Klima. Allgemein nimmt die Temperatur von den Küsten zum Landesinneren ab, weil sich die Küsten unter dem Einfluss des Meeres nicht so stark abkühlen. Die mittlere Wintertemperatur beträgt an den Küsten -20 bis -30°C. Im Landesinneren liegen die Temperaturen im Winter mit -60° bis -70°C deutlich darunter und machen die Antarktis zum kältesten Kontinent der Erde. Die tiefste Temperatur wurde im Jahre 1983 an der russischen Forschungsstation Vostok im Osten der Antarktis gemessen, sie betrug -89,6°C. Im Sommer steigen die Temperaturen an den Küsten durchschnittlich auf -25 bis 0°C und im Landesinneren auf durchschnittlich -40°C. Nur einige Gebiete der Antarktischen Halbinsel, auf der wie an kaum einer Stelle der Welt ein so großer Anstieg der Jahresmitteltemperaturen zu verzeichnen ist, erreichen im Sommer regelmäßig Temperaturen über dem Gefrierpunkt. So geben Temperaturdaten des „Oak Ridge National Laboratory” von Forschungsstationen auf der Antarktischen Halbinsel eine Erhöhung der Jahresmittelwerte von bis zu 2 °C in den letzten 50 Jahren an.
In der Antarktis herrschen starke Winde vor. Sie entstehen durch warme, in der Höhe einströmende Luftmassen, welche ein Hochdruckgebiet mit einem stabilen Schönwetterzentrum über dem Zentralplateau bilden. Diese Luftmassen kühlen sich ab, sinken nach unten und fließen zu den Küsten hin ab (Fallwinde). Diese katabatischen Winde spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Küstenpolynas, der Meereisbildung und damit der Entstehung von antarktischem Bodenwasser. Das Phänomen ist besonders ausgeprägt vor den großen Schelfeisflächen im Rossmeer und im Weddelmeer zu beobachten. Vor allem in den östlichen Gebieten herrschen sehr hohe Windgeschwindigkeiten vor. Die Sturmregion des King-George-Victoria-Landes verzeichnet im Jahr 340 Sturmtage mit Windgeschwindigkeiten bis über 300 km/h.
Der Niederschlag in der Antarktis fällt ausschließlich als Schnee und überwiegend in den Wintermonaten. Im Einflussbereich des Hochdruckgebietes im Inneren der Antarktis entsteht Niederschlag ausschließlich durch das Abkühlen der absinkenden Höhenluft. Mit weniger als 50 mm pro Jahr sind die Niederschläge in der Zentralantarktis sehr gering und machen sie zu einer trockenen Eiswüste. Vom Landesinneren zu den Küstenregionen nehmen die Niederschläge zu, an den Küsten betragen sie etwa 600 mm pro Jahr. Auf den vorgelagerten Inseln kann der durchschnittliche Jahresniederschlag bis zu 1000 mm betragen.
Die extremen Bedingungen beschränken das terrestrische Pflanzenwachstum in der Antarktis auf die eisfreien Gebiete mit einem geringen Artenreichtum an Pflanzen. So kommen die einzigen zwei Arten von Blütenpflanzen: das Gras „Antarktische Schmiele” (Deschampsia antarctica) und der kleine Doldenblütler ”Antarktischer Perlwurz” (Colobanthus crassifolius) überwiegend auf der Antarktischen Halbinsel vor.

Foto: O. Mustafa Den überwiegenden Teil der Vegetation bilden blütenlose Pflanzen, wie Flechten, Moose, Algen und Pilze, von denen über tausend Arten bekannt sind. Diese Arten und ihre
Lebensgemeinschaften haben sich hervorragend an die außergewöhnlichen
Bedingungen angepasst, wie tiefe Temperaturen, wenig Licht und Wasser, wenig
Nährstoffe. Die Flechten, eine Vergesellschaftung von niederen Pilzen und Algen
(Symbiose), stellen die bedeutendste Pflanzengruppe mit der größten Verbreitung
(über 750 Arten in der Antarktis) dar. Als Untergrund bevorzugen sie Gestein,
wie Felsflächen, Schutt oder Geröll. Flechten haben sich an die Bedingungen der
Antarktis sehr gut angepasst, einige Arten können noch bei Temperaturen unter
-10°C Photosynthese betreiben. Die günstigsten Standorte für Flechten befinden
sich in der maritimen Westantarktis mit ihrem ausreichenden Feuchteangebot.
