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Schwammregion Allianz B303+ – Klimaresilienz durch dezentralen Wasserrückhalt im Gemeindeverbund

Die ILE Allianz B303+ ist ein Zusammenschluss von elf Kommunen entlang der Bundesstraße 303 in den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels (ca. 189 km², ca. 33.000 Einwohner) im Regierungsbezirk Oberfranken, Freistaat Bayern. Der ländlich geprägte ILE-Zusammenschluss hat sich Mitte 2024 für das Aktionsprogramm "Schwammregion" beworben, getrieben von einem dringenden und konkreten Handlungsdruck: Mehrere Kommunen waren in den vergangenen Jahren wiederholt von schweren Starkregenereignissen, Überflutungen und flächiger Bodenerosion betroffen, gleichzeitig leiden Landwirtschaft und Forstwirtschaft unter zunehmenden Trockenperioden und sinkendem Grundwasserspiegel. Besonders kleinere, bisher unproblematischen Gewässer sorgen zunehmend für große Schäden Die „Schwammregion Allianz B303+" wurde aufgrund des Handlungsdrucks und der eingereichten Strategie als eine von bayernweit zehn Schwammregionen auserwählt. Hier sollen nun Lösungen und neue Wege zur effektiven und niedrigschwelligen Klimaanpassung erprobt werden. Es soll die Transformation einer ganzen Region erfolgen, in der der Wasserrückhalt in der Fläche im Fokus steht, die Landschaft soll also Wasser halten wie ein Schwamm: als Modellregion und Vorbild für andere Kommunen in Oberfranken, ganz Bayern, aber auch überregional. Die Schwammregion ist damit ein konkretes Klimaanpassungsprojekt: Sie erhöht die Resilienz der Region gegenüber den zunehmend extremen Auswirkungen des Klimawandels - sowohl gegenüber Starkregen und Überflutungen als auch gegenüber Hitze und Trockenheit. Die Projektstelle für die Schwammregion ist seit Mai 2025 besetzt und auf zunächst drei (zunächst bis 01.05.2028), maximal aber fünf Jahre befristet. Die Umsetzung konkreter Rückhaltemaßnahmen steht noch bevor, in dieser kurzen Zeit wurde jedoch bereits ein umfangreicher integraler und interkommunaler Prozess angestoßen.

2. Allgemeine Herangehensweise und Prozess: Die Besonderheit des Projekts liegt in seinem integralen und interkommunalen Ansatz: Im Fokus stehen dezentrale, niedrigschwellige und meist kostengünstige (aber effektive!) Maßnahmen, die Wasser bereits weit oben im Einzugsgebiet in der Fläche zurückhalten. Sie bieten wirksamen Schutz vor Starkregen und puffern gleichzeitig Dürreperioden ab. Da Niederschläge nicht an Gemeindegrenzen haltmachen, wird dieser Ansatz konsequent interkommunal gedacht und umgesetzt. Bei vielen Maßnahmen handelt es sich um naturbasierte Lösungen (NbS), die häufig einen Mehrfachnutzen bieten (z.B. die Steigerung der Biodiversität). Dieser Schwammregions-Ansatz funktioniert eigenständig, berücksichtigt bei der Planung aber , falls vorhanden, bestehende Planungen (z.B. im Rahmen eines Sturzflutrisikomanagements), sodass sich beide Ansätze optimal ergänzen können. Das Projekt "Schwammregion" setzt den Fokus auf drei Handlungsbereiche: - In der Land- und Forstwirtschaft werden durch Schulungsangebote, Feldtage und engen Austausch mit Landwirten, Forstwirten und den zugehörigen Organisationen Bewirtschaftungsänderungen, Pufferstreifen, begrünte Abflussmulden und Agroforstsysteme in die Fläche gebracht. - Im Bereich Flur- und Landschaftsstruktur wird durch niedrigschwellige, häufig genehmigungsfreie Maßnahmen (z.B. die Anhebung von Feldwegen zum Rückstau, Gewässeraufweitungen und -renaturierungen, Drosseln von Durchlässen, Errichtung Rückhaltekaskaden) Wasser bereits weit oben im Einzugsgebiet zurückgehalten, bevor es sich zu größeren Abflüssen konzentriert. Durch Flächenbegehungen entstehen erste Maßnahmenvorschläge, deren Umsetzung dann in enger Absprache mit Grundeigentümern erfolgen soll. - Im Siedlungsbereich stehen Bachrenaturierungen, Entsiegelung und wassersensible Siedlungsplanung im Fokus, um Kanalisation, Infrastruktur und Privateigentum zu schützen. Hier soll vor allem im Zuge von laufenden Dorferneuerungsverfahren der Ansatz der wassersensiblen Siedlungsentwicklung in die Fläche gebracht werden.

