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Reparieren, Teilen, Wiederverwenden: Neues Leben für Innenstädte

Vogelperspektive auf einen historischen Marktplatz mit alten Häuserfassaden und Fußgängern.
Stadtzentren bieten wichtige Chancen, um nachhaltige Lebensstile voranzubringen.
Quelle: Susanne Kambor / Umweltbundesamt

Wie können Kommunen ihre Stadtzentren beleben und gleichzeitig nachhaltigen Konsum fördern? Antworten darauf gibt ein neues Policy Paper des Umweltbundesamtes zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Viele der Empfehlungen können Kommunen auch in Zeiten klammer Kassen ohne großen Aufwand umsetzen.

Das Policy Paper des Umweltbundesamtes (UBA) stellt Empfehlungen zur Belebung von Stadtzentren durch die Förderung von Lebensstilen und Angeboten vor, die zirkulär sind, also die natürlichen Ressourcen im Sinne der Kreislaufwirtschaft schonen. Das Papier richtet sich gezielt an lokale Akteure wie Stadtverwaltungen und NGOs, die sich mit nachhaltiger Stadtentwicklung befassen. Die Empfehlungen wurden im Rahmen des Projekts „NiCE: From Niche to Centre – Stadtzentren als Orte für zirkuläre Lebensstile“ entwickelt.

Insgesamt enthält das Papier 23 Empfehlungen in acht Kategorien. Kurzfristig umsetzbare Empfehlungen sind: 

  • Einbindung der Privatwirtschaft in kreislauforientierte Angebote durch wirtschaftliche Anreize
  • Nutzung unterausgelasteter kommunaler Immobilien in Stadtzentren für kreislauforientierte Angebote
  • Dialog mit Immobilien-Eigentümer*innen zur Bereitstellung geeigneter Räume
  • Angebot von Schulungen und Kompetenzaufbau zu Kreislaufwirtschaft für kommunale Mitarbeitende
  • Dezernatsübergreifende Kooperation zur Förderung der Kreislaufwirtschaft
  • Förderung der Zusammenarbeit diverser Akteure und Gruppen bei kreislauforientierten Initiativen
  • Einbeziehung von Zielen der Kreislaufwirtschaft in Strategien zur nachhaltigen Stadtentwicklung
  • Projekte zu zirkulären Lebensstilen in Stadtzentren nutzen, um lokale Identität und sozialen Zusammenhalt zu stärken
  • Finanzierung und Ermöglichung von Pilotprojekten, temporären Initiativen und experimentellen Formaten zu zirkulären Lebensstilen in Stadtzentren
  • Temporäre Initiativen nutzen, um lokale Bedürfnisse zu identifizieren und Lösungen zu erproben
  • Kreislaufwirtschaft in Lehre und Ausbildung integrieren
  • Kooperation zwischen Bildungsorten und lokalen Nachhaltigkeitsinitiativen fördern
  • Zielgruppenspezifische Einführungen in zirkuläre Lebensstile und Angebote
  • Bestehende Veranstaltungsformate zur Förderung der lokalen Kreislaufwirtschaft nutzen

Vor welchen Herausforderungen stehen Stadtzentren aktuell und wie können kreislauforientierte Angebote hier helfen?

Europäische Stadtzentren durchlaufen derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Viele Städte sehen sich mit wachsendem Wettbewerb durch den Online-Handel, rückläufigen Besucherzahlen, leerstehenden Gewerbeimmobilien sowie nachlassender sozialer Interaktion in den Innenstädten konfrontiert. Diese Entwicklungen wurden insbesondere durch die COVID-19-Pandemie verstärkt.

Gleichzeitig bieten Stadtzentren wichtige Chancen, um nachhaltige Lebensstile voranzubringen. Durch die Integration kreislauforientierter Angebote und Dienstleistungen, wie Reparaturcafés oder Tauschräumen, können Städte nachhaltige Konsumformen fördern und gleichzeitig leerstehende oder unausgelastete urbane Räume beleben. Solche Initiativen können zudem den sozialen Zusammenhalt stärken und Kompetenzen für einen ressourcenschonenden Alltag vermitteln. Ein weiteres Plus: Stadtzentren und Innenstädte verfügen meist über eine gute Erreichbarkeit, wodurch mehr Menschen von zirkulären Angeboten profitieren können. Und nicht zuletzt sorgt auch die Durchmischung von Nutzungen in Stadtzentren für Dynamik und Besucherfrequenz. Dadurch erhalten Stadtzentren in der Stadt- und Regionalplanung eine besondere Rolle. 

Die Erkenntnisse des NiCE-Projekts zeigen, dass sich kreislauforientierte Lebensstile nicht allein durch individuelle Verhaltensänderungen oder isolierte Pilotprojekte durchsetzen. Sie benötigen auch unterstützende städtische Rahmenbedingungen und Strategien, flexible Finanzierungsmöglichkeiten und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren wie Kommunen, zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Kulturschaffenden.

Wie wurde das Policy Paper entwickelt? 

Die Empfehlungen des Papiers basieren maßgeblich auf den direkten Erfahrungen der im Rahmen von NiCE durchgeführten Pilotprojekte in acht europäischen Städten. Die Projekte wurden kontinuierlich wissenschaftlich begleitet und Bürger*innen und Stakeholder waren eingeladen aktiv mitzugestalten und ihre Perspektiven über Umfragen einzubringen. Die Ergebnisse wurden anschließend in einem umfassenden Evaluierungsbericht bewertet. 

Vor der Umsetzung führten die Projektpartner für jede Pilotstadt Stakeholder- und Bedarfsanalysen durch, die frühe Erkenntnisse über politische, finanzielle und strukturelle Lücken lieferten. Zudem wurden transnationale Workshops unter anderem in Brüssel, Dessau, Košice, Lund und Prag organisiert, in denen  mit externen Fachleuten Bedarfe identifiziert und Handlungsansätze erarbeitet wurden. Die Erkenntnisse aus diesen Workshops sind ebenfalls Teil dieses Papiers. 

Desweiteren veröffentlichten NiCE-Partner zwei wissenschaftliche Artikel, deren Forschungserkenntnisse in diese Empfehlungen eingeflossen sind:

  • Szabó, M., Gimkiewicz, J., Cappellaro, F. et al. Transition to circular economy of urban areas and communities with special attention to lifestyles. Discov Sustain 5, 482 (2024). https://doi.org/10.1007/s43621-024-00726-0. 
  • Szabó, M., Gimkiewicz, J., Alaraj, A. Engaging consumers in circular lifestyles: Analysing innovation patterns through a virtual exhibition designed to counter the throw-away society. Social Sciences & Humanities Open, Volume 13 (2026). https://doi.org/10.1016/j.ssaho.2026.102732.

Die innovativen Ansätze, die im Rahmen von NiCE in den Städten getestet wurden, waren:

  • Erweiterung eines Innenstadtangebots für nachhaltigen Konsum um einen CO2-neutralen Abhol- und Lieferdienst per Fahrrad für Leih- und Reparaturartikel in Würzburg
  • Stärkung eines Gebrauchtwarenhaus durch den Einsatz des KI-basierten „Reuse Recognizer“ zur Verbesserung der internen Arbeitsschritte in Jihlava (Tschechien)
  • Wiederbelebung leerstehender zentraler Räumlichkeiten als gemeinschaftlich betriebener Pop-up-Store für regionale, nachhaltige und künstlerische Artikel in Graz (Österreich)
  • Wiederbelebung leerstehender zentraler Räumlichkeiten durch Bildungsangebote und einen Pop-up Store für lokale, nachhaltige und künstlerische Artikel in Ptuj (Slowenien)
  • Beteiligung von Bürger*innen an der Gestaltung und Erprobung zirkulärer Lösungen zum Wassersparen und zur Wiederverwendung von Wasser wie etwa durch selbstbewässernde Beete in Bologna (Italien)
  • Integration von Kreislaufwirtschaft in die universitäre Lehre, wie etwa durch einen praxisnahen Kurs zu kreislauffähigen Geschäftsmodellen in Kooperation mit lokalen nachhaltigen Unternehmen in Budapest (Ungarn)
  • Wiederbelebung leerstehender kommunaler Räumlichkeiten durch den Aufbau eines Reuse-Centers mit sozialem Schwerpunkt in Košice (Slowakei)
  • Wiederbelebung leerstehender Gewerberäume durch den Aufbau eines multifunktionalen Zero-Waste-Centers für praktische Bildungs- und Gemeinschaftsangebote in Brzeg Dolny (Polen)

In allen Städten werden auch nach Projektende Aktivitäten fortgeführt, die über NiCE initiiert wurden. Das zeigt, dass auch aus Pilotprojekten dauerhafte Lösungen entstehen können. Alle Informationen zu den Piloten, inklusive der Dokumentation und kurzen Videos, sind auf der NiCE-Wissensplattform zu finden. 

Am Projekt waren insgesamt neun Partner aus acht Ländern beteiligt. Neben dem UBA als federführendem Partner waren dies: 

  • ENVIROS (Tschechien)
  • StadtLABOR (Österreich)
  • das Wissenschaftliche Forschungszentrum Bistra (Slowenien)
  • die Nationale Agentur für neue Technologien, Energie und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung (ENEA, Italien)
  • die Universität Budapest für Technologie und Wirtschaft (Ungarn)
  • Creative Industry Košice (Slowakei)
  • das Forschungs- und Innovationszentrum Pro Akademia und 
  • die Stadt Brzeg Dolny (Polen)

Das Projekt lief von Mai 2023 bis April 2026 und wurde durch das Interreg-CENTRAL-EUROPE-Programm mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

 

Weitere NiCE-Angebote für Kommunen und Initiativen

Alle Informationen, Ergebnisse und Leitfäden von NiCE sind auf der NiCE-Wissensplatform zu finden: 

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