Die Zahl antarktischer Tierarten ist relativ gering. Der Lebensraum aller höheren Tiere ist auf die Küstengebiete und das Meer begrenzt, da sie auf Nahrung aus dem Meer angewiesen sind. Das wohl wichtigste Glied im Nahrungsnetz der Antarktis bildet der Antarktische Krill (Euphausia superba), ein 4-6 cm langer garnelenartiger Krebs. Er ernährt sich hauptsächlich von planktischen Kieselalgen. Mit einem geschätzten Gesamtvorkommen von 1 Mrd. Tonnen in der Antarktis stellt der Krill das größte Nahrungspotential für Tintenfische, Knochenfische, Pinguine und andere Seevögel, Robben und Wale dar.


Die nicht von Eis bedeckten Landgebiete der Antarktis sind lediglich von sehr kleinen niederen Tieren dauerhaft besiedelt, wie Milben (Spinnentiere) oder Springschwänze (Collembolen, eine urtümliche Insektengruppe). Eine Besonderheit auf der Antarktischen Halbinsel ist das Vorkommen der flügellosen Mückenart Belgica antarctica (12 mm lang).
Von den
Säugetieren sind nur die beiden im Meer lebenden Gruppen, Robben und Wale
(„Meeressäuger”), in der Antarktis vertreten. Sechs Robbenarten kommen vor:
die Krabbenfresserrobbe (Lobodon carcinophagus), der Südliche
See-Elefant (Mirounga leonina), die Weddellrobbe (Leptonychotes
weddelli), die Ross-Robbe (Ommatophoca rossii), die Pelzrobbe (Arctocephalus spec.) und der Seeleopard
(Hydrurga leptonyx). 
Weddellrobbe, Foto: W. DinterDie Zahl der Robben liegt in der Antarktis weit
höher als in der Arktis. So wird alleine die Weltpopulation der antarktischen Krabbenfresserrobbe auf etwa 11-12 Mio. Tiere geschätzt.
Dieser enorme Individuenreichtum der Robben, wie auch vieler anderer Arten, ist wesentlich auf das massenhafte Vorkommen des antarktischen Krills zurückzuführen.
Von den weltweit etwa 80 Walarten sind 15 Arten wenigstens zeitweise in der Antarktis zu finden; darunter fallen fünf Bartenwalarten: der Blauwal als größtes Säugetier der Erde, der Finnwal als zweitgrößtes Säugetier, der Seiwal, der Buckelwal sowie der Mink- oder Zwergwal, sowie zehn Zahnwalarten, wie zum Beispiel der Schwertwal, der Pottwal oder die sogenannten Entenwale. Der zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzende Wal- und Robbenfang hat die Populationen stark reduziert. Trotz eines generellen Fangverbots für Wale und Robben ist es noch nicht gelungen, die Jagd auf diese Meeressäuger vollständig zu unterbinden.Gegenwärtig stellt der drastisch zunehmende Tourismus in der Antarktis eine neue Gefahr für die Tiere und ihren natürlichen Lebensraum dar. Sich nähernde Menschen können z.B. bei Muttertieren Stress hervorrufen, auf diese Weise die Milchproduktion oder das Säugen stören und sich so lebensbedrohend auf die Jungen auswirken. Schon die bloße Anwesenheit eines Menschen kann dazu führen, dass Tiere sich gestört, verängstigt oder bedroht fühlen. Aus diesen Gründen sollte bei der Beobachtung von Tieren ein großzügiger Sicherheitsabstand eingehalten werden, um sie nicht aus ihrer natürlichen Umgebung zu vertreiben. Genaue Verhaltensregeln und präzise Angaben zu den einzuhaltenden Abständen finden Sie im Leitfaden für Besucher der Antarktis.