3. Netzwerkarbeit: Eine zentrale Säule zum Gelingen der Schwammregion ist die Netzwerkarbeit: Sie soll zur Verankerung und Verstetigung der Schwammregion beitragen, auch nach Projektende. Das Management führte aktiv erste Gespräche, um Arbeitsbeziehungen auf vier Ebenen aufzubauen: - Mit Behörden und öffentlichen Institutionen: z.B. Wasserwirtschaftsamt, Naturschutzbehörden der drei Landkreise, Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken, Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Bayerische Staatsforsten, Klimaschutz- / Klimaanpassungsmanagements der Landkreise. ->Hintergrund ist die fachliche Beratung, Unterstützung bei Genehmigungsprozessen und Fördermöglichkeiten. Durch regelmäßigen Austausch sollen Genehmigungsprozesse (falls nötig) beschleunigt werden. - Mit Kommunen: Bürgermeistern, Bauämtern, Bauhöfen und Gemeinderäten. Hier wird lokales Wissen systematisch eingebunden und die langfristige Verankerung der Schwammregion vor Ort in der kommunalen Verwaltung sichergestellt - Mit Forschungseinrichtungen: z.B. die Hochschule Coburg, Hochschule Hof und die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Hier werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Werkzeuge integriert Mit Vereinen und Verbänden: z.B. Bauernverband, Waldbauernverband; Ökologische Bildungsstätte Mitwitz (ÖBO), Landesbund Vogelschutz (LBV), Landschaftspflegeverbände (LPV); Hier soll die "breite Masse" einbezogen und sensibilisiert werden. Ein interkommunaler Austausch mit allen Gartenbauvereinen des ILE-Gebiets ist in Planung. Bei Problemstellen in Siedlungen wird auch auf Erfahrungen der Hilfsorganisationen zurückgegriffen

Eckdaten zur Maßnahme

Maßnahmenträger

Maßnahmenträger
Allianz B303+ e.V. https://allianz-b303plus.de/
Kooperationspartner
Behörden/öffentliche Institutionen:
- Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus Coburg-Kulmbach
- Untere Naturschutzbehörden und untere Wasserbehörden (jeweils Landkreis Coburg, Kronach, Lichtenfels)
- Klimaschutz- und/oder Klimaanpassungsmanagement der Landkreise
- Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken
- Wasserwirtschaftsamt Kronach
- Bayerische Staatsforsten (Forstbetrieb Coburg-Rothenkirchen)

Kommunen
- … im Landkreis Coburg: Großheirath, Untersiemau, Niederfüllbach, Grub am Forst, Ebersdorf bei Coburg, Sonnefeld, Weidhausen bei Coburg
- … im Landkreis Kronach: Schneckenlohe, Mitwitz
- … im Landkreis Lichtenfels: Redwitz a.d. Rodach, Marktgraitz

-> Kooperation in jeder Kommune mit BGM, Bauämter/Bauhöfe, Gemeinderäte

Forschungseinrichtungen/Hochschulen:
- Hochschule Coburg
- Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)

Vereine/Verbände/…
- Bayerischer Bauernverband
- Waldbauernverbände
- Ökologische Bildungsstätte Mitwitz
- Gartenbauvereine
- Feuerwehren
- LBV
- Landschaftspflegeverbände

