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Holzzerstörende Pilze

Fruchtkörper eines Zunderschwamms an einem Baum
Zunderschwamm
Quelle: Nancy Ludwig / UBA

Inhaltsverzeichnis

Aussehen und Vorkommen

Viele Pilzarten haben sich darauf spezialisiert, Holz zu zersetzen und von dem organischen Material zu leben. Sie verfügen über spezialisierte Enzyme, mit denen sie die Holzbestandteile wie Lignin, Zellulose und Hemizellulose abbauen können. Diese Pilze werden als holzzerstörende Pilze bezeichnet. Es wird davon ausgegangen, dass es mehrere Tausend Pilzarten gibt, die Holz abbauen können.

Die Pilze wachsen über lange Zellfäden, die als Hyphen bezeichnet werden, an und in dem Holz, das sie zersetzen. Die Gesamtheit aller Hyphen eines Pilzes wird als Mycel bezeichnet. Zur Fortpflanzung können Sie Fruchtkörper ausbilden, die je nach Art sehr unterschiedlich sein können und meist den gut sichtbaren Teil eines „Pilzes“ darstellen. Die Fruchtkörper bilden Sporen, durch die der Pilz sich verbreiten kann.

Die holzzerstörenden Pilze können unterteilt werden in Parasiten und Saprophyten. Die parasitischen holzzerstörenden Pilze wachsen in noch lebenden Bäumen und schädigen diese dabei. Zu ihnen zählt der charakteristische Zunderschwamm (Fomes fomentarius), die Hallimasche (Armillaria sp.) oder der Gemeine Schwefelporling (Laetiporus sulphureus).

Saprophytische holzzerstörende Pilze zersetzen hingegen bereits abgestorbenes Holz. Damit erfüllen die Pilze eine wichtige Funktion im Ökosystem, da sie die Nährstoffe und Mineralstoffe, die in abgestorbenen Pflanzen gebunden sind, verwenden können und diese so wieder in den Kreislauf der Natur gelangen. Wenn sie lagerndes, verbautes oder anderweitig vom Menschen verwendetes Holz abbauen, können sie zu einem Materialschädling werden. 

Zu den Saprophyten gehören zum Beispiel der Austernseitling (Pleurotus ostreatus), der Braune Kellerschwamm (Coniophora puteana) und der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans). Der Echte Hausschwamm nimmt eine Sonderstellung unter den holzzerstörenden Pilzen ein, da sein Vorkommen in Gebäuden besonders gefährlich ist und bei der Bekämpfung anders vorgegangen werden muss.

ein gelber Baumpilz, Schwefelporling Schwefelporling
Quelle: Nancy Ludwig / UBA

Schadpotential

Wenn die Bedingungen für die Pilze passen, können sie Holz nach und nach bis zur vollständigen Zerstörung zersetzen, so dass die Struktur und die Tragfähigkeit des Holzes verloren gehen. Dies unterscheidet sie von den holzverfärbenden Pilzen.

Dabei benötigen die Pilze neben einer ausreichenden Temperatur vor allem eine hohe Feuchtigkeit im Holz. Das Optimum für Feuchtigkeit und Temperatur unterscheidet sich zwischen den Pilzarten. Die meisten Pilze benötigen Holzfeuchten ab oder über 30 Prozent, um wachsen zu können. 

Das Schadpotential hängt damit wesentlich von der Art der Verwendung des Holzes ab. Wird das Holz im Freien verwendet und ist regelmäßig Niederschlägen ausgesetzt, so kann sich eine Feuchtigkeit einstellen, die den Abbau durch Pilze begünstigt. Wird das Holz im Gebäude verwendet, sind die Holzfeuchten im Regelfall zu niedrig für Pilzwachstum.

Je nach Art der Zersetzung des Holzes werden die Pilze in Braunfäule-, Weißfäule- oder Moderfäule-Erreger eingeteilt. Das Aussehen des Holzes verändert sich aufgrund des Abbaus charakteristisch.

Braunfäule wird zum Beispiel vom Echten Hausschwamm oder dem Braunen Kellerschwamm verursacht. Diese Pilze bauen die Zellulose und die Hemizellulose im Holz ab und das braune Lignin bleibt zurück. Das Holz verfärbt sich braun, bekommt Risse und zerfällt in kleinere, würfelförmige Stücke. 