Die wichtigste menschliche Aktivität in der Antarktis ist die Forschung. Sie konzentriert sich gegenwärtig auf aktuelle Fragen der Klimatologie und Meteorologie (Klimawandel), Glaziologie, Ozeanographie, Geowissenschaften, Meeresbiologie, Sedimentologie / Seismologie und andere Fachgebiete. So nimmt die Erforschung des sensiblen und noch wenig bekannten Ökosystems der Antarktis international einen besonderen Stellenwert ein.

Im Jahre 1980 wurde in Bremerhaven das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) gegründet. Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, der Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es ist das zentrale und führende Zentrum der deutschen Polarforschung, an der sich andere deutsche Institute innerhalb ihrer Möglichkeiten beteiligen (siehe weitere Behörden und Institutionen). Das AWI stellt die grundlegende Infrastruktur für die nationale Wissenschaft und internationale Kooperationen zur Verfügung. Für wissenschaftliche Expeditionen und logistische Versorgungsfahrten ist ihm der Forschungseisbrecher „Polarstern” zugeordnet. Gleichzeitig betreibt das AWI Stationen in der Arktis und Antarktis.
Seit 1981 ist die deutsche Forschung ganzjährig in der Antarktis vertreten. Die erste deutsche Station "Georg von Neumayer", benannt nach dem bedeutenden Förderer der deutschen Südpolarforschung Georg von Neumayer (1826-1909), lag nordöstlich des Weddellmeeres auf dem Ekström-Schelfeis. Wegen Eisbewegungen und der jährlich wachsenden Schneelast auf der Tunnelröhrenkonstruktion wurde die erste Station planmäßig aufgegeben, zurückgebaut und im März 1992 zehn Kilometer vom alten Standort entfernt durch eine neue Tunnelröhrenkonstruktion „Neumayer II” ersetzt. Die Neumayer-Station dient als logistische Basis für Sommerexpeditionen und ganzjährig als wissenschaftliches Observatorium für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie. Die Station „Neumayer II” wurde 2008 abermals planmäßig aufgegeben und durch eine Neukonstruktion abgelöst.
Diese nur wenige Kilometer südlich der abgelösten Station errichtete neue Station - Neumayer III - ging am 20. Februar 2009 in Betrieb und ist ein kombiniertes Gebäude für Forschung, Betrieb und Wohnen auf einer Plattform oberhalb der Schneeoberfläche, verbunden mit einer in den Schnee gebauten Garage. Ein wesentliches Merkmal dieser neuen Station ist, die Beeinträchtigungen durch die wachsende Schnee- und Eisoberfläche mit Hilfe hydraulischer Hebevorrichtungen zu kompensieren, ohne dabei Bauteile im Schneegrund zu hinterlassen. Die Gesamtlast von etwa 2.300 t verteilt sich auf 16 Fundamentplatten. Vor dem Anheben der gesamten Station werden diese einzeln hydraulisch hochgezogen, mit Schnee verfüllt und anschließend der gesamte Garagenraum mit Schnee aufgefüllt. Obwohl die neue Station deutlich vergrößert und allein die klimatisierte Fläche verdoppelt wurde, verbraucht sie weniger als die Hälfte an Energie der Vorgängerstation.
Für den Bau der neuen Station „Neumayer III” hat das Umweltbundesamt im Oktober 2005, nach einer umfangreichen Umweltverträglichkeitsprüfung auch unter internationaler Beteiligung, die Genehmigung PDF / 164 KB erteilt.
Im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) errichtete das AWI im Jahr 2001 die Kohnen-Station - benannt nach Heinz Kohnen (1938 -1997), lange Zeit Leiter der Logistikabteilung des Alfred-Wegener-Instituts - als logistische Basis für Eisbohrungen während des antarktischen Sommers. Die gezogenen Eisbohrkerne liefern umfassende Daten über klimatische und atmosphärische Veränderungen der vergangenen 900.000 Jahre im Zusammenhang mit Treibhausgasen, Aerosolen, kosmogenen Radionukliden etc."
