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Modellierung der Luftqualität

Karte NO2-Jahresmittelwerte des Jahres 2024
NO2-Jahresmittelwerte des Jahres 2024, erstellt aus einer Kombination von Messung und Modellierung
Quelle: @UBA

Inhaltsverzeichnis

Die Güte der Außenluft ist europaweit nach einheitlichen Vorgaben zu überwachen und zu bewerten. Gemäß Luftqualitätsrichtlinie wird die Luftqualität in Deutschland anhand eines umfangreichen Messnetzes von Messstationen überwacht. Ergänzend zu den Messungen werden Modellrechnungen für unterschiedliche Anwendungen durchgeführt.  Mit der neuen Luftqualitätsrichtlinie 2024/2881 ist die Bedeutung der Modellierung deutlich gestiegen. 

Schadstoffausbreitungsmodelle nutzen die chemischen und physikalischen Zusammenhänge in der Atmosphäre in einem mathematischen Modell. Damit kann die Konzentration eines Schadstoffes gitterzellenweise simuliert werden, als Eingangsdaten werden Emissionsmengen und meteorologische Variablen benötigt.

Modellrechnungen finden in der Luftreinhaltung vielfältige Anwendungen: Beispielsweise sind durch die Nutzung solcher Modellergebnisse flächenhafte Aussagen zur Schadstoffverteilung möglich. Zudem werden die Ergebnisse für die Messnetzplanung genutzt. Außerdem kann auf Basis von Modellrechnungen die sogenannte räumliche Repräsentativität von Messstationen ermittelt werden. Als Repräsentativität einer Messstation gilt dabei der Bereich, für den die Messung einer Station gültig, d.h. repräsentativ ist.

Ein weiteres wichtiges Themenfeld sind die Simulationen zukünftiger Luftqualität. Damit kann zum einen abgeschätzt werden, wie sich die Luftqualität in Zukunft durch Veränderungen der Emissionen und/oder meteorologischen Randbedingungen verändern wird. Zum anderen dienen Kurzfristprognosen der Schadstoffbelastung des aktuellen Tages und der folgenden zwei Tage.

Um Umweltbundesamt findet die Modellierung der Luftqualität die folgenden, konkreten Anwendungen.

Optimale Interpolation: Flächenhafte Daten aus einer Kombination von Modell- und Messergebnissen

Das deutschlandweite Messnetz der Luftmessstationen stellt vor Ort gemessene Daten zur Luftqualität bereit. Diese Messungen sind, abhängig vom Stationstyp nur punktuell repräsentativ (verkehrsnahe / industrienahe Messstationen) oder für eine Fläche von bis zu mehreren hundert km². 

Um eine Schadstoffverteilung über der gesamten Fläche Deutschlands zu erhalten, verwendet das UBA das chemische Transportmodell REM-CALGRID (RCG). Somit können flächenhaft lückenlose, stündliche Modellergebnisse gewonnen werden. Um den Modellfehler zu minimieren, werden durch die Methode der Optimalen Interpolation (OI) unter Anwendung von Messdaten die flächenhaften Modellergebnisse nachjustiert, indem sie die tatsächlich gemessenen Konzentrationswerte der Messstationen angeglichen werden.

Szenarien der Schadstoffbelastung: Den Einfluss von Luftreinhaltemaßnahmen abschätzen

Das chemische Transportmodell RCG wird zudem genutzt, um die Wirkungen verschiedener Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität zu quantifizieren. Dabei wird ermittelt, welchen Einfluss Änderungen der Emissionsmengen auf die simulierte Belastung haben. Die so erstellten Prognosen berichtet Deutschland mit seinem nationalen Luftreinhaltprogramm im Rahmen der Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen (National Emission Ceilings, NEC).  

Kurzfristvorhersagen: Zeitnahe Information der Bevölkerung über erwartete, aktuelle Luftqualität

Die Luftqualitätsrichtlinie schreibt vor, die Bevölkerung über prognostizierte Überschreitungen der Informations- und Alarmschwelle zu informieren. Mit der neuen Luftqualitätsrichtlinie 2024/2881 wurde diese Informationspflicht um weitere Schadstoffe erweitert (z.B. PM). Das UBA kommt dieser Pflicht nach, indem es Vorhersagen für den aktuellen Tag und die beiden Folgetage über das Luftportal und die App „Luftqualität“ bereitstellt.

Für die Vorhersage der aktuellen Luftqualität in der App und im Internet nutzt das UBA Prognosedaten des Copernicus Atmosphärendienstes des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (Copernicus Atmosphere Monitoring Service, CAMS). Sie basieren auf einem Ensemble von 11 Chemie-Transportmodellen.

  • Copernicus Atmosphere Monitoring Service 
  • Evaluierung der korrigierten CAMS-Prognosen für das Luftdatenportal des Umweltbundesamtes

Die CAMS-Prognosedaten für Deutschland werden noch mit einer Korrektur versehen, die aus einem Vergleich von Prognose und tatsächlicher Messung in der Vergangenheit gewonnen wurde. Für verkehrsnahe NO2-Prognosen wird zusätzlich einen Wochentagskorrektur berücksichtigt.

Nationale, deutsche Emissionen: flächenhaft verteilt

Anthropogene Emissionen zählen zu den wesentlichen Treibern der atmosphären-chemischen Zusammensetzung und Luftverschmutzung. Um die genauen Auswirkungen anthropogener Emissionen analysieren zu können, werden Emissionsdaten in Emissionsinventaren zusammengefasst. Diese Emissionsdatensätze dienen als Grundlage für Chemie-Transport-Modelle (CTM), mit denen flächendeckende Luftschadstoffkonzentrationen für die Bewertung der Luftqualität und deren Entwicklung oder Szenarien für Strategien zur Minderung der Schadstoffbelastung berechnet werden können. Mittels Verteilfunktionen werden diese Gesamtemissionen sowohl räumlich als auch zeitlich verteilt.

Informationen zur räumlichen Verteilung von Emissionen sind für eine Vielzahl von Fragestellungen im Bereich der Luftreinhaltung unerlässlich. Sie werden zur räumlichen Visualisierung von Schadstoffemissionen benötigt und gehen als Grundlagendaten in der Ausbreitungsmodellierung von Luftschadstoffen und der Modellierung von Minderungspotentialen einzelner Maßnahmen oder Maßnahmenbündel zur Luftreinhaltung ein. Insbesondere durch die neue Luftqualitätsrichtlinie 2024/2881 wurde die Rolle der Modellierung deutlich gestärkt. Damit einhergehend steigt auch der Bedarf an räumlich verteilten Emissionsdaten.

Greta

Mit Greta (Gridding Emission Tool for ArcGIS) wurde ein Werkzeug entwickelt, um Luftschadstoff- und Treibhausgasemissionen basierend auf den nationalen Emissionsdaten des Umweltbundesamtes für die verschiedenen Fragestellen zu erzeugen. Die Daten werden auf Anfrage kostenfrei zur Verfügung gestellt (Anfrage an immission@uba.de).

Die Daten werden zudem zur regelmäßigen Berichterstattung im Rahmen internationaler Luftreinhalteverpflichtungen (Genfer Luftreinhaltekonvention) und zur Darstellung diffuser Emissionen im nationalen Schadstoffregister thru.de verwendet.

TeResE

Im Rahmen eines Forschungsvorhabens wurde das Tool TeResE (Temporal Resolution of Emission data) zur zeitlichen Verteilung von Emissionsdaten entwickelt. Das Tool leitet regionalisierte, stündliche Faktoren (Splitting-Faktoren) ab. Diese Splitting-Faktoren hängen dynamisch von den jeweiligen räumlichen oder zeitlichen Bedingungen ab, z.B. unterscheiden sich verschiedene Jahre hinsichtlich der Meteorologie: Art, Ausprägung und Zeitpunkte der auftretenden Wetterlagen variieren sowohl räumlich wie auch von Jahr zu Jahr. Dies beeinflusst unmittelbar die zeitlichen Emissionsprofile der Quellgruppen wie z.B. der Landwirtschaft oder der Kleinfeuerungsanlagen. Andere wichtige Eingangsdaten sind z.B. stündliche Daten der Verkehrsstärken des Straßenverkehrs oder der aktuellen Energieabgabe von Kraftwerken. Das Tool erzeugt daraus Splitting-Faktoren für Stickstoffoxide, Feinstaub, Ammoniak, nicht-Methan Kohlenwasserstoffe, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid als Input für das am Umweltbundesamt betriebene Chemie-Transport-Modell REM-CALGRID.

 

 

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