1. Allgemeine Informationen
Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart. Er bevorzugt warmtrockene Bedingungen in lichten Eichenwäldern, Bestandsrändern und Einzelbäumen und kommt häufig in Kombination mit anderen Eichen-schädigenden Organismen vor. Auftretende Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners ist Ausdruck einer natürlichen Populationsdynamik. Im Zuge des Klimawandels und den damit verbundenen wärmeren Frühjahrsmonaten ist zu erwarten, dass er sich zukünftig in Gebiete ausbreiten wird, in denen er bisher nicht oder nur latent vorkommt.
Warum sind die Raupen ein Problem?
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners können sowohl im Hinblick auf mögliche Gesundheitsgefährdungen für Menschen als auch aus forstwirtschaftlicher Sicht problematisch sein: Mit Beginn des dritten von insgesamt sechs Larvenstadien, das heißt in der Regel im Zeitraum ab April bis Mai, beginnen die Raupen dauerhaft Brennhaare auszubilden, die ein Nesselgift enthalten. Diese Brennhaare können beim Menschen Gesundheitsbeeinträchtigungen hervorrufen. In Eichenwäldern und Mischwäldern mit hohem Eichenanteil sind unter anderem die Raupen des Eichenprozessionsspinners (alle Larvenstadien) ein Teil der sogenannten Frühjahrsfraßgesellschaft, die bei Massenvermehrungen einzelne Eichen bis hin zu ganzen Eichenbeständen kahlfressen kann.
Was können die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners beim Menschen auslösen?
Häufig kommt es nach einem Kontakt mit den Brennhaaren zu Symptomen an der Haut, die mit Rötungen und einem teils starken, mehrere Tage andauernden Juckreiz einhergehen (Raupendermatitis). Seltener kommt es zu Reizungen der Schleimhäute der Atemwege (Husten, Bronchitis, Asthma) und Augen (Rötung, Juckreiz, Bindehautentzündung). In sehr seltenen Fällen können auch Allgemeinsymptome wie Fieber sowie Kreislaufreaktionen ausgelöst werden.
Welche Möglichkeiten zum Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner gibt es?
Für den Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner gibt es verschiedene Möglichkeiten, die je nach Anwendungsziel und den Gegebenheiten vor Ort abgewogen werden müssen.
Nicht-chemische Maßnahmen können mechanisch, thermisch oder biologisch wirken (siehe folgende Fragen), auch das Aufstellen von Warnschildern oder das Absperren einzelner Bereiche können eine Möglichkeit zum Schutz der menschlichen Gesundheit sein. Ist dies nicht ausreichend, so kommt auch die Bekämpfung mit Biozidprodukten oder Pflanzenschutzmitteln in Betracht (siehe Absatz „Wann fallen Managementmaßnahmen unter das Pflanzenschutzrecht, wann unter das Biozidrecht“).
Da aufgrund des Klimawandels tendenziell eher von einer Ausweitung der Befallsgebiete auszugehen ist, sollte ein nachhaltiges Management des Eichenprozessionsspinners angestrebt werden.
Was ist eine mechanische Bekämpfung?
Bei der mechanischen Bekämpfung werden die einzelnen Gespinstnester durch Absaugen entfernt und entsorgt. Dies ist erst möglich, wenn die Raupen ab dem dritten Larvenstadium Gespinste gebildet haben. Diese Methode ist arbeits- und kostenaufwändig und erfordert umfassende Arbeitsschutzmaßnahmen, um die Beschäftigten vor den Brennhaaren zu schützen.
Was ist eine thermische Bekämpfung?
Bei der thermischen Bekämpfung wird Heißwasser oder Heißschaum mit speziellen Geräten an beziehungsweise in die Gespinstnester gebracht. Dies tötet die Raupen ab und denaturiert möglicherweise zudem die giftigen Eiweiße der Brennhaare. Ein ungeschütztes Abflammen der Nester oder gar ein Fällen von befallenen Bäumen ist nicht zu empfehlen, da durch diese Maßnahmen die Brennhaare unkontrolliert in der Umgebung verteilt werden könnten.
Was bezeichnet man als biologische Bekämpfung?
Als biologische Bekämpfungsmethode wird das Ausbringen von Fadenwürmern (Nematoden) bezeichnet. Diese dringen in die Raupen ein und töten sie ab. Dabei können jedoch auch andere Schmetterlingsraupen, die zur gleichen Zeit in den Eichen fressen, abgetötet werden. Da die abgetöteten Raupen nicht entfernt werden, ist eine Behandlung nur vor dem dritten Larvenstadium sinnvoll, bevor die Raupen Brennhaare ausgebildet haben.
Wann fallen Managementmaßnahmen unter das Pflanzenschutzrecht, wann unter das Biozidrecht?
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Wanderer zwischen zwei verschiedenen Gesetzen: Da er sowohl Bäume als auch den Menschen schädigen kann, fällt seine Bekämpfung unter verschiedene Regelungsbereiche. Wenn er bekämpft wird, um Eichen vor seinem Fraß zu schützen, fällt seine Bekämpfung unter die Pflanzenschutzmittel-Verordnung. Bekämpft man ihn, um die menschliche Gesundheit zu schützen, fallen die Bekämpfungsmaßnahmen unter die Biozid-Verordnung.
Welche Auswirkungen haben die Bekämpfungsmittel auf die Umwelt und Biodiversität?
Chemische und biologische Bekämpfungsmittel töten nicht nur Schadinsekten, sondern können auch andere, zum Teil geschützte, Tierarten schädigen. Deshalb ist es wichtig, ihren Einsatz auf das notwendige Mindestmaß zu beschränken. Vor dem Einsatz der Mittel sollte daher immer geprüft werden, ob es Alternativen gibt (siehe auch Absatz „Wie kann ein nachhaltiges Management des Eichenprozessionsspinners aussehen“). Ist nach Abwägung aller Optionen eine Anwendung von chemischen oder biologischen Mitteln unumgänglich, sind alle potenziell auftretenden Risiken auf ein vertretbares Maß zu mindern. Um dies sicherzustellen, sind in den Anwendungsvorschriften wichtige „Anwendungsauflagen“ in Form von unbedingt einzuhaltenden Maßnahmen aufgeführt.
Zum Beispiel sollen Bekämpfungsmaßnahmen nur während windstiller und niederschlagsfreier Wetterlagen durchgeführt werden, um den Austrag der verwendeten Mittel in angrenzende Flächen und damit die Schädigung von Nichtzieltieren möglichst zu vermeiden.