Gemeinsam mit dem argentinischen Instituto Antártico Argentino (IAA) betreibt das AWI auf King George Island (South Shetland Islands) seit 1993 außerdem das „Dallmann-Labor”, benannt nach dem deutschen Entdecker und Polarforscher Eduard Dallmann (1830-1896). Das Labor ist keine selbständige Station, sondern Teil der argentinischen Antarktisstation Jubany. Eine besondere Stellung nehmen die Niederlande ein, die Mittel für die Abwasserkläranlage bereitgestellt und die gesamte Station maßgeblich mitgestaltet haben. Diese Kooperation verringert die Kosten und belastet die Umwelt weniger als zwei autarke Einzelstationen. Diese erste gemeinschaftlich von zwei Ländern unterhaltene Forschungseinrichtung in der Antarktis bietet während des Südsommers bis zu zwölf Biologen/innen, Geologen/innen und Geographen/innen Unterbringung und gute Arbeitsmöglichkeiten in einem der wenigen eisfreien Gebiete der Antarktis. Hier ist es z.B. möglich, Land- oder Küstenorganismen, darunter auch Algen, zu erforschen, wissenschaftliche Tauchgänge durchzuführen oder mit Meerestieren in Aquarien zu experimentieren.
Eine Karte mit den aktuellen Forschungsstationen finden Sie beim „Council of Managers of National Antarctic Programs” (COMNAP).)
Die Forschung in der Antarktis bringt durchaus auch Umweltbelastungen mit sich. Mit steigender Zahl der Forschungsstationen nehmen Flug-, Schiffs- und Fahrzeugbewegungen für Personentransport und Logistik, Luftbelastung durch Abgase, die Menge des anfallenden Mülls und der Abwässer, die Gefahren potentieller (Öl-)Unfälle usw. zu. Zusätzlich zu den natürlichen Geräuschen, die z.B. von den Bewegungen des Eises herrühren, tragen Schiffsverkehr und hydroakustische Messverfahren Geräusche in den antarktischen Ozean ein.
Alle menschlichen Aktivitäten in der Antarktis benötigen wegen der Abgeschiedenheit und der extremen Klimabedingungen eine spezielle Logistik verbunden mit umfangreichen Vorsichts- und Sicherungsmaßnahmen. Diese tragen wiederum zur Belastung des Ökosystems bei. Nach heutigem Verständnis geht die größte, wenngleich gegenwärtig noch vertretbare Belastung weniger von wissenschaftlichen Unternehmungen als vielmehr von solchen Tourismusformen aus, bei denen sich vergleichsweise große Besuchergruppen auf kleine Regionen oder Anlandungsplätze konzentrieren (kumulative Wirkungen). Gleichzeitig ist jedoch eine Lenkung und Beschränkung des Tourismus erwünscht, um andere Gebiete noch möglichst lange und weitestgehend ungestört für wissenschaftliche Grundlagenuntersuchungen zu erhalten.
Der antarktische Kontinent ist die letzte große zusammenhängende Region der Erde, die vom Menschen noch weitestgehend unbeeinflusst ist. Deshalb bietet die Antarktis einzigartige Möglichkeiten für das wissenschaftliche Studium völlig ungestörter, natürlicher Zustände, wie sie für Vergleichs-, Referenz-, Hintergrund- und andere Untersuchungen wichtig sind.
Vor 1950 stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Hauptanteil der Antarktisreisenden dar, heute ist der Tourismus zu einem bedeutenden Bestandteil menschlicher Aktivitäten in der Antarktis geworden. Er umfasst Kreuzfahrt-, Yacht-, Flug- und Abenteuertourismus. Erste touristische Reisen in die Antarktis erfolgten in den 1950er Jahren. Seit 1966 finden touristische Unternehmungen regelmäßig während des Südsommers statt. Die wichtigsten Ausgangshäfen sind Ushuaia (Argentinien), Punta Arenas (Chile), Port Stanley (Falkland Inseln/Großbritannien) und Buenos Aires (Argentinien).