Weißfäule wird zum Beispiel von Zunderschwamm und Austernseitling verursacht. Das Holz verfärbt sich dabei weiß bis hell und zerfällt faserig. Weißfäule kommt oft an noch stehenden Bäumen oder bei im Freien verwendetem Holz vor.

Moderfäule tritt hingegen nur bei sehr hohen Holzfeuchten auf, wie etwa bei einem direkten Kontakt des Holzes mit dem Erdreich oder bei Holz in Gewässern. Das Holz verfärbt sich dabei dunkel und zerbricht in sehr kleine Teile.

Vorbeugen, Abwehren und Bekämpfen

Die wichtigste Maßnahme, um Holz vor dem Abbau durch holzzerstörende Pilze zu schützen, ist Vorbeugung. Holzzerstörende Pilze benötigen neben geeignetem Holz vor allem Feuchtigkeit und Wärme, um wachsen zu können. Da Pilze in einem breiten Temperaturbereich wachsen können, der typische Temperaturbereiche in Gebäuden und im Freien umfasst, kann man über die Temperatur nur begrenzt Einfluss auf das Pilzwachstum nehmen.

Der entscheidende Faktor, um Pilzwachstum zu verhindern, ist die Feuchtigkeit. Trockenes Holz können die holzzerstörenden Pilze im Regelfall nicht befallen. Die wichtigste Vorsorgemaßnahme zum Schutz von Holz ist folglich durch die Nutzungsbedingungen dafür zu sorgen, dass das Holz entweder immer trocken bleibt, oder wenn eine Befeuchtung nicht ausgeschlossen werden kann, möglichst schnell wieder trocknet.

Je nach Ort der Verwendung unterscheiden sich dabei die Vorsorgemaßnahmen. Bei Holz, das im Freien verwendet wird, wie zum Beispiel Gartenzäune, Pergolen, Carports oder Gartenmöbel kann eine gewisse Befeuchtung über Regen oder Kondenswasser nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Wird Holz hingegen im Inneren von Gebäude verwendet, so ist es komplett von Wettereinflüssen abgeschirmt. Bei einem einwandfreien Zustand des Gebäudes und einem richtigen Nutzungsverhalten, etwa in Bezug auf Heizen und Lüften, sollte das Holz im Inneren immer so trocken bleiben, dass Pilze gar nicht erst wachsen können und eine Schädigung des Holzes ausgeschlossen werden kann.

Folgende Vorsorgemaßnahmen helfen das Holz im Gebäudeinneren vor Pilzen zu schützen:

  • Bei verbautem Holz immer darauf achten, dass es trocken bleibt.
  • Bei Holzbauteilen wie Fenstern, die der Witterung oder Kondenswasser ausgesetzt sind, sollten Oberflächenbeschichtungen (Lacke, Lasuren und so weiter) regelmäßig auf Schäden wie zum Beispiel Risse geprüft werden. Ist die Oberflächenbeschichtung beschädigt, so muss sie erneuert werden.
  • Es muss ausreichend und richtig gelüftet werden, um die Luftfeuchtigkeit im Gebäude zu senken. 
  • Neubauten müssen ausreichend ausgetrocknet sein. Noch feuchte Gebäudeteile sollten nicht zu früh verschlossen werden.
  • Bei Neubauten sind Konstruktionsfehler, wie zum Beispiel Kältebrücken, zu vermeiden. 
  • Bei bestehenden Gebäuden sind konstruktionsbedingte Mängel zu beheben. Kältebrücken sind zu beseitigen. Wichtig sind eine ausreichende Abdichtung und Dampfsperren gegen aufsteigende oder drückende Feuchtigkeit. Hierzu zählt auch die Anlage von Drainagen.
  • Es ist nur trockenes Holz zu verwenden und darauf zu achten, dass Holz nicht in feuchte Bereiche eines Gebäudes eingebaut wird.
  • Schäden an der Bausubstanz, beispielsweise ein undichtes Dach, sind zu reparieren.
  • Undichte Wasseranschlüsse und -rohre sind zu reparieren. Nach einem größeren Wasserschaden, etwa durch einen Rohrbruch oder eine übergelaufene Badewanne, sind die betroffenen Räume ausreichend zu trocknen. Hierzu kann es notwendig sein, einen speziellen Bautrockner aufzustellen, der den Raum nicht nur erwärmt, sondern ihm auch Feuchtigkeit entzieht.
  • Gebäude sind regelmäßig zu warten, zu pflegen und im Bedarfsfall zu reparieren. Unter anderem sind Regenrinnen zu reinigen und gegebenenfalls Pflanzenbewuchs zu entfernen, Fallrohre auf Dichtigkeit und guten ⁠Abfluss⁠ hin zu untersuchen, Anstriche auf Risse und Schadstellen hin zu prüfen und die Funktionsfähigkeit von Drainagen sicher zu stellen.

Wird Holz im Freien verwendet, so sollte eine passende Holzart für die geplante Verwendung gewählt werden. Die Anfälligkeit von Hölzern gegenüber holzzerstörenden Pilzen unterscheidet sich zwischen den Holzarten, man spricht von der natürlichen Dauerhaftigkeit. Das Holz von Fichte, Tanne oder Buche besitzt eine geringe Dauerhaftigkeit. Das Holz von Eiche, Douglasie oder Lärche hingegen ist dauerhafter. Dabei gilt bei allen Holzarten, dass das innere Kernholz deutlich dauerhafter ist, als das äußere Splintholz. Der Holzfachhandel kann geeignete Holzarten für eine geplante Verwendung empfehlen. Für gewisse Verwendungen kann auch Holz in Frage kommen, das mit einem bioziden Holzschutzmittel behandelt worden ist, wodurch die Dauerhaftigkeit erhöht werden kann. Bei derart behandeltem Holz sollte nach enthaltenen Wirkstoffen und zu beachtenden Verwendungshinweisen gefragt werden.

Die folgenden Vorsorgemaßnahmen können helfen, das Holz im Freien vor Pilzen zu schützen und die Lebensdauer des Holzes zu erhöhen:

  • Bewegliche Gegenstände aus Holz, wie zum Beispiel Gartenmöbel, sollten möglichst unter Dach gelagert und nur in der Nutzungsphase im Freien gelassen werden. 
  • Gartenmöbel sollten regelmäßige gepflegt werden. Bei unlackierten Hartholzmöbeln kann ein Einölen beispielsweise mit Leinöl oder Holzwachsen das Holz wasserabweisend machen. Bei lackierten Gartenmöbeln aus Holz sollte der Lack erneuert werden, wenn er beschädigt ist.
  • Holz möglichst nicht im direkten Erdkontakt verwenden. Zaunpfähle können etwa über Pfostenschuhe oder Bodenhülsen im Boden verankert werden.
  • Holz möglichst nicht in der „Spritzwasserzone“ verwenden, die bis etwa 30 cm über den Boden reicht. 
  • Bei Holzkonstruktionen im Außenbereich, wie zum Beispiel Carports oder Gartenhäuschen, sollte auf den konstruktiven Holzschutz geachtet werden. Besonders wichtig ist eine Überdachung mit einem ausreichenden Dachüberstand. So kann das Holz effektiv vor Feuchtigkeit geschützt werden.
  • Besonders anfällig für die Feuchtigkeitsaufnahme ist das Hirnholz (quer zur Faserrichtung geschnittenes Holz). Dies kann beispielsweise durch eine Abdeckung oder eine Versieglung gezielt geschützt werden.
  • Bei der Planung von größeren Bauwerken aus Holz sollten auf jeden Fall die Vorgaben zum konstruktiven Holzschutz in der Norm DIN 68800-2 beachtet werden.

Bekämpfungsmaßnahmen

Falls holzzerstörende Pilze in einem Gebäude bemerkt werden, sollte ein qualifizierter Sachverständiger beauftragt werden, um Umfang und Art des Befalles festzustellen. Dieser kann bestimmen, welche Pilzart vorkommt und Empfehlungen für eine Sanierung geben.

Werden holzzerstörende Pilze im Außenbereich entdeckt, ist je nach Art der Verwendung des Holzes zu prüfen, ob die Festigkeit und Funktionalität noch gegeben sind. Ist die Funktion des Holzes nicht mehr gegeben, sollte es ausgetauscht werden. Eine Bekämpfung mit einem fungiziden Holzschutzmittel ist nicht sinnvoll, da diese weder den Pilz abtöten noch einen weiteren Holzabbau verhindern kann.

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