Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und Stickstoffüberschuss

Stickstoff ist ein essenzieller Nährstoff für alle Lebewesen. Im Übermaß in die Umwelt eingebrachter Stickstoff führt jedoch zu Belastungen von Land- und Wasser-Ökosystemen. Während der Eintrag aus Abwässern in den letzten Jahren deutlich reduziert werden konnte, stellen Einträge aus der Landwirtschaft weiterhin ein großes Problem dar.

Inhaltsverzeichnis

 

Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft

Eine Maßzahl für die potenziellen Stickstoffeinträge in Grundwasser, Oberflächengewässer und die Luft ist der aus einer Stickstoffgesamtbilanz ermittelte Stickstoffüberschuss (siehe Abb. „Saldo der landwirtschaftlichen Stickstoff-Gesamtbilanz in Bezug auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche“).

Die Stickstoffgesamtbilanz berechnet sich aus der Differenz zwischen Stickstoffflüssen in die Landwirtschaft und Stickstoffflüssen, die aus ihr herausgehen (siehe Schaubild „Schema der Stickstoff-Gesamtbilanz der Landwirtschaft“). Der errechnete Stickstoffüberschuss ist ein Mittelwert für Deutschland. Regional und betriebsspezifisch ergeben sich sehr starke Unterschiede, welche vornehmlich auf unterschiedliche Viehbesatzdichten zurückzuführen sind. Um durch Witterung und Düngerpreis verursachte jährliche Schwankungen auszugleichen, wird ein gleitendes 5-Jahresmittel für das jeweils mittlere Jahr angegeben.

Die Ergebnisse der Bilanzierung zeigen, dass trotz eines tendenziellen Rückgangs der Überschüsse auch heute noch zu hohe Stickstoffüberschüsse entstehen (siehe Abb. „Saldo der landwirtschaftlichen Stickstoff-Gesamtbilanz in Bezug auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche“). Im Zeitraum 1993 bis 2013 ist der Stickstoffüberschuss im gleitenden 5-Jahresmittel von 118 Kilogramm pro Hektar und Jahr (kg/ha*a) auf 97 kg/ha*a gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 18 Prozent (%). Damit wurden bis 2013 45 % der bis 2030 erwünschten Reduktion auf den von der Bundesregierung vorgegebenen Zielwert von 70 kg/ha*a erreicht.

Die Abnahme zu Beginn der 1990er Jahre ist auf die Reduktion der Tierbestände in den neuen Bundesländern zurückzuführen. Seit 1993 lag der durchschnittliche jährliche Rückgang des Saldos bei rund 1 % und beruhte auf Effizienzgewinnen bei der Stickstoffnutzung (Ertragssteigerungen in der Pflanzenproduktion und höhere Futterverwertung bei Nutztieren).

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Stickstoffzufuhr und Stickstoffabfuhr in der Landwirtschaft

Während sich die Zufuhr von Stickstoff seit 1993 wenig veränderte (etwa 190 Kilogramm pro Hektar und Jahr (kg/ha*a)), ist die Stickstoffabfuhr seit 1993 um rund 50 Prozent (%) (von knapp 70 auf etwa 100 kg/ha*a) angestiegen.

Im Einzeljahr 2015 stammten 56 % der Stickstoffzufuhr in den deutschen Agrarsektor aus Mineraldüngern, 21 % aus inländischem Tierfutter sowie 12 % aus Futtermittelimporten. 4 % des Stickstoffs wurden über den Luftpfad eingetragen (Deposition aus Verkehrsabgasen und Verbrennungsanlagen); 6 % sind der biologischen Stickstofffixierung von Leguminosen (zum Beispiel Klee oder Erbsen) anzurechnen, die in der Lage sind, Luftstickstoff in erheblichem Maße zu binden, und etwa 1 % der Stickstoffzufuhr stammte aus Saat- und Pflanzgut.

Die Stickstoffabfuhr fand größtenteils über tierische und pflanzliche Produkte statt.

 

Ökologische Auswirkungen der Nährstoffeinträge

Überschüssige Nährstoffe aus landwirtschaftlichen Quellen – wie Phosphor und Stickstoff (Gesamt-N) – gelangen in Gewässer oder die Luft. Über Niederschläge oder durch Auswaschung werden die Nährstoffe in Land- oder Wasser-Ökosysteme eingetragen, wo sie weitreichende Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben. Diese sind unter anderem

  • eine Nährstoffüberbelastung (Eutrophierung) von Wäldern, Mooren, Heiden, Oberflächengewässern und Meeren,
  • eine Nitratbelastung des Grundwassers und
  • eine Versauerung der Böden und Gewässer und somit eine Beeinträchtigung der biologischen Vielfalt.

Im Mittel der Jahre 2006-2011 wurden beispielsweise rund 580.000 Tonnen (t) Stickstoff in die Oberflächengewässer eingetragen. Der Großteil dieser Einträge stammte aus diffusen Quellen, überwiegend aus der Landwirtschaft (> 70 Prozent (%)), wohingegen nur rund 15 % aus punktförmigen Quellen wie Kläranlagen kamen. Der durch die Landwirtschaft eingebrachte Teil entspricht insgesamt etwa 30 % der in Deutschland ausgebrachten mineralischen Stickstoffdünger. Besonders problematisch ist die Situation in Regionen mit hohem Viehbesatz (siehe „Einträge von Nähr- und Schadstoffen in die Oberflächengewässer“).

 

Minderungspotenziale in der Viehzucht

Wirksame Maßnahmen zur Erreichung des Ziels der Bundesregierung müssten vor allem zu einer effizienteren Stickstoffnutzung führen. Dazu wäre eine gleichmäßigere Verteilung der Gülle aus der Viehhaltung eine wesentliche Voraussetzung.

Analysen von Betriebsdaten belegen, dass hohe Überschüsse vor allem in Betrieben mit hohem Viehbesatz anfallen. Hier treten auch bei ähnlichen Betriebsstrukturen sehr unterschiedliche Stickstoffüberschüsse auf, was darauf schließen lässt, dass weitere Minderungspotenziale bestehen: Die Effizienz der Stickstoffnutzung lässt sich zum Beispiel durch Optimierung des betrieblichen Nährstoffmanagements, standortabgestimmte Bewirtschaftungsmaßnahmen, geeignete Nutzpflanzensorten und vertretbare Größen der Tierbestände verbessern.

 

Auswirkungen der Düngeverordnung

Die Düngeverordnung definiert „die gute fachliche Praxis der Düngung“ und gibt vor, wie die mit der Düngung verbundenen Risiken zu minimieren sind. Sie ist wesentlicher Bestandteil des nationalen Aktionsprogramms zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie. Nach der Düngeverordnung dürfen Landwirte nur entsprechend dem Nährstoffbedarf der Pflanzen düngen. Um eine Überdüngung von Kulturpflanzen zu vermeiden, ist der Düngebedarf vor Ausbringung der Düngemittel mit geeigneten Verfahren zu ermitteln.

Seit 2007 darf der Betriebsüberschuss (Flächenüberschuss des Einzelbetriebs) einen gesetzlich festgelegten Höchstwert nicht überschreiten. Dieser Höchstwert wurde für drei Jahre gemittelt und von 90 Kilogramm pro Hektar und Jahr (kg/ha*a) (Mittel 2006 bis 2009) in vier Schritten auf 60 kg/ha*a (Mittel 2009 bis 2012) gesenkt. Der Betriebsüberschuss nach Düngeverordnung berücksichtigt allerdings keine Stickstoffzufuhr über atmosphärische Deposition. Zudem werden gasförmige Verluste aus der Tierhaltung und der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern pauschal abgezogen. Die Werte des Stickstoffüberschusses nach Düngeverordnung liegen daher um etwa 60 kg/ha*a unter denjenigen des hier diskutierten Gesamtüberschusses.

 

Novellierung der Düngegesetzgebung

Die Düngeverordnung wurde auf der Grundlage von Vorschlägen einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe (BLAG) zur Evaluierung der Düngeverordnung in einem langjährigen Prozess umfangreich überarbeitet und im April 2017 vom Bundesrat verabschiedet. Mit den Neuregelungen werden nun auch Wirtschaftsdünger pflanzlichen Ursprungs (Gärreste aus Biogasanlagen) in die Ausbringungsobergrenze für organische Düngemittel mit einbezogen und eine verpflichtende Düngeplanung nach konkreten Vorgaben eingeführt. Daneben werden erstmals auch Vorgaben gemacht, um atmosphärische Stickstoffverluste zu reduzieren und ab 2020 wird der zulässige Flächenbilanzüberschuss von vormals 60 auf 50 Kilogramm pro Hektar und Jahr (kg/ha*a) im 3-jährigen Mittel gesenkt. Zusätzlich sind die Länder nun dazu verpflichtet, in Gebieten mit einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers oder mit Eutrophierung von Oberflächengewässern durch Phosphat, regional angepasste, weitergehende Maßnahmen vorzuschreiben.

Parallel zur Novellierung der Düngeverordnung wurde auch das Düngegesetz überarbeitet und im März 2017 vom Bundesrat verabschiedet. Hierdurch wird die Grundlage für eine neue Rechtsverordnung geschaffen, über die die Einführung einer betrieblichen Stoffstrombilanz (= Hoftorbilanz) geregelt werden soll. Ziel ist es, alle Stoffflüsse in und aus dem Betrieb transparent zu machen und die maximal zulässigen Nährstoffüberschüsse besser zu kontrollieren. Die Stoffstrombilanz soll ab 2018 jedoch zunächst einmal nur für Betriebe mit einer sehr intensiven Tierhaltung verbindlich sein. Das überarbeitete Düngegesetz und die novellierte Düngeverordnung sind im Mai bzw. Juni 2017 mit der Veröffentlichung im Gesetzblatt in Kraft getreten.