Biozide in Haus & Garten
Biozid oder Pflanzenschutzmittel?
Biozidprodukte dienen dem Gesundheitsschutz sowie dem Schutz von Materialien, wie zum Beispiel beim Holzschutz. Es gilt eine eigene europäische und deutsche Gesetzgebung für die Vermarktung und Anwendung von Biozidprodukten.
Biozide sind keine Pflanzenschutzmittel und dürfen deshalb nicht im Garten zum Schutz von Pflanzen gegen Insekten, Mäuse oder Ratten eingesetzt werden.
Fassadenschutz
Manche Fassadenfarben und Putze enthalten Biozide, die vor Algen- und Pilzbewuchs schützen sollen. Die bioziden Wirkstoffe können schrittweise bei jedem Regenereignis ausgewaschen werden. Dadurch gelangen sie in unversiegelte Böden, das Grundwasser oder über die Kläranlage in Oberflächengewässer. Die Fassaden lassen sich auch anders und vor allem umweltschonender vor Bewuchs schützen.
Bautenschutz
Beschichtungsschutz soll verhindern, dass Pilze und Algen Oberflächenbeschichtungen befallen und deren Eigenschaften (unter anderem Änderung von Farbe, Geruch und/oder physikalischer Form, chemische Zersetzung, Wasserdurchlässigkeit) verändern. Studien zeigen, dass bei biozidbehandelten Dächern und Fassaden die umweltgefährlichen Wirkstoffe bei Regen ausgewaschen und über Kanalisation und Böden die (Grund-)Gewässer belasten. Eine Dachbegrünung und unbehandelte Ziegel und Schindeln sind umweltfreundliche Alternativen.
Holzschutz
Bei alten Gebäuden wurden hölzerne Dachstühle oft mit Holzschutzmitteln behandelt. Sollten Sie einen Ausbau planen, empfiehlt sich das Hinzuziehen einer Expertin oder eines Experten mit Sachkunde für Holzschutz. So kann schnell festgestellt werden, ob ein mögliches Problem vorliegt und behandeltes Holz ausgetauscht oder vom Innenraum abgeschirmt werden muss. Einige früher verwendete Holzschutzmittel sind sehr langlebig und können auch heute noch zu Gesundheitsproblemen führen, wenn man ihnen zu lange ausgesetzt ist. Aufgrund der heute dichteren Bauweise ist eine solche Holzschutzbehandlung in der Regel nicht mehr nötig.
Nagetierbekämpfung
Nagetiere sind Gesundheitsschädlinge. Ihre Bekämpfung im und am Haus sollte von einem professionellen Schädlingsbekämpfungsunternehmen durchgeführt werden. Wer was und wie bei der Nagetierbekämpfung machen darf, ist streng geregelt. Es gibt einige wirkungsvolle Vorsorgemaßnahmen, um ein Maus- oder Rattenproblem zu vermeiden.
Antifoulingbeschichtungen
Antifoulingbeschichtungen sollen das Ansiedeln von Wasserorganismen wie Algen oder Seepocken am Bootsrumpf verhindern. Obwohl es zunehmend mehr biozidfreie Lösungen gibt, ist der Einsatz biozidhaltiger Beschichtungen immer noch Standard im Sportbootbereich. Gerade bei nicht dauerhaft im Wasser liegenden Booten und/oder in Gewässern mit schwachem Bewuchsdruck ist ein Verzicht auf biozide Beschichtungen gut möglich.
Holzschutz
Es gibt verschiedene Verfahren für den Schutz von Holz und Holzerzeugnissen gegen den Befall durch Holzschädlinge. Der Einsatz chemischer Holzschutzmittel mit Biozidwirkstoffen ist nur in bestimmten Bereichen, etwa bei tragenden Bauteilen baurechtlich vorgeschrieben (nach DIN 68800). In allen anderen Bereichen sollte auf chemischen Holzschutz verzichtet werden. Im Inneren von Gebäuden sollten keine Holzschutzmittel verwendet werden, um Belastungen der Innenräume, der Bewohner und der Umwelt zu vermeiden. Dort gilt: konstruktiver Holzschutz und geeignete Alternativverfahren vor chemischem Holzschutz.
Desinfektion/Algenschutz
In Gartenpools können bei Sommertemperaturen Algen wachsen. Ein kleiner Algenbelag verursacht in den meisten Fällen keine direkten Gesundheitsgefahren oder Materialschäden. Ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit besteht, wenn Bakterien ins Wasser gelangen oder das Algenwachstum zu stark wird. Um diese zu bekämpfen und die Wasserqualität aufrechtzuerhalten, werden diverse Desinfektions- und Algenbekämpfungsmittel im Handel angeboten. Für eine sichere, nachhaltige und wirksame Anwendung muss die Dosieranweisung genau eingehalten werden. Generell gilt beim Einsatz von Pooldesinfektionsmitteln: So viel wie nötig, so wenig wie möglich!
Grünbelagsentferner
Algen- und Grünbelagsentferner sollen Terrassen, Fliesen und Gartenmöbel von grünem Algenbelag befreien. Diese Mittel enthalten Biozide, die zum Teil als "umweltgefährlich" und "sehr giftig für Wasserorganismen" eingestuft sind. Die Freisetzung dieser Chemikalien in die Umwelt ist daher zu vermeiden. Es gibt wirksame chemiefreie Alternativen: Mithilfe von mechanischer Reinigung oder Hochdruck- oder Dampfreinigern, die in Baumärkten ausgeliehen werden können, lassen sich Terrassen und Gehwegplatten in der Regel problemlos reinigen.
Insektenfalle (UV)
Insekten auf der Terrasse können lästig werden oder im Falle von Stechmücken oder Wespen Ängste schüren. Wichtig ist es, durch eigenes Verhalten oder Vorsorgemaßnahmen einer Belästigung vorzubeugen. Was genau hilft, ist je nach Insektenart unterschiedlich und kann in den jeweiligen Steckbriefen zu Schädlingen und Nützlingen nachgeschlagen werden. Auf dem Markt werden auch wirkungslose oder gar insektenschädliche Verfahren angeboten. Deshalb lohnt ein Blick in die UBA-Informationen.
Konstruktiver Schutz vor Nagetieren
Vorsorge ist die beste Maßnahme: Gegen das Eindringen von Ratten und Mäusen in Gebäude gibt es einfache und effektive bauliche Maßnahmen. Kellerfenster, Türspalten und andere Zugänge (z.B. Kabel- oder Kanalschächte) sollten mit einem engmaschigen Metallgitter verschlossen, abgedichtet oder zugemauert werden. Rund um das Haus sollten Versteckmöglichkeiten (wie zum Beispiel Büsche und Hecken) und der leichte Zugang zu Nahrungsquellen (zum Beispiel Abfälle, Tierfutter, Kompost) vermieden werden.