Weltklimakonferenz COP31: Das steht in Antalya auf der Agenda
Vom 9. bis 20. November trifft sich die Weltgemeinschaft zur 31. Weltklimakonferenz (COP31) im türkischen Antalya. Die COP31 gilt als COP der Umsetzung und Beschleunigung. In den Verhandlungen wird es vor allem darum gehen, wie das 1,5-Grad-Ziel von Paris in Reichweite gehalten werden kann. Weitere wichtige Themen sind Fortschritte in der Elektrifizierung und die Abkehr von fossilen Brennstoffen.
10 Jahre nach Inkrafttreten des Übereinkommens von Paris trifft sich die Weltgemeinschaft zum 31. Mal auf der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (Conference of the Parties, COP), um gemeinsam Fortschritte bei der Bewältigung des Klimawandels zu erzielen. Die Leitung der Konferenz ist dieses Jahr aufgeteilt: Während die Türkei Gastgeberland ist und die COP-Präsidentschaft stellt, übernimmt Australien die Verhandlungsführung.
Aufgrund multipler Krisen und dem Erstarken populistischer Kräfte rückte die Klimakrise zuletzt medial in den Hintergrund. Gleichzeitig durchleben wir auch in Europa Hitzewellen, die sich massiv auf unsere Wirtschaft und Gesundheit auswirken. Nach Berechnungen des Forschungsinstituts Prognos hat allein die Hitzewelle im Juni 2026 die deutsche Wirtschaft rund 6,3 Milliarden Euro gekostet. Hitzewellen wie diese und andere Wetterextreme werden durch den Klimawandel immer häufiger und intensiver. Sehr niedrige Flusspegel infolge geringer Niederschläge hatten diesen Sommer ebenfalls große Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Übergreifendes Ziel: 1,5 Grad in Reichweite halten
Auf der COP31 wird es insbesondere um das übergreifende Ziel gehen, die 1,5-Grad-Temperaturgrenze von Paris in Reichweite zu halten. Laut dem im September 2026 veröffentlichten Overshoot-Bericht von UNEP (dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen) wird das 1,5-Grad-Ziel im nächsten Jahrzehnt überschritten. Um das Überschreiten dieser Grenze so gering und kurz wie möglich zu halten, müssen die Treibhausgasemissionen drastisch reduziert werden. Dank großer Fortschritte im Ausbau erneuerbarer Energien ist dies nicht nur technisch und wirtschaftlich möglich, sondern bringt auch sozioökonomische Vorteile (IRENA, 2026). Die Rückkehr zur 1,5-Grad-Temperaturgrenze bis zum Jahr 2100 soll durch die natürliche und technische Entfernung von Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre (Carbon Dioxide Removal, CDR) erreicht werden. Die Kapazitäten für CDR sind allerdings stark begrenzt und mit großen Unsicherheiten verbunden, was deren Umsetzbarkeit betrifft. Sie können im besten Fall wenige Zehntelgrad der Erderwärmung abfedern (UNEP, 2026).
Unter Berücksichtigung der aktuellen nationalen Klimaschutzpläne der Länder steuert die Welt laut UNEPderzeit auf eine Erwärmung von 2,6 bis 2,7 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu. Um auf einen mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatiblen Pfad zu gelangen, bedarf es beispielsloser beschleunigter Ambitionen beim Klimaschutz. Der wichtigste Hebel hierfür ist die Abkehr von fossilen Brennstoffen. Die brasilianische Präsidentschaft der COP30 hat die Staatengemeinschaft im vergangenen Jahr dazu aufgerufen, nationale Fahrpläne für die Abkehr von fossilen Brennstoffen (Transitioning away from fossil fuels, TAFF) zu erstellen. Ende September legte Deutschland einen Fahrplan vor. Inzwischen hat die brasilianische COP30-Präsidentschaft auch einen globalen Fahrplan veröffentlicht, der aufzeigt, wie die Länder aus fossilen Brennstoffen aussteigen können. Zudem wurde ein globaler Fahrplan zum Stopp der Entwaldung bis 2030 veröffentlicht.
Die wichtigsten Themen der COP31
Richtungsweisend für ambitionierten Klimaschutz und das Erreichen der Pariser Klimaziele sind die Ergebnisse und Ziele der ersten globalen Bestandsaufnahme (Global Stocktake, GST1) – darunter die Verdreifachung der erneuerbaren Energien und die Verdopplung der Energieeffizienz bis 2035. Darauf aufbauend hat die Präsidentschaft der COP31 dazu aufgerufen, den Anteil von Strom am globalen Endenergieverbrauch, also die globale Elektrifizierung, von derzeit gut 20 Prozent auf 35 Prozent bis 2035 zu steigern. Dank stark gesunkener Weltmarktpreise für Wind- und Solarenergie haben erneuerbare Energien inzwischen einen Anteil von 33 Prozent an der weltweiten Stromerzeugung. Dies gilt allerdings nicht für den Gesamtenergieverbrauch (insbesondere Verkehr, Wärme und Industrie), der mit 79 Prozent immer noch größtenteils fossil und nur zu 18,5 Prozent erneuerbar ist. Eine stärkere, sektorübergreifende Elektrifizierung, die auf erneuerbaren Energien beruht, ist ein entscheidender Hebel, um die Treibhausgasemissionen schnell und deutlich zu senken. Laut der internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) wären ab 2026 jährliche Investitionen von rund 1,7 Billionen US-Dollar für den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten nötig, um die Ziele der ersten globalen Bestandsaufnahme zu erreichen.
Auch der gerechte Wandel der Wirtschaft und Gesellschaft hin zur Klimaneutralität wird Thema der COP31-Verhandlungen sein: Der „Just Transition Mechanism“ wurde letztes Jahr auf der COP30 in Belém ins Leben gerufen und soll nun weiter ausgestaltet werden. Der Mechanismus soll den gerechten Wandel mittels internationaler Zusammenarbeit, Unterstützungsangeboten und Wissensaustausch unter Staaten fördern.
Die Klimafinanzierung rückt auf der COP31 ebenfalls in den Fokus. Bis 2035 soll das auf der COP28 in Baku beschlossene Finanzierungsziel „New Collective Quantified Goal“ (NCQG) umgesetzt werden. Das Ziel sieht vor, dass die Finanzmittel für Klimaschutz und -anpassung in Entwicklungsländern bis zum Jahr 2035 auf 300 Milliarden US-Dollar jährlich gesteigert werden sollen. Als größter Geldgeber verweist die EU darauf, dass öffentliche Mittel allein nicht reichen und auch private Investitionen sowie die Erweiterung des Geberkreises auf große Schwellenländer nötig seien.
Beim Thema Klimaanpassung wird es neben der Finanzierung vor allem um die weitere Ausgestaltung der Klimaanpassungsindikatoren gehen. Konkret geht es um 59 Indikatoren, mit denen Staaten ihren Fortschritt beim Erreichen der Pariser Klimaanpassungsziele (Global Goal on Adaptation) messen sollen. Die Erkenntnisse aus diesem Prozess sollen dann in nationale Anpassungspläne (National Adaptation Plans, NAPs) und Transparenzpläne (Biennial Transparency Reports, BTRs), sowie die globale Bestandsaufnahme (Global Stocktake, GST) fließen. Genaues Ziel und Vorgehen sind weiterhin ungeklärt und bilden ein großes Streitthema unter den Ländern.
Die COP31 läutet auch den offiziellen Start der zweiten globalen Bestandsaufnahme (GST2) ein. Diese ist aus dem Übereinkommen von Paris hervorgegangen und prüft alle fünf Jahre die Fortschritte bei der Umsetzung der Pariser Klimaziele. Als gemeinsame Informationsgrundlage für die Bestandsaufnahme dienen die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Berichten des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC). Zurzeit gestalten sich die Verhandlungen zur rechtzeitigen Veröffentlichung des neuen, 7. Sachstandsberichts des IPCC allerdings als sehr zäh, sodass eine gemeinsame wissenschaftliche Grundlage für die zweite globale Bestandsaufnahme fehlen könnte.
Auch aufgrund politischer und technologischer Entwicklungen werden Informationen zu den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels immer häufiger in Frage gestellt. Dies geschieht etwa in Form von koordinierten Desinformationskampagnen oder gezielten Angriffen auf Umweltjournalist*innen, Umweltschützer*innen, Wissenschaftler*innen und Forschende im Bereich Klimawandel. Daher steht auch das Thema Informationsintegrität im Fokus der COP31. Hiermit beschäftigen sich unter anderem die Verhandler*innen des Themenschwerpunkts ACE (Action for Climate Empowerment). Mit ACE sind Initiativen gemeint, die die gesamte Gesellschaft befähigen sollen, zum Klimaschutz beizutragen und ihn aktiv mitzugestalten – etwa in Form von Klimabildung, -kommunikation oder durch partizipative Beteiligungsformate. Auf der COP31 soll ein neuer ACE-Aktionsplan verhandelt werden. Bei den Verhandlungen dazu steht unter anderem das Thema Informationsintegrität und der Schutz gegen Klimadesinformation im Fokus der EU.
Fazit
10 Jahre nach Inkrafttreten des Übereinkommens von Paris wird es auf der COP31 darum gehen, dass die Ziele des Abkommens schneller und ambitionierter umgesetzt werden. Die globalen Durchschnittstemperaturen steigen weiter, Hitzewellen, zunehmende Waldbrände und Überschwemmungen wie zuletzt die Sturzflut in Nepal zeigen, wie dringend Klimaschutz und -anpassung sind. Im September 2026 sagte UN-Generalsekretär António Guterres beim UN Climate Summit in New York: „Die Klimakrise verschärft sich, aber auch die Lösungen schreiten voran“. Der Erfolg der COP31 wird daran gemessen werden, wie effektiv diese Lösungen in verbindliche Klimaschutzmaßnahmen übersetzt werden, die das 1,5-Grad-Ziel von Paris fest im Blick halten.
Das UBA auf der COP31
Mitarbeitende des UBAs sind als Teil der deutschen Regierungsdelegation auf der COP31 und verhandeln zu den Themen Treibhausgasminderung, nationale Klimaschutzpläne und globale Bestandsaufnahme, Klimawissenschaft, Action for Climate Empowerment und Transparenz. Außerdem organisiert das UBA mehrere Veranstaltungen zu den Themen Action for Climate Empowerment, Informationsintegrität, nachhaltige künstliche Intelligenz, grüne Technologien und Dekarbonisierung der Industrie.