Der antarktische Tourismus findet im Südsommer (November bis März) überwiegend in den Gewässern der Antarktischen Halbinsel statt. Dieses Gebiet ist während des Südsommers weitgehend eisfrei, so dass dann die Möglichkeit besteht, an bestimmten Stellen, die Besucherinnen und Besucher mit Schlauchbooten anzulanden. Die Touristen werden meist an den Plätzen angelandet, die gut erreichbar sind und den Besuchern besondere Attraktionen wie Tiere, Pflanzen, heiße Quellen, Gletscher oder Relikte aus der Zeit der Walfänger bieten. Demzufolge sind diese Plätze stark frequentiert, was an vielen Stellen bereits erhebliche Auswirkungen auf das jeweilige Ökosystem zur Folge hat. Etwa 40 bis 50 Kreuzfahrtschiffe und Yachten besuchen regelmäßig die Antarktis. Derzeit sind es drei deutsche Kreuzfahrtschiffe und 2 Yachten, deren maximale Passagierkapazitäten zwischen 10 und 590 Personen liegen. Bei Antarktisfahrten werden die Maximalkapazitäten jedoch meist nicht ausgenutzt.
Die ATCM hat 2009 die ebenfalls in der IAATO (International Association of Antarctica Tour Operators) gültigen Regeln, nach denen sich jeweils nur 100 Menschen gleichzeitig an Land aufhalten und Schiffe mit mehr als 500 Fahrgästen keine Anlandungen ausführen dürfen, verabschiedet, so dass diese für alle Kreuzfahrtschiffe der Antarktisvertragsstaaten Gültigkeit haben.
Seit Beginn des Antarktistourismus hat die Zahl der Touristinnen und Touristen, die an einem der ungefähr 160 Anlandeplätze in der Antarktis an Land gingen, erheblich zugenommen. Lag sie in der Saison 1992/1993 bei etwa 6.700 Personen, waren es in der Saison 2007/2008 bereits mehr als 37.000, das heißt diese Zahl hat sich innerhalb von fünfzehn Jahren mehr als verfünffacht. Seither erlebt sie jedoch einen auffälligen Rückgang. In der Saison 2009/2010 besuchten nur noch 21.600 Personen den Antarktischen Kontinent oder seine vorgelagerten Inseln. Der Anteil deutscher Touristen stieg zwischen 2001/2002 und 2009/2010 von etwa 12 % auf 18 %. In jeder Saison kommen die meisten Antarktistouristen aus den Vereinigten Staaten, gefolgt von Deutschland oder Großbritannien. Weitere Informationen und Zahlen zum Tourismus finden Sie auf der Internetseite der IAATO.
Nicht nur die Zahl der Touristinnen und Touristen nimmt drastisch zu, sondern die touristischen Aktivitäten ändern sich qualitativ. War zu Beginn der Antarktisreisen reines „Sightseeing” die Regel, suchen heute immer mehr Menschen das „Abenteuer Wildnis”. Extreme Berg- und Skiwanderungen, motorisierte Fahrten über das Eis, Paragliding, Rundflüge usw. sind immer stärker gefragt. Wie die Anlandungen der Kreuzfahrtschiffe konzentrieren sich weitere touristische Aktivitäten ebenfalls auf die wenigen eisfreien Abschnitte der Küsten. Diese stellen jedoch gleichzeitig den natürlichen Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten dar. Aus diesem Grunde ist es wichtig, alle Störungen der Flora und Fauna sowie Schäden des empfindlichen Ökosystems der Antarktis so gering wie möglich zu halten oder ganz zu vermeiden. Jede/r verantwortungsbewusste Besucherin und Besucher sollte dabei mithelfen. Beachten Sie daher bitte bei einer Reise in die Antarktis die Verhaltensrichtlinien des Leitfadens für Besucher der Antarktis. Zusätzliche Hinweise finden Sie außerdem unter Informationen für Antarktisbesucher.
Die Hintergrundinformationen wurden z. T. zusammengestellt aus: