Aussehen und Vorkommen
Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) ist ein holzzerstörender Pilz. Er bildet ein gut entwickeltes Oberflächenmycel, Stränge und Fruchtkörper, die große Mengen an Sporen produzieren. Ein Mycel ist ein Geflecht aus den fadenförmigen Pilzzellen, die auch Hyphen genannt werden. Die Fruchtkörper des Echten Hausschwamms sind rot-bräunlich und fleischig-dick mit einem äußeren scharf begrenzten weißen Zuwachsrand. Das Sporenpulver ist rotbraun. Bei großflächigem Wachstum kann der Pilz Flüssigkeitströpfchen, sogenannte Guttationströpfchen ausscheiden. Diese werden auch „Tränen“ genannt und haben dem Pilz seinen wissenschaftlichen Namen gegeben (lateinisch lacrima = Träne). In Räumen mit einer geringen Luftzirkulation und einer hohen Luftfeuchtigkeit kann der Pilz ein extrem voluminöses Luftmycel ausbilden.
Um wachsen zu können, benötigt der Hausschwamm zellulosehaltige Materialien mit ausreichendem Feuchtegehalt. Neben Holz bieten auch Textilien, Papier, Spanplatten und Pflanzenfasern wie Stroh und Reet gute Wachstumsmöglichkeiten. Darüber hinaus kann der Echte Hausschwamm auch anorganisches Material, wie zum Beispiel Mauerwerk, über- beziehungsweise durchwachsen. Den Echten Hausschwamm findet man in schlecht beheizten und feuchten Gebäuden wie Fachwerkhäusern mit ebenerdiger Gründung oder Altbauten mit schadhafter Bausubstanz, durch die Feuchtigkeit in das verbaute Holz eindringen kann. Aber auch in Neubauten mit Baumängeln kann der Echte Hausschwamm vorkommen. Typischerweise ist er in feuchten Kellern und Erdgeschossen anzutreffen, ist jedoch nicht auf diese Bereiche beschränkt.
Die Abbauleistung des Echten Hausschwamms hängt maßgeblich davon ab, dass ausreichend Feuchtigkeit sowie Nährstoffe zur Verfügung stehen. Weitere Faktoren, die das Wachstum und die Ausbreitung bestimmen, sind Temperatur und Sauerstoffgehalt. Unter Sauerstoffabschluss kann der Pilz nicht wachsen. Hölzer, die komplett unter Wasser stehen, werden nicht befallen. Die Hyphen des Pilzes wachsen in den Holzporen und ernähren sich von der Zellulose, Hemizellulose und den Pektinen im Holz. So zersetzt der Pilz das Holz von innen heraus. Hierdurch wird die Belastbarkeit des Holzes bereits bei relativ geringem Masseverlust erheblich reduziert. Da sich das Holz bei der Zersetzung durch den Echten Hausschwamm braun verfärbt, wird er zu den Braunfäulepilzen gezählt. Zur Nährstoffversorgung kann der Pilz gebundenes Phosphat und Magnesium aus Putzen und Böden herauslösen und aufnehmen.
Der Echte Hausschwamm breitet sich oft lange Zeit unbemerkt aus, beispielsweise unter Fußbodenbelägen, hinter Wandverkleidungen oder in Zwischendecken. Er befällt bevorzugt Nadelhölzer. Der Holzabbau durch den Echten Hausschwamm ist je nach Holzart verschieden. Bei Kernholz von Ulme und Eiche ist der Holzabbau vergleichsweise gering, hoch dagegen bei Erle, Buche, Kiefer und Lärche.
Für das Wachstum benötigt der Echte Hausschwamm Material mit ausreichendem Feuchtegehalt sowie ein feuchtes, nicht zu kühles Klima. Das Temperaturoptimum für den Pilz liegt bei 18 bis 22 °C. Ab circa 25 % Holzfeuchte ist ein Wachstum möglich. Die optimale Holzfeuchte für den Echten Hausschwamm liegt bei 35 bis 55 %. Wird das Mycel freigelegt und Licht und Frischluft ausgesetzt, kann der Pilz relativ schnell Fruchtkörper ausbilden. Gegenüber Zugluft ist der Pilz empfindlich. Bei sehr starker Zugluft kann das Mycel absterben.
Der Feuchtegehalt von verbautem Holz in bewohnten Gebäuden liegt in der Regel deutlich unter der vom Hausschwamm benötigten Feuchte. Zu einem Pilzbefall kann es in bewohnten Gebäuden dennoch kommen, zum Beispiel wenn durch bauliche Mängel Kältebrücken entstehen, die zur Bildung von Kondenswasser führen oder wenn durch Wasserschäden, wie etwa durch einen Rohrbruch, die Feuchtigkeit im Gebäude erhöht ist. Von solchen räumlich begrenzten feuchten Stellen aus kann sich der Echte Hausschwamm in weniger feuchte Bereiche ausbreiten. Der Pilz ist in der Lage, in seinem Mycel Wasser über größere Strecken zu transportieren.
Bei einer Holzfeuchte von unter 20 % beziehungsweise Temperaturen über 26 °C stellt der Pilz sein Wachstum ein. Er kann in eine Trockenstarre verfallen und so viele Jahre überdauern und weiterwachsen, wenn sich die Wachstumsbedingungen wieder verbessert haben.
Der Echte Hausschwamm kann sich über Sporen fortpflanzen, die über Wind, Regen, Menschen oder Tiere übertragen beziehungsweise transportiert werden. Die Sporen keimen, bilden Pilzhyphen und besiedeln Holz oder anderes zellulosehaltiges Material. Bei ausreichender Holzfeuchtigkeit kann sich der Pilz etablieren und über sein Mycel weiterwachsen. Verschlechtern sich die Wachstumsbedingungen, bildet der Pilz in Fruchtkörpern Sporen aus, die sein Überleben sichern sollen.