Dauer und Finanzierung

Beginn der Umsetzung
Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?
Personalstelle TVöD E10; 90% Förderung durch Freistaat Bayern
Mit welchen Mitteln wurde die Maßnahme finanziert?
  • Bundesland
  • Kommune
  • Sonstige
Die Projektstelle des Schwammregionsmanagements wird über das Aktionsprogramm „Schwammregionen in Bayern" des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) gefördert; die ILE-Mitgliedskommunen tragen einen Eigenanteil. Die Förderung umfasst ausschließtlich die Personalstelle, es gibt keine spezielle Förderung zur Umsetzung investiver Maßnahmen.

Investive Maßnahmen vor Ort werden je nach Art und Größe über bestehende Förderprogramme finanziert – insbesondere FlurNatur, RZWas, LNPR, NKK444 etc. . Kleinste Maßnahmen werden von kommunalen Bauhöfen oder Kooperationspartnern eigenständig ohne Fördermittel umgesetzt.

Weiterführende Links

Links zur Maßnahme

Beteiligung

Wurden neben den Kooperationspartnern andere Personengruppen/Institutionen in die Planung/Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?
  • Breite Öffentlichkeit
  • Forschung/Beratung/Bildung
  • Schüler*innen
  • Grundstücksbesitzer
  • Öffentliche Verwaltung/Politik
  • Presse
  • Umwelt- und Sozialverbände

Erfolge

Welche Erfolge konnten Sie mit Ihrer Maßnahme erzielen?
Trotz der kurzen Laufzeit der Projektstelle (seit Mai 2025) konnten bereits konkrete Erfolge erzielt werden:

Im Bereich Netzwerkarbeit & Kooperation
- Im Projekt „BauWaOpKliNu" entwickelt die Hochschule Coburg gemeinsam mit der TNL Umweltplanung ein Tool zur Identifikation geeigneter Flächen für dezentrale Wasserspeicherung/Rückhaltung. Die Schwammregion ist im Gespräch, das GIS-Tool pilothaft anzuwenden. Davon profitieren beide Seiten: Das Tool kann auf mögliche Schwachstellen in der Anwendung geprüft werden, die Schwammregion bekommt einen "Preview-Zugriff" und kann das Tool frühestmöglich testen. Es sollen damit geeignete Flächen in größeren Einzugsgebieten identifiziert werden können, außerdem soll und eine mögliche Anwendung in kommunalen Bauverwaltungen geprüft werden.

- Die Gemeinde Schneckenlohe strebt die Renaturierung eines Bachabschnitts für mehr Wasserrückhalt an; initiiert durch die Schwammregion fanden Gespräche zur Kooperation mit der ÖBO Mitwitz statt: Neben der Renaturierung könnte die umliegende Fläche im Rahmen des ÖBO-Projekts „Rebhuhn retten" ökologisch aufgewertet werden - ein Beispiel dafür, wie Wasserrückhalt und Biodiversität Hand in Hand gehen können.

- Mit den BaySF wurde neben dem Pilotgebiet "Bertholdsbach" (siehe unten) auch in der Gemeinde Ebersdorf eine Kooperation vereinbart: Bei einer Flächenbesichtigung vor Ort mit Bauamt Ebersdorf und BaySF, haben die BaySF dort ihre Einwilligung zur Errichtung eines Rückhaltebeckens auf ihren Flächen gegeben; die Umsetzung ist in Planung. Beide Seiten profitieren: einerseits wird mehr Wasser im Wald gehalten, wovon der Waldbestand profitiert, andererseits dient der Rückhalt im Falle eines Starkregens als wichtiger Puffer für eine unterhalb liegende Ortschaft. Die Bundesstraße B303 durchschneidet das EZG und beschleunigt den ABfluss zusätzlich. Es fanden bereits Gespräche mit dem staatlichen Baumamt statt - mögliche Rückhaltungen sollen geprüft werden.

- Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat derzeit das Projekt "IQ-Fluss" laufen. Das Projekt untersucht, wie auf forstlichen Flächen Wasserrückhaltungen realisiert werden können, was dann in das bayernweite Forst-GIS übertragen werden soll. Nach einem Austausch mit der LWF wurde das Interesse bekundet, in unserer Region Flächen zu untersuchen. Durch Einbeziehung unseres Netzwerkpartners „BaySF" sollen erste Rückhaltungen (v.a. entlang der Forstwege) umgesetzt werden.

- Bei einem ersten Treffen aller Bauämter wurde das Projekt "Schwammregion" bei den Bauämtern bekannt gemacht, parallel liefen bereits individuelle Absprachen mit einigen Bauämtern, z.T. zur Planung konkreter Maßnahmen

- Mitarbeit im Arbeitskreis Dorferneuerung in Hof a.d. Steinach: In Hof a.d. Steinach ist die Einleitung eines Verfahrens der Dorferneuerung durch die Ländliche Entwicklung in Planung. Die Schwammregion wirkt hier aktiv in den Arbeitskreisen mit & setzt Impulse zur wassersensiblen Siedlungsgestaltung.

- Gemeinsam mit Reuther Netconsulting, fand ein Austausch und ein Vortrag in der Lenkungsgruppensitzung statt. Pilothaft soll Smart Infrastructure an geeigneten Stellen des ILE-Gebiets installiert werden, um Auswirkungen auf wasserbezogene Faktoren messen zu können. z.B. ein Frühwarnsystem an kleineren Gewässern Starkregen im oberen Einzugsgebiet -> Pegelanstieg in x min; Messung der Bodenfeuchte Zwischenfruchtanbau/keine Zwischenfrucht …

- Streuobstbäume sind ein Paradies der Artenvielfalt. Im Rahmen des bayerischen Streuobstpakts wurden deshalb im Jahr 2025 über die Allianz B303+ insgesamt 83 Streuobstbäume bestellt und gepflanzt. Neben der Artenvielfalt dienen diese auch der Stabilisierung und Verbesserung der Bodenqualität.

- Mit einem Gymnasium im Landkreis Kronach ist eine Exkursion in die SChwammregion Ende diesen Schuljahres in Planung. Hier soll der Ansatz der Schwammregion und die Dringlichkeit des Themas hervorgehoben werden, außerdem soll die Schwammregion anhand des Projektgebiets "Bertholdsbach" veranschaulicht werden.


Beispiele der (interkommunalen) Maßnahmenplanung und -Umsetzung

Das größte Anliegen unserer Kommunen ist die Erstellung eines interkommunalen Maßnahmenplans für das gesamte ILE-Gebiet.
Zur Realisierung erfolgte als erster Schritt ein persönlicher Austausch mit jeder der elf Kommunen, insbesondere mit Bürgermeistern und Bauämtern. Außerdem wurde in einem strukturierten Fragebogen die drei größten Problemstellen + vermutete Ursachen jeder Kommune abgefragt. Damit liegt erstmals ein systematischer Überblick über die wasserbezogenen Herausforderungen der gesamten ILE-Region vor.

Der integrale Ansatz zeigt sich bereits in mehreren konkreten Projekten, viele Maßnahmen starteten bereits vor der Ernennung zur Schwammregion und heben das Engagement und die Zusammenarbeit der Kommunen hervor:
- In der Gemeinde Untersiemau wurden nach wiederholten Starkregenschäden Sofortmaßnahmen (Auffanggräben, Sedimentfänge) umgesetzt. Das Büro GeoTeam erarbeitete parallel auf Basis von Kartierungen und Ortsbegehungen ein umfassendes boden:ständig-Maßnahmenkonzept – für vier Bereiche liegen bereits konkrete Konzepte vor, für fünf weitere werden Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Parallel fand ein Feldtag mit Landwirten der betroffenen Flächen statt, bei dem wasserspeichernde/erosionsmindernde Bewirtschaftungsweisen vorgestellt und diskutiert wurden.
- In den Gemeinden Grub am Forst, Niederfüllbach und Ebersdorf wurde ein Ingenieurbüro mit der interkommunalen Fließweganalyse aller drei Gemeindegebiete beauftragt. Da die Gemeinden alle am „Füllbach" liegen, erfordert der Schutz der untersten Gemeinde zwingend Rückhaltemaßnahmen weiter oben im Einzugsgebiet auf den Flächen anderer Gemeinden. Begehungen im Rahmen der Schwammregion für dezentrale Maßnahmen folgen.
- In der Gemeinde Großheirath, die 2024 schwere Schäden durch Starkregen erlitt, wurde ein Ingenieurbüro im Rahmen des geförderten Sturzflutrisikomanagements beauftragt; parallel fanden bereits Begehungen im Rahmen der Schwammregion statt: zentrales und dezentrales Vorgehen greifen hier unmittelbar ineinander.

