Maßnahmen zur Effizienz tragen direkt über Kraftstoff- und somit Treibhausgaseinsparung zum Klimaschutz bei, darüber hinaus reduzieren sie meist auch die Luftschadstoffemissionen.
Verschiedene technische Effizienzmaßnahmen, sowohl beim Schiffsdesign als auch im Schiffsbetrieb, sind bekannt und werden teilweise bereits umgesetzt. Um diese Potenziale verstärkt abzurufen, hat die IMO verschiedene technisch-operationelle Instrumente etabliert. Verschiedene Indizes richten sich an bestehende Schiffe, wie der EEOI (Energy Efficiency Operational Index) oder der EEXI (Energy Efficiency Existing Ship Index). Andere, wie EEDI (Energy Efficiency Design Index) oder CII (Carbon Intensity Indicator), zielen darauf ab, dass Effizienzmaßnahmen bereits beim Bau umgesetzt werden. Leider sind die Anforderungen teilweise wenig ambitioniert ausgelegt. Aus Sicht des UBA müssen die internationalen Anforderungen schnellstmöglich deutlich verschärft werden und beispielsweise neben CO2 weitere Treibhausgase, wie Methan, in die Berechnungen aufgenommen werden.
Für viele Schiffstypen bietet sich eine Kombination aus Slow Steaming (Langsamfahren) und Windzusatzantrieben an, die auch als Retrofit im Bestand nachgerüstet werden kann. Da Schiffe eine sehr lange Nutzungsdauer von 25 bis 40 Jahren haben (UNCTAD, 2020), müssen Maßnahmen sowohl im Bestand als auch im Neubau so schnell wie möglich umgesetzt werden.
Slow Steaming
Slow Steaming (Langsamfahren) reduziert den Kraftstoffverbrauch deutlich und in der Folge die Emissionen von CO2 und ggf. weiteren Luftschadstoffen. Als Daumenregel gilt, dass mit einer etwa 10 Prozent geringeren Geschwindigkeit der Leistungsbedarf um circa 27 Prozent sinkt. Aufgrund der längeren Fahrzeit, beträgt die Verringerung des Energiebedarfs pro Streckeneinheit 19 Prozent (Faber et al., 2017). Bereits heute nutzen viele Reedereien das Konzept des langsamen Fahrens, um Kraftstoff zu sparen, da dessen Kosten meist rund 30 bis 60 Prozent der gesamten Betriebskosten ausmacht (DG MARE, 2023). Um das Effizienzpotential optimal umzusetzen, kann es auch bei Bestandsschiffen sinnvoll sein, das Schiff an eine niedrigere Designgeschwindigkeit anzupassen, indem beispielsweise Propeller und Bugwulst erneuert werden oder Motoranpassungen vorgenommen werden (Faber et al., 2012). Neben des Effizienzvorteils trägt eine Geschwindigkeitsreduktion auch zur Minderung der Unterwasserschall-Belastung durch die Schifffahrt bei, was die Belastung von Meerestieren, wie etwa Walen, reduziert.
Windzusatzantriebe
Windzusatzantriebe, wie Flettner-Rotoren, verschiedene Arten von (starren) Segeln, sogenannte Wingsails, und Zugdrachen, können helfen, Kraftstoff und somit Emissionen einzusparen (Nelissen et al., 2016). Vor allem bei großen Massengutfrachtern und Tankschiffen auf internationalen Routen, die eine geringere Fahrtgeschwindigkeit haben, ist die Einsparung besonders groß. Windzusatzantriebe können den Kraftstoffverbrauch bei optimalen Rahmenbedingungen um bis zu 30 Prozent (EMSA, 2023) reduzieren. Noch fehlt es jedoch an ausgereiften technischen Lösungen für die Windnutzung auf Containerschiffen, bei denen der Platz an Deck limitiert ist und ein Be- und Entladen mit Rotoren oder Segelaufbauten schwierig umzusetzen ist.
Weitere technische Effizienzmaßnahmen
Weitere technische Effizienzmaßnahmen sind die Optimierung des Schiffskörpers (z. B. Rumpfform, Bug- und Heckform, Gewicht, Rumpfbeschichtung, Luftblasenschmierung unter dem Rumpf) und Anpassungen des Antriebskonzepts (z. B. Propellerdesign, Haupt- und Hilfsmotoren, Wärmerückgewinnung, Wellengeneratoren). Einige Maßnahmen lassen sich über Nachrüstung oder Umbau (Retrofit) auch in der Bestandsflotte realisieren.
Im operationellen Betrieb sind zusätzliche Einsparungen möglich, in dem beispielsweise die Auslastung oder auch der Trimm (Gewichtsverteilung der Ladung im Schiff) weiter optimiert werden. Wetteroptimierte Routenwahl sowie optimierte „Just-in-time“-Ankünfte, können weitere Einsparpotentiale abrufen. CE Delft hält es in einem Best-Case-Szenario für möglich, dass bei einer Umsetzung des maximalen technischen Reduktionspotenzials bis zum Jahr 2030 im Vergleich zum Jahr 2018 zwischen 17 und 30 Prozent der CO2e-Emissionen eingespart werden könnten (Faber et al., 2023).
Landstrom
Auch während der Liegezeit benötigen Schiffe Energie, die meist über Hilfsmaschinen, die ebenfalls mit Kraftstoffen betrieben werden, erzeugt wird, und tragen so auch im Hafen zur Luftverschmutzung bei. Darüber hinaus haben Schiffe einen Bedarf an Wärme, zum Beispiel für die Wohn-/Hotelbereiche oder auch zur Erwärmung der Schweröle. Dieser wird meist über Hilfskessel gedeckt.
Die direkte Nutzung von Strom während der Liegezeit im Hafen stellt eine sinnvolle und praktikable Möglichkeit dar, den Anteil der Treibhausgasemissionen aus dem Betrieb der Hilfsmaschinen – bei Nutzung regenerativ erzeugten Stromes – komplett auf Null zu setzen. Während der Hafenliegezeit sollte daher prinzipiell Landstrom genutzt werden. Darüber hinaus mindert Landstrom auch den Ausstoß von Luftschadstoffen im Hafen. Eine Studie weist Landstrom in der EU einschließlich Großbritannien ein CO2-Einsparpotential von 2,2 Prozent (bei aktuellem Strommix) bzw. 3,7 Prozent (bei erneuerbarem Strom) bezogen auf die Gesamt-Schiffsemissionen aus, wenn alle Schiffe Landstrom einsetzen würden. Für den Einsatz von Landstrom müssen sowohl landseitig als auch an Bord die entsprechenden technischen Voraussetzungen geschaffen werden (Stromanschluss und Stecker).
Mit der Verordnung zum Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR, (EU) 2023/1804) sind erstmal verbindliche Vorgaben für Ladeinfrastruktur in großen See- und Binnenhäfen festgeschrieben worden. Das UBA begrüßt dies, sieht aber Potenzial für Nachbesserungen, in dem beispielsweise die Verpflichtung auf weitere Schiffstypen/-größen sowie den Energiebedarf der Hilfskessel ausgeweitet wird.