Umweltbewusstsein in Deutschland

Menschen auf Wiese im Parkzum Vergrößern anklicken
Die Bevölkerung nimmt die langfristige Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen sehr ernst.

Menschen sitzen auf einer Wiese in einem Park

Quelle: Leah Kelley / pexels.com

Die deutsche Bevölkerung misst dem Umwelt- und Klimaschutz zunehmend eine strategische Bedeutung für zentrale politische Aufgaben bei. Auch in Krisenzeiten bleibt das Umweltbewusstsein stabil im Mittelfeld der Problemwahrnehmung. Die Daten zu Umwelteinstellungen und -verhalten werden im Zweijahresrhythmus erhoben und in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt.

Umwelt- und Klimaschutz als Erfolgsfaktor für andere Politikfelder

Die wahrgenommene Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz für die Bewältigung anderer politischer Aufgaben ist in den letzten Jahren gestiegen. Laut der aktuellen Befragung halten zwei Drittel den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Bedingung, um Zukunftsaufgaben wie die Globalisierung zu bewältigen. Gut die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass Umwelt- und Klimaschutz wesentlich zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Schaffung von Arbeitsplätzen ist. In Bezug auf soziale Ziele ist allerdings das Meinungsbild weiterhin gemischt: Ein gutes Drittel der Befragten sieht Umwelt- und Klimaschutz als eine grundlegende Bedingung für mehr soziale Gerechtigkeit an. Andererseits findet die Hälfte, dass Umwelt- und Klimaschutz gegenüber sozialer Gerechtigkeit Kompromisse eingehen oder zurücktreten müsse (vgl. Abbildung „Umwelt- und Klimaschutz als Erfolgsfaktor für andere Politikfelder“).

Chancen einer nachhaltigen Entwicklung

Trotz potenzieller oder vorhandener Widersprüche mit sozialen Zielen sehen die Menschen auch große Chancen in einer nachhaltigen Entwicklung: Etwa vier von fünf Befragten sind der Ansicht, dass eine nachhaltige Entwicklung mehr Gesundheit für die Menschen mit sich bringt, ihre Lebensqualität steigert und mehr Naturverbundenheit ermöglicht. Mehr als die Hälfte erwartet von einer nachhaltigen Entwicklung, dass sie zu mehr Gemeinschaft der Menschen untereinander führt und mehr Zeit für selbstbestimmte Lebensgestaltung lässt. Zudem erhofft sich die Mehrheit, dass sich die Wirtschaft mehr an den Bedürfnissen der Menschen ausrichtet (vgl. Abbildung „Wie Nachhaltigkeit den Menschen nutzen kann“).

Politischer Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes

Entsprechend gehören Umwelt- und Klimaschutz aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger nach wie vor zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen. Für jede und jeden Fünften in Deutschland zählen Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten Problemen, denen sich unser Land derzeit gegenübersieht. Während die Themen „Zuwanderung, Migration“ und „Kriminalität, Frieden, Sicherheit“ an Brisanz gewonnen haben, bleiben Umwelt- und Klimaschutz stabil im Mittelfeld der Problemwahrnehmung (vgl. Abbildung „Umweltschutz als eines der aktuell wichtigsten Probleme in Deutschland“).

Offenheit für nachhaltige Mobilität

Das Auto ist (gegenwärtig) nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel. 70 Prozent der Befragten nutzen in ihrem Alltag täglich oder mehrmals in der Woche das Auto (vgl. Abbildung „Mobilität im Alltag“). Dennoch ist unter bestimmten Bedingungen die Bereitschaft zu einem Umstieg auf umwelt- und klimaschonende Alternativen vorhanden. Mehr zu Fuß gehen ist für drei Viertel und mit dem Fahrrad fahren für zwei Drittel der häufigen Autofahrerinnen und Autofahrer attraktiv (vgl. Abbildung „Bereitschaft vom Auto auf andere Verkehrsmittel zu wechseln“). Fast die Hälfte der regelmäßigen Autofahrer/-innen in kleineren Städten und Gemeinden kann sich vorstellen, auf Busse und Bahnen umzusteigen, in Großstädten sind es 60 Prozent. Entsprechend stößt eine Stadt- und Regionalentwicklung, die das Auto leichter verzichtbar macht, bei neun von zehn Befragten auf Akzeptanz. Acht von zehn Befragten halten einen solchen Mobilitätswandel auch in der eigenen Stadt oder Gemeinde für wünschenswert (vgl. Abbildung „Besser leben in Städten mit weniger Autos?“).

Bedeutung von Umweltschutz für die Gesundheit

Fast alle Befragten finden, dass zu einem guten Leben eine intakte natürliche Umwelt unbedingt dazu gehört. Mit Blick auf die Situation in Deutschland und an ihrem Wohnort sind die meisten mit der Umweltqualität zufrieden.
Allerdings fühlen sich viele durch Lärm und die Luftverschmutzung, vor allem durch den Straßenverkehr, belästigt. Auch andere Umweltbelastungen werden als ungesund wahrgenommen. Viele machen sich Sorgen wegen Schadstoffen und Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln oder wegen Chemikalien in Produkten und Gegenständen des täglichen Bedarfs. (vgl. Abbildung „Wahrgenommene Gesundheitsbelastungen durch Umweltfaktoren“).
Zudem wird der globale Zustand der Umwelt deutlich schlechter eingeschätzt als in Deutschland. Nur knapp jede und jeder Zehnte bewertet die weltweite Umweltqualität als gut. Etwa drei Viertel sehen den Plastikmüll in den Weltmeeren und die Abholzung von Wäldern als bedrohliche Umweltrisiken an. Demgemäß finden es vier von fünf Befragten beunruhigend, wenn Sie daran denken, in welchen Umweltverhältnissen ihre Kinder und Enkelkinder wahrscheinlich leben müssen.

Vielfältiges Engagement für sozial-ökologischen Wandel

Viele Menschen sind bereit, sich persönlich für soziale und ökologische Ziele zu engagieren. Der Anteil der Menschen, die sich ein aktives Engagement für den Umwelt- und Naturschutz vorstellen können, schwankte dabei in den letzten Jahren stark (vgl. Abbildung „Engagement im Umweltschutz“). Die Studie zeigt auch, dass sich bislang nur eine Minderheit persönlich engagiert. Die Formen des Engagements für soziale und ökologische Ziele sind dabei sehr vielfältig: Zum Beispiel geben etwa drei von zehn Befragten an, in ihrem privaten Umfeld für soziale und ökologische Werte einzutreten oder sich im Alltag an ethischen Prinzipien auszurichten. Für sozial-ökologische Ziele in einer Organisation engagiert sich circa jede und jeder Achte, und ungefähr jeder oder jede Zwölfte ist in innovativen Nachhaltigkeitsinitiativen aktiv (vgl. Abbildung „Engagement-Muster für sozial-ökologischen Wandel“).

Regelmäßige Repräsentativbefragungen zum Umweltbewusstsein der deutschen Bevölkerung

Im April 2017 veröffentlichte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt (UBA) zum elften Mal die Ergebnisse seiner Repräsentativumfrage zum Umweltbewusstsein in Deutschland. Im Zweijahresrhythmus werden seit 1996 Daten zu Umwelteinstellungen und -verhalten erhoben und in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt. Diese sind eine wichtige Grundlage für die Gestaltung von Umweltpolitik und Umweltkommunikation.

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