Vorgehen der Flächenbegehungen nach "Drei-Schritte-Ansatz"

An jeder Problemstelle sind Flächenbegehungen geplant bzw. wurden z.T. bereits durchgeführt. Das Vorgehen bei den „Begehungen" folgt einem Drei-Schritte-Ansatz, bei dem die Einbindung lokaler Akteure an erster Stelle steht. Exemplarisch wird dieser Ansatz im Pilotgebiet „Bertholdsbach" erklärt, bei dem der Prozess schon am weitesten fortgeschritten ist. Im Pilotgebiet "Bertholdsbach" werden außerdem alle drei Handlungsbereiche der Schwammregion zur Lösungsentwicklung einbezogen & sollen jeweils einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Starkregen liefern. Gleichzeitig ist in diesem Pilotgebiet eine interkommunale Zusammenarbeit unabdingbar:
Der Bertholdsbach tritt bei Starkregen in einem Ortsteil der Marktgemeinde Mitwitz über die Ufer - sein ca. 500 ha großes Einzugsgebiet liegt jedoch nahezu vollständig in der Nachbargemarkung Sonnefeld.
Im ersten Schritt wurde das Einzugsgebiet gemeinsam begangen. Im Mittelpunkt stand das lokale Wissen der eingeladenen Akteure: Jagdvorstände/Jagdpächter, Ortssprecher und Ortskundige sowie die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden - Sie haben die lokale Expertise darüber, wo Wasser fließt und wo es Probleme verursacht. Fachlich begleitet wurde die Begehung durch das Amt für Ländliche Entwicklung (Initiative boden:ständig); bestehende Planungen aus dem Sturzflutrisikomanagement wurden einbezogen. Ergebnis waren erste konkrete Lösungsvorschläge als integriertes Gesamtkonzept: dezentrale Rückhaltemaßnahmen in der Fläche (Feldweganhebung als natürlicher Damm, Grabenaufweitung, Entschlammung), Rückhaltekaskaden und Wasserrückführung in den Bestand im Forst mit den Bayerischen Staatsforsten, sowie Teichentschlammungen mit Wasserspiegelabsenkung im Siedlungsbereich.

Im zweiten Schritt wurden alle Flächeneigentümer und Bewirtschafter des Einzugsgebiets zu einer Veranstaltung eingeladen: Hier sollte weiteres Wissen eingeholt, für den Handlungsbedarf sensibilisiert und die vorgeschlagenen Maßnahmen diskutiert werden. Durch die Diskussion konnten weitere Ansatzpunkte gefunden werden, andere in der Priorisierung abgestuft werden.

Im dritten Schritt werden die Maßnahmen angegangen: Abstimmung mit Genehmigungsbehörden, Suche nach geeigneten Förderprogrammen (z.B. RZWas, FlurNatur) und Klärung der Finanzierung (z.B. ist für eine Förderung mit FlurNatur auf Staatswaldflächen eine Nutzungsvereinbarung mit der Kommune die Voraussetzung).

Dieser "Drei-Schritte-Ansatz" wurde bereits in zwei weiteren Kommunen (Großheirath, Schneckenlohe) angestoßen; schrittweise soll es in jeder Gemarkung mit Problemstellungen angewendet werden.


Wegweisendes Pilotprojekt im Siedlungsbereich: „kleinerWohnen@Land" in der Gemeinde Redwitz a.d. Rodach

Ein ausgezeichnetes Beispiel für klimaangepasste Siedlungsentwicklung einer Kommune der Schwammregion Allianz B303+ ist das Projekt „KleinerWohnen@Land" in der Gemeinde Redwitz a.d.Rodach (Projektstart war bereits vor Beginn der Schwammregion):
ein innerörtliches Wohnbauprojekt auf einem ca. 15.000 m² großen Naturgrundstück, das in Kooperation mit der RAAB Baugesellschaft und der Hochschule Coburg entwickelt wurde und vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert wird. Im Kern steht eine klimaangepasste, ressourcenschonende und CO2-arme Bebauung: Durch den Einsatz ökologischer Baustoffe (z.B. "TriqBriqs", Massive Holzbausteine aus Kalamitäts-/Käferholz) wird der CO2-Abdruck des Baus reduziert, gleichzeitig wird das Kalamitätsholz der Kaskadennutzung zugeführt, da es im konventionellen Bau nicht mehr eingebaut werden kann. Flächenversiegelung wird durch einen zentralen Parkplatz anstelle von Erschließungsstraßen minimiert, auf betonierte Keller und Fundamente wird verzichtet, stattdessen werden die Wohnungen auf Punktgründungen gebaut, wodurch der Boden möglichst wenig beeinträchtigt wird. Das Quartier soll als Klimaoase zur Resilienz gegen Überhitzung und Überflutung beitragen. Bestehende Baumbestände wurden kartiert und in die Planungen einbezogen, um diese zu erhalten, was positive Effekte auf die Aufenthaltsqualität hat. Ein ehemaliger, ausgetrockneter Teich wird renaturiert und wiederbelebt – ein direkter Beitrag zum Wasserrückhalt im Siedlungsbereich im Sinne der Schwammregion; Regenwasser wird dezentral versickert. Das Projekt adressiert dabei gleichzeitig weitere drängende Herausforderungen des ländlichen Raums: Durch das genossenschaftliche, gemeinschaftliche Wohnkonzept auf kleinen Grundrissen entsteht bezahlbarer Wohnraum, der gezielt jüngere Familien und ältere Menschen anspricht und so dem demographischen Wandel entgegenwirkt, Abwanderung bremst und generationenübergreifendes Zusammenleben im ländlichen Raum fördert.


Öffentlichkeitsarbeit

Flankiert wird die inhaltliche Arbeit der Schwammregion durch aktive Öffentlichkeitsarbeit: Infoflyer, Roll-ups und ein Imagefilm wurden bereits umgesetzt, ein Instagram-Account und Pressebeiträge informieren laufend. Besonders hervorzuheben ist eine Demokratieschulung an Grundschulen, bei der die Schwammregion als konkretes Beispiel für kommunales Engagement und Klimaanpassung vermittelt wird.
Für Gartenbauvereine und Bauhofmitarbeiter wurde ein Vortrag zum Thema Blühwiesen durchgeführt, bei dem auch das Thema "Wasserspeicherung" zentrales Thema war. Den Gemeinderäten der elf Kommunen wurde bei einer interkommunalen Gemeinderatssitzung das Thema vorgestellt und nähergebracht.
Erläuterung
Die Schwammregion unterliegt einer zweistufigen Evaluation:
Jährlich wird ein Sachstandsbericht über den Fortschritt der Schwammregion erstellt, der vom Bereich Zentrale Aufgaben des StMELF sowie dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken gesichtet und bewertet wird, außerdem finden jährliche Fortschrittsgespräche statt. Als Referenz dient dabei der ursprüngliche Bewerbungsbogen zum Aktionsprogramm.
Nach drei Jahren findet eine umfassende Projektevaluation statt, bei der bewertet wird, welche Maßnahmen aus dem Bewerbungsbogen umgesetzt wurden. In diese Evaluation wird bei Bedarf das Beraternetzwerk aus relevanten Behörden und Institutionen einbezogen. Die Ergebnisse der Evaluation entscheiden über eine mögliche Verlängerung der Projektstelle um weitere zwei Jahre.
Wie planen Sie Ihr Projekt weiterzuentwickeln?
Der Fokus der Schwammregion liegt weiterhin auf den kommunalen Problemstellen. Der bewährte Drei-Schritte-Ansatz (siehe umgesetzte Projekte) der Flächenbegehungen mit lokalen Akteuren soll konsequent auf alle verbleibenden Problemstellen im ILE-Gebiet ausgeweitet werden. Wo sinnvoll, werden ergänzend Praxis-Feldtage in der Land- und Forstwirtschaft durchgeführt, wie bereits erfolgreich in Untersiemau erprobt. Für Landwirte soll es zudem einen Beratungstag zum Thema Erosionsschutz geben, bei dem Landwirte ihre eigenen Flächen "mitbringen" können, um dann von Experten beraten werden zu können.
Im Siedlungsbereich sollen Impulse zur wassersensiblen Gestaltung gezielt in laufende Dorferneuerungsverfahren eingebracht werden, nach dem Vorbild des Arbeitskreises in Hof a.d. Steinach. Ergänzend ist ein ILE-weiter Entsiegelungswettbewerb für Jugendliche in Planung, der sich am Konzept „Abpflastern" orientiert und das Thema Klimaanpassung bereits beim Nachwuchs verankert. Ein interkommunaler Austausch mit den Gartenbauvereinen der ILE-Gemeinden soll gemeinsame Ansätze für eine wassersensible Siedlungsgestaltung entwickeln; kommunale Bauhöfe sollen in diesem Bereich weiter geschult und befähigt werden.
Auf der fachlichen Seite soll das GIS-Tool der Hochschule Coburg und TNL Umweltplanung zur Identifikation geeigneter Rückhalteflächen fest in den Arbeitsprozess der Schwammregion integriert werden, sobald es verfügbar ist.
Flankierend soll weiterhin die Öffentlichkeit über verschiedene Kanäle informiert und sensibilisiert werden - beispielsweise zum Wasserrückhalt auf den eigenen Grundstücken oder zum Schutz von Eigentum bei Starkregen.
Darüber hinaus soll die Schwammregion über die ILE-Grenzen hinaus wirken: Bei den Gewässernachbarschaftstagen der Wasserwirtschaft in den Landkreisen Kronach und Bamberg soll der Ansatz und die gewonnenen Erfahrungen auch Kommunen außerhalb des ILE-Gebiets zugänglich gemacht werden, ganz im Sinne der Vorbildfunktion, die sich die Schwammregion Allianz B303+ zum Ziel gesetzt hat.

Hindernisse

Hat die Maßnahme negative Nebeneffekte?
  • Nein

Kontaktdaten

Felix Mann
Allianz B303+ e.V.
96242 Sonnefeld
Deutschland
Abteilung
E-Mail
felix.mann@allianz-b303plus.de
Telefonnummer
015568286258
Faxnummer

Ort der Umsetzung

Coburg, Kronach, Lichtenfels, Bayern

Kategorien

Hitzeperioden Niedrigwasser Starkregen/Sturzfluten Trockenheit Höhere Durchschnittstemperaturen veränderte Niederschlagsmuster Finanzielle Förderung (z.B. Subvention, Zuwendung) Freiwillige Vereinbarung, Kooperation Informationsbereitstellung und Sensibilisierung Naturbasierte Maßnahme (z.B. Begrünung, Renaturierung) Planungsinstrument (z.B. Landschaftsplan) Technische Maßnahme (z.B. Baumaßnahme) Umweltbeobachtung und Erforschung von Folgen des Klimawandels Nichtregierungsorganisation Sonstige Institution
Kurzlink: https://www.uba.de